Die Geduld der Spinne (Taschenbuch) / Jonathan Nasaw Testbericht
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Erfahrungsbericht von GAWOnline1983
Ein Nachfolger von Hannibal Lecter?
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
I. Allgemeines
Letzten Dienstag drohte mir wieder einmal der Lesestoff auszugehen, doch zunächst verbrachte ich den ganzen Tag an der Uni. Kurzentschlossen entschied ich mich, bevor ich heimfuhr, noch einen kleinen Abstecher zu meiner Lieblingsbuchhandlung in Mainz am Bahnhof zu machen. Im Wesentlichen hatte ich das Buch „Zurück aus Afrika“ von Corinne Hofmann ins Auge gefasst, entschied mich dann allerdings, noch etwas zu stöbern. Bei den Krimis bzw. Thrillern wurde ich aufgrund des etwas ungewöhnlichen Formates auf Jonathan Nasaws Buch „Die Geduld der Spinne“ aufmerksam. Der Vergleich mit der Romanfigur des Hannibal Lecter von Thomas Harris machte mich noch neugieriger, so dass ich dieses Buch gleich mitkaufte…
Im folgenden Punkt bekommt ihr den gewohnten Kurzüberblick. Falls euch die Geschichte interessiert könnt ihr danach etwas ausführlicher über die Charaktere und den Inhalt nachlesen. Ich hoffe, euch gefällt mein Bericht, wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich auf eure Bewertungen und Kommentare! :)
II. Kurzinhalt
Schon seit Jahren verschwinden Frauen mit rotblondem Haar. Schließlich gelingt es der Polizei, den mutmaßlichen Mörder zu schnappen. Eine Psychologin soll klären, ob wirklich eine schwere Persönlichkeitsstörung bei ihm vorliegt.
III. Inhalt
Ein Unbekannter wird auf dem Highway von der Polizistin Terry Jervis wegen eines kaputten Rücklichts angehalten. Der Mann tötet zunächst einmal seine Beifahrerin und stößt dann dem Deputy das Messer diagonal durch den Kiefer, so dass sie mehrere Zähne verliert. Angeblich kann er sich kurz darauf an nichts mehr erinnern.
In einer kurzen Zwischenblende lernt man eine Frau kennen, die auf einer abgelegenen Farm lebt und deren gesamte Haut verbrannt, sie steht deshalb permanent unter Schmerzmitteln steht und sich nur mit Seide bekleiden kann. Ihre einzigen Freuden sind ihre Hunde und ein junger Mann, den sie bei sich aufgenommen hat. Es scheint sich dabei um den Festgenommen zu handeln. Auffällig ist auch die rotblonde Perücke der Frau…
Dr. Irene Cogan soll schließlich klären, ob bei dem Festgenommenen eventuell eine Persönlichkeitsstörung vorliegt oder ob dieser sie nur simuliert. Bevor sie in ihren Bemühungen weiter fortschreiten kann, fasst der FBI-Agent Pender den Entschluss, sich mit dem Gefangenen in eine Zelle einsperren zu lassen, um eventuell weitere Informationen bezüglich der verschwundenen Frauen zu erhalten. Doch sein Plan geht schief und der Unbekannte kann entfliehen, nicht ohne, dass ein paar Opfer seinen Weg pflastern. Und nun will er sich besonders an Deputy Jervis rächen und sucht sie daheim auf. Zusammen mit ihrer Lebensgefährtin muss sie einige qualvolle Stunden mit den verschiedenen Persönlichkeiten (fortan als „alters“ bezeichnet) über sich ergehen lassen, bevor er sie schließlich brutal ermordet. Als Pender auf die beiden Leichen stößt, ist es schon fast zu spät, denn der Unbekannte hat es mittlerweile geschafft, Irene und ihre beste Freundin Barbara in seine Gewalt zu bringen.
Irenes Naturhaarfarbe ist erdbeerblond, man kann sich nun also denken, was der Unbekannte mit ihr vorhat. Doch was wird aus Barbara werden? Wird er sie bereits zuvor brutal ermorden? Irene scheint noch eine kurze Lebensspanne vergönnt zu sein, da zum einen ihre natürliche Haarfarbe erst nachwachsen muss und zum anderen möchte der Täter immer noch, dass sie eine Therapie mit ihm durchführt, um die verschiedenen alters unter Kontrolle bringen zu können.
IV. Die Hauptcharaktere
1. Dr. Irene Cogan: Die einundvierzigjährige Psychiaterin verlor vor drei Jahren aus heiterem Himmel ihren Ehemann Frank, als sie eines Morgens neben seinem Leichnam aufwachte.
2. Ulysses Christopher Maxwell: Er wurde als Kind von seinen Eltern sehr schlimm missbraucht. In diesem Alter spalteten sich die ersten alters ab, um mit dieser belastenden Situation umgehen zu können. Er wurde später von seiner Lehrerin Miss Miller aufgenommen.
- Max: Max ist das so genannte Haupt-Alter; er tritt meistens in Erscheinung und neigt dazu alles unter kontrollieren haben zu wollen. Max teilt sich bis auf Lyssy mit allen ein Bewusstsein; dementsprechend weiß er auch, was sie von sich geben – sie dürfen aus diesem Grund nur auf seinen „Befehl“ hin in Erscheinung treten.
- Christopher: Christopher ist neben Max der dominierende Charakter. Er ist der Charmeur unter den verschiedenen alters und dafür verantwortlich, mit den rotblonden Frauen anzubändeln, bis sie bereit sind, ihm nach Hause zu folgen, wo für sie ein paar schöne Tage folgen, bis der Täter sein wahres Gesicht offenbart.
- Lyssy: Lyssy ist auf dem Stand eines fünfjährigen Jungen, er bildete allerdings einmal den Grundcharakter aller. Er ist der einzige, mit dem Max sich keine Erinnerungen teilt, auffällig ist seine Ängstlichkeit, für die Max ihn extrem negativ beurteilt.
- Lee: Das alter Lee entwickelte sich infolge eines Gefängnisaufenthaltes, indem es galt körperlich nicht zimperlich zu sein und kämpfen zu können.
- Alicea: Dieses weibliche alter musste den Kindesmissbrauch selbst erleben, sie tritt nur äußerst selten zu Tage. Das letzte Mal ließ Max sie gewähren, als er einen Zellengenossen fast tötete – sie sollte ihn anlocken.
- Kinch: Kinch ist das brutalste alter und ist für die Morde verantwortlich. Er war auch derjenige, der der jungen Frau im Wagen neben ihm den Bauch aufschlitzte.
- Mose: Mose ist der Gedächtnisspeicher aller alters. Wenn er sich einmal ein Buch, eine Landkarte oder ähnliches anschaut, speichert er sie mittels seines fotografischen Gedächtnisses. Die Informationen sind beliebig auf Dauer abrufbar.
- Peter: Dieses alter ist mit Blindheit bestraft und kommt nur bei äußerst unangenehmen Situationen zum Einsatz, z.B. wenn es um körperliche Annäherung bei Miss Miller geht.
- Martin: Christopher findet eines Tages Tagebuchaufzeichnungen die von diesem alter stammen, das anscheinend vor einiger Zeit getötet wurde und aus diesem Grund keine große Rolle mehr spielt.
3. FBI-Agent E.L. Pender: Der glatzköpfige Agent hat seit einiger Zeit Probleme mit seiner Karriere. Zu allem Überfluss wurde er auch noch geschieden. Er möchte nichts sehnlicher, als an dem Fall dranbleiben und den Täter schnappen zu können. Pender ist sogar bereit, seine Pension freiwillig nach diesem Fall anzutreten, wenn ihn seine Vorgesetzten nur nicht von dem Fall abziehen. Doch leider hält er sich nicht gerne an Vorschriften und so droht einiger Ärger…
4. Miss Miller: Miss Miller war die Lehrerin von Ulysses Christopher Maxwell. Sie nahm ihn schließlich bei sich auf. Einige Zeit lief auch alles gut, doch dann entwickelte sich eine sexuelle Beziehung zwischen dem altersmäßig sehr weit auseinander liegenden Paar. Diese beendete Miss Miller doch, als sie einen Mann in ihrem Alter kennen lernte. Die beiden wollten sogar heiraten, doch dann macht Ulysses dem ganzen einen Strich durch die Rechnung…
V. Meine Meinung
Zunächst einmal fand ich den Vergleich mit Hannibal Lecter, welcher sowohl auf Frontseite, als in der Inhaltsangabe zu finden ist, etwas gewagt. Doch gleichzeitig machte er mich wie bereits gesagt auch neugierig. Und im Nachhinein kann ich schon einmal sagen, dass er diesem Vergleich auch wirklich standhält, ich habe das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen und konnte es gar nicht mehr weglegen. Die Geschichte fesselte mich einfach zu sehr und ich wolle unbedingt wissen wie es ausgeht.
Für zartbesaitete Leser ist dieses Buch allerdings weniger geeignet, da die Schilderungen manchmal schon extrem und detailliert sind, aber manchmal auch nur aus Andeutungen bestehen – und man muss sich den Rest der Szene selbst ausmalen – aber zum Teil entstehen da schon recht heftige und gewalttätige Bilder.
Sehr interessant fand ich auch die geschilderte psychologische Seite des Buches. Zwar werden zum Teil Fachbegriffe verwendet, die allerdings auch wieder dem Leser auf „normaler“ Ebene näher gebracht. Es werden auch weitere Fälle von DIS – der Persönlichkeitsstörung, an der Max leidet – beschrieben, so dass man dem ganzen auch eine leicht wissenschaftliche Note abgewinnen kann, die durchaus interessant geschildert und geschickt in den Roman eingebaut wurde.
Neben den Charakteren von Maxwell (dazu unten gleich mehr), fand ich auch den der Dr. Irene Cogan sehr gut und glaubwürdig geschildert. Sie spielt nicht nur die toughe Frau, sondern muss auch einmal mit dem Stockholm-Syndrom kämpfen. Dadurch wird die geschilderte Geschichte um einiges glaubwürdiger. Man kann ihre Willenskraft, überleben zu wollen, aber auch ihre Ängste gut nachvollziehen. Anders geht es einem nicht bei FBI-Agent Pender. Zum Teil muss man aber auch über eine Beharrlichkeit und seine Vorgehensweise schmunzeln. Gerade dadurch und durch seinen ungebrochenen Willen, den Mörder festzunehmen und die Frauen, die eventuell noch am Leben sind, zu retten, schließt man ihn in sein Herz.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es allerdings am Verlag – wobei ich persönlich hierfür keine Sterne abziehe, da der Autor damit nichts zu tun hat – in der Inhaltsangabe wird geschrieben, dass man nie wisse, welche der drei Persönlichkeiten nun gerade zu Tage tritt. Nun, wie ihr bereits unter Punkt IV. „Die Hauptcharaktere“ festgestellt habt, bleibt es nicht gerade bei drei alters. Ich stellte mich aufgrund dieser Angabe auch erst einmal darauf ein und war ziemlich überrascht, wie viele es denn nun wirklich gibt. Es wäre ja ein leichtes, den Satz zu ändern und einfach die wirklich Anzahl wegzulassen, die man dann während dem Lesen selber herausfinden muss. Um noch einmal zu den alters zu kommen, am Anfang war es bis auf Kinch, Max und Christopher etwas kompliziert sich alles zu merken, da man es quasi immerhin mit neun eigenständigen Personen zu tun hat, wenn man das so bezeichnen möchte. Aber während des Lesens wird es leichter und man wird keine Probleme mehr damit bekommen. Gerade dadurch wird ja ebenfalls die Spannung aufrechterhalten, da man nie weiß, ob dieses alter nun wirklich gerade an der Reihe ist oder ob Max eventuell sogar nur simuliert, um weitere Informationen zu bekommen. Von den ganzen alters war Christopher jenes, welches man sogar als liebenswert bezeichnen könnte – er ist (neben dem hilfsbedürftigen Lyssy) ja der charmante Charakter, der sich um das Wohl der Frauen sorgt und auch sehr liebevoll mit ihnen umgeht. Gerade dies kann aber eventuell zu dem so genannten Stockholm-Syndrom führen… Mit Lyssy kann man nur Mitglied haben, und irgendwie schließt man ihn auch ins Herz… er ist eben nur ein kleiner verängstigter fünfjähriger Junge.
Das Ende des Buches hat mich zum Teil etwas schockiert und auch nachdenklich gestimmt. Ich möchte jetzt natürlich nichts verraten – ihr müsst das Buch schon selber lesen ;-) Aber gerade im Hinblick auf die Verwahrung von Geisteskranken und Entlassungen allgemein (ist jetzt etwas schwer zu beschreiben, ohne zuviel verraten zu wollen) ist es schon interessant, wie denn die Gesellschaft damit umgeht. Und dass man nie wirklich weiß, was in den Köpfen dieser Menschen vorgeht und ob man sie mit der Zeit als gesund betrachten sollte oder ob eine dauerhafte Störung vorliegt. Manche scheinen intelligenter zu sein, als man vermuten möchte.
Kurz zusammengefasst: Jonathan Nasaw ist ein tolles Erstlingswerk gelungen, das Vergleich mit Hannibal Lecter nicht wirklich scheuen muss und ich freue mich schon auf den nächsten Roman mit FBI-Agent Pender, der für Mai 2004 angekündigt ist.
VI. Das Buch
VII. Der Autor
Über den Autor ist leider trotz verschiedener Quellen nicht mehr herauszukommen, als dass er in Pacific Grove in Kalifornien lebt.
(Quelle: Autoreninfo in „Die Geduld der Spinne“
VIII. Mehr von Jonathan Nasaw
1. Die Geduld der Spinne
2. Angstspiel (angekündigt für Mai 2004)
3. Twenty-Seven Bones (auf Englisch angekündigt für Mai 2004)
So, ich glaube, das war mein längster Buchbericht bisher… euch viel Spaß beim Lesen :)
Liebe Grüße, Laura
(copyright by Laura Thoma, laurathoma @ yopi & ciao)
Letzten Dienstag drohte mir wieder einmal der Lesestoff auszugehen, doch zunächst verbrachte ich den ganzen Tag an der Uni. Kurzentschlossen entschied ich mich, bevor ich heimfuhr, noch einen kleinen Abstecher zu meiner Lieblingsbuchhandlung in Mainz am Bahnhof zu machen. Im Wesentlichen hatte ich das Buch „Zurück aus Afrika“ von Corinne Hofmann ins Auge gefasst, entschied mich dann allerdings, noch etwas zu stöbern. Bei den Krimis bzw. Thrillern wurde ich aufgrund des etwas ungewöhnlichen Formates auf Jonathan Nasaws Buch „Die Geduld der Spinne“ aufmerksam. Der Vergleich mit der Romanfigur des Hannibal Lecter von Thomas Harris machte mich noch neugieriger, so dass ich dieses Buch gleich mitkaufte…
Im folgenden Punkt bekommt ihr den gewohnten Kurzüberblick. Falls euch die Geschichte interessiert könnt ihr danach etwas ausführlicher über die Charaktere und den Inhalt nachlesen. Ich hoffe, euch gefällt mein Bericht, wünsche euch viel Spaß beim Lesen und freue mich auf eure Bewertungen und Kommentare! :)
II. Kurzinhalt
Schon seit Jahren verschwinden Frauen mit rotblondem Haar. Schließlich gelingt es der Polizei, den mutmaßlichen Mörder zu schnappen. Eine Psychologin soll klären, ob wirklich eine schwere Persönlichkeitsstörung bei ihm vorliegt.
III. Inhalt
Ein Unbekannter wird auf dem Highway von der Polizistin Terry Jervis wegen eines kaputten Rücklichts angehalten. Der Mann tötet zunächst einmal seine Beifahrerin und stößt dann dem Deputy das Messer diagonal durch den Kiefer, so dass sie mehrere Zähne verliert. Angeblich kann er sich kurz darauf an nichts mehr erinnern.
In einer kurzen Zwischenblende lernt man eine Frau kennen, die auf einer abgelegenen Farm lebt und deren gesamte Haut verbrannt, sie steht deshalb permanent unter Schmerzmitteln steht und sich nur mit Seide bekleiden kann. Ihre einzigen Freuden sind ihre Hunde und ein junger Mann, den sie bei sich aufgenommen hat. Es scheint sich dabei um den Festgenommen zu handeln. Auffällig ist auch die rotblonde Perücke der Frau…
Dr. Irene Cogan soll schließlich klären, ob bei dem Festgenommenen eventuell eine Persönlichkeitsstörung vorliegt oder ob dieser sie nur simuliert. Bevor sie in ihren Bemühungen weiter fortschreiten kann, fasst der FBI-Agent Pender den Entschluss, sich mit dem Gefangenen in eine Zelle einsperren zu lassen, um eventuell weitere Informationen bezüglich der verschwundenen Frauen zu erhalten. Doch sein Plan geht schief und der Unbekannte kann entfliehen, nicht ohne, dass ein paar Opfer seinen Weg pflastern. Und nun will er sich besonders an Deputy Jervis rächen und sucht sie daheim auf. Zusammen mit ihrer Lebensgefährtin muss sie einige qualvolle Stunden mit den verschiedenen Persönlichkeiten (fortan als „alters“ bezeichnet) über sich ergehen lassen, bevor er sie schließlich brutal ermordet. Als Pender auf die beiden Leichen stößt, ist es schon fast zu spät, denn der Unbekannte hat es mittlerweile geschafft, Irene und ihre beste Freundin Barbara in seine Gewalt zu bringen.
Irenes Naturhaarfarbe ist erdbeerblond, man kann sich nun also denken, was der Unbekannte mit ihr vorhat. Doch was wird aus Barbara werden? Wird er sie bereits zuvor brutal ermorden? Irene scheint noch eine kurze Lebensspanne vergönnt zu sein, da zum einen ihre natürliche Haarfarbe erst nachwachsen muss und zum anderen möchte der Täter immer noch, dass sie eine Therapie mit ihm durchführt, um die verschiedenen alters unter Kontrolle bringen zu können.
IV. Die Hauptcharaktere
1. Dr. Irene Cogan: Die einundvierzigjährige Psychiaterin verlor vor drei Jahren aus heiterem Himmel ihren Ehemann Frank, als sie eines Morgens neben seinem Leichnam aufwachte.
2. Ulysses Christopher Maxwell: Er wurde als Kind von seinen Eltern sehr schlimm missbraucht. In diesem Alter spalteten sich die ersten alters ab, um mit dieser belastenden Situation umgehen zu können. Er wurde später von seiner Lehrerin Miss Miller aufgenommen.
- Max: Max ist das so genannte Haupt-Alter; er tritt meistens in Erscheinung und neigt dazu alles unter kontrollieren haben zu wollen. Max teilt sich bis auf Lyssy mit allen ein Bewusstsein; dementsprechend weiß er auch, was sie von sich geben – sie dürfen aus diesem Grund nur auf seinen „Befehl“ hin in Erscheinung treten.
- Christopher: Christopher ist neben Max der dominierende Charakter. Er ist der Charmeur unter den verschiedenen alters und dafür verantwortlich, mit den rotblonden Frauen anzubändeln, bis sie bereit sind, ihm nach Hause zu folgen, wo für sie ein paar schöne Tage folgen, bis der Täter sein wahres Gesicht offenbart.
- Lyssy: Lyssy ist auf dem Stand eines fünfjährigen Jungen, er bildete allerdings einmal den Grundcharakter aller. Er ist der einzige, mit dem Max sich keine Erinnerungen teilt, auffällig ist seine Ängstlichkeit, für die Max ihn extrem negativ beurteilt.
- Lee: Das alter Lee entwickelte sich infolge eines Gefängnisaufenthaltes, indem es galt körperlich nicht zimperlich zu sein und kämpfen zu können.
- Alicea: Dieses weibliche alter musste den Kindesmissbrauch selbst erleben, sie tritt nur äußerst selten zu Tage. Das letzte Mal ließ Max sie gewähren, als er einen Zellengenossen fast tötete – sie sollte ihn anlocken.
- Kinch: Kinch ist das brutalste alter und ist für die Morde verantwortlich. Er war auch derjenige, der der jungen Frau im Wagen neben ihm den Bauch aufschlitzte.
- Mose: Mose ist der Gedächtnisspeicher aller alters. Wenn er sich einmal ein Buch, eine Landkarte oder ähnliches anschaut, speichert er sie mittels seines fotografischen Gedächtnisses. Die Informationen sind beliebig auf Dauer abrufbar.
- Peter: Dieses alter ist mit Blindheit bestraft und kommt nur bei äußerst unangenehmen Situationen zum Einsatz, z.B. wenn es um körperliche Annäherung bei Miss Miller geht.
- Martin: Christopher findet eines Tages Tagebuchaufzeichnungen die von diesem alter stammen, das anscheinend vor einiger Zeit getötet wurde und aus diesem Grund keine große Rolle mehr spielt.
3. FBI-Agent E.L. Pender: Der glatzköpfige Agent hat seit einiger Zeit Probleme mit seiner Karriere. Zu allem Überfluss wurde er auch noch geschieden. Er möchte nichts sehnlicher, als an dem Fall dranbleiben und den Täter schnappen zu können. Pender ist sogar bereit, seine Pension freiwillig nach diesem Fall anzutreten, wenn ihn seine Vorgesetzten nur nicht von dem Fall abziehen. Doch leider hält er sich nicht gerne an Vorschriften und so droht einiger Ärger…
4. Miss Miller: Miss Miller war die Lehrerin von Ulysses Christopher Maxwell. Sie nahm ihn schließlich bei sich auf. Einige Zeit lief auch alles gut, doch dann entwickelte sich eine sexuelle Beziehung zwischen dem altersmäßig sehr weit auseinander liegenden Paar. Diese beendete Miss Miller doch, als sie einen Mann in ihrem Alter kennen lernte. Die beiden wollten sogar heiraten, doch dann macht Ulysses dem ganzen einen Strich durch die Rechnung…
V. Meine Meinung
Zunächst einmal fand ich den Vergleich mit Hannibal Lecter, welcher sowohl auf Frontseite, als in der Inhaltsangabe zu finden ist, etwas gewagt. Doch gleichzeitig machte er mich wie bereits gesagt auch neugierig. Und im Nachhinein kann ich schon einmal sagen, dass er diesem Vergleich auch wirklich standhält, ich habe das Buch innerhalb eines Tages durchgelesen und konnte es gar nicht mehr weglegen. Die Geschichte fesselte mich einfach zu sehr und ich wolle unbedingt wissen wie es ausgeht.
Für zartbesaitete Leser ist dieses Buch allerdings weniger geeignet, da die Schilderungen manchmal schon extrem und detailliert sind, aber manchmal auch nur aus Andeutungen bestehen – und man muss sich den Rest der Szene selbst ausmalen – aber zum Teil entstehen da schon recht heftige und gewalttätige Bilder.
Sehr interessant fand ich auch die geschilderte psychologische Seite des Buches. Zwar werden zum Teil Fachbegriffe verwendet, die allerdings auch wieder dem Leser auf „normaler“ Ebene näher gebracht. Es werden auch weitere Fälle von DIS – der Persönlichkeitsstörung, an der Max leidet – beschrieben, so dass man dem ganzen auch eine leicht wissenschaftliche Note abgewinnen kann, die durchaus interessant geschildert und geschickt in den Roman eingebaut wurde.
Neben den Charakteren von Maxwell (dazu unten gleich mehr), fand ich auch den der Dr. Irene Cogan sehr gut und glaubwürdig geschildert. Sie spielt nicht nur die toughe Frau, sondern muss auch einmal mit dem Stockholm-Syndrom kämpfen. Dadurch wird die geschilderte Geschichte um einiges glaubwürdiger. Man kann ihre Willenskraft, überleben zu wollen, aber auch ihre Ängste gut nachvollziehen. Anders geht es einem nicht bei FBI-Agent Pender. Zum Teil muss man aber auch über eine Beharrlichkeit und seine Vorgehensweise schmunzeln. Gerade dadurch und durch seinen ungebrochenen Willen, den Mörder festzunehmen und die Frauen, die eventuell noch am Leben sind, zu retten, schließt man ihn in sein Herz.
Einen kleinen Kritikpunkt gibt es allerdings am Verlag – wobei ich persönlich hierfür keine Sterne abziehe, da der Autor damit nichts zu tun hat – in der Inhaltsangabe wird geschrieben, dass man nie wisse, welche der drei Persönlichkeiten nun gerade zu Tage tritt. Nun, wie ihr bereits unter Punkt IV. „Die Hauptcharaktere“ festgestellt habt, bleibt es nicht gerade bei drei alters. Ich stellte mich aufgrund dieser Angabe auch erst einmal darauf ein und war ziemlich überrascht, wie viele es denn nun wirklich gibt. Es wäre ja ein leichtes, den Satz zu ändern und einfach die wirklich Anzahl wegzulassen, die man dann während dem Lesen selber herausfinden muss. Um noch einmal zu den alters zu kommen, am Anfang war es bis auf Kinch, Max und Christopher etwas kompliziert sich alles zu merken, da man es quasi immerhin mit neun eigenständigen Personen zu tun hat, wenn man das so bezeichnen möchte. Aber während des Lesens wird es leichter und man wird keine Probleme mehr damit bekommen. Gerade dadurch wird ja ebenfalls die Spannung aufrechterhalten, da man nie weiß, ob dieses alter nun wirklich gerade an der Reihe ist oder ob Max eventuell sogar nur simuliert, um weitere Informationen zu bekommen. Von den ganzen alters war Christopher jenes, welches man sogar als liebenswert bezeichnen könnte – er ist (neben dem hilfsbedürftigen Lyssy) ja der charmante Charakter, der sich um das Wohl der Frauen sorgt und auch sehr liebevoll mit ihnen umgeht. Gerade dies kann aber eventuell zu dem so genannten Stockholm-Syndrom führen… Mit Lyssy kann man nur Mitglied haben, und irgendwie schließt man ihn auch ins Herz… er ist eben nur ein kleiner verängstigter fünfjähriger Junge.
Das Ende des Buches hat mich zum Teil etwas schockiert und auch nachdenklich gestimmt. Ich möchte jetzt natürlich nichts verraten – ihr müsst das Buch schon selber lesen ;-) Aber gerade im Hinblick auf die Verwahrung von Geisteskranken und Entlassungen allgemein (ist jetzt etwas schwer zu beschreiben, ohne zuviel verraten zu wollen) ist es schon interessant, wie denn die Gesellschaft damit umgeht. Und dass man nie wirklich weiß, was in den Köpfen dieser Menschen vorgeht und ob man sie mit der Zeit als gesund betrachten sollte oder ob eine dauerhafte Störung vorliegt. Manche scheinen intelligenter zu sein, als man vermuten möchte.
Kurz zusammengefasst: Jonathan Nasaw ist ein tolles Erstlingswerk gelungen, das Vergleich mit Hannibal Lecter nicht wirklich scheuen muss und ich freue mich schon auf den nächsten Roman mit FBI-Agent Pender, der für Mai 2004 angekündigt ist.
VI. Das Buch
- Titel: „Die Geduld der Spinne“
- Verlag: Heyne
- Deutsche Erstveröffentlichung: Juni 2003
- Originaltitel / Erscheinungsdatum / Verlag: „The Girls He Adored“, 2001 bei Pocket Books (New York)
- Übersetzung: Sepp Leeb
- Seitenzahl: 400 Seiten
- ISBN: 3-453-87008-5
- Preis: 12,00 Euro
VII. Der Autor
Über den Autor ist leider trotz verschiedener Quellen nicht mehr herauszukommen, als dass er in Pacific Grove in Kalifornien lebt.
(Quelle: Autoreninfo in „Die Geduld der Spinne“
VIII. Mehr von Jonathan Nasaw
1. Die Geduld der Spinne
2. Angstspiel (angekündigt für Mai 2004)
3. Twenty-Seven Bones (auf Englisch angekündigt für Mai 2004)
So, ich glaube, das war mein längster Buchbericht bisher… euch viel Spaß beim Lesen :)
Liebe Grüße, Laura
(copyright by Laura Thoma, laurathoma @ yopi & ciao)
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