Mystic River (VHS) Testbericht

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ab 75,34
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Erfahrungsbericht von Bjoern.Becher

Eine Entscheidung kann Dein Leben verändern!

Pro:

Darsteller, Skript, Inszenierung, u.v.m.

Kontra:

anstrengend und sehr lang, erfordert hohe Aufmerksamkeit

Empfehlung:

Ja

Ein Schicksalsschlag zerstörte die Freundschaft dreier elfjähriger Junge. Nach einem kleinen Streich mussten Jimmy (Sean Penn) und Sean (Kevin Bacon) vor 25 Jahren mit ansehen, wie ihr bester Freund Dave (Tim Robbins) in das Auto zweier Männer stieg, die allem Anschein nach Polizisten waren. Vier Tage lang war Dave gefangen in einem Erdloch bis er fliehen konnte. Was damals passiert ist, hat er nie jemandem erzählt, doch man kann das Schreckliche Erahnen, auch ohne das es ausgesprochen wurde.

Danach zerbrach die Freundschaft. Man sah sich kaum noch. Nur Dave und Jimmy hatten später wieder etwas mehr Kontakt, da Daves Frau Celeste (Marcia Gay Harden) und Jimmys Frau Annabeth (Laura Linney) Cousinen sind. Nun führt ein zweiter schwerer Schicksalsschlag die drei ehemaligen Freunde wieder zusammen. Jimmys neunzehnjährige Tochter Katie (Emmy Rossum) wurde brutal ermordet. Sean, der mittlerweile Polizist ist, übernimmt die Ermittlungen und in den Fokus dieser gerät Dave. Vor allem für Seans Partner Whitey Powers (Laurence Fishburne) ist es klar, dass Dave der Mörder sein muss. Sean kann daran noch nicht glauben, Jimmy weiß noch nichts von dem schrecklichen Verdacht der Polizei. Der Ex-Kriminelle setzt stattdessen ehemalige Schlägerfreunde auf den Fall an und will das Gesetz selbst in die Hand nehmen. Ein dritter Schicksalsschlag bahnt sich an.


Clint Eastwoods Streifen „Mystic River“ ist nicht umsonst ein heißer Kandidat für den Oscar 2004. Eastwood beweist wieder einmal (nach zum Beispiel Filmen wie „Erbarmungslos“ oder „Perfect World“) was für ein großartiger Regisseur er sein kann. Dabei inszeniert der mittlerweile schon über siebzigjährige Altstar diesen Film völlig anders, als man es von ihm erwarten würde.

Er stellt drei gleichberechtigte Hauptdarsteller in den Mittelpunkt. Er beleuchtet sie einzeln und gemeinsam, wie sich ihre Wege trennen und kreuzen. Das alles taucht er noch in einen für ihn untypischen, sehr modernen Look, gepaart mit Eastwood-untypischen Schnittfolgen.

Untypisch ist auch die fehlende Gradlinigkeit dieses Psychodramas. Eastwood schweift immer wieder in Nebenplots ab, langweilt damit aber nicht, sondern entwickelt den Hintergrund seiner Figuren stärker. Der Zuschauer erfährt nur nach und nach immer mehr über die drei „Helden“ und über die Hintergründe des Mordes. Auch hier wird das ganze immer verworrener, es ergeben sich immer neue Tatverdächtige und Motive, es wird die höchste Aufmerksamkeit des Zuschauer gefordert, um dem ganzen folgen zu können.

Eastwood zeigt drei Einzelschicksale, die zusammen gehören. „Eine Entscheidung kann Dein Leben verändern“ sagt Jimmy in einer Szene des Films zu Sean. Die Entscheidung, die er meint, war die Frage wer damals in das Auto der angeblichen „Polizisten“ stieg. Es war Dave, es hätte genauso gut Jimmy oder Sean sein können. Daves Leben wurde dadurch zerstört, er hat sich seiner Mitwelt nicht mehr öffnen können, wurde ein verschlossener Mann, der viel zu lange bei seiner Mutter gelebt hatte, bis er endlich eine Frau gefunden hat, der er sich nie traute sein Trauma anzuvertrauen. Die Unehrlichkeit in diese Richtung hat seine Beziehung geprägt und so traut er sich auch nicht seiner Frau die Wahrheit zu sagen, als er eines Nachts völlig blutverschmiert nach Hause kommt.

Es ist die Nacht in der Katie ermordet wurde, Dave war einer der letzten, die sie gesehen hat. Trotzdem zweifelt Jimmy lange an seiner Schuld. Er gibt sich selbst mit die Schuld, dass er damals seinen besten Freund in das Auto steigen ließ. Auch sein Leben hat diese Entscheidung damals verändert. Er wurde zum Kriminellen und beging Überfälle. Erst die Geburt seiner Tochter Katie brachte ihn auf den rechten Weg, ließ ihn ein neues Leben beginnen. Ihr Tod lässt ihn nun in alte kriminelle Seilschaften zurückrutschen.

Auch der dritte im Bunde, der Polizist Sean ist wenn man genauer hinschaut, von den damaligen Ereignissen gekennzeichnet. Er ist seit sechs Monaten von seiner Frau getrennt, ruft sie immer wieder an, am Telefon sprechen sie kein Wort miteinander, sondern schweigen sich an und verdrängen ihre Probleme. Genauso wie er über die „Sache“ damals schweigt, wie er sie verdrängt hat.

Eastwood inszeniert seinen Film mit einer Länge deutlich über zwei Stunden recht langsam. Er nimmt in dieser Hinsicht wenig Rücksicht auf das Publikum, erwartet von diesem, dass es sich Zeit nimmt, auch über einige sehr anstrengende und sich ziehende Szenen hinweg, denn diese haben wie jede Szene in diesem Film eine Bedeutung. Er liefert dem Zuschauer aber auch eine große Dramatik, diese nur auf eine ungewöhnliche Weise. Einzelne Szene gehören zum besten was je über die Kinoleinwand geflimmert ist, wenn man nur sieht wie Dave, wie ein Häufchen Elend auf der Treppe sitzt oder den grandios gefilmten Showdown des Streifens:

[SPOILER]
In diesem lässt Eastwood zwei Szenen parallel ablaufen. In der einen brüllt der weinende Jimmy seinen ehemals besten Freund Dave an, fleht ihn den Mord an seiner Tochter zu gestehen, glaubt ihm nicht seine Geschichte, dass er in dieser Nacht wirklich einen Mord begangen hat, aber an einem Pädophilien und nicht an Jimmys Tochter. Er brüllt ihn an endlich zu gestehen, dann wird er ihn leben lassen, doch dann ersticht und erschießt er ihn in seiner Wut doch. Parallel dazu verhaften Sean und sein Partner die wirklichen Mörder.
[SPOILER

„Mystic River“ - so heißt der Fluss der durch Boston fließt und an dem die Handlung spielt - ist ein beeindruckendes Drama über Moral und Selbstjustiz. Dave übte Selbstjustiz und Jimmy übte Selbstjustiz. Man kann beide verstehen, doch erkennt, dass ihr Handeln falsch ist. Beiden bringt ihr Handeln verderben. Dem einen der Tod, dem anderen die Schuldgefühle.

Eastwood hat diesen Film nicht alleine bewerkstellig. Er hat vielleicht seine beste Regiearbeit (von zahlreichen hervorragend) abgeliefert, er hat aber eine sehr gute Crew um sich. Da ist das Script von Brian Helgeland (nach einem Buch von Dennis Lehane), der sich wohl auf das Schreiben von Drehbüchern bzw. Adaptieren von Büchern verlagern sollte, denn das er dies hervorragend kann, hat er vor Msytic River schon mit L.A. Confidential beeindruckend bewiesen, während er mit seinen Regiearbeiten nicht ganz so glücklich agierte. Noch beeindruckender ist allerdings das Schauspielerensemble. Erstklassige Darsteller wie Kevin Bacon, Tim Robbins, Sean Penn, Marcia Gay Harden und Laura Linney agieren hier nochmals beeindruckender als in vielen ihrer hervorragenden Streifen zuvor. Hier wird die Oscar-Jury auf keinen Fall um die Nominierungen des einen oder anderen herumkommen, vor allem Robbins, Penn und Gay Harden haben Oscarnominierungen mehr als verdient.

F A Z I T
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“Mystic River” ist kein einfacher Film, man muss sich auf den Streifen einlassen, sich Zeit für ihn nehmen, die ganze Zeit aufmerksam sein. Dann bekommt man ein großartiges, aber auch schwerverdauliches Drama, geboten mit erstklassigen Darstellern. Ein Film, der bei seiner ersten Sichtung bei mir nur knapp die zehn Punkte verfehlt, der aber bei einer weiteren Sichtung, die sicher folgen wird, große Aussichten auf diese hat.

D A T E N
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Titel Deutschland: Mystic River
Originaltitel: Mystic River
Genre: Thrillerdrama
USA 2003, FSK 16, Laufzeit: 137 Minuten

Darsteller: Sean Penn (Jimmy Markum), Tim Robbins (Dave Boyle), Kevin Bacon (Sean Divine), Laurence Fishburne (Whitey Powers), Marcia Gay Harden (Celeste Boyle), Laura Linney (Annabeth Markum), Kevin Chapman (Val Savage)

Regie: Clint Eastwood
Produktion: Clint Eastwood, Judie Hoyt, Robert Lorenz
Drehbuch: Brian Helgeland nach einem Roman von Dennis Lehane
Kamera: Tom Stern
Musik: Clint Eastwood, Lennie Niehaus
Schnitt: Joel Cox

W E I T E R F Ü H R E N D E * I N F O R M A T I O N E N
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Internet Movie Database: http://german.imdb.com/title/tt0327056/

Online Filmdatenbank: http://www.ofdb.de/view.php?page=film&fid=34868

© Björn Becher 2003, 2004

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