Muttertag Testbericht

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Erfahrungsbericht von uteker

MUTTERTAG ???

Pro:

Vielleicht ganz nett für die ganz kleinen Kinder

Kontra:

Kommerz - aufgezwungene Liebe an diesem Tag

Empfehlung:

Nein

Morgen ist es nun mal wieder so weit. Wir Mütter werden „gefeiert“.

Da mich schon seit langem das Thema Muttertag beschäftigt - ich habe diesen Tag aus unserem Festtagskalender gestrichen – will ich euch gerne meine Gedanken dazu mitteilen.

So habe ich mich erst einmal ein wenig im Internet nach Informationen umgesehen. Werbung, Werbung, Werbung. Wo bekomme ich was? Die allerschönsten Geschenkideen. Bastelanleitungen. Buchtipps. Blumenstraußbeschreibungen usw. usw. Genau das wollte ich nicht lesen. Auf 2 Seiten fand ich (uteker) dann auch etwas zur Geschichte dieses Tages und habe dort erfahren, dass der Muttertag auf den Mothering Sunday zurückgeführt wird, der bereits seit 1644 und verstärkt ab Mitte des 19. Jahrhunderts in England als Familientag gefeiert wurde. Um 1910 begeisterten sich auch die Amerikaner dafür und führten ihn als offiziellen Feiertag ein.

Bis er dann wieder in Europa und also auch in Deutschland entdeckt wurde, vergingen noch ein paar Jährchen. Ab 1923 wurde dann auch hier an die Mütter gedacht und 1933 der Tag zum Feiertag erklärt. Mütter waren jetzt hoch angesehen, ohne sie kein Nachschub fürs Militär. Und als Höhepunkt des Muttertages wurden kinderreichen Müttern das Mutterkreuz überreicht.

So, und seit dieser Zeit dient dieser Tag dazu, an die Mütter zu denken, sie zu ehren, sie mit Geschenken zu überhäufen. Ich fand es ja noch ganz niedlich, wenn meine Kleinen damals mit selbstgemalten Bildern oder gebastelten Blumentöpfchen, ein kleines Gedicht aufsagend und mit vor Eifer und Freude hochrotem Gesichtchen an mein Bett kamen, nachdem es mir vorher schwer gefallen war, nicht aufzuspringen, als ich Klirren und Scheppern aus der Küche hörte. Denn jetzt gab es auch das obligatorische Muttertagsfrühstück: dick mit Butter und Nutella belegte Brote, Blümchenkaffee oder in Ermangelung der Kaffeekocherfahrung schale Cola, weil mal wieder die Flasche nicht richtig zugemacht worden war. Irgendwie war das richtig rührend. Aber spätestens beim Spülen des Frühstücksgeschirrs kam dann auch wieder Mutter zum Einsatz.

Heute nun sind meine Kinder groß und ich habe in den vielen Jahren, die dazwischen liegen, in meinem Umfeld viele Erfahrungen mit diesem Tag gemacht. Da soll ein Termin gerade am 2. Sonntag im Mai festgemacht werden. Die eine Freundin sagt: „Nein, da kann ich nicht, ich muss dann zu meiner Mutter.“ Die zweite: „Nein, da kann ich nicht, meine Kinder kommen zu mir.“ Obwohl, viel lieber hätten sie mit uns einen schönen Ausflug gemacht.

Und da ist die 80-jährige, die Jahr für Jahr an diesem Tag von ihren 6 Kindern mit Anhang besucht (oder eher aufgesucht) wird. Ganz nervös und völlig erschöpft setzt sie ihrer Familie die schönsten, in tagelanger Arbeit hergestellten Köstlichkeiten vor. Und wenn sie dann abends abgeschlafft und müde vor dem großen Geschirrhaufen steht, sagt sie sich bestimmt: „Ach, wie schön, dass die Kinder noch an mich denken!“ (?)

Gar nicht groß erwähnen möchte ich die Kinder (inzwischen Erwachsene), die ihrer Mutter das ganze Jahr über nur Kummer und Sorgen bereiten und dann an Muttertag mit Blumen in der Hand vor ihr stehen.

Mein Schlüsselerlebnis aber war vor 7 Jahren. Meine Mutti lag nach einem Schlaganfall völlig hilflos im Krankenhaus. Tag für Tag saß ich Stunden an ihrem Bett, habe sie gefüttert, gepflegt, versucht, irgendwie an sie heranzukommen, oder ich war einfach nur da. Und in diesen schlimmen Stunden habe ich an Muttertag nicht gedacht. Mir fiel nur auf, dass auf einmal so viele Besucher auf der Station erschienen. Dicke Blumensträuße und die herrlichsten Pralinenschachteln zierten auf einmal die Nachttische der Mitpatientinnen. Ja, dieses rege Treiben hatte seinen Grund, es war Muttertag, und an diesem Tag wurde dann auch mal der kranken Mütter gedacht.

In diesem Moment habe ich mir geschworen, ich will alles für meine Mutter tun, jeden Tag! Vollkommen egal, ob es ein Wintertag, ein Freitag, ein heißer oder ein verregneter Tag oder ob es eben MUTTERTAG ist.

Ich habe meinen Kindern erklärt, dass ich (uteker) auch nicht an diesem Tag besonders geehrt werden möchte. Wir haben darüber gesprochen und sind uns einig, dass dieser Tag bei uns kein Grund zum Feiern sein soll. Schwieriger war es, bei meiner Schwiegermutter Verständnis für meine Einstellung zu bekommen, doch inzwischen hat sie eingesehen, dass ich ihr mit meiner Hilfe, die sie inzwischen auch braucht, täglich beweise, dass ich sie gerne habe.

Übrigens habe ich versucht, meiner Mutter noch 7 Monate lang bis zu ihrem Tod bei uns zu Hause jeden Tag einen MUTTERTAG zu bereiten.

Und wenn morgen alle Kinder und Mütter aufeinandertreffen, egal in welchem Rahmen und mit welcher Rücksichtnahme, wird meine Familie sich vielleicht sehen oder auch nicht, genau wie an jedem anderen Sonntag. Und ich weiß, wenn ich meine Kinder oder meine Kinder mich brauchen, sind wir jederzeit füreinander da. Und ein kleines Geschenk, ein paar Blümchen oder nur ein paar Minuten Zeit füreinander machen immer Freude.

Das kann man nicht an einem Tag im Jahr festmachen.

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PS: Meine Bewertung mit 3 habe ich vorgenommen, um zu zeigen, dass ich meine Meinung nicht unbedingt allen aufzwingen möchte.

47 Bewertungen, 7 Kommentare

  • Löwin49

    19.12.2002, 11:54 Uhr von Löwin49
    Bewertung: sehr hilfreich

    tja, in diesm Punkt stimm ich voll und ganz zu . Gruß Leonie

  • bavariangirl

    16.05.2002, 00:54 Uhr von bavariangirl
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hallo, Für mich hat dieser Tag eine besondere Bedeutung...mein erstes Kind kam an diesem Sonntag zur Welt und zum Glück ist mir ein wahres Muttertagskind geblieben, vor ein paar Tagen wurde er 18....., Gruesse Susanne

  • wippia

    15.05.2002, 14:31 Uhr von wippia
    Bewertung: sehr hilfreich

    meine Meinung dazu kennst Du ja ;-)) total20

  • darkunit

    12.05.2002, 02:16 Uhr von darkunit
    Bewertung: sehr hilfreich

    *Blumenstrauß überreich* mit den besten Wünschen

  • antjeeule

    11.05.2002, 20:43 Uhr von antjeeule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich denke auch, dass der Muttertag nicht der einzige Tag im Jahr sein sollte, den man mit der Mutter begehen "muss" oder "soll". Schöner scheint mir, dass sich zwischen einer Mutter und ihren Kindern eine Beziehung entwickelt hat,

  • Alusru

    11.05.2002, 16:45 Uhr von Alusru
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein wunderbarer Bericht ich wünsche dir alles Liebe gruß uschi.

  • kleineswoelkchen

    11.05.2002, 16:38 Uhr von kleineswoelkchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    noch 7 Monate jeden Tag ein Muttertag...denn du hast recht, jeder Tag ist ein Tag, den Eltern Danke zu sagen und nicht nur mit Kummer und Sorgen zu Ihnen zu kommen. gruss andy