Naokos Lächeln (Taschenbuch) / Haruki Murakami Testbericht

ab 6,78 €
Billiger bei eBay?
Bei Amazon bestellen
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
Erfahrungsbericht von Daverigger
Haruki Murakamis Meisterwerk
Pro:
Interessante Charaktere, abwechslungsreiche und bildhafte Sprache
Kontra:
Leider recht teuer!
Empfehlung:
Ja
\"Naokos Lächeln\" ist das meiner Ansicht nach beispiellose Meisterwerk des japanischen Bestsellerautors Haruki Murakami, der schon in anderen Werken unter Beweis gestellt hat, das Sprache nicht ein Mittel zum Zweck, sondern der Zweck selbst ist. Sie ist Ausdruck unseres Selbst, unserer innersten Gefühle, Wünsche, Träume, und diese formen wiederum unsere Sprache zutiefst.
Murakami geht auf eine Weise mit Worten um, das einem das Herz im einen Moment zerspringt, um im nächsten von einer wohligen Wärme durchzogen zu werden, als wäre noch nie ein anderes Gefühl da gewesen. Seite für Seite umfängt den Leser ein Zauber, der nicht etwa durch die Geschichte an sich entsteht, sondern durch Murakamis großartiges Talent, mit seiner Sprache Sachverhalte darzustellen, die natürlicher und dennoch unrealistischer nicht sein können.
Haruki Murakami erzählt in seinem Roman die tragische Geschichte des jungen Studenten Toru Watanabe, der innerhalb eines Zeitraums von nur ca. 4 Jahren Höhen und Tiefen erlebt, die nur wenige Menschen in ihrem ganzen Leben erfahren.
Toru hat während seiner Schulzeit nur sehr wenige Freunde. Zwei, um genau zu sein. Den jungen Kizuki und dessen \"Freundin\" Naoko. Das Pärchen verbindet eine ganz besondere Beziehung, die sich nicht in wenigen Worten beschreiben lässt, und sich nur im Laufe des Romans dem Leser erschließt. Als Kizuki mit 17 Jahren unvermittelt Suizid begeht, bricht die Welt für Toru und Naoko zusammen, und beide definieren ihre bisherige Freundschaft neu. In der folgenden Zeit werden sie sehr enge Freunde, bis sie an Naokos 20. Geburtstag eher durch Zufall als durch Beschluss zusammen schlafen.
Noch am nächsten morgen zieht Naoko in eine Art offenes Sanatorium, um von ihren Depressionen geheilt zu werden, die noch weitaus tiefer gehen, als selbst Toru vermutet.
Doch Toru ist inzwischen auch nicht mehr 17, und so studiert er Literaturwissenschaften an einer Universität in Tokyo. Dort freundet er sich mit einem jungen Mann an, Nagasawa.
Dieser ist ein weiteres Unikum, wie es nur der Phantasie Murakamis, oder auch dem Leben entspringen kann. Er ist reich, intelligent, hat einer Freundin, die nach seiner eigenen Aussage viel zu schade für ihn ist, und ist ein Egomane par excellence. Er sieht die Welt auf eine ganz eigene Weise, und schläft pro Woche mit mindestens einem Mädchen, das er danach nie wiedersieht.
Doch auch die junge und lebenslustige Midori hat es mit Toru nicht leicht, freundet sich aber dennoch sehr tief mit ihm an. (Anm: Midori ist ein japanischer Name und gleichzeitig das Wort für die Farbe grün. Oftmals sind bestimmte Intentionen und Konnotationen mit japanischen Namen gekoppelt) Ihre Familie ist zersplittert. Ihre Mutter starb an einem Gehirntumor, und ihrem Vater droht dasselbe Schicksal. Sie hat nur noch ihre Schwester, und die beiden kümmern sich hingebungsvoll um ihren \"alten Herrn\".
Toru und Midori entwickeln eine sehr tiefe Freundschaft, doch Toru ist sich bewusst, das es für ihn nur eine gibt, nämlich Naoko.
Und so entwickelt sich die Geschichte weiter bis zu ihrem unglaublich tragischen Ende, und dem Leser ist klar: Was Haruki Murakami in \"Naokos Lächeln\" beschreibt, ist keine Geschichte, kein Fabel und auch keine einfache Liebesgeschichte. Es ist das Leben in seiner gemeinsten Form, so wie es viel mehr Menschen erleben müssen, als man zu glauben geneigt ist.
Wie ich schon zu Anfang darlegte, hat mich noch keine Geschichte so tief ergriffen. Nachdem ich das Buch beiseite gelegt hatte, musste ich noch lange über Toru und seine Geschichte nachdenken. Verdient ein einzelner Mensch die Rolle, die das Leben ihm zugeteilt hat?
Für Murakami typisch sind die unglaublich vielschichtig verworrenen Beziehungen der Protagonisten in seinen Geschichten, und ihre außergewöhnlichen Charakter- und Wesenszüge.
Toru, der an sich einsame Student, der sich in seine eigene kleine Welt zurückzieht. Naoko, das seit dem Suizid ihrer Schwester und ihres engsten Freundes verstörte Mädchen, das nicht feucht wird wenn es liebt. Nagasawa, der edle Schürzenjäger, der mit einem fremden Mädchen nach dem anderen schläft, obwohl zu Hause das schönste und beste nur auf ihn alleine wartet. Und Midori, die etwas perverse, sich nach Zärtlichkeit und Liebe sehnende Tochter, die sich nackt vor das Bild ihres toten Vaters setzt, um ihm zu zeigen, das sie nun doch endlich eine Frau geworden ist.
All diese Charaktere, die aus Murakamis genialer Feder gesprungen sind, zeichnen sich durch ihre Macken und Fehler aus. Das macht sie so realistisch wie kaum eine Romanfigur. Sie alle leben in ihren eigenen Welten, deren Pforten sie nur selten öffnen. Doch wenn die es tun, dann strömen Empfindungen, Gedanken und Emotionen mit einer unglaublichen Wucht auf ihren Gegenüber und auch den Leser ein, das einem manchmal das Herz rast.
Oft wird gesagt, dieses und jenes Buch gehe einem \"zu Herzen\", doch in den meisten Fällen ist das nur phrasendrescherische Werbestrategie. Doch im Falle von \"Naokos Lächeln\" stimmt es einfach.
Die Metaphorik, die sich durch die komplette Geschichte zieht, ist so klar und verständlich, das es mich manchmal wundert. Sehr zentral steht das Lied. Ob nun eine der Figuren singt, oder Klavier spielt, ihre Gitarre zur Hand nimmt, oder ob einfach nur eine Platte läuft, die Emotionen der Figuren und des Lesers reagieren sehr fein darauf.
So heißt zum Beispiel der Originaltitel des Romans nicht etwa \"Naokos smile ... just a lovestory\", sondern \"Norwegian Wood\", in Anlehnung an den Song der Beatles, Naokos Lieblingslied, und eine der zentralen Metaphern für das gesamte Buch.
Ich weiß nicht, ob \"Naokos Lächeln\" ein guter Einsteig in die Welt von Murakami ist. Ich glaube, man muss schon einiges von ihm gelesne haben, um sich in der komplizierten Welt, die er schafft, zurechtzukommen. Aber wenn man erst einmal in seinen Zügen denken kann, dann ist dieser Roman in seiner tragischen Vielfalt ein Lesegenuss sondergleichen, der deutliche Spuren hinterlässt, wenn man sich in die Geschichte fallen lassen kann.
Ich empfehle unbedingt vor der Lektüre dieses Romans zwei andere Bücher von Murakami, und zwar seine beiden Bände mit Kurzgeschichten.
\"Als ich eines Tages im April das 100%ige Mädchen traf\" und \"Der Elefant verschwindet\" sind Kurzgeschichtensammlungen, in denen nicht selten Charaktere beschrieben werden, die denen in \"Naokos Lächeln\" ähneln. Nicht alle sind verrückt, aber dadurch das es nur so wenige gibt, die es nicht sind, fällt das Verrücktsein nicht auf.
Murakami geht auf eine Weise mit Worten um, das einem das Herz im einen Moment zerspringt, um im nächsten von einer wohligen Wärme durchzogen zu werden, als wäre noch nie ein anderes Gefühl da gewesen. Seite für Seite umfängt den Leser ein Zauber, der nicht etwa durch die Geschichte an sich entsteht, sondern durch Murakamis großartiges Talent, mit seiner Sprache Sachverhalte darzustellen, die natürlicher und dennoch unrealistischer nicht sein können.
Haruki Murakami erzählt in seinem Roman die tragische Geschichte des jungen Studenten Toru Watanabe, der innerhalb eines Zeitraums von nur ca. 4 Jahren Höhen und Tiefen erlebt, die nur wenige Menschen in ihrem ganzen Leben erfahren.
Toru hat während seiner Schulzeit nur sehr wenige Freunde. Zwei, um genau zu sein. Den jungen Kizuki und dessen \"Freundin\" Naoko. Das Pärchen verbindet eine ganz besondere Beziehung, die sich nicht in wenigen Worten beschreiben lässt, und sich nur im Laufe des Romans dem Leser erschließt. Als Kizuki mit 17 Jahren unvermittelt Suizid begeht, bricht die Welt für Toru und Naoko zusammen, und beide definieren ihre bisherige Freundschaft neu. In der folgenden Zeit werden sie sehr enge Freunde, bis sie an Naokos 20. Geburtstag eher durch Zufall als durch Beschluss zusammen schlafen.
Noch am nächsten morgen zieht Naoko in eine Art offenes Sanatorium, um von ihren Depressionen geheilt zu werden, die noch weitaus tiefer gehen, als selbst Toru vermutet.
Doch Toru ist inzwischen auch nicht mehr 17, und so studiert er Literaturwissenschaften an einer Universität in Tokyo. Dort freundet er sich mit einem jungen Mann an, Nagasawa.
Dieser ist ein weiteres Unikum, wie es nur der Phantasie Murakamis, oder auch dem Leben entspringen kann. Er ist reich, intelligent, hat einer Freundin, die nach seiner eigenen Aussage viel zu schade für ihn ist, und ist ein Egomane par excellence. Er sieht die Welt auf eine ganz eigene Weise, und schläft pro Woche mit mindestens einem Mädchen, das er danach nie wiedersieht.
Doch auch die junge und lebenslustige Midori hat es mit Toru nicht leicht, freundet sich aber dennoch sehr tief mit ihm an. (Anm: Midori ist ein japanischer Name und gleichzeitig das Wort für die Farbe grün. Oftmals sind bestimmte Intentionen und Konnotationen mit japanischen Namen gekoppelt) Ihre Familie ist zersplittert. Ihre Mutter starb an einem Gehirntumor, und ihrem Vater droht dasselbe Schicksal. Sie hat nur noch ihre Schwester, und die beiden kümmern sich hingebungsvoll um ihren \"alten Herrn\".
Toru und Midori entwickeln eine sehr tiefe Freundschaft, doch Toru ist sich bewusst, das es für ihn nur eine gibt, nämlich Naoko.
Und so entwickelt sich die Geschichte weiter bis zu ihrem unglaublich tragischen Ende, und dem Leser ist klar: Was Haruki Murakami in \"Naokos Lächeln\" beschreibt, ist keine Geschichte, kein Fabel und auch keine einfache Liebesgeschichte. Es ist das Leben in seiner gemeinsten Form, so wie es viel mehr Menschen erleben müssen, als man zu glauben geneigt ist.
Wie ich schon zu Anfang darlegte, hat mich noch keine Geschichte so tief ergriffen. Nachdem ich das Buch beiseite gelegt hatte, musste ich noch lange über Toru und seine Geschichte nachdenken. Verdient ein einzelner Mensch die Rolle, die das Leben ihm zugeteilt hat?
Für Murakami typisch sind die unglaublich vielschichtig verworrenen Beziehungen der Protagonisten in seinen Geschichten, und ihre außergewöhnlichen Charakter- und Wesenszüge.
Toru, der an sich einsame Student, der sich in seine eigene kleine Welt zurückzieht. Naoko, das seit dem Suizid ihrer Schwester und ihres engsten Freundes verstörte Mädchen, das nicht feucht wird wenn es liebt. Nagasawa, der edle Schürzenjäger, der mit einem fremden Mädchen nach dem anderen schläft, obwohl zu Hause das schönste und beste nur auf ihn alleine wartet. Und Midori, die etwas perverse, sich nach Zärtlichkeit und Liebe sehnende Tochter, die sich nackt vor das Bild ihres toten Vaters setzt, um ihm zu zeigen, das sie nun doch endlich eine Frau geworden ist.
All diese Charaktere, die aus Murakamis genialer Feder gesprungen sind, zeichnen sich durch ihre Macken und Fehler aus. Das macht sie so realistisch wie kaum eine Romanfigur. Sie alle leben in ihren eigenen Welten, deren Pforten sie nur selten öffnen. Doch wenn die es tun, dann strömen Empfindungen, Gedanken und Emotionen mit einer unglaublichen Wucht auf ihren Gegenüber und auch den Leser ein, das einem manchmal das Herz rast.
Oft wird gesagt, dieses und jenes Buch gehe einem \"zu Herzen\", doch in den meisten Fällen ist das nur phrasendrescherische Werbestrategie. Doch im Falle von \"Naokos Lächeln\" stimmt es einfach.
Die Metaphorik, die sich durch die komplette Geschichte zieht, ist so klar und verständlich, das es mich manchmal wundert. Sehr zentral steht das Lied. Ob nun eine der Figuren singt, oder Klavier spielt, ihre Gitarre zur Hand nimmt, oder ob einfach nur eine Platte läuft, die Emotionen der Figuren und des Lesers reagieren sehr fein darauf.
So heißt zum Beispiel der Originaltitel des Romans nicht etwa \"Naokos smile ... just a lovestory\", sondern \"Norwegian Wood\", in Anlehnung an den Song der Beatles, Naokos Lieblingslied, und eine der zentralen Metaphern für das gesamte Buch.
Ich weiß nicht, ob \"Naokos Lächeln\" ein guter Einsteig in die Welt von Murakami ist. Ich glaube, man muss schon einiges von ihm gelesne haben, um sich in der komplizierten Welt, die er schafft, zurechtzukommen. Aber wenn man erst einmal in seinen Zügen denken kann, dann ist dieser Roman in seiner tragischen Vielfalt ein Lesegenuss sondergleichen, der deutliche Spuren hinterlässt, wenn man sich in die Geschichte fallen lassen kann.
Ich empfehle unbedingt vor der Lektüre dieses Romans zwei andere Bücher von Murakami, und zwar seine beiden Bände mit Kurzgeschichten.
\"Als ich eines Tages im April das 100%ige Mädchen traf\" und \"Der Elefant verschwindet\" sind Kurzgeschichtensammlungen, in denen nicht selten Charaktere beschrieben werden, die denen in \"Naokos Lächeln\" ähneln. Nicht alle sind verrückt, aber dadurch das es nur so wenige gibt, die es nicht sind, fällt das Verrücktsein nicht auf.
27 Bewertungen, 1 Kommentar
-
31.03.2007, 20:39 Uhr von marina71
Bewertung: sehr hilfreichToll beschrieben, das Buch lese ich gerade... LG
Bewerten / Kommentar schreiben