Angstspiel (Taschenbuch) / Jonathan Nasaw Testbericht

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Erfahrungsbericht von GAWOnline1983

+++ An welcher Phobie leidest du? +++

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

I. Allgemeines
Da bereits einige auf meine qualifizierte Meinung zu Jonathan Nasaws Buch „Angstspiel warten, habe ich mich nun entschlossen, meinen neuen Bericht diesem Buch zu widmen. Auf den Autor bin ich mal wieder durch Zufall aufmerksam geworden, als mir der Lesestoff ausging und ich nach der Uni noch ein bisschen Zeit hatte, bis mein Zug fuhr. In Mainz gibt es am Bahnhof zum Glück zwei Relay-Läden mit einer sehr sehr großen Auswahl an Büchern.. Da wurde ich dann beim Stöbern auf „Die Geduld der Spinne“ aufmerksam. Der Vergleich mit Thomas Harris, der uns „Schweigen der Lämmer“ präsentierte, machte mich total neugierig. Ich wollte wissen, ob das Buch diesem Vergleich wirklich standhalten würde oder ob das mal wieder nur ein PR-Gag war. Doch meine Glückssträhne hielt an und ich las eins der besten Bücher in letzter Zeit. Bei Amazon schaute ich schließlich nach, ob es noch weitere Bücher von dem Autor im Handel gibt. Fündig wurde ich leider nicht direkt. Es war nur eine Neuerscheinung in den nächsten Wochen angekündigt. Keine Frage, dass ich dann schließlich genau um diese Zeit dem Buchladen einen Besuch abstatten musste. Und siehe da: Ich wurde auf Anhieb fündig. Daheim fing ich schließlich gleich zu lesen an…

IIhr bekommt erst einmal wieder den gewohnten Kurzüberblick über das Buch, bevor ihr euch in dem darauf folgenden Punkt etwas näher über den Inhalt und die Personen informieren könnt (natürlich ohne zuviel zu verraten ;o)) Ich hoffe jedenfalls, dass euch mein Bericht gefällt und ich eure Neugier auf den Autor wecken kann. Ich bedanke mich schon einmal im Voraus für eure Bewertungen und Kommentare.



II. Kurzinhalt
Er gründete einen Treffpunkt für Menschen mit Phobien. Das nutzt der Unbekannte natürlich aus. Denn nichts bringt ihm mehr Befriedigung, als mit seinen Opfern das „Angstspiel“ durchzuführen…



III. Inhalt
Eigentlich wollte sich der FBI-Agent und Spezialist für Serienmörder namens E. L. Pender sich endlich seinen wohlverdienten Ruhestand gönnen. Eine Nachfolgerin ist auch schon in Sicht. Wenn er deren Anweisung hinter sich hat, hält ihn jedenfalls nichts mehr. Aber das Schicksal will es anders und präsentiert ihm seinen letzten Fall. Von einer Frau namens Dorie Bell erhält er allerdings einen erschreckenden Brief. Sie nahm an einer Tagung für Phobien teil. Nun geschehen allerdings merkwürdige Dinge: Drei der Teilnehmer kamen ums Leben und einer ihrer Bekannten namens Wayne Summer ist nun verschwunden. Das mag zwar nicht unbedingt außergewöhnlich sein, aber man sollte sich schon genau die Todesursache anschauen.

Denn welcher Höhenangstpatient stürzt sich aus dem 19. Stock eines Hochhauses in den Tod? Oder eine Frau, die Blut überhaupt nicht sehen könnte, schneidet sich in der Badewanne die Pulsadern auf und verblutet. Das dritte Opfer, welches an einer Phobie litt, die sich in der Angst vor einem Erstickungstod äußerte, starb mit einer Plastiktüte über dem Kopf.

Für Dorie ist Pender nun der einzige der ihr helfen kann. Und er kommt ihrer Bitte nach und besucht sie in ihrer Heimatstadt, um mehr Informationen über die Toten und den Verschwundenen zu bekommen. Sie erzählt ihm dabei von einer Internetseite, über die Menschen, die an Phobien leiden, mit Gleichgesinnten Kontakt aufnehmen können. Zusammen mit Abruzzi beschließt Pender, der Sache auf den Grund zu gehen. Linda loggt sich schließlich auf der Website ein und hinterlässt eine Nachricht, in der sie eine Schlangenphobie vortäuscht. Sie hofft, dass dieser Text sie zu dem Mörder führen wird. Doch sie ahnt nicht, dass sie sich und ihr Umfeld in tödliche Gefahr bringt, denn der Mörder hat sein ganz eigenes Spiel geplant. Und seine Kandidaten hat er auch schon ausgesucht…



IV. Meine Meinung
So mehr gibt es zu dem Inhalt von meiner Seite aus nicht, da ich euch nur eine kurze Einführung präsentieren möchte, um euch neugierig zu machen. Ich habe oben ja schon geschrieben, dass ich von dem Vorgänger „Die Geduld der Spinne“ absolut begeistert war. Dementsprechend war es gar keine Frage, dass ich mir auch das nächste Buch holen werden würde. Gespannt fieberte ich ja schließlich dem Erscheinungsdatum entgegen und war einfach glücklich es in den Händen zu halten. Obwohl ich gerade inmitten eines anderen Buches war, zog mich „Angstspiel“ einfach magisch an. Also legte ich das andere Buch weg und habe mich dem Lesen begonnen – zwei Tage später schließlich blätterte ich schließlich die letzte Seite um.

Gleich zu Beginn wird dem Leser die „Mordtechnik“ des bis dato Unbekannten näher gebracht. Er hat einen Mann namens Wayne Summer entführt, der an einer Vogelphobie leidet. Ich bin an Grausamkeiten aus den „diversen“ Büchern, die ich hier stehen hatte, ja wirklich einiges gewöhnt, aber zu Beginn dachte ich, dass ich diesen Roman nicht weiter lesen kann. Zu eklig war einfach die Beschreibung, als der Unbekannte Waynes Augenlider mit roher Leber bestrich und dann eine Eule auf ihn los ließ. Mein Magen protestierte jedenfalls heftig. Nun gut, ein paar Seiten mutete ich mir schließlich noch zu und es wurde schließlich auch besser, d. h. so extreme Phobien hat uns Jonathan dann nicht mehr präsentiert – mit einer Maskenphobie konnte ich z. B. ganz gut leben. Außerdem kommen später mehr Andeutungen zum Zug und das Ganze wird der Fantasie des Lesers überlassen. Natürlich ist es auch noch schockierend, aber keineswegs so schlimm, als solche Grausamkeiten noch im Detail lesen zu müssen.

Im Gegensatz zu anderen Büchern ist der Name des Entführers / Mörders sehr schnell bekannt. Deswegen mag man den Romanfiguren ein um das andere Mal zuschreien, was er getan hat, wenn eine von ihnen mit ihm in Kontakt ist. Wie auch schon im letzten Buch wechseln die Kapitel zwischen mehreren Personen hin und her. Hier hat Nasaw aber noch mehr Wert auf die Beschreibungen des Mörders und seines Umfelds gelegt. So erfahren wir z. B. dass er eine erwachsene Schwester hat, die am Down-Syndrom leidet und um die er sich sehr liebevoll kümmert und die er auch von all den Scheußlichkeiten, die er in seinem Keller so treibt, fernhalten möchte. Damit zeichnet Nasaw im Gegensatz zu seinem vorherigen Killer in „Die Geduld der Spinne“ ein ganz anders Bild. Zum Teil entdeckte ich nämlich durchaus Sympathien für den Mörder, gerade wenn es um seine Schwester ging.

Als entsprechend detailliert kann man die Personenbeschreibungen bezeichnen. Neben dem umfassenden Bild, dass von dem Mörder legt der Autor auch Wert auf die weiteren Charakterisierungen. Zum einen sind da die beiden Anti-Helden Linda Abruzzi, die an Multiple Sklerose (für die meisten wohl unter MS bekannt) leidet und der etwas stoische FBI-Agent E. L. Pender, den wir ja schon aus dem vergangenen Roman kennen. Bei Linda erfährt man allerdings etwas mehr über ihren Hintergrund als bei Pender. Allerdings macht der Autor auch bei dieser Figur Fortschritte. Während man im ersten Teil meist das Verschobene und Eigenbrötlerische bei ihm entdeckte, ändert sich dies nun. Zwischen ihm und Dorie Bell entwickelt sich nämlich im Laufe des Buches eine Liebesgeschichte. Natürlich ist diese (wie so oft auch schon in anderen Büchern) vorhersehbar, aber ich fand das nicht wirklich schlimm. Vielmehr nimmt es dem Buch etwas von seinem Schrecken und bringt ein bisschen Wärme in das Ganze. Ich gönnte es der Romanfigur Pender auf jeden Fall und hoffe auch, in dem nächsten Roman noch mehr von ihm lesen zu können.

Das Ende ist nicht das typische Happy-End, das man sich erhofft. Zu Beginn war ich ehrlich gesagt enttäuscht, aber im Nachhinein muss ich sagen, dass es durchaus sehr gut gewählt ist. Etwas anderes hätte glaube ich eher schwerlich zu der Geschichte an sich gepasst. Wer nun wissen möchte, wovon ich rede, der muss das Buch schon selber lesen ;o)

Für mich gehören die beiden Bücher von Jonathan Nasaw jedenfalls zu dem Besten, was ich in letzter Zeit gelesen habe. Nachdem ich ja auch ab und an eine Enttäuschung in der Richtung Krimi / Thriller mache, bin ich über diesen Glücksgriff wirklich froh und ich hoffe jedenfalls, dass von dem Autor noch einige Bücher veröffentlicht werden.

Kurz zusammengefasst kann ich (neben den fünf Sternen) jedenfalls sagen, dass sich das Buch super spannend liest und man es so schnell nicht mehr aus der Hand legen wird, da es einem trotz der Grausamkeiten extrem fesseln wird. Man möchte einfach wissen, wie alles ausgehen wird und was auf dem Weg dorthin noch alles geschehen wird. Durch die Perspektivenwechsel (Opfer / Mörder / FBI / usw.) treibt Nasaw die Spannung noch zusätzlich voran. Die über 400 Seiten sind jedenfalls ein Klacks zu lesen. Leser mit etwas schwachem Magen sollte allerdings von diesem Buch Abstand nehmen, wenn selbst ich – die ja einige „harte“ Beschreibungen gewohnt ist – am Anfang wirklich mal Schlucken musste. Ansonsten kann ich dieses Buch jedem, der ein paar spannende Stunden sucht, wirklich nur empfehlen.



V. Das Buch
„Angstspiel“ erschien in Deutschland erstmals im Mai 2004 bei Heyne. Der Roman umfasst 430 Seiten und ist unter der ISBN 3-453-87756-X für 12,00 Euro im Handel erhältlich. Unter dem Originaltitel „Fear Itself“ erschien das Werk bereits 2003 bei Atria Books. Die Übersetzung ins Deutsche wurde von Sepp Leeb vorgenommen.



VI. Der Autor
Über den Autor ist leider trotz verschiedener Quellen nicht mehr herauszukommen, als dass er in Pacific Grove in Kalifornien lebt.
(Quelle: Autoreninfo in „Die Geduld der Spinne“)



VII. Mehr von Jonathan Nasaw
1. Die Geduld der Spinne
2. Angstspiel
3. Twenty-Seven Bones (deutsche Erscheinungstermin noch unbekannt)




(copyright by Laura Thoma, laurathoma @ yopi, compinion & ciao)

28 Bewertungen, 1 Kommentar

  • anonym

    27.06.2004, 18:30 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hi, was es nicht alles gibt ... Von so einer Phobie habe ich noch nie gehört, ich habe eine Bücher-Phobie, lach, nein, ich lese nur sehr ungern und selten, dazu brauche ich einfach Ruhe und Urlaub, den habe ich aber nur sehr selten ... Gruß