Naked Weapon (DVD) Testbericht

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ab 18,59
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Erfahrungsbericht von CiscoGianino

Miezen-Massaker

Pro:

Action, sexy Darstellerinnen, Ton, Bild

Kontra:

wirres Drehbuch, wenig Extras

Empfehlung:

Ja

Madame M betreibt eine internationale Killer-Agentur. Da ihr momentan das Personal auszugehen scheint, entführt sie 40 Mädchen, die sich alle im Alter von 12-14 Jahren befinden. Sie lässt diese auf eine Insel bringen und über Jahre zu perfekten Kampfmaschinen drillen. Als Abschlussprüfung müssen die jungen Frauen in einem Käfig gegeneinander antreten – nur die einzige Überlebende wird „übernommen“.
Zum Schluss entscheidet sie sich doch anders und lässt drei am Leben – darunter die Freundinnen Charlene (Maggie Q) und Katherine (Anya). Diese werden jetzt in die Welt geschickt um Aufträge für Madame M zu erledigen. Dabei kreuzt ein Polizist ihren Weg, der sich in Charlene verliebt.
Danach taucht wie aus dem Nichts ein Japaner auf, der mächtig sauer ist, dass die Killer-Miezen einst seinen Partner erledigt haben...

Man merkt bereits an der Inhaltsangabe, dass der Film nicht gerade ein in sich geschlossenes Drehbuch zur Verfügung hatte. Der Anfang erinnert mit seiner Ausbildung und dem Überlebenskampf etwas an Kinji Fukasakus „Battle Royale“, ohne jemals auch nur ansatzweise dessen Intensität zu erreichen. Das war wohl auch gar nicht die Intention von Regisseur Ching Siu-Tung, der hier ein wildes B-Movie runterkurbelte.
Der Mittelpart steht dann in bester „Naked Killer“-Tradition mit jeder Menge Sex und Action – allerdings ist das ganze ziemlich hochglanzmäßig inszeniert und nicht so sleazig wie bei der Mutter aller Female-Killer-Filme aus Hongkong. Ching Siu-Tung weiß seine knackigen Mädels sehr gut ins rechte Licht zurücken: Ihre Outfits sind allesamt extraknapp und ständig sind irgendwelche Ventilatoren im Einsatz, damit die hauchdünnen Klamotten und die Haare auch anmutig wehen.
Danach wird auf Teufel komm raus eine Liebesgeschichte in den Film gezwängt, die total unmotiviert und überflüssig wirkt. Der Cop ist ein echter Volltrottel, dem so ziemlich gar nichts gelingt und dem man nahe legen möchte den Beruf zu wechseln, aber er hat das Herz am rechten Fleck und das reicht bei solchen Filmen ja schon meist aus.
Zum Ende taucht noch ein japanischer Oberschurke auf, der ein wenig mit dem Samurai-Schwert wüten darf, aber genauso schnell weggefegt wird wie er gekommen ist.

Haarsträubende Drehbücher, die wild zwischen den einzelnen Handlungsansätzen hin und her springen, ist man ja inzwischen aus Hongkong gewöhnt, aber hier geht es doch ein bisschen zu weit. Produziert wurde der Film von Hongkongs Trashpapst Wong Jing, was sicher so mache Merkwürdigkeit des Films erklärt, da er auch das Drehbuch schrieb.
Regisseur Ching Siu-Tung, der einst Klassiker wie „A Chinese Ghost Story“ oder China Swordsman“ inszenierte, ist in der letzten Zeit eher durch seine Actionchoreographie für Hits wie „Hero“ oder „Shaolin Soccer“ aufgefallen. Mit „Naked Weapon“ liefert er einen netten Trash-Actioner, der nicht viel neues bietet, aber den Hongkong-Fan gut unterhält. Negativ aufgestoßen ist mir die Choreographie der Kampfszenen, die von der Matrix infiziert wurden: Ching Siu-Tung ist neben Yuen Woo-Ping und Corey Yuen sicher der begnadetste Actionchoreograph dieses Planeten, aber hier ist leider recht wenig davon zu sehen. Zwar weiß er die Kampfszenen genial zu inszenieren und mit tollen Kameraschwenks festzuhalten, aber fast alle Duelle sind unendlich von einer quälend übertriebenen Zeitlupe zerdehnt. Slow Motion kann ein hervorragendes Stilmittel sein – wenn man es nicht übertreibt, aber hier wurde echt alles in Zeitlupe festgehalten, egal ob die Heldinnen sich gerade die Schuhe zu binden oder die Nase putzen. Das ist jetzt ein wenig übertrieben von mir, aber es nervt besonders zum Schluss wirklich.

Großartige darstellerische Leistungen sind hier nicht gefragt – gut aussehen reicht schon, aber trotzdem machen die Schauspieler ihre Sache recht solide.
Maggie Q sieht als Charlene wirklich sehr fesch aus. Sie gab 2000 ihr Schauspieldebüt und hat außer „Naked Weapon“ nur noch zwei andere Filme vorzuweisen, von denen „Gen-Y Cops“ sicherlich der wichtigere ist. Killer-Kollegin Anya (einen Nachnamen hat die Dame nicht) steht ihr in nichts nach und kann schon auf eine etwas längere Karriere zurückblicken. Unter anderem spielte sie auch in dem von Tsui Hark produzierten „Vampire Hunters“ mit, der es sogar nach Deutschland geschafft hat. Obwohl die beiden schön anzusehen sind, können sie der großen Chingmy Yau, die die Hauptrolle in „Naked Killer“ inne hatte, nicht das Wasser reichen.
Als Polizist ist Daniel Wu mit dabei, der durch Filme wie „Gen-X Cops“ oder „Purple Storm“ bekannt wurde. Er wirkt häufig etwas deplaziert, was aber mehr am zerfahrenen Drehbuch als an seiner Leistung als Darsteller liegt.
Die einzig wirklich Prominente Schauspielerin in diesem Film ist Cheng Pei Pei, die hier eine Nebenrolle als Mutter von Charlene hat. Bereits Ende der 60er Jahre spielte sie in Martial-Arts-Klassikern wie „Come Drink with Me“ oder „Golden Swollow“ und war 2000 als Jade Fox in Ang Lees „Crouching Tiger, Hidden Dragon“ auch für ein breiteres westliches Publikum zu sehen.

Trotz meiner starken Kritik, macht der Film dennoch Spaß. Regisseur Ching Siu-Tung rührt einen netten Trash-Actioner zusammen, der zumindest Hardcore-Fans des Hongkong-Kinos beglückt.

Die deutsche DVD von MC One ist recht ordentlich geraten. Gleich im Voraus möchte ich auf jeden Fall die Leih-Fassung empfehlen, die die selben Extras wie die Kauf-DVD besitzt, aber ungeschnitten ist. Die Kauf-Fassung wurde gekürzt, da die ungekürzte Version indiziert ist, was den Verkauf erheblich erschwert. Zu unterscheiden sind die DVDs an den Altersfreigaben: Die Leih-DVD ist SPIO/JK geprüft und besitzt kein richtiges FSK-Siegel; die Kauf-Version ist FSK geprüft und ab 18 Jahren freigegeben.
Die Bildqualität ist insgesamt als gut zu beurteilen: Verschmutzungen oder Rauschen konnte ich nicht feststellen, aber teilweise weist das Bild einen leichten Nachzieheffekt auf. Der Kontrast ist sehr gut und auch an den Farben gibt es nichts zu meckern.
Beim Ton kann man zwischen einer deutschen DTS-Spur, einer deutschen, englischen oder kantonesischen Dolby Digital 5.1 Spur wählen. Dazu gibt es noch eine deutsche und eine englische Tonspur in Dolby Digital 2.0 als Headphone Sorround - ob jemand so etwas wirklich braucht sei mal dahingestellt. Hätte man diese weggelassen, wäre etwas mehr Platz für ein noch besseres Bild gewesen.
Die 5.1-Spuren sind allesamt sehr gut. Die Abmischung ist wirklich hervorragend und auch Räumlichkeit und Dynamik überzeugen total. Ein Rauschen gibt es auch nicht.
Hierzu sei noch gesagt, dass der Film in Englisch gedreht wurde. Die kantonesische Tonspur ist also nicht die Originaltonspur.
Als Extras gibt es ein Making of, das circa 25 Minuten lang ist, 19 Trailer zu anderen Filmen, Bio- und Filmographien und Bildergalerien.
Das Making of ist deutsch untertitelt ist ganz interessant, wurde aber mit vielen Filmschnipseln vollgestopft, so dass es eigentlich gar nicht so lang ist. Die Foto-Galerien zeigen Bilder aus dem Film und Bilder vom Dreh.

Insgesamt eine gute DVD, die etwas wenig Bonusmaterial bietet, aber in Bild und Ton zu überzeugen weiß. Der Film selber ist eigentlich nur für Hongkong-Aficionados interessant.



Originaltitel: Naked Weapon
Produktionsland & -jahr: Hongkong 2002
Regie: Ching Siu-Tung
Drehbuch & Produktion: Wong Jing
Choreographie: Ching Siu-Tung
Kamera: Choi Sung Fai
Darsteller: Maggie Q, Anya, Daniel Wu, Jewel Lee, Cheng Pei Pei, Almen Wong, Andrew Lin

16 Bewertungen, 2 Kommentare

  • Stormwatch2k3

    20.06.2004, 02:33 Uhr von Stormwatch2k3
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich bin von dem Asia-Kino nicht unbedingt angetan. ~~Gruß Norman~~

  • Robocop2.

    19.06.2004, 13:06 Uhr von Robocop2.
    Bewertung: sehr hilfreich

    Irgendwo bin ich schonmal über diesen Film gestolpert, hab ihn dann aber nicht gekauft. Hört sich aber schon irgendwie interessant an, finde ich. MfG Dominic