Nachhilfe und Prüfungsvorbereitung Testbericht

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Erfahrungsbericht von Andreas1501

Gut vorbereitet ist schon halb bestanden!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Gut vorbereitet heißt schon fast bestanden!

Abschlussprüfungen - ein leidiges Thema, mit dem ich jedes Jahr aus Neue zu tun habe, denn seit ich als Lehrer tätig bin, gab es noch kein Schuljahr ohne Abschlussklasse(n). Vorzubereiten und zu betreuen habe ich in diesem Bereich Prüfungen von Auszubildenden (Berufsschülern) vor der Industrie- und Handelskammer (IHK) sowie schulische Abschlussprüfungen in Form von Abiturprüfung bzw. Prüfung der höheren Handelsschule.

Meine Erfahrungen aus nunmehr fast 10 Jahren möchte ich in einigen Tipps zusammenfassen. Dazu noch die folgenden Anmerkungen: Jeder Tipp für sich genommen liest sich eigentlich als pure Selbstverständlichkeit, ist es aber keineswegs, denn dann müssten viele Prüfungen anders ausfallen. Leider gehen viele Schüler und Auszubildende schlecht oder falsch vorbereitet in ihre Prüfungen, weil sie Tipps wohlmeinender Ausbilder und Lehrer nicht beherzigen und als Gefasel abtun. Da kann ich nur sagen: Selber schuld! Doch nun die einzelnen Tipps:


1. Rechtzeitig mit der Vorbereitung beginnen
Dass eine Abschlussprüfung naht, weiß man schon lange, in der Regel einige Jahre vorher. Es ist deshalb unbegreiflich, dass viele erst vier Wochen vorher aufwachen und dann in Panik verfallen. Panik aber ist für das Bestehen jedweder Prüfung Gift. Daher halte ich es für sinnvoll, rechtzeitig mit der Vorbereitung einer Prüfung zu beginnen. Mit "rechtzeitig" meine ich mindestens ein halbes Jahr oder je nach Schwierigkeit und Umfang der Prüfung auch mehr. Allerdings beobachte ich im schulischen Umfeld ein solch weitsichtiges Vorgehen sehr selten, obwohl ich immer wieder darauf hinweise. Leider ist dem Argument "Es ist doch noch soooo viel Zeit!" kaum zu begegnen, denn für Jugendliche kann ein halbes Jahr wirklich sehr lang sein. Doch die Prüfung naht immer schneller als erwartet, und wer erst in den letzten Wochen beginnt, mal langsam seine Unterlagen zu sortieren, wird unweigerlich schlecht abschneiden oder durchfallen. Deshalb mein Appell: Rechtzeitig beginnen, Unterlagen zusammenzustellen, zu vervollständigen, eventuell auszuarbeiten. Damit "lernt" man zwar vordergründig nichts, wird aber feststellen, dass später das "richtige" Lernen viel schneller geht.


2. Verstehen geht vor auswendig lernen
Nach wie vor glauben viele Schüler, dass allein das Hersagen auswendig gelernter Schlagworte reicht, eine Prüfung zu bestehen. Zum Glück sind diese Zeiten lang vorbei, heute zählt der Gesamtüberblick, der Transfer gelernten Wissens auf andere Bereiche, die Anwendung eben.

Beispiel: Es nützt in einer Programmierprüfung niemandem etwas, eine auswendig gelernte Sortierroutine korrekt hinschreiben zu können, wenn eine ganz andere Sortierung verlangt wird als bisher geübt. Eine solche Transferaufgabe kann nur gelöst werden, wenn das Problem des Sortierens als solches verstanden wurde. In diesem Fall ist dann auch die Anpassung des Programmcodes an eine andere Aufgabenstellung nicht mehr sonderlich schwer.

Es geht also darum, sich ehrlich einzugestehen, wo Verständnislücken sind, und diese aufzuarbeiten. Bloße Gewissensberuhigung in Form stundenlangen Auswendiglernens wird sich nicht in guten Noten auszahlen. Darum hier noch der Hinweis, dass Fragen an Lehrer oder Ausbilder keineswegs verboten sind (einige Ausnahmen bestätigen lediglich die Regel). Auch Mitschüler können gute Quellen sein, darum kann eine längerfristige Zusammenarbeit beim Wiederholen und Lernen sehr sinnvoll sein. Fragen, fragen, fragen heißt die Devise, bis auch das letzte Verständnisproblem aus dem Weg geräumt ist.


3. Wichtiges von Unwichtigem unterscheiden
Es ist vollkommen klar, dass kein Prüfungsteilnehmer alle Inhalte parat haben kann, die für die Prüfung relevant sein könnten. Dazu ist der Stoffumfang fast immer zu groß und die Zeit des Lernens (auch bei rechtzeitigem Beginn) zu kurz. Es gilt also, die Zeit sinnvoll zu nutzen. Dies tut man dadurch, dass man sich Schwerpunkte setzt, diese möglichst komplett bearbeitet und den Rest nur oberflächlich lernt. "Mut zur Lücke" ist halt gefragt, nur: für welche Lücke soll man sich entscheiden?

Das hängt zunächst mal von der Art der Prüfung ab. In schulischen Prüfungen, die von der Schule selbst gestellt werden, können die Lehrer Eingrenzungen vornehmen und tun das in der Regel auch. Wenn ich also meinem Leistungskurs sage, dass Netzwerke im Abitur nicht drankommen, dann ist die erste große Lücke schon definiert. In anderen Bereichen ist es nicht so einfach, aber machbar. Erste Frage: Was war denn im Jahr zuvor dran? Denn: Das dürfte nicht schon wieder kommen... Zweite Frage: Was lässt sich denn gut prüfen? Denn: Auch Lehrer machen sich nicht gern unnötig viel Arbeit. Dritte Frage: Was kam in bisherigen Arbeiten schon dran? Denn: So was Ähnliches könnte nochmal kommen, vgl. die 2. Frage. Hat man allerdings einen megafleißigen Lehrer erwischt, dürften ähnliche Aufgaben wie in Klassenarbeiten sicher nicht mehr drankommen; hier ist das Gespür der Schüler wichtig.

Viel schwieriger ist die Einschätzung der möglichen Lücken bei Zentralprüfungen wie den IHK-Abschlussprüfungen oder dem Abitur in einigen Bundesländern (bei uns zum Glück nicht). Hier wird man sich typische Aufgaben aus der Vergangenheit besorgen und auf Regelmäßigkeiten checken, denn manche Themen kommen immer wieder auf ähnliche Weise dran. Letztlich kommt man aber nicht drumherum, auf allen Gebieten zumindest durchschnittliche Kenntnisse zu erlernen, denn sonst könnte es ein böses Erwachen geben. Gerade die IHK-Prüfungen sind in manchen Berufen nur sehr schwer einzuschätzen, man denke nur an die Prüfungen in den neuen IT-Berufen


4. Externe Möglichkeiten nutzen
Dieser Tipp richtet sich vor allem an Auszubildende! In fast allen Städten gibt es Institutionen (z. B. ABH = ausbildungsbegleitende Hilfe), die Auszubildende mit Leistungsschwächen während ihrer Ausbildungs- und Prüfungszeit betreuen. Ich kenne da viele Varianten von psychologischer Betreuung für Leute mit Prüfungsangst bis hin zum Repetitorium, sprich der Nachbereitung schulischer und betrieblicher Inhalte. Oftmals sind Angebote dieser Art kostenlos oder gegen eine geringe Gebühr zugänglich, weil das Arbeitsamt oder eine andere Institution solche Kurse bezahlt bzw. bezuschusst. Ich will nun nicht sagen, dass ich den Besuch solcher Kurse für alle Azubis empfehle, aber ich habe in den letzten Jahren die Erfahrung gemacht, dass diejenigen, die sich mit der Ausbildung etwas schwer tun, dort recht gut aufgehoben und betreut sind. Man hat halt einen zusätzlichen Zeitaufwand, doch dieser hat sich schon in vielen Fällen gelohnt.


5. Ruhe bewahren
Ein heikler Punkt, denn in Phasen höchster Anspannung kann man kaum die Ruhe bewahren, man lebt in einer Art Dauerstress. Ich erlebe extreme Dünnhäutigkeit bei ansonsten recht ausgeglichenen Schülern, es gibt Streit um Nichtigkeiten, jeder fühlt sich ungerecht behandelt und trotz aller Informationen überhaupt nicht informiert usw. Man sollte zunächst wissen: Das ist normal und kaum zu ändern. Ich kenne nur wenige Menschen, die kurz vor einer Prüfung die Ausgeglichenheit und Ruhe in Person sind. Mir wurde das immer nachgesagt, doch war es wohl eher so, dass ich nach außen hin ruhig wirkte, während es innerlich brodelte. Was kann man also tun?

Nach meiner Erfahrung wird man am ehesten dann ruhig, wenn man mit sich selbst und seinem Lernen im Reinen ist. Wer sich sagen kann: Ich habe genug und das Richtige getan, mehr geht nicht, dürfte sich sicher weniger aufregen als jemand, der gerade mal so ein bisschen gelernt hat. Und damit wären wir wieder beim ersten Punkt: Vermutlich trägt zur Ruhe auch die ausreichende Zeit zum Lernen bei, die man sich gelassen hat, weil man rechtzeitig begann.

Momentan bewundere ich einige meiner diesjährigen Prüfungskandidaten (deren Prüfung liegt Ende April), die mir vorletzte Woche sagten, sie wollten in den Osterferien 10 Tage in Ruhe ausspannen und zu diesem Zweck in die Türkei fliegen. Meine Gegenfrage muss wohl etwas entsetzt geklungen haben, jedenfalls beeilten sie sich zu versichern, sie hätten schon sehr viel wiederholt und fühlten sich bereits jetzt bestens vorbereitet. Ich muss zugeben, dass ich da schon erstaunt war, aber die Ergebnisse dieser Schüler in den letzten Arbeiten lassen wirklich nichts zu wünschen übrig, ganz anders als im Schuljahr davor... Und so dürften diese Schüler eine ordentliche Prüfung - und das in aller gebotenen Ruhe - ablegen.


6. In der Prüfung selbst
Extrem wichtig ist es, die Prüfungsfragen richtig zu lesen und auch zu verstehen. Normalerweise gibt es eine Einlesezeit, die noch nicht zur Prüfungszeit selbst zählt. In dieser Zeit können Verständnisfragen zur Formulierung der Prüfungsaufgaben gestellt werden, die später - wahrscheinlich - nicht mehr beantwortet würden. Nutzt diese Zeit sinnvoll, geht nicht über Verständnisprobleme hinweg, die die Fragenstellung betreffen. Zu schnell hat man eine Aufgabe am Thema vorbei beantwortet, obwohl man die richtige Antwort vielleicht sogar gewusst hätte.

Und ein letzter Punkt: Bis auf wenige Ausnahmen bestehen Abschlussprüfungen aus mehreren, teilweise enorm vielen Aufgaben. Die beste Strategie dürfte es sein, zunächst alles zu beantworten, was einem auf der Zunge liegt und keine Schwierigkeiten macht. Damit hat man schon mal einige Punkte sicher. Erst dann würde ich zu den komplizierteren Aufgaben übergehen, aber mich an keiner einzigen festbeißen. Denn schnell - leider viel zu schnell - hat man eine wertvolle halbe Stunde verloren, ohne damit viele Punkte erzielt zu haben. Fragen aus den Gebieten, in denen man deutliche Lücken hat, sollte man zurückstellen bis zum Schluss, und nur damit anfangen, wenn man genügend Zeit hat. Ich empfehle dringend, sich einen Wecker auf den Tisch zu stellen und öfters mal hinzusehen. Immer wieder erlebe ich es, dass es heißt "Noch eine halbe Stunde!" und daraufhin entsetzte bzw. empörte Reaktionen ernte. Das müsste wirklich nicht sein!


Fazit
Eine Abschlussprüfung zu bestehen, ist gar nicht so schwer, wenn man die grundlegenden Tipps beachtet. Darum nochmals: rechtzeitig mit dem Lernen beginnen, sich gute Unterlagen zusammenstellen, Verständnisprobleme beseitigen und Ruhe bewahren, das sind (einige wenige) Schlüssel zum Erfolg.



© Andreas Wilhelm, 10.03.2002


PS.
Die meisten der hier genannten Tipps hätten mein eigenes Abitur und noch mehr meine Examensprüfung an der Uni um einiges erleichtern können, doch auch ich meinte damals, schlauer zu sein als alle anderen, und machte alle Fehler, die man nur machen kann. Erst bei der Vorbereitung auf mein zweites Staatsexamen lernte ich die Tipps schätzen und anwenden und hatte tatsächlich mit relativ wenig Aufwand ein erstklassiges Ergebnis.

PS2.
Ich erhebe hier keinen Anspruch auf Vollständigkeit und bin auf Ergänzungen gespannt.

PS3.
Die positive Gesamtbewertung bezieht sich auf eine gute Vorbereitung und damit - hoffentlich - auf eine gut oder besser bestandene Prüfung.

35 Bewertungen, 7 Kommentare

  • kay74

    12.05.2002, 04:05 Uhr von kay74
    Bewertung: sehr hilfreich

    tja, ich gehöre auch zu denen, die immer in der letzten sekunde anfangen zu lernen, da erleichtert es schon ungemein, auf Verständnis zu lernen

  • anonym

    13.04.2002, 17:23 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich beginne immer frühzeitig mit der Vorbereitung auf eine Arbeit. Sonst keine eErgänzeungen MFG simbrim

  • kleineswoelkchen

    02.04.2002, 03:41 Uhr von kleineswoelkchen
    Bewertung: sehr hilfreich

    doch sehr umfassend zusammengetragen..find ich gut geschrieben

  • Angel05

    01.04.2002, 23:45 Uhr von Angel05
    Bewertung: sehr hilfreich

    So spontan fallen mir keine Ergänzungen ein... Viele Grüße. Angel05

  • skorpion99

    12.03.2002, 11:29 Uhr von skorpion99
    Bewertung: sehr hilfreich

    Tja, hinterher ist man halt immer schlauer (oder auch nicht) und irgendwie ist etwas Panik auch ganz gut um die grauen Zellen auf Trab zu bringen, finde ich. Gruß vom Skorpion

  • anonym

    10.03.2002, 18:03 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner ausführlicher bericht, man liest sich, gruß mibod

  • unauffaellig007

    10.03.2002, 17:55 Uhr von unauffaellig007
    Bewertung: sehr hilfreich

    das ist eij klasse Bericht von dir, wo schreibst du noch ?