Moulin Rouge (VHS) Testbericht

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ab 15,48
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Erfahrungsbericht von egonman

Alles legetime Kinder des Olymp !

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

„Moulin Rouge“ , Regie Baz Luhrmann .


Mit Nicole Kidman , Ewan McGregor und John Leguizamo !



„Entrez ! Hier ist die Wahrheit zusehen ! Entrez ! Sehen und staunen Sie !
Und wenn Sie gesehen haben , werden Sie den ganzen Tag an sie denken , und nachts werden Sie von ihr träumen !“ Dies ist der Beginn des vielleicht größten Films aller Zeiten - Marcel Carnes „Die Kinder des Olymp“ . Die Worte des Ausrufers vor dem Theatre des Funambules sagen im Grunde alles , was man über das Kino wissen muss . Es ist ein Ort grenzenloser Verführung , und der lockt mit einem Versprechen : die Wahrheit ist sichtbar .
Man muss lange zurückgehen in der Film-Geschichte , bis ins Jahr 1945 , um auf einen Film zu stoßen , der so frech mit den Mythen des Spektakels jongliert wie „Moulin Rouge“ , der neue Film des Australiers Baz Luhrmann . Hat schon Carnes Attrappendorf am Boulevard du Crime seine Künstlichkeit nie verhehlt , so finden wir uns nun in einem digital geklonten Boheme-Paris wieder , in dem sich der schöne Schein als Kunst verkauft . Dies ist das Reich der Tänzerinnen und Gaukler . Wir folgen einem jungen Orpheus in die Unterwelt und wissen eines gewiss : die Wahrheit über die Liebe , wie sie uns versprochen wird , erfahren wir hier gewiss nicht . Ob wir von ihr träumen können , darüber entscheidet allein der Geschmack .

Was in „Moulin Rouge“ getanzt wird , hat mit Cancan nichts zu tun . Die Kleider-Vorschriften im Paris des Jahres 1900 , so muss der Schriftsteller Christian (wundervoll naiv : Ewan McGregor) feststellen , haben sich bedenklich gelockert . Mit Strapsen angetan , nicht mit Woll-Höschen , fliegen die Frauen-Beine durch die Luft . Mit Christians Augen blicken wir unter die Rücke und in Huren-Gesichter - schließlich ist das Moulin Rouge „ein Nacht-Klub , ein Tanz-Lokal, ein Bordell“ - und schaudern vor einem riesenhaften Zylinder-Träger , der mit grimmigem Blick den Takt des wilden Treibens vorgibt : „We can Cancan !“
Wirklich unerhört ist allerdings die Musik . Jacques Offenbach ist out , stattdessen stampft der Discoheuler „Lady Marmalade“ durch den roten Salon . Die Herren antworten mit Nirvanas „Smells Like Teen Spirit“ . Endlich schwebt Nicole Kidman als Star Satine auf einem Trapez in den Saal , als funkelnder Glücksstern , und gibt mit lustvollem Augen-Aufschlag Marilyn Monroes „Diamonds Are A Girl’s Best Friend“ .

Baz Luhrmann erzählt eine Geschichte in Pop-Songs . Als Ergebnis präsentiert sich keine Neuerfindung des Musicals , sondern ein traditioneller Musik-Film - wäre da nicht Luhrmanns einzigartiges Geschick , populäre Rhythmen und Refrains auf ihren Wiedererkennungswert zu reduzieren und der Handlung unterzuordnen . Nutzte der 38-jährige Australier in seiner clipartigen Film-Version von „Romeo und Julia“ noch die Musikalität der Sprache Shakespeares ,so macht er die Musik nun zur einzigen Sprache , die erlaubt ist , hier in der Absinthhölle Moulin Rouge , im zeitlos schönen Jugendstil des Pop . Selten wird nur ein stück pro Szene gesungen - die postmoderne Collage allzu bekannter Strukturen in neuem Kontext ist Luhrmanns Markenzeichen , das Ergebnis die mühelose Verschmelzung vin Ironie und Pathos . Den kulturellen Reichtum der Nachkriegs-Generation behauptet Luhrmann mit einem kühnen Medley . Satine (Nicole Kidman) und Chrisian (Ewan McGregor) intonieren im rasenden Wechsel Pop-Hits aus vier Jahrzehnten , von den Beatles bis hin zu David Bowie , von Dolly Parton bis Elton John . Dieses Medley ist die Eintritts-Karte zum Film . Wer sie nicht kauft , bleibt draußen . Das bunte Nichts von Handlung ist eine ebensolche Bricolage aus zeitlosen Filmen , Opern und Musicals . „Die Kinder des Olymp“ , „Der blaue Engel“ , „La Boheme“ , „La Traviata“ , „Ein Amerikaner in Paris“ - Schließlich geht es immer um die eine ideale , kitschige und unmögliche Liebe , die Christian zufolge „alle Hindernisse überwindet“ .

Der mittellose Schriftsteller liebt Satine , doch die ist eine Kurtisane und außerdem todkrank . Noch dazu ist Satine einem Herzog versprochen , der dem notorisch klammen Chef des Moulin Rouge Investitionen verspricht - die Boheme ist dem Kommerz verfallen . Um in Satines Nähe zu sein , schreibt Christian nun ein Theater-Stück , in welchem ein Singspiel eingeübt wird , das im fernen Indien spielt und von einem mittellosen Sitarspieler handelt , der die Kurtisane des Maharadschas begehrt . Es heißt „Spektakulär , spektakulär“ und ist , wie der Film „Moulin Rouge“ selbst , ein formidables , opulentes , dekadentes , glamouröses Versteckspiel . Und zunächst geht ja auch alles gut . Hollywood trifft Boddywood und keiner merkt es . Es folgt ein Drama um Liebe , Wahn und Eifersucht , in dem ein zwergenhafter Toulouse-Lautrec (auf Knien : John Leguizamo) für Heiterkeit sorgt . Den Police-Hit „Roxanne“ erleben wir in einer schwerblütigen Tango-Version , der Impresario tanzt „Like A Virgin“ im Hochzeits-Kleid . Was Luhrmann in der Zwischenzeit gelingt , sind zärtliche , aber keine poetischen Momente . Denn der Liebe geht es wie der Wahrheit : man kann sie nicht sehen , auch nicht in den Augen von Nicole Kidman . Man kann sie fühlen in den Worten Shakespeares , und hören in den simpelsten Pop-Songs . Das Moulin Rouge ist eine wirbelnde Zentrifuge , an deren Oberfläche , um den hohlen Kern , ein Schimmer , eine Illusion der Liebe sichtbar wird , um die sich alles dreht . Mehr zu verlangen , hieße träumen !

17 Bewertungen, 2 Kommentare

  • anonym

    15.04.2002, 14:35 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Stimmt das, was JustOliver dazu schreibt? Bitte Stellungnahme. Gruß kalli46

  • JustOliver

    14.04.2002, 17:57 Uhr von JustOliver
    Bewertung: nicht hilfreich

    Für alle, die diesen Faker nicht unterstützen: Der Originalbericht ist zu sehen bei: http://www.berlinonline.de/wissen/berliner_zeitung/archiv/2001/1018/feuilleton/0009/