Erfahrungsbericht von Kuhli
La Bohème - Freiheit, Schönheit, Wahrheit und Liebe
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Ein Film, zu schön um wahr zu sein und seit ich ihn vor kurzem das erste Mal gesehen hab’ gehört er an die Spitze meiner „All-time-Favorites“ und da muss natürlich ein Bericht her, der ihm annähernd gerecht wird….
### STORY ###
Eigentlich kam der arme Poet Christian 1900 ins Pariser Künstlerviertel Montmartre, um dort über Freiheit, Wahrheit, Schönheit und Liebe zu schreiben, doch wie soll man das machen, wenn man noch nie richtig geliebt hat?
Doch als auf einmal ein bewußtloser Argentinier durch Christians Zimmerdecke stößt und ein als Nonne verkleideter Zwerg in sein Zimmer stürmt, ändert sich alles. Die zwei gehören zu einer Schauspieltruppe, die für das Moulin Rouge ein Theaterstück inszenieren wollen. Sie gewinnen Christian für sich, da sie selber keine guten Ideen haben, jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der Kurtisane des Moulin Rouge Santine. Darum macht sich die Truppe in den Lusttempel auf.
Doch durch eine Verwechslung denkt Santine, das Christian der Duke ist, ein Geldgeber der für den Erhalt und den Betreiber des Moulin Rouge Ziedler sehr wichtig ist.
Nach der Aufklärung des Problems fängt das eigentliche erst an. Christian hat sich in Santine verliebt, doch diese erwidert zuerst seine Liebe nicht, da sie erstens keine echte Liebe kennt und zweitens dem echten Duke versprochen ist. Bekommt er Santine nicht, spendet er kein Geld und ihre erhoffte Schauspielkarriere erfüllt sich nicht.
Doch bekanntermaßen ist Liebe stärker als die Macht des Geldes und auch Santine fängt an Christian zu lieben, zuerst heimlich doch als der Duke dann die Wahrheit erfährt ist die Katastrophe unausweichlich...
### OPTIK ###
Wegen dieser überfrachteten Optik wollte ich eigentlich nicht ins Kino gehen obwohl ich so was gern sehe. Den Trailer fand ich wirklich klasse und beeindruckend, aber der war ja auch nur 2 Minuten und ich konnte mir nicht vorstellen das über 2 Stunden zu ertragen. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Und hier von visuellem Overkill zu reden wird dem Film nicht gerecht, denn Overkill würde ich als negativ ansehen und eher diesen seelenlosen Werbefilmchen wie „Stigmata“ oder „The Cell“ ankreiden. Ein visueller Overkill ist für mich mit sterilen, emotionslosen, unterkühlten Bildern verbunden, die auf die Dauer nicht fesseln sondern ermüden. Hier allerdings kann ich mich nicht an dieser kitschigen Pracht aus französischer Mode des vorletzten Jahrhunderts und unübersehbaren indischen Einflüssen satt sehen. Gold, Rot und Blau, kräftig und penetrant wie es nur geht haben hier die überhand aber trotzdem wird die komplette Farbpalette in fast jeder Szene komplett abgedeckt. Das Wort detailreichtum muß nach diesem Film neu erfunden werden und kitschig und überladen ist hier deutlich untertrieben, aber durch die konsequente Umsetzung (von dem 20thCent.Fox-Logo bis zum Abspann!), die stellenweise comicartige Darstellung der Charaktere und den daraus erzielten Humor wirkt das alles stimmig und fesselnd wie kaum ein Film.
Auch sonst weiß der Film zu überzeugen, denn neben der grandiosen Kulisse überzeugt der Film durch genauso exzessive Kamerafahrten und Schnitte die durch grandiose Special Effects noch ausgefallener als erdenkbar geraten sind. Doch Luhrmann setzt nicht nur auf diese \"Videoclipastehtik\", es gibt auch genug ruhige Szenen, die hauptsächlich die Beziehung zwischen Christian und Satine vorantreiben. Und auch anders als in anderen Musicalfilmen gehen diese hier nicht vor lauter Stil nicht unter. Einfach gesagt : Der Oberhammer. Wirklich. Ich könnte mir den Film 24 Stunden am Tag angucken.
### MUSIK ###
Bei Musicals spielt die Musik ja logischerweise immer eine übergeordnete Rolle und da macht auch Moulin Rouge keine Ausnahme, im Gegenteil, noch nie paßte sich die Musik (bei der Fatboy Slim und Ozzy Osborne bei jeweils einem Lied halfen) und die Gesangseinlagen der Akteure so perfekt in das Gesamtbild ein, und das obwohl das wohl das erste Musical ist für das die Lieder nicht extra geschrieben wurden, sondern sich der Klassiker der letzten 50 Musikjahrzehnte bedient, so daß der Wiederkennungswert trotz der genialen Veränderungen der Lieder gewährleistet ist. Aus Klassik wurde Pop und Pop wurde zu Oper und aus mehreren Liedern wurde eine komprimierte Songbombe.
Selten hat mich wirklich ein Soundtrack so begeistert und Tanz- und Gesangsszenen in einem Film so bewegt egal in welcher Weise. Spaß, Romantik und Tragik waren noch nie so intensiv erlebbar wie hier. Darum hab\' ich den besten Songeinlagen (sind fast alle geworden) hier besondere Achtung geschenkt:
***The CanCan***
Nach einem Absinth-Rausch und Kyle Minogue’s Miniauftritt als Fee findet sich Christian zum ersten Mal im Moulin Rouge und mit ihm der Zuschauer und so ist diese Ouvertüre natürlich ein beeindruckender Einstieg in die Pop-Oper. Angefangen mit dem Cover von Petty LaBelle\'s Lady Marmalade fangen die \"GoGo-Girls\" des Moulin Rouge zu tanzen und ihre Röcke zu schwingen und ohne Vorwarnung fangen auf einmal die männlichen Besucher in Frack und Zylinder Textzeilen aus dem Nirvana Song \"Smells like teen spirit\" zu singen und tanzen dazu in \"A Chorus Line\" Manier zu tanzen und ehe man sich versieht ist man in einer genialen Kombination beider Lieder unterlegt mit Technobeats. Atmen nicht vergessen.
***Diamonds are a girls best friend***
Santine singt für ihre Fans/Freier Marylin Monroes Klassiker „Diamonds are a girls best friend“ und welches Lied geht da unweigerlich mit einher? Klar, Madonna\'s „Material Girl“.
***Your Song***
Während Santine sich noch am Boden wälzt, fängt Christian unerwartet und mit einer gewaltigen Stimme an Elton John\'s „Your Song“ zu interpretieren, aber nicht in der zurückhaltenden Originalversion, sondern als astreine wunderschöne Popversion und wenn dazu nachher noch beide Akteure zusammen wie in einem 50er Jahre Musical auf den Wolken tanzen und Placido Domingo als Mond mit einstimmt möchte man, daß diese Szene nie zu Ende geht. Doch leider tut sie das. Aber dank Ewan McGregor\'s Wahnsinnstimme (ja er hat wie alle selbst gesungen) und der Unterstützung durch einen Chor hab ich selbst danach noch Gänsehaut. Jedesmal.
***Spectacular, Spectacular***
Eher lustig als bewegend wird hier ein klassisches Lied, das jeder vom hören kennt, aber kaum einer wie ich den Namen dieses Liedes kennt. Hat aber durchaus Ähnlichkeiten mit dem CanCan (dem Original nicht der obigen Version).
***Lovesong-Medley***
Eigentlich ist das weniger ein Medley als ein gesungener Dialog zwischen Santine und Christian, der aus Liebesliedern der verschiedensten Jahrzehnten zusammengestellt wurde. Von „All you need is love“ der Beatles über „I was made for loving you“ von Kiss zu Donna Summers „Don\'t leave me this way“ und Joe Cockers „Up where we belong“ und alles endet in einem geradezu optisch orgiastischen Finale mit einem Herzfeuerwerk und Whitney Houstens „I will always love you“. Und...schon wieder ne Gänsehaut. Jedesmal.
***El Tango de Roxanne***
Aus Stings eher dezenter Version von Roxanne und einem klassischen Tango wurde wohl auch optisch in Ahnlehnung an Luhrmanns‘ Strictly Ballroom ein emotionaler tragischer gerade zu theatralisch vorgetragener Song gemacht, den der Argentinier mit seiner rauen Stimme vorträgt und dann durch Christian unterstützt wird, bis beide am Ende fast zu schreien anfangen. Eine der wohl intensivsten Szenen des Films und ein Wendepunkt in dem sich Santine für die Liebe und gegen das Geld entscheidet und damit aber auch das Ende des Moulin Rouge\'s besiegelt wird. Dramatisch bis zum letzten. Wer hät\'s gedacht durch die grandiose Darstellung krieg ich... mal wieder ne Gänsehaut. Jedesmal.
***The Show must go on***
Aus dem Popklasiker von Queen wurde ein orchesteruntermaltes ergreifendes Opernlied durch die kräftige Stimme des Moulin Rouge - Leiters. Dadurch wurde aus dem Lied das eigentlich Hoffnung geben soll, ein tragisches und geradezu deprimierendes Lied.
***Like a Virgin***
Ziedler kann auch komisch, denn hier will er den Duke überzeugen das Santine nicht aufgetaucht ist weil sie beichten will und als Quasi-Jungfrau ihn heiraten will und was paßt da besser als Madonna\'s \"Like a Virgin, touched for the very first time\".
***Das Finale***
\"Come what may\", der einzige extra für den Film geschriebene Song, der zwischendurch schon mal leise angestimmt wurde, findet hier seinen pompösen Höhepunkt und endet als rockige Prunkversion.
### STORYKRITIK ###
Oft dient die Story in Musicals ja nur um einen Song mit dem nächsten zu verbinden und ohne Musik würde es keinen wirklich interessieren.
Moulin Rouge fesselt aber auch hier, was vor allem an der unverschämt romantischen alten Geschichte eines armen Poeten der eine Frau liebt die an einen reichen Mann versprochen ist, liegt. \"La Bohème\" läßt grüßen und tatsächlich ähnelt der Film mehr einer Oper als einem klassischen Musical. Eine Oper endet fast ausnahmslos tragisch mit dem Tod eines oder beider Hauptcharaktere, Moulin Rouge macht da keine Ausnahme, dadurch wird der Film aber auch ehrlicher, ernster und romantischer als diese \"Feel Good\"-Musikfilme. Und er hat eine wunderschöne Aussage und zelebriert die wahre altmodische Liebe.
FREEDOM.TRUTH.BEAUTY.LOVE.
FREIHEIT.WAHRHEIT.SCHÖNHEIT.LIEBE.
Simpel aber effektiv. Und zudem kommt, zumindest in der ersten Hälfte der Humor nicht zu kurz, vor allem ausgelöst durch die abstrusen Charaktere, die beabsichtigt lächerlich wirkenden Tanzeinlagen und einige Cartoon-Soundeffekte sowie Schauspieler die wie in alten Komödien á la „Stan Laurel und Oliver Hardy“ agieren, dazu gehört natürlich auch das viel zu schnelle Bewegen wie in alten Stummfilmklassikern und dieser „Generationskonflikt“ von einer alten Story und Aufmachung mit modernen Musikstücken sorgt auch für den ein oder anderen Schmunzler.
### SCHAUSPIELER ###
Das Ensemble ist genial besetzt, von den beiden Hauptdarstellern Kidman und McGregor bis zu den kleinsten Nebenrollen und das ist ja gar nicht so einfach wenn man gute Schauspieler braucht die auch noch wirklich (!) singen können. Zudem gibt’s hier keine schwrz/weiß-Malerei, jede Figur hat mindestens zwei Seiten.
~ Ewan McGregor ~
Er spielt den sympathischen armen Poeten mit einer Hammerstimme, auch wenn wahrscheinlich mit dem Computer etwas nachgeholfen wurde gehören seine Lieder absolut zu den Höhepunkten und auch sonst paßt er perfekt in die Rolle und spielt mit Spaß und Begeisterung wie sonst nur in den kleineren Produktionen wie „Trainspotting“, „Lebe lieber ungewöhnlich“ (beide von Danny Boyle) oder „Die Bettlektüre“ von Peter Greeneway, seine Blockbusterkarriere in der neuen Star Wars Trilogie sehe ich mal als Ausrutscher an, wo er gnadenlos unterfordert ist.
~ Nicole Kidman ~
Seit der Trennung von Tom Cruise tritt die Australierin endlich aus dessen Schatten und konnte mit dieser Rolle einen Golden Globe gewinnen und eine oscarnomminierung ergattern, um später auch mit „The Others“ zu begeistern. Vorher sah man sie zusammen mit ihrem Ex-Mann in „In einem fernen Land“ und in Stanley Kubrick’s letztem Film „Eyes Wide Shut“. Kidman spielt die Kurtisan, die ihre Karrierehoffnung aufgibt, um mit dem Mann zusammen zukommen, der ihr gezeigt hat, daß auch sie wirklich lieben kann. Noch nie habe ich Nicole Kidman so warm und lustig, gesehen wie hier und sie kann auch ganz gut singen.
~ John Leguizamo ~
Er spielt nach „Romeo und Julia“ schon wieder in einem Baz Luhrmann Film mit und unterhält als quirliger Zwerg Toulouse-Lautrec, der Christian in die Welt des Moulin Rouge’s bringt.
Leguizamo kann man auch als Monsterclown in „Spawn“ sehen, sowie in Spike Lee’s „Summer of Sam“ oder als Transvestit in „Too Wong Foo“ sehen.
~ Richard Roxburgh ~
Der australische Schauspieler beweist hier als Duke von Monroth sowohl komisches als auch dramatisches, ernstes Schauspieltalent. Musikalisch sieht’s (beabsichtigt) leider schwach aus. Dem internationalen Publikum dürfte er hauptsächlich als linke Hand des Bösen in „M:i-2“ bekannt geworden sein.
~ Jim Broadbent ~
Wie eigentlich alle Charaktere des Films ist er auch keine eindimensionale Figur. Am Anfang denkt man er sei ein gefühlskalter, profitorientierter Zuhälter, doch am Ende merkt man, daß er sich auch um Santine Sorgen machen kann und wird überraschend sanft emotional. Jim Broadbent gewann dieses Jahr den Oscar als bester Nebendarsteller für „Iris“ und spielt in dem hoffentlich bald erscheinenden neuen Scorsese Film „Gangs of New York“ neben Cameron Diaz und Leonardo DiCaprio. In seiner langen Karriere spielte er auch in den Filmen „Brazil“, „Bullets over Broadway“ oder „Fräulein Smilla’s Gespür für Schnee.
###REGIE###
Baz Luhrmann
Der Australier hat bisher nur drei Filme gedreht die er selbst als seine „Red Curtain“-Trilogie ansieht, weil sie alle mit Tanz oder Theater zu tun haben, alle aber auf ihre eigene Art. Zudem haben alle seiner Filme die Gemeinsamkeit, dass Luhrmann tarditionelles/altes mit modernem verbunden hat.
*“Strictly Ballroom“ (1992) handelt von einem Mann dessen Obsession es ist bei einem wichtigen Tanzturnier zu gewinnen, doch durch seine neumodischen Tanzschritte bei den konservativen Juroren, durch zufallen scheint. Optisch zwar schon nett aber noch nicht so überladen und bunt wie seine zwei Nachfolger.
*„Romeo und Julia“ (1996) erzählt die alte Geschichte von William Shakespeare, Luhrmann transferierte sie jedoch in genialen Bildern in die Neuzeit, benutzt aber weiterhin die alten Dialoge.
*Last but not least natürlich „Moulin Rouge“, als meiner Meinung nach stärkster Teil dieser Trilogie.
### FAZIT ###
Weniger ein Musical als eine überwältigende, vor Ideen schäumende Pop-Oper. Die Optik ist weniger gewöhnungsbedürftig als ich gedacht habe und fesselt zusammen mit dem BESTEN Soundtrack den ich je gesehen hab‘ auch wenn von vielen Liedern oft nur ein bis zwei Textzeilen gespielt werden. Innovativ wie kaum ein anderer Film und ein grandioser Abschluß von Luhrmann’s „Red Curtain“-Trilogie.
Entweder man vergöttert diesen Film oder man findet ihn nur lächerlich. Weil der Film selbst so extrem (in allen erdenklichen Weisen) ist, gibt’s dazwischen wohl nichts.
### STORY ###
Eigentlich kam der arme Poet Christian 1900 ins Pariser Künstlerviertel Montmartre, um dort über Freiheit, Wahrheit, Schönheit und Liebe zu schreiben, doch wie soll man das machen, wenn man noch nie richtig geliebt hat?
Doch als auf einmal ein bewußtloser Argentinier durch Christians Zimmerdecke stößt und ein als Nonne verkleideter Zwerg in sein Zimmer stürmt, ändert sich alles. Die zwei gehören zu einer Schauspieltruppe, die für das Moulin Rouge ein Theaterstück inszenieren wollen. Sie gewinnen Christian für sich, da sie selber keine guten Ideen haben, jetzt fehlt nur noch die Zustimmung der Kurtisane des Moulin Rouge Santine. Darum macht sich die Truppe in den Lusttempel auf.
Doch durch eine Verwechslung denkt Santine, das Christian der Duke ist, ein Geldgeber der für den Erhalt und den Betreiber des Moulin Rouge Ziedler sehr wichtig ist.
Nach der Aufklärung des Problems fängt das eigentliche erst an. Christian hat sich in Santine verliebt, doch diese erwidert zuerst seine Liebe nicht, da sie erstens keine echte Liebe kennt und zweitens dem echten Duke versprochen ist. Bekommt er Santine nicht, spendet er kein Geld und ihre erhoffte Schauspielkarriere erfüllt sich nicht.
Doch bekanntermaßen ist Liebe stärker als die Macht des Geldes und auch Santine fängt an Christian zu lieben, zuerst heimlich doch als der Duke dann die Wahrheit erfährt ist die Katastrophe unausweichlich...
### OPTIK ###
Wegen dieser überfrachteten Optik wollte ich eigentlich nicht ins Kino gehen obwohl ich so was gern sehe. Den Trailer fand ich wirklich klasse und beeindruckend, aber der war ja auch nur 2 Minuten und ich konnte mir nicht vorstellen das über 2 Stunden zu ertragen. Doch ich wurde eines besseren belehrt. Und hier von visuellem Overkill zu reden wird dem Film nicht gerecht, denn Overkill würde ich als negativ ansehen und eher diesen seelenlosen Werbefilmchen wie „Stigmata“ oder „The Cell“ ankreiden. Ein visueller Overkill ist für mich mit sterilen, emotionslosen, unterkühlten Bildern verbunden, die auf die Dauer nicht fesseln sondern ermüden. Hier allerdings kann ich mich nicht an dieser kitschigen Pracht aus französischer Mode des vorletzten Jahrhunderts und unübersehbaren indischen Einflüssen satt sehen. Gold, Rot und Blau, kräftig und penetrant wie es nur geht haben hier die überhand aber trotzdem wird die komplette Farbpalette in fast jeder Szene komplett abgedeckt. Das Wort detailreichtum muß nach diesem Film neu erfunden werden und kitschig und überladen ist hier deutlich untertrieben, aber durch die konsequente Umsetzung (von dem 20thCent.Fox-Logo bis zum Abspann!), die stellenweise comicartige Darstellung der Charaktere und den daraus erzielten Humor wirkt das alles stimmig und fesselnd wie kaum ein Film.
Auch sonst weiß der Film zu überzeugen, denn neben der grandiosen Kulisse überzeugt der Film durch genauso exzessive Kamerafahrten und Schnitte die durch grandiose Special Effects noch ausgefallener als erdenkbar geraten sind. Doch Luhrmann setzt nicht nur auf diese \"Videoclipastehtik\", es gibt auch genug ruhige Szenen, die hauptsächlich die Beziehung zwischen Christian und Satine vorantreiben. Und auch anders als in anderen Musicalfilmen gehen diese hier nicht vor lauter Stil nicht unter. Einfach gesagt : Der Oberhammer. Wirklich. Ich könnte mir den Film 24 Stunden am Tag angucken.
### MUSIK ###
Bei Musicals spielt die Musik ja logischerweise immer eine übergeordnete Rolle und da macht auch Moulin Rouge keine Ausnahme, im Gegenteil, noch nie paßte sich die Musik (bei der Fatboy Slim und Ozzy Osborne bei jeweils einem Lied halfen) und die Gesangseinlagen der Akteure so perfekt in das Gesamtbild ein, und das obwohl das wohl das erste Musical ist für das die Lieder nicht extra geschrieben wurden, sondern sich der Klassiker der letzten 50 Musikjahrzehnte bedient, so daß der Wiederkennungswert trotz der genialen Veränderungen der Lieder gewährleistet ist. Aus Klassik wurde Pop und Pop wurde zu Oper und aus mehreren Liedern wurde eine komprimierte Songbombe.
Selten hat mich wirklich ein Soundtrack so begeistert und Tanz- und Gesangsszenen in einem Film so bewegt egal in welcher Weise. Spaß, Romantik und Tragik waren noch nie so intensiv erlebbar wie hier. Darum hab\' ich den besten Songeinlagen (sind fast alle geworden) hier besondere Achtung geschenkt:
***The CanCan***
Nach einem Absinth-Rausch und Kyle Minogue’s Miniauftritt als Fee findet sich Christian zum ersten Mal im Moulin Rouge und mit ihm der Zuschauer und so ist diese Ouvertüre natürlich ein beeindruckender Einstieg in die Pop-Oper. Angefangen mit dem Cover von Petty LaBelle\'s Lady Marmalade fangen die \"GoGo-Girls\" des Moulin Rouge zu tanzen und ihre Röcke zu schwingen und ohne Vorwarnung fangen auf einmal die männlichen Besucher in Frack und Zylinder Textzeilen aus dem Nirvana Song \"Smells like teen spirit\" zu singen und tanzen dazu in \"A Chorus Line\" Manier zu tanzen und ehe man sich versieht ist man in einer genialen Kombination beider Lieder unterlegt mit Technobeats. Atmen nicht vergessen.
***Diamonds are a girls best friend***
Santine singt für ihre Fans/Freier Marylin Monroes Klassiker „Diamonds are a girls best friend“ und welches Lied geht da unweigerlich mit einher? Klar, Madonna\'s „Material Girl“.
***Your Song***
Während Santine sich noch am Boden wälzt, fängt Christian unerwartet und mit einer gewaltigen Stimme an Elton John\'s „Your Song“ zu interpretieren, aber nicht in der zurückhaltenden Originalversion, sondern als astreine wunderschöne Popversion und wenn dazu nachher noch beide Akteure zusammen wie in einem 50er Jahre Musical auf den Wolken tanzen und Placido Domingo als Mond mit einstimmt möchte man, daß diese Szene nie zu Ende geht. Doch leider tut sie das. Aber dank Ewan McGregor\'s Wahnsinnstimme (ja er hat wie alle selbst gesungen) und der Unterstützung durch einen Chor hab ich selbst danach noch Gänsehaut. Jedesmal.
***Spectacular, Spectacular***
Eher lustig als bewegend wird hier ein klassisches Lied, das jeder vom hören kennt, aber kaum einer wie ich den Namen dieses Liedes kennt. Hat aber durchaus Ähnlichkeiten mit dem CanCan (dem Original nicht der obigen Version).
***Lovesong-Medley***
Eigentlich ist das weniger ein Medley als ein gesungener Dialog zwischen Santine und Christian, der aus Liebesliedern der verschiedensten Jahrzehnten zusammengestellt wurde. Von „All you need is love“ der Beatles über „I was made for loving you“ von Kiss zu Donna Summers „Don\'t leave me this way“ und Joe Cockers „Up where we belong“ und alles endet in einem geradezu optisch orgiastischen Finale mit einem Herzfeuerwerk und Whitney Houstens „I will always love you“. Und...schon wieder ne Gänsehaut. Jedesmal.
***El Tango de Roxanne***
Aus Stings eher dezenter Version von Roxanne und einem klassischen Tango wurde wohl auch optisch in Ahnlehnung an Luhrmanns‘ Strictly Ballroom ein emotionaler tragischer gerade zu theatralisch vorgetragener Song gemacht, den der Argentinier mit seiner rauen Stimme vorträgt und dann durch Christian unterstützt wird, bis beide am Ende fast zu schreien anfangen. Eine der wohl intensivsten Szenen des Films und ein Wendepunkt in dem sich Santine für die Liebe und gegen das Geld entscheidet und damit aber auch das Ende des Moulin Rouge\'s besiegelt wird. Dramatisch bis zum letzten. Wer hät\'s gedacht durch die grandiose Darstellung krieg ich... mal wieder ne Gänsehaut. Jedesmal.
***The Show must go on***
Aus dem Popklasiker von Queen wurde ein orchesteruntermaltes ergreifendes Opernlied durch die kräftige Stimme des Moulin Rouge - Leiters. Dadurch wurde aus dem Lied das eigentlich Hoffnung geben soll, ein tragisches und geradezu deprimierendes Lied.
***Like a Virgin***
Ziedler kann auch komisch, denn hier will er den Duke überzeugen das Santine nicht aufgetaucht ist weil sie beichten will und als Quasi-Jungfrau ihn heiraten will und was paßt da besser als Madonna\'s \"Like a Virgin, touched for the very first time\".
***Das Finale***
\"Come what may\", der einzige extra für den Film geschriebene Song, der zwischendurch schon mal leise angestimmt wurde, findet hier seinen pompösen Höhepunkt und endet als rockige Prunkversion.
### STORYKRITIK ###
Oft dient die Story in Musicals ja nur um einen Song mit dem nächsten zu verbinden und ohne Musik würde es keinen wirklich interessieren.
Moulin Rouge fesselt aber auch hier, was vor allem an der unverschämt romantischen alten Geschichte eines armen Poeten der eine Frau liebt die an einen reichen Mann versprochen ist, liegt. \"La Bohème\" läßt grüßen und tatsächlich ähnelt der Film mehr einer Oper als einem klassischen Musical. Eine Oper endet fast ausnahmslos tragisch mit dem Tod eines oder beider Hauptcharaktere, Moulin Rouge macht da keine Ausnahme, dadurch wird der Film aber auch ehrlicher, ernster und romantischer als diese \"Feel Good\"-Musikfilme. Und er hat eine wunderschöne Aussage und zelebriert die wahre altmodische Liebe.
FREEDOM.TRUTH.BEAUTY.LOVE.
FREIHEIT.WAHRHEIT.SCHÖNHEIT.LIEBE.
Simpel aber effektiv. Und zudem kommt, zumindest in der ersten Hälfte der Humor nicht zu kurz, vor allem ausgelöst durch die abstrusen Charaktere, die beabsichtigt lächerlich wirkenden Tanzeinlagen und einige Cartoon-Soundeffekte sowie Schauspieler die wie in alten Komödien á la „Stan Laurel und Oliver Hardy“ agieren, dazu gehört natürlich auch das viel zu schnelle Bewegen wie in alten Stummfilmklassikern und dieser „Generationskonflikt“ von einer alten Story und Aufmachung mit modernen Musikstücken sorgt auch für den ein oder anderen Schmunzler.
### SCHAUSPIELER ###
Das Ensemble ist genial besetzt, von den beiden Hauptdarstellern Kidman und McGregor bis zu den kleinsten Nebenrollen und das ist ja gar nicht so einfach wenn man gute Schauspieler braucht die auch noch wirklich (!) singen können. Zudem gibt’s hier keine schwrz/weiß-Malerei, jede Figur hat mindestens zwei Seiten.
~ Ewan McGregor ~
Er spielt den sympathischen armen Poeten mit einer Hammerstimme, auch wenn wahrscheinlich mit dem Computer etwas nachgeholfen wurde gehören seine Lieder absolut zu den Höhepunkten und auch sonst paßt er perfekt in die Rolle und spielt mit Spaß und Begeisterung wie sonst nur in den kleineren Produktionen wie „Trainspotting“, „Lebe lieber ungewöhnlich“ (beide von Danny Boyle) oder „Die Bettlektüre“ von Peter Greeneway, seine Blockbusterkarriere in der neuen Star Wars Trilogie sehe ich mal als Ausrutscher an, wo er gnadenlos unterfordert ist.
~ Nicole Kidman ~
Seit der Trennung von Tom Cruise tritt die Australierin endlich aus dessen Schatten und konnte mit dieser Rolle einen Golden Globe gewinnen und eine oscarnomminierung ergattern, um später auch mit „The Others“ zu begeistern. Vorher sah man sie zusammen mit ihrem Ex-Mann in „In einem fernen Land“ und in Stanley Kubrick’s letztem Film „Eyes Wide Shut“. Kidman spielt die Kurtisan, die ihre Karrierehoffnung aufgibt, um mit dem Mann zusammen zukommen, der ihr gezeigt hat, daß auch sie wirklich lieben kann. Noch nie habe ich Nicole Kidman so warm und lustig, gesehen wie hier und sie kann auch ganz gut singen.
~ John Leguizamo ~
Er spielt nach „Romeo und Julia“ schon wieder in einem Baz Luhrmann Film mit und unterhält als quirliger Zwerg Toulouse-Lautrec, der Christian in die Welt des Moulin Rouge’s bringt.
Leguizamo kann man auch als Monsterclown in „Spawn“ sehen, sowie in Spike Lee’s „Summer of Sam“ oder als Transvestit in „Too Wong Foo“ sehen.
~ Richard Roxburgh ~
Der australische Schauspieler beweist hier als Duke von Monroth sowohl komisches als auch dramatisches, ernstes Schauspieltalent. Musikalisch sieht’s (beabsichtigt) leider schwach aus. Dem internationalen Publikum dürfte er hauptsächlich als linke Hand des Bösen in „M:i-2“ bekannt geworden sein.
~ Jim Broadbent ~
Wie eigentlich alle Charaktere des Films ist er auch keine eindimensionale Figur. Am Anfang denkt man er sei ein gefühlskalter, profitorientierter Zuhälter, doch am Ende merkt man, daß er sich auch um Santine Sorgen machen kann und wird überraschend sanft emotional. Jim Broadbent gewann dieses Jahr den Oscar als bester Nebendarsteller für „Iris“ und spielt in dem hoffentlich bald erscheinenden neuen Scorsese Film „Gangs of New York“ neben Cameron Diaz und Leonardo DiCaprio. In seiner langen Karriere spielte er auch in den Filmen „Brazil“, „Bullets over Broadway“ oder „Fräulein Smilla’s Gespür für Schnee.
###REGIE###
Baz Luhrmann
Der Australier hat bisher nur drei Filme gedreht die er selbst als seine „Red Curtain“-Trilogie ansieht, weil sie alle mit Tanz oder Theater zu tun haben, alle aber auf ihre eigene Art. Zudem haben alle seiner Filme die Gemeinsamkeit, dass Luhrmann tarditionelles/altes mit modernem verbunden hat.
*“Strictly Ballroom“ (1992) handelt von einem Mann dessen Obsession es ist bei einem wichtigen Tanzturnier zu gewinnen, doch durch seine neumodischen Tanzschritte bei den konservativen Juroren, durch zufallen scheint. Optisch zwar schon nett aber noch nicht so überladen und bunt wie seine zwei Nachfolger.
*„Romeo und Julia“ (1996) erzählt die alte Geschichte von William Shakespeare, Luhrmann transferierte sie jedoch in genialen Bildern in die Neuzeit, benutzt aber weiterhin die alten Dialoge.
*Last but not least natürlich „Moulin Rouge“, als meiner Meinung nach stärkster Teil dieser Trilogie.
### FAZIT ###
Weniger ein Musical als eine überwältigende, vor Ideen schäumende Pop-Oper. Die Optik ist weniger gewöhnungsbedürftig als ich gedacht habe und fesselt zusammen mit dem BESTEN Soundtrack den ich je gesehen hab‘ auch wenn von vielen Liedern oft nur ein bis zwei Textzeilen gespielt werden. Innovativ wie kaum ein anderer Film und ein grandioser Abschluß von Luhrmann’s „Red Curtain“-Trilogie.
Entweder man vergöttert diesen Film oder man findet ihn nur lächerlich. Weil der Film selbst so extrem (in allen erdenklichen Weisen) ist, gibt’s dazwischen wohl nichts.
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