Schweden: Nationalpark Abisko Testbericht

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Erfahrungsbericht von vesletroll

Ruf des Nordens - Abisko

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Hallööchen Leute, heute will ich euch von meinem Trip nach Nordschweden berichten, den ich vor ein paar Jahren unternommen habe.

Wir hatten uns je ein Scan-Ticket geleistet – praktisch ein Interrailticket für Skandinavien, damals so um die 300.- DM – und uns zu zweit mit Rucksack und Zelt auf den Weg gemacht. Unser eigentliches Ziel war Narvik und dann weiter nach Harstad, wo wir norwegische Freunde besuchen wollten. Aber wenn man auf diese Weise unterwegs ist, ist natürlich auch der Weg das Ziel.

Ich möchte jedoch nicht die ganze Tour in Einzelheiten beschreiben, sondern mich auf unseren einwöchigen Abstecher in den Abisko Nationalpark beschränken.

Es war zwar erst früher Morgen, aber dank der Mitternachtssonne taghell. Wir hatten den „Nacht“zug von Stockholm genommen, entlang dem Bottenhavet (Ostseeteil) und waren nun hier oben im Norden Schwedens gelandet. Als wir in Stockholm in den Zug gestiegen waren hatte es in Strömen geregnet und etwa eine Stunde später, kurz bevor ich einschlief, hatte sich an diesem „Zustand“ nichts geändert. Ungefähr auf der Höhe von Gällivare war ich aufgewacht – und welch ein Wunder – wir hatten blauen Himmel. Der Zug rollt aus dem Bahnhof von Kiruna in Richtung Narvik. Wir entschlossen uns, bei diesem wunderbaren Wetter, etwa auf halber Strecke zwischen Kiruna und der schwedisch-norwegischen Grenze - bei der Station Abisko - auszusteigen.

Wir hatten diesen Abstecher schon bei der Planung der Fahrt in Erwägung gezogen und uns entsprechend informiert – für den Fall, dass wir schönes Wetter haben sollten – und das hatten wir ja nun.

Die Bahnstrecke verläuft parallel zur E 10 ( die erst 1982 fertig gestellt wurde) , vorbei am gigantischen Massiv des Kebnekaise, dessen Spitze mit über 2000 m eine der höchsten hier im Norden ist, entlang am Torneträsk, einem lang gestreckten See, der sich sicherlich über 50 km dahin zieht.

Die Bahnstrecke selbst wurde schon um die Jahrhundertwende von den „rallarne“ (Eisenbahner) unter unmenschlichen Anstrengungen gebaut - über diese Geschichte ließe sich sicherlich ein eigener Artikel schreiben. Viele Passagen der Strecke sind mit Lawinenüberbauungen versehen, da hier der Winter mit viel Schnee die dominierende Jahreszeit ist.

Die Bahnstation an der man für einen Trip in die schwedische Bergwelt aussteigt heißt „Abisko Turiststation“. Hier liegt – direkt gegenüber dem Bahnsteig, auf der anderen Seite der E 10 – eine Art Bergwandererhotel, eben die Turiststation. Hier erhält man alle Dienstleistungen, die für das Wandern im Gebirge notwendig sind: Lebensmittel, Ausrüstung, Informationen zu den Verhältnissen im „fjäll“ usw. Aber man hat auch die Möglichkeit zu Übernachten oder im Restaurant zu essen. Es gibt ein breites Programm an Angeboten von verschiedenen Aktivitäten - über das Teilnehmen an geführten Touren , wenn man noch nicht so ganz sicher mit der Orientierung im Gelände ist – bis hin zu gemütlichen Abendveranstaltungen. Auch werden einwöchige Themaveranstaltungen (z.B. ornithologische Kurse, die Flora des Nationalparks, aber auch Mal- und Fotografierkurse usw.) angeboten.

Für Autotouristen, ohne das entsprechende Equipment, bietet sich ein kleiner naturpfad rund um die Turiststation an, genannt "Rallerstigen" mit schönen Informationen zu Natur und Geschichte dieser Gegend.
Auch für kleinere Kinder ganz gut geeignet.

Wir aber hatten uns entschlossen, dem hier beginnenden „Kungsleden“ (Königspfad) ein Stück zu folgen. Es ist der wohl populärste Wanderpfad im schwedischen Hochgebirge, der sich von hier über mehrere hundert Kilometer nach Süden zu durch wunderbare Gebirgsregionen erstreckt. Die Wege sind nach meinem Ermessen ordentlich markiert und gut zu finden.

Ausgehend von der Turiststation sollte man sich zunächst den – in einem Canjon verlaufenden - wilden Abiskojåkka anschauen. Ihm kann man eine Weile nach Süden folgen, bevor man sich dann doch wieder direkt den Wegen zuwenden sollte. An den Überquerungsstellen der meist kräftig dahin strömenden Bäche fanden wir passable Hängebrückenkonstrutionen – gut, für ängstliche Zeitgenossen vielleicht nicht so das ganz ideale ;). Das Gelände ist, bei einiger Wandererfahrung, hier am Anfang nicht sonderlich schwierig – aber ein einmaliges Erlebnis. Wenn einem die paar Wanderer, die einem im Laufe einer Stunde begegnen zu viel sind, so kann man auch auf kleine Seitenwege ausweichen und die Ruhe und Einsamkeit in unberührter Natur geniesen. Hierzu sollte man aber unbedingt eine gute Karte besitzen, im Umgang mit dem Kompass geschult sein und die Regeln des Jedermannsrechts einhalten.

Entlang der Strecke finden sich viele einfache Übernachtungsplätze, an denen man sein Zelt aufschlagen und an einer einfachen Feuerstelle kochen kann.

Wer kein Zelt dabei hat, kann in den Fjällstuga (Berghütten) übernachten. Sie werden von der „Schwedischen-Turist-Forenigen“ (STF) unterhalten. Solche Hütten findet man entlang dem Kungsleden etwa im Abstand von 15 bis 18 km. Sie sind gut ausgestattet, etwa mit 20 bis 30 Schlafmöglichkeiten versehen, immer mit einem Nottelefon, oft mit Möglichkeiten zur Proviantversorgung.

Nach 9 Tagen waren wir – auf einem Rundkurs über Abiskojaure, Alesjaure und Unna Allakas – eine Hütte, die nahe der norwegischen Grenze liegt – erschöpft aber glücklich und voll wunderbarer Erfahrungen wieder in „Abisko Turiststation“ angekommen.

Fazit:
*******
Wer Freude am Wandern und wunderbaren Erfahrungen in der Natur hat, der ist hier genau richtig. Allerdings sollte man sich gut gegen Mücken schützen – einheimische Mückenmittel sind die besten nach meiner Erfahrung – an besonderen Stellen kann auch schon mal ein Mückennetz über dem Kopf gute Dienste tun. Aber eine großartige Flora und Fauna entschädigen für manche Anstrengung und Unannehmlichkeit.

P.S. Wusstet ihr, dass die Stechmücken bei der Befruchtung der Multebeeren – einer Köstlichkeit des Norden – mithelfen ???



Danke fürs Lesen und viele Grüße

##vesletroll##

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