Mystic River (DVD) Testbericht
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Erfahrungsbericht von wildheart
Schicksalsschläge?
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
In seinem Roman „Mystic River” beschreibt Dennis Lehane die Großstadt, eigentlich das „Prinzip Stadt”, wieder einmal den Dschungel, in den Menschen ihre Breschen schlagen, in dem sie sich einrichten, aufeinander treffen und das finden, was man so leichtfertig Schicksal nennt. Die drei Jungen Jimmy, Dave und Sean spielen Straßenhockey – irgendwo in Boston, einem dieser Dschungel von Stadt. Und Clint Eastwood, den Lehanes Roman faszinierte, nicht mehr los ließ, wie er in einem Interview auf der DVD sagt, nahm sich des Stoffes an, ließ den versierten Drehbuchautor Brian Helgeland („Postman”, „L.A. Confidential”, „Bloodwork”, „Highway zur Hölle”) das Skript verfassen, d.h. er stellte ihn vor die schwierige Aufgabe, aus einem exzellenten Roman ein exzellentes Drehbuch zu zaubern. Gelungen, kann ich nur sagen, ebenso was Eastwood samt seiner äußerst motivierten Hauptdarsteller auf die Leinwand zauberte.
Inhalt
Die Tragik umrandet das Wege-Schlagen der drei Männer. Dave Boyle (als Junge: Cameron Bowen) wird von einem Mann, der sich als Polizist ausgibt, in dessen Karosse gezwungen und später furchtbar missbraucht. Seine Freunde Sean und Jimmy schauen dem Auto nach, lange, nachdem sie kurz zuvor ihre Namen in den noch weichen Beton geritzt hatten. Da stehen ihre Namen, von Dave nur die Anfangsbuchstaben „Da”.
Gut 30 Jahre später haben alle drei ihre Wege geschlagen. Sean (Kevin Bacon) ist Polizist geworden und arbeitet an der Seite von Whitey Powers (Laurence Fishburne). Seine Ehe scheint gescheitert. Seine Frau ist weggezogen, ruft ihn nur ab und zu an, ohne allerdings ein Wort zu sagen. Jimmy hat eine Verbrecherkarriere hinter sich, saß zwei Jahre im Gefängnis, fing sich, heiratete. Und nach dem Tod seiner ersten Frau, Mutter seiner 19jährigen Tochter Katie (Emmy Rossum), lernte er Annabeth (Laura Linney) kennen, mit er zwei kleine Kinder hat. Und Dave Boyle (Tim Robbins) lebt mit seiner Frau Celeste (Marcia Gay Hayden) zusammen; sie haben einen kleinen Sohn. In ihrer Ehe wird nicht viel geredet. Der Missbrauch überschattet ihre Beziehung, auch weil Celeste keine Ahnung davon hat.
Die Wege der drei Männer kreuzen kaum mehr. Die drei sehen sich nur ab und zu; Freunde kann man sie kaum noch nennen. Eines Tages verschwindet Jimmys Tochter Katie. Wenig später wird ihr Auto gefunden, kurz darauf entdecken Sean und Whitey die Leiche der jungen Frau. Katie wurde geschlagen und dann erschossen. Kurz danach erfahren Jimmy und Whitey, dass Katie mit Brendan Harris (Tim Guiry), dem Sohn eines Kriminellen, der vor etlichen Jahren ermordet worden war, nach Kalifornien abhauen wollte.
In der Nacht ihres Todes erscheint Dave zu Hause, blutverschmiert, und erzählt Celeste, er sei überfallen worden und habe den Täter möglicherweise getötet. Doch niemand findet eine Leiche ...
Inszenierung
In gewisser Weise ist „Mystic River” ein Film gegen die stark individualistische Ideologie, die in den USA schon so manche Blüten getrieben hat. Eastwood (und Lehane) verdeutlichen, wie stark Menschen in ihrem Lebensweg von Entscheidungen anderer, Ereignis-„Schnittpunkten”, einschneidenden Einzelereignissen, sozialen Umgebungen usw. abhängig sind, ohne sich dessen bewusst zu sein – Dinge, die ihr Verhalten mehr bestimmen als „bewusste Entscheidungen”.
Drei Ex-Freunde und ihre späteren Ehen sowie zwei tragische Ereignisse – Kindesmissbrauch und Mord – stehen im Zentrum des Films. Alle drei – Jimmy, David und Sean – glauben fest daran, das Richtige zu tun, als die Tochter Jimmys ermordet wird. Sean ermittelt, Jimmy versucht, den Mörder vor der Polizei zu finden, und David glaubt, sich durch sein Handeln von der Tragik seines Kindheitstraumas befreien zu können. Alle drei liegen richtig – und alle drei irren.
Sean glaubt an die Herstellung von Gerechtigkeit, tut alles, um den Mörder zu ermitteln – und kommt doch in gewisser Hinsicht zu spät, weil ein anderer für den Mord sühnen muss. Jimmy sieht einen Mörder, wo keiner ist, und begeht eine Tat, die er nie wiedergutmachen kann. David muss für eine Tat büßen – aber auf eine Weise, die an Tragik kaum zu übertreffen ist.
Jimmy ist mit einer Frau, Annabeth, verheiratet, die den Schutz ihrer Familie über alles stellt. In einer zentralen Szene des Films stellt sie dies sogar über das Leben eines anderen Menschen. Im Gegensatz dazu führt David eine Ehe, in der das Schweigen einen höheren Stellenwert zu haben scheint als alles andere. Der Schatten von Davids Trauma, der über der Ehe liegt, und der emotionale Bruch, der dies in der Beziehung zwischen David und Celeste bedeutet, verleitet Celeste in bezug auf David zu einer Schlussfolgerung mit tragischen Folgen. Sean schließlich treibt die Sehnsucht nach seiner Frau, die ihn verlassen hat, voran, ohne dass ihm dies bewusst ist.
Die sechs Hauptdarsteller, in deren Interpretation der Figuren Eastwood – wie er in einem Interview auf der DVD sagt – kaum eingegriffen hat, spielen nicht nur für sich, sondern auch in bezug aufeinander so gut, wie ich es in dieser Form schon lange nicht mehr erlebt habe. Sean Penns Darstellung Jimmys und Tim Robbins David ragen in ihrer Interpretation noch ein bisschen über die anderen hinaus. Penn gelingt glaubhaft die Darstellung eines Mannes, der Gerechtigkeit will, in seinem Verhalten aber von seiner Vergangenheit eingeholt wird. Robbins verhaltene Darstellung eines verhaltenen Mannes, der sein Trauma nicht los wird, ist kaum zu überbieten.
Summa summarum für mich einer der besten Filme des Jahres 2003. Das Ende des Streifens lässt Eatswood bewusst offen. Zwei Männer stehen vor einer schwierigen Entscheidung. Soll Jimmy seiner Frau folgen? Soll Sean seinem Gewissen folgen? Ein nachdenklich machendes, großartig gespieltes Drama, das nicht nur einmal an eine klassische Tragödie erinnert.
DVD
Bildformat: 2.40:1 (Disc 2 1.33:1)
Sprachen: Deutsch, Englisch (DD 5.1)
Untertitel: Deutsch, Englisch (+ für Hörgeschädigte)
Bonusmaterial: Disc 1: Original-Kommentar von Tim Robbins und Kevin Bacon; Disc 2: Mystic River-Unter der Oberfläche; Vom Buch auf die Leinwand; Charlie Rose Show-Interviews mit Clint Eastwood, Tim Robbins und Kevin Bacon; 2 Kino-Trailer.
(Code 2) 2 Disc Set
Zwei DVDs, beim amazon jetzt für € 8,97 (bei 1aDVD-Shop immerhin umgerechnet € 20,26; bei jpc € 9,99) zu erwerben, die es in sich haben. Neben dem üblichen Beiwerk (Trailer, Audiokommentare) findet man zwei Making Of (22 bzw. 11 Minuten), die allerdings zum Teil identisch sind. Hier kommen die Hauptdarsteller, Eastwood, Helgeland und Lehane zu Wort.
Wesentlich interessanter sind allerdings die Interviews mit Eastwood, Robbins und Bacon in der Charlie-Rose-Show (insgesamt 111 Minuten), in denen die drei nicht nur zum Film, sondern auch zu ihrer Person und anderen Themen befragt werden. Rose ist dabei besonders wichtig, weil er intelligente Fragen stellt, die aus dem üblichen Schema solcher Interviews herausstechen.
Insgesamt ein überdurchschnittliches Bonus-Material, das in seiner Qualität allerdings sehr unterschiedlich ist. Die Audiokommentare von Bacon und Robbins kann man getrost vergessen, da sie für die Interpretation des Films oder der Rollen nichts hergeben.
An der BILDQUALITÄT gibt es kaum etwas auszusetzen. Lediglich bei Großaufnahmen, Totalen vermisst man die ansonsten gewohnte Schärfe. Blau, erd- und hautfarbene Töne beherrschen die Szenerie. Die Farben vermitteln ein realistisches Abbild. Beim TON gibt es von mir keine Kritik.
Wertung Film: 10 von 10 Punkten,
Prädikat: besonders wertvoll.
Wertung DVD: 9 von 10 Punkten
P.S. Denis Lehanes Roman ist übrigens bei Ullstein erschienen und kostet (gebunden, bei amazon) € 8,95.
Mystic River
(Mystic River)
USA 2003, 137 Minuten
Regie: Clint Eastwood
Drehbuch: Brian Helgeland, nach dem gleichnamigen Roman von David Lehane
Musik: Clint Eastwood, Kyle Eastwood
Director of Photography: Tom Stern
Montage: Joel Cox
Produktionsdesign: Henry Bumstead
Darsteller: Sean Penn (Jimmy Markum), Tim Robbins (David Boyle), Kevin Bacon (Sean Devine), Laurence Fishburne (Sgt. Whitey Powers), Marcia Gay Harden (Celeste Boyle), Laura Linney (Annabeth Markum), Kevin Chapman (Val Savage), Tom Guiry (Brendan Harris), Emmy Rossum (Katie Markum), Spencer Treat Clark (Silent Ray Harris), Andrew Mackin (John O’Shea), Adam Nelson (Nick Savage), Robert Wahlberg (Kevin Savage)
Internet Movie Database:
http://german.imdb.com/title/tt0372056
© Ulrich Behrens 2005
55 Bewertungen, 5 Kommentare
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13.09.2011, 09:21 Uhr von XXLALF
Bewertung: besonders wertvolltop-bericht, wobei mir dieser film auch sicher sehr gut gefallen würde. bw und ganz liebe grüße
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07.10.2010, 01:15 Uhr von manu63
Bewertung: sehr hilfreichviele Grüße von Manuela
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09.02.2005, 11:27 Uhr von myra-belle
Bewertung: sehr hilfreichsean kriegt seine frau wieder, hält seine vorher unbekannte tochter im arm. jimmy geht´s glatt noch besser. nach dem motto "ein mann muss tun, was ein mann tun muss" ist es für seien herzallerliebste voll o.k., dass er dave völlig
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16.01.2005, 21:00 Uhr von ZordanBodiak
Bewertung: sehr hilfreichIch schließe mich mal dem Zombie an. Eastwoods "Mystic River" wird gnadenlos überschätzt. Dabei hat der Film enormes Potential - wie man an diesen Film dann aber ein Plädoyer für Selbstjustiz [Laura Lynnes Schlussmonolog
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16.01.2005, 19:26 Uhr von athomzombie
Bewertung: sehr hilfreichnach meinem dafürhalten einer der überschätztesten filme des letzten jahres und ein kitschiges machwerk ... trotzdem schönen sonntagabend!
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