Angstspiel (Taschenbuch) / Jonathan Nasaw Testbericht

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Erfahrungsbericht von Volker111

Tödliches Zuspätkommen

Pro:

Spannung, Psychogramme

Kontra:

Zurechtbiegen der Realität, Grausamkeit

Empfehlung:

Ja

Jonathan Nasaw Angstspiel

♣♣♣ Der Weg zum Buch ♣♣♣

Der erste in Deutschland veröffentlichte Roman Nasaws Die Geduld der Spinne hatte mich beeindruckt. Zwar überschritt er meinem Geschmack nach zuweilen die Grenzen des Erträglichen bezüglich der Intensität der geschilderten grausamen Exzesse eines Frauenmassenmörders, doch konnte ich mich der Spannung und der Faszination des Unfassbaren nicht entziehen.

Als nun ein zweites Taschenbuch im Heyne-Verlag im Mai 2004 als deutsche Erstausgabe erschien, Originalausgabe FEAR ITSELF 2003 Atria Books, wollte ich es wissen:
Wird dieser Roman eine Art Fortsetzung des ersten sein, insbesondere da der alternde, vor der Pensionierung stehende FBI Spezial Agent E.L. Pender wieder eine Hauptrolle spielt oder gibt es einen völlig anders gearteten Fall?

Nun, irgendwie ist beides der Fall. Warum und in welcher Hinsicht erkläre ich in meiner persönlichen Bewertung des Thrillers.

♣♣♣ Inhaltsanriss ♣♣♣

Agent Pender, eine Art Spezialist für Serienkiller, steht kurz vor seiner Pensionierung.
Eine aufs Abstellgleis geschobene an MS erkrankte jüngere Kollegin soll sein Büro übernehmen und von ihm noch eingewiesen werden, nicht unbedingt ein Zeichen der Wertschätzung seiner momentanen und der von ihr erwarteten Fähigkeiten.

Aus einer stumpfsinnigen Recherchearbeit, die mehr einer Überprüfung als einer wirklichen Aufgabe dient, wird die neue Agentin Linda Abruzzi durch den Brief einer Phobikerin Dorie Bell herausgerissen. Ehe sie und Pender sich überhaupt des Ernstes der Situation bewusst sind, befinden sie sich in einem tödlichen Wettlauf mit einem Serienkiller, der gezielt die schlimmsten Ängste seiner Opfer, an unterschiedlichen Phobien leidenden Personen, zur Tatumsetzung ausnutzt.

Bei seinen Morden geht es ihm weniger um das Töten oder gar um Bereicherungen, es ist die erzeugte Angst seiner Opfer, an denen er sich weidet. Diese Angst verstärkt er gezielt mit entsprechenden Hilfsmitteln, bis seine Opfer entweder an ihrer Angst, von eigener Hand oder durch seine Hand sterben.

Bis in einem dramatischen Finale der eigentlich recht früh namentlich bekannte Täter auf seine drei Endspielgegner (Linda, Pender, Dorie Bell) trifft, erfährt der Leser noch sehr viel über die Psyche, das Leiden, teilweise auch das Sterben zahlreicher Phobieopfer, unserer Helden und ihrer Angehörigen. Die Psychogramme wirken recht anschaulich und stimmig gezeichnet.

Die Intensität des Mitleidens, des Erschauerns vor den Möglichkeiten eigener Angstgefühle wird durch den gezielten Einsatz der Sichtweise der Opfer erreicht.
Der Roman beginnt mit den Empfindungen eines Ornithophobikers, der sich langsam bewusst wird, dass ihm völlig hilf- und wehrlos eine Verstümmelung durch Vögel und besonders einer riesigen Schleiereule bevorsteht.

♣♣♣ Wertung ♣♣♣

Die Grundidee, das Angstspiel, bzw. die Furcht vor der Angst an sich als auslösendes Moment für ein jahrzehntelanges Morden, wird in sich stimmig und weitgehend überzeugend dargestellt. Auch die Psychogramme der einzelnen Personen bleiben nicht oberflächlich sondern leuchten die Personen zum Verständnis und Erfühlen recht gut aus.

Parallel zum ersten Roman schafft es ein Serienkiller über einen sehr langen Zeitraum weitgehendst ungestört seinem wahnsinnigen Hobby in einem besonderen Zuhause nachzugehen. Parallel ebenfalls, dass er sich um eine hilfsbedürftige Person in aufopfernder Weise kümmert. Ähnlich ebenfalls die sexuelle Komponente, diesmal aber eher von der Entwicklung her, weniger in der Ausführung und auch nicht so sehr im Mittelpunkt der Taten stehend.

Dementsprechend spielt das Geschlecht bei der Auswahl der Opfer nur eine untergeordnete Rolle, auch wenn unter den Opfern mehr Frauen als Männer sind.
Die Phobie, ja eigentlich eher die besonders ausgeprägte Eigenschaft, intensive Angstgefühle sichtbar nach außen widerzuspiegeln, braucht der Serienkiller, um seine Opfer zum Angstspiel „einzuladen“. Der Mord an und für sich dient dann nur zu seiner Sicherheit bzw. zur Vertuschung der Straftat und der Weiterführung seiner Angstspiele.

So weit es diese Punkte betrifft, ist der Roman durchaus überzeugend, wenngleich etwas zu viel mit medizinischen Fachbegriffen gespickt.
Weniger überzeugend empfinde ich die kriminaltechnische Seite, den Ablauf der polizeilichen Ermittlungsarbeit. Eigentlich wird alles auch mit modernsten Hilfsmitteln durchgeführt, nur, aber das eben zuweilen in der Häufung der Fehler nicht mehr glaubhaft, immer wieder zu spät, so dass unser der Polizei und dem FBI bekannte Täter, mit Personen seines persönlichen Umfeldes sein Angstspiel mit tödlichem Ausgang immer wieder und wieder ausführen kann.

Täterprofil, Zusammenhänge, Bewegungsabläufe, dies alles und mehr erfolgt, nur seltsamer Weise Personenschutz und Überwachung möglicher Kontaktpersonen, durchaus bekannt, erfolgen nicht. Im Gegenteil, nicht einmal der Eigenschutz wird geeignet durchgeführt. Dies stört mich um so mehr, da der Täter nicht einmal besonders genial oder intelligent wäre.
Immer wieder muss er sich als Meister der Improvisation beweisen, wobei die eine oder andere Situation doch arg gestellt wirkt.

Eine ältere Frau mit entsprechender Lebenserfahrung wäre sicherlich nicht so alt geworden, zudem allein und selbständig lebend, wenn sie bei intensivem Gasgeruchs auf einen telefonischen Anruf hin mit einem Feuerzeug überprüft, ob ihr Gasherd wieder funktioniert!!
Vor allem aber könnte sich kein Täter darauf verlassen, dass nicht zwischendurch ein Fenster geöffnet, durch den Funken einer elektrischen Klingel oder wie im Einzelnen auch immer sein notwendiger recht genauer Zeitplan eingehalten würde, ganz zu schweigen davon, ob und wie durch die Explosion welche Verbrennungen im welchen Ausmaß an den Körpern entstehen.

Kurzum, trotz zeitgemäßer Beachtung mancher Techniken wird an einigen Stellen die Realität wundersam zu Gunsten der Täterplanung verbogen.
Aufgefallen aufgrund eigener Erfahrungen auf CIAO oder YOPI mit Google ist mir noch folgendes:
Wird eine Internetseite gelöscht, so kann man im Cache von GOOGLE noch 3 Tage bis zu einer Woche diese Seite (im nicht aktuellen Zustand) aufrufen. Selbst wenn ein Webmaster seine Seite völlig gelöscht hat, ist dies der Fall und er hat auch keinen Einfluss mehr darauf.

Wenn mir bekannte Personen von CIAO/YOPI angeblich wegen eines bestimmten Berichtes gesperrt wurden, habe ich des öfteren über GOOGLE mir diese Seite und andere Infos über das auf CIAO/YOPI nicht mehr vorhandene Mitglied geholt.

Fazit: Der Psychothriller ist spannend, dramatisch, sicherlich ein Roman nur für Leser mit starken Nerven, stimmig in den Psychogrammen aber in der Realitätstreue mit Vorsicht zu genießen. Eine Empfehlung gebe ich für erwachsene Leser mit Neigung zum Horrorgenre, die sich nicht leicht schrecken lassen. Mehr als 4 Sterne möchte ich diesem Buch aber nicht geben, denn die Spannungskurve ähnelt eher einer Berg- und Tal-Linie.

Das Buch, 431 Seiten, ein gut zum Inhalt passendes Cover, kostet bei amazon.de neu
12 Euro, gebraucht ist es bereits ab 6,80 Euro beziehbar.


Gute Nerven und keine Albträume beim Lesen

56 Bewertungen, 9 Kommentare

  • XXLALF

    24.10.2010, 15:47 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ganz liebe sonntagsgrüße

  • Puenktchen3844

    05.02.2009, 00:42 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein schöner Bericht. LG

  • try_or_die87

    07.07.2008, 14:35 Uhr von try_or_die87
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße aus Regensburg

  • anonym

    29.06.2007, 19:29 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Damaris

  • hjid55

    12.05.2007, 16:27 Uhr von hjid55
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sh & lg Sarah

  • Django006

    29.04.2007, 21:45 Uhr von Django006
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh & *lg* Alan ;>))))

  • Baby1

    17.04.2007, 14:59 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • campimo

    25.02.2007, 15:18 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ SH&LG ¨*:•.

  • Tweety30

    23.06.2006, 10:53 Uhr von Tweety30
    Bewertung: sehr hilfreich

    Interessant. LG, Tweety30!