Angstspiel (Taschenbuch) / Jonathan Nasaw Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von winterspiegel
Wovor hast du am meisten Angst?
Pro:
Äußerst spannend und schnell in der Abfolge geschrieben, einnehmende Charakterzeichnung, interessantes Thema
Kontra:
Nicht immer einfallsreich
Empfehlung:
Ja
Es dürfte ja kein allzu großes Geheimnis sein, dass wenn einem eine Geschichte eines Autors richtig gut gefallen hat - oder mehr noch; wenn diese Erzählung aus der Duzendware einschlägiger Literatur herausragt, man sich nur allzu gerne auf weitere Ergüsse dieses Schreibers einzulassen bereit ist.
So war es eigentlich keine Frage, dass auch ich mir noch den zweiten Roman von Jonathan Nasaw zulegte, nachdem mir schon sein erstes ins deutsche übersetztes Werk „Die Geduld der Spinne“ so ausnehmend gut gefallen hatte. Diese Erzählung war nicht nur wegen seiner spannenden Handlung hervorragend geschildert, sondern hatte außerdem eine außergewöhnlich knallharte Handschrift in der nicht wenige grausame Beschreibungen vorkamen, sodass sie noch geraume Zeit bei mir in Erinnerung blieben.
Angst-Phobien sind in der heutigen Gesellschaft ja weiß Gott keine Seltenheit- oder gar etwas Exotisches mehr, die nur eine Minderheit betreffen, sondern unter der Bevölkerung eher sehr verbreitet vorzufinden. Jonathan Nasaw nahm diese Prämisse zum Anlass, um darauf aufbauend in seinem neusten Buch eine Horrorvision zu entwickeln, wie sie sich jederzeit an jedem Ort ereignen könnte – ohne Vorwarnung, äußerst real, und im wahrsten Sinne des Wortes beängstigend.
Handlung
Während es für FBI-Special Agent E. L. Pender der letzte Arbeitstag vor seiner Pensionierung ist, und er sich danach nur noch an der Verbesserung seines Handicaps beim Golfen kümmern will, ist es für Investigative Spezialist Linda Abruzzi der erste Tag in der Sonderabteilung für Serienverbrecher. Im chaotischen, von Aktenordnern übersäten Büro der Fahnderlegende Pender, das von nun an die neue Arbeitsstätte von Abuzzi sein soll, findet die Übergabe statt.
Doch die Multiple Sklerose-Kranke Agentin wird von ihrem Vorgänger sogleich mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert. Die Abteilung wird über kurz oder lang wohl dichtgemacht werden, und für diese Übergangszeit ist sie wegen ihrem Leiden sozusagen nur zu beschäftigungstherapeutischen Zwecken eingesetzt worden.
Doch bevor Pender zu seinem Golfurlaub aufbricht, hat er für seine Nachfolgerin noch eine Sache die er an sie weitergibt. Kurz vor seinem Ruhestand ereichte ihn ein merkwürdiger Brief einer gewissen Dorie Bell. In dem Schreiben bittet sie den FBI-Beamten um seine Hilfe. Sie ist Angstpatientin und trifft sich in regelmäßigen Abständen mit einer Gruppe Leidensgenossen- und Genossinnen. Doch in letzter Zeit verschwanden von dieser Gemeinschaft immer häufiger Leute von der Bildfläche, die später wieder tot aufgefunden wurden – angeblich Selbstmord. Doch die Phobikerin ist überzeugt davon, dass all diese Leute die sie sehr gut kannte, sich nicht einfach so mir-nichts-dir-nichts das Leben genommen haben.
Da Penders Golfdomizil sich nicht unweit von der Wohnung von Dorie Bell befindet, stattet der Special-Agent der beunruhigten Frau einen Besuch ab. Doch der Killer hat sich Dorie schon als nächstes Opfer ausgesucht. Sobald Pender das Haus der Frau verlassen hat (die bei ihm großen Eindruck hinterließ, und er sich deswegen wieder mit ihr verabredete), schlägt der psychopatische Mörder zu. So gelangt sie in die Fänge eines Mannes, der es genießt sich an der Angst anderer zu weiden. Er verspricht sich den ultimativen Kick davon, den er aber schließlich wieder und wieder in immer kürzeren Abständen wiederholen muss…
Kritik
Um es gleich vorweg zu nehmen: Meine hohen Erwartungen die ich in diesen Thriller gesteckt habe, haben sich zumeist fast alle erfüllt. Vom schreiberischen Standpunkt hat sich Nasaw zweifelsohne für meine Begriffe sehr gut weiterentwickelt. Seine Situations- und Personenbeschreibungen sind im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger noch ausgefeilter vorgetragen. Der Autor schafft es sehr hautnah die Gedanken der Protagonisten (vor allem die es Killers und der FBI-Beamtin) zu vermitteln, Sympathien oder Hassgefühle, Zorn oder Anteilnahme zu schaffen, und führt so seine Leserschaft durch eine durchweg spannende Handlung, indem er Äußerst schnell von einem Schauplatz zum nächsten überblendet.
Er geht nicht zu sehr ins Detail wenn es nicht unbedingt notwendig für die Geschichte ist. Dennoch nimmt Nasaw sich die Zeit für die erforderlichen Randgeschichten, die unter anderem die an Down-Syndrom leidende Schwester des Mörders etwas näher vorstellt. Hier hat der Leser die nicht ganz leichte Aufgabe den Bösewicht von mehreren Seiten kennen zu lernen, die sich überraschender Weise nicht immer als durchweg unsympathisch präsentieren.
Das Szenario wechselt ständig von einem Schauplatz zum anderen - ganz in der Art wie der Autor es schon bei „Die Geduld der Spinne“ zu tun pflegte. Überhaupt baut Nasaw seine Geschichte wieder recht ähnlich auf, auch wenn er diesmal bei den Beschreibungen der Gräuel an den Opfern nicht so sehr ins Detail geht, wie er es noch bei seinem ersten Werk teilweise auf geradezu bizarre Weise getan hatte. Er umschreibt hier die Grausamkeiten lieber elegant, und lässt den Betrachter sich hierzu selber ein Bild des Erbarmungslosen zeichnen. Das ist dann vielleicht im ersten Augenblick nicht ganz so schockierend, jedoch erschreckend und an den Nerven nagend ist dieser etwas subtilere Horror aber ohne Frage dennoch.
Eine Sache ist mir noch aufgefallen, die ich nicht unerwähnt lassen will. Als ich eines der Spielchen (in dem der Psychopath ein Opfer in der Wanne festklebte) las, kam mir einiges vage bekannt vor, dachte mir aber nichts weiter dabei, weil gerade diese Szene sehr intensiv vermittelt- und klasse beschrieben wurde. Als sich dann allerdings zum Finale hin eine Wendung abzeichnete, die ich nun sehr direkt mit der Verfilmung von „Roter Drache“ nach dem Roman von Thomas Harris in Verbindung brachte, stutzte ich doch merklich. Zwar hat Nasaw alles schön spannend in ein neues Gewand gekleidet, doch der Grundgedanke war mir dann doch etwas zu offensichtlich abgekupfert. Wer den Film (ob die Szenen in Buch von Harris auch vorkommen weiß ich nicht mehr, da es schon eine Weile her ist, dass ich es gelesen hab) nicht kennt, für den dürfte dieses von mir eben erwähnte - zumindest für mich kleine Ärgernis – aber wohl weniger von Belang sein. Bis auf diese stellenweise leichte Einfallslosigkeiten, hat das Buch aber zweifellos seine unbestreitbaren Stärken.
Eine ganz hervorragende Idee vom Autor ist es sicher sich das Thema Angstphobien ausgesucht zu haben. Hier gibt es natürlich unzählige Möglichkeiten die Erzählung zu bereichern. Und davon machte Nasaw schließlich auch reichlich Gebrauch, sodass man als hautnaher Beobachter von derlei Szenerien sicher nicht nur eine Gänsehaut bekommt, sondern manchmal hat man gar das Gefühl, als würde eine ganze Ameisenarmee über die Wirbelsäule rauf und runter ziehen.
Beim entwerfen seines Bösewichtes, der ja bekanntlich ein nicht zu unterschätzendes Element bei einem derartigen Kriminalstoff darstellt (man denke z.B. nur an die geradezu aus dem Buch quellende Bösartigkeit und Verschlagenheit eines Hannibal Lecter) hat sich der Autor auch sicher ein wenig am großen Vorbild orientiert. Hier kommen nicht nur Intelligenz und Abstammung aus so genanntem gutem Hause ins Spiel, sondern auch ein Stückweit die Charaktereigenschaften von der eigenen schon erschaffenen Psychopathen-Figur aus „Die Geduld der Spinne“, die wie mir scheint in eine bestimmte Richtung weiterentwickelt wurde.
Hier ist der Leser fast schon hin und her gerissen zwischen Verständnis und Verständnislosigkeit, die er diesem Wolf im Schafspelz entgegenbringt, wenn dieser mit seiner eigenen bizarren Logik sich seiner eigenen Angst entziehen versucht, die da simpel ausgedrückt Langeweile heißt.
Der schon aus dem ersten Buch bekannte Charakter des FBI-Veterans Pender ist da schon richtig einfach gestrickt. Zwar erfährt man einiges aus seinem Berufs- und Privatleben, das den neugierig gewordenen Leser mit reichlich Informationen füttert, doch ist es halt gewissermaßen die Geschichte eines bärbeißigen alternden Helden wie es alle Nase lang vorkommt. Daran ändert auch die Liebesbeziehung recht wenig, die er mit eines dem Killer entkommenden Opfers (Dorie Bell) eingeht.
Wirklich gut hingegen fand ich die Einführung der FBI-Agentin Abruzzi. Hier hat Nasaw überaus einfühlsam den Existenzkampf einer jungen Frau geschildert, die sich nicht unterkriegen lässt; weder von ihren ignoranten Vorgesetzten, noch von ihrer ihr schlimm zusetzenden heimtückischen Krankheit.
Das Finale auf die die Handlung letzten Endes zustrebt, ist kurz und Bündig mit ein paar kleineren Überraschungen niedergeschrieben. Nasaw definiert hier das Genre sicher nicht neu, fügt ihm aber unter Verwendung schon bekannter Strickmuster immerhin einige sehenswerte Details hinzu. Damit hat der Autor bis zum atemlosen Schlusspunkt (in dem zwei der vier Hauptpersonen nicht mit dem Leben davonkommen werden) die Fäden fest in der Hand, die er meines Erachtens während des ganzen fesselnden Geschehens immer wieder verstand fachmännisch einzusetzen.
Fazit
Für all diejenigen, die das Wort Serienkiller schon langsam nicht mehr hören können, dürfte jetzt der Moment gekommen sein um zu sagen: Schön und gut, aber war irgendwie alles schon mal da. Und sicher gibt es bei näherer Betrachtung auch hier im Grunde die allgemein bekannten Zutaten für einen derartigen Thriller. Doch Jonathan Nasaw hat immerhin ein Mittel gefunden seine Geschichte verhältnismäßig frisch und andersartig zu gestalten. So liest man sich an den Ausführungen und den beschriebenen Charakteren des Autors regelrecht fest, und merkt dann kaum wenn sich das Buch auch schon wieder dem Ende zuneigt.
Auch wenn die Identität des Täters schon sehr früh feststeht, bietet diese Geschichte doch packende Abwechslung und Hochspannung im Minutentakt, sowie eine klar strukturierte Storylinie die nie zu sehr von der geradlinigen Bahn abkommt, und schließlich und endlich einen bitterbösen Zeitgenossen als Bösewicht, der das was die Menschen am meisten zu verdrängen versuchen, wieder aus den dunkelsten Ecken ihrer Vorstellungskraft hervorzerren… ihre schlimmsten Alpträume… schlichtweg ihre allergrößten Ängste.
© winterspiegel für Ciao & Yopi
Folgende Bücher des Autors sind bereits erschienen:
James Whistler-Reihe:
(1996) The World on Blood
(1997) Shadows
E.L. Pender-Reihe:
(2001) Die Geduld der Spinne
Org. The Girls He Adored
(2003) Angstspiel
Org. Fear itself
(2004) Twenty-Seven Bones
(1987) West of the Moon
(1993) Shakedown Street
So war es eigentlich keine Frage, dass auch ich mir noch den zweiten Roman von Jonathan Nasaw zulegte, nachdem mir schon sein erstes ins deutsche übersetztes Werk „Die Geduld der Spinne“ so ausnehmend gut gefallen hatte. Diese Erzählung war nicht nur wegen seiner spannenden Handlung hervorragend geschildert, sondern hatte außerdem eine außergewöhnlich knallharte Handschrift in der nicht wenige grausame Beschreibungen vorkamen, sodass sie noch geraume Zeit bei mir in Erinnerung blieben.
Angst-Phobien sind in der heutigen Gesellschaft ja weiß Gott keine Seltenheit- oder gar etwas Exotisches mehr, die nur eine Minderheit betreffen, sondern unter der Bevölkerung eher sehr verbreitet vorzufinden. Jonathan Nasaw nahm diese Prämisse zum Anlass, um darauf aufbauend in seinem neusten Buch eine Horrorvision zu entwickeln, wie sie sich jederzeit an jedem Ort ereignen könnte – ohne Vorwarnung, äußerst real, und im wahrsten Sinne des Wortes beängstigend.
Handlung
Während es für FBI-Special Agent E. L. Pender der letzte Arbeitstag vor seiner Pensionierung ist, und er sich danach nur noch an der Verbesserung seines Handicaps beim Golfen kümmern will, ist es für Investigative Spezialist Linda Abruzzi der erste Tag in der Sonderabteilung für Serienverbrecher. Im chaotischen, von Aktenordnern übersäten Büro der Fahnderlegende Pender, das von nun an die neue Arbeitsstätte von Abuzzi sein soll, findet die Übergabe statt.
Doch die Multiple Sklerose-Kranke Agentin wird von ihrem Vorgänger sogleich mit der rauen Wirklichkeit konfrontiert. Die Abteilung wird über kurz oder lang wohl dichtgemacht werden, und für diese Übergangszeit ist sie wegen ihrem Leiden sozusagen nur zu beschäftigungstherapeutischen Zwecken eingesetzt worden.
Doch bevor Pender zu seinem Golfurlaub aufbricht, hat er für seine Nachfolgerin noch eine Sache die er an sie weitergibt. Kurz vor seinem Ruhestand ereichte ihn ein merkwürdiger Brief einer gewissen Dorie Bell. In dem Schreiben bittet sie den FBI-Beamten um seine Hilfe. Sie ist Angstpatientin und trifft sich in regelmäßigen Abständen mit einer Gruppe Leidensgenossen- und Genossinnen. Doch in letzter Zeit verschwanden von dieser Gemeinschaft immer häufiger Leute von der Bildfläche, die später wieder tot aufgefunden wurden – angeblich Selbstmord. Doch die Phobikerin ist überzeugt davon, dass all diese Leute die sie sehr gut kannte, sich nicht einfach so mir-nichts-dir-nichts das Leben genommen haben.
Da Penders Golfdomizil sich nicht unweit von der Wohnung von Dorie Bell befindet, stattet der Special-Agent der beunruhigten Frau einen Besuch ab. Doch der Killer hat sich Dorie schon als nächstes Opfer ausgesucht. Sobald Pender das Haus der Frau verlassen hat (die bei ihm großen Eindruck hinterließ, und er sich deswegen wieder mit ihr verabredete), schlägt der psychopatische Mörder zu. So gelangt sie in die Fänge eines Mannes, der es genießt sich an der Angst anderer zu weiden. Er verspricht sich den ultimativen Kick davon, den er aber schließlich wieder und wieder in immer kürzeren Abständen wiederholen muss…
Kritik
Um es gleich vorweg zu nehmen: Meine hohen Erwartungen die ich in diesen Thriller gesteckt habe, haben sich zumeist fast alle erfüllt. Vom schreiberischen Standpunkt hat sich Nasaw zweifelsohne für meine Begriffe sehr gut weiterentwickelt. Seine Situations- und Personenbeschreibungen sind im direkten Vergleich zu seinem Vorgänger noch ausgefeilter vorgetragen. Der Autor schafft es sehr hautnah die Gedanken der Protagonisten (vor allem die es Killers und der FBI-Beamtin) zu vermitteln, Sympathien oder Hassgefühle, Zorn oder Anteilnahme zu schaffen, und führt so seine Leserschaft durch eine durchweg spannende Handlung, indem er Äußerst schnell von einem Schauplatz zum nächsten überblendet.
Er geht nicht zu sehr ins Detail wenn es nicht unbedingt notwendig für die Geschichte ist. Dennoch nimmt Nasaw sich die Zeit für die erforderlichen Randgeschichten, die unter anderem die an Down-Syndrom leidende Schwester des Mörders etwas näher vorstellt. Hier hat der Leser die nicht ganz leichte Aufgabe den Bösewicht von mehreren Seiten kennen zu lernen, die sich überraschender Weise nicht immer als durchweg unsympathisch präsentieren.
Das Szenario wechselt ständig von einem Schauplatz zum anderen - ganz in der Art wie der Autor es schon bei „Die Geduld der Spinne“ zu tun pflegte. Überhaupt baut Nasaw seine Geschichte wieder recht ähnlich auf, auch wenn er diesmal bei den Beschreibungen der Gräuel an den Opfern nicht so sehr ins Detail geht, wie er es noch bei seinem ersten Werk teilweise auf geradezu bizarre Weise getan hatte. Er umschreibt hier die Grausamkeiten lieber elegant, und lässt den Betrachter sich hierzu selber ein Bild des Erbarmungslosen zeichnen. Das ist dann vielleicht im ersten Augenblick nicht ganz so schockierend, jedoch erschreckend und an den Nerven nagend ist dieser etwas subtilere Horror aber ohne Frage dennoch.
Eine Sache ist mir noch aufgefallen, die ich nicht unerwähnt lassen will. Als ich eines der Spielchen (in dem der Psychopath ein Opfer in der Wanne festklebte) las, kam mir einiges vage bekannt vor, dachte mir aber nichts weiter dabei, weil gerade diese Szene sehr intensiv vermittelt- und klasse beschrieben wurde. Als sich dann allerdings zum Finale hin eine Wendung abzeichnete, die ich nun sehr direkt mit der Verfilmung von „Roter Drache“ nach dem Roman von Thomas Harris in Verbindung brachte, stutzte ich doch merklich. Zwar hat Nasaw alles schön spannend in ein neues Gewand gekleidet, doch der Grundgedanke war mir dann doch etwas zu offensichtlich abgekupfert. Wer den Film (ob die Szenen in Buch von Harris auch vorkommen weiß ich nicht mehr, da es schon eine Weile her ist, dass ich es gelesen hab) nicht kennt, für den dürfte dieses von mir eben erwähnte - zumindest für mich kleine Ärgernis – aber wohl weniger von Belang sein. Bis auf diese stellenweise leichte Einfallslosigkeiten, hat das Buch aber zweifellos seine unbestreitbaren Stärken.
Eine ganz hervorragende Idee vom Autor ist es sicher sich das Thema Angstphobien ausgesucht zu haben. Hier gibt es natürlich unzählige Möglichkeiten die Erzählung zu bereichern. Und davon machte Nasaw schließlich auch reichlich Gebrauch, sodass man als hautnaher Beobachter von derlei Szenerien sicher nicht nur eine Gänsehaut bekommt, sondern manchmal hat man gar das Gefühl, als würde eine ganze Ameisenarmee über die Wirbelsäule rauf und runter ziehen.
Beim entwerfen seines Bösewichtes, der ja bekanntlich ein nicht zu unterschätzendes Element bei einem derartigen Kriminalstoff darstellt (man denke z.B. nur an die geradezu aus dem Buch quellende Bösartigkeit und Verschlagenheit eines Hannibal Lecter) hat sich der Autor auch sicher ein wenig am großen Vorbild orientiert. Hier kommen nicht nur Intelligenz und Abstammung aus so genanntem gutem Hause ins Spiel, sondern auch ein Stückweit die Charaktereigenschaften von der eigenen schon erschaffenen Psychopathen-Figur aus „Die Geduld der Spinne“, die wie mir scheint in eine bestimmte Richtung weiterentwickelt wurde.
Hier ist der Leser fast schon hin und her gerissen zwischen Verständnis und Verständnislosigkeit, die er diesem Wolf im Schafspelz entgegenbringt, wenn dieser mit seiner eigenen bizarren Logik sich seiner eigenen Angst entziehen versucht, die da simpel ausgedrückt Langeweile heißt.
Der schon aus dem ersten Buch bekannte Charakter des FBI-Veterans Pender ist da schon richtig einfach gestrickt. Zwar erfährt man einiges aus seinem Berufs- und Privatleben, das den neugierig gewordenen Leser mit reichlich Informationen füttert, doch ist es halt gewissermaßen die Geschichte eines bärbeißigen alternden Helden wie es alle Nase lang vorkommt. Daran ändert auch die Liebesbeziehung recht wenig, die er mit eines dem Killer entkommenden Opfers (Dorie Bell) eingeht.
Wirklich gut hingegen fand ich die Einführung der FBI-Agentin Abruzzi. Hier hat Nasaw überaus einfühlsam den Existenzkampf einer jungen Frau geschildert, die sich nicht unterkriegen lässt; weder von ihren ignoranten Vorgesetzten, noch von ihrer ihr schlimm zusetzenden heimtückischen Krankheit.
Das Finale auf die die Handlung letzten Endes zustrebt, ist kurz und Bündig mit ein paar kleineren Überraschungen niedergeschrieben. Nasaw definiert hier das Genre sicher nicht neu, fügt ihm aber unter Verwendung schon bekannter Strickmuster immerhin einige sehenswerte Details hinzu. Damit hat der Autor bis zum atemlosen Schlusspunkt (in dem zwei der vier Hauptpersonen nicht mit dem Leben davonkommen werden) die Fäden fest in der Hand, die er meines Erachtens während des ganzen fesselnden Geschehens immer wieder verstand fachmännisch einzusetzen.
Fazit
Für all diejenigen, die das Wort Serienkiller schon langsam nicht mehr hören können, dürfte jetzt der Moment gekommen sein um zu sagen: Schön und gut, aber war irgendwie alles schon mal da. Und sicher gibt es bei näherer Betrachtung auch hier im Grunde die allgemein bekannten Zutaten für einen derartigen Thriller. Doch Jonathan Nasaw hat immerhin ein Mittel gefunden seine Geschichte verhältnismäßig frisch und andersartig zu gestalten. So liest man sich an den Ausführungen und den beschriebenen Charakteren des Autors regelrecht fest, und merkt dann kaum wenn sich das Buch auch schon wieder dem Ende zuneigt.
Auch wenn die Identität des Täters schon sehr früh feststeht, bietet diese Geschichte doch packende Abwechslung und Hochspannung im Minutentakt, sowie eine klar strukturierte Storylinie die nie zu sehr von der geradlinigen Bahn abkommt, und schließlich und endlich einen bitterbösen Zeitgenossen als Bösewicht, der das was die Menschen am meisten zu verdrängen versuchen, wieder aus den dunkelsten Ecken ihrer Vorstellungskraft hervorzerren… ihre schlimmsten Alpträume… schlichtweg ihre allergrößten Ängste.
© winterspiegel für Ciao & Yopi
Folgende Bücher des Autors sind bereits erschienen:
James Whistler-Reihe:
(1996) The World on Blood
(1997) Shadows
E.L. Pender-Reihe:
(2001) Die Geduld der Spinne
Org. The Girls He Adored
(2003) Angstspiel
Org. Fear itself
(2004) Twenty-Seven Bones
(1987) West of the Moon
(1993) Shakedown Street
38 Bewertungen, 1 Kommentar
-
19.10.2004, 15:54 Uhr von linnie
Bewertung: sehr hilfreichdanke für den Tipp, dass Nasaw noch weitere Bücher veröffentlicht hat, war mir jetzt nicht so bewusst...
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