Naturpark Hardangervidda Testbericht

No-product-image
ab 6,77
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003

5 Sterne
(2)
4 Sterne
(0)
3 Sterne
(0)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(0)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von firstollib

Reise durchs Hochfjell

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ausgangspunkt der Reise war Røldal, Endpunkt des Ryfylkevegen, das sich, ringsum von hohen Bergen umgeben, als Basis für kleine, große und ganz große Wanderungen in die Fjellwelt anbietet. Während wir dem Hordadal gen Westen folgten, reichen die Schneezungen noch bis an die verreisten Seen des Røldalfjells, auf das uns der spiralförmig ansteigende Hordatunnel bist fast auf 900m Höhe hinaufführte. Es war eine Fahrt durch die Jahreszeiten, auch weit über die Baumgrenze hinaus, die wir am Ende zweier weiterer Tunnel, zusammen rund 10km lang und von starkem Gefälle, wieder erreichen. Dieser Streckenabschnitt ist außerordentlich gut ausgebaut, und angesichts des extrem aufwendigen Straßenverlaufes verwundert es nicht, daß der Straßenbau jährlich rund 4% des norwegischen Staatshaushaltes frißt, also soviel wie das Militär.
Sobald man das Tageslicht wieder erblickt, gähnt der wilde steinige Schlund der Seljestad-Schlucht, diesich tief unten in die klaffende Kerbe des Austdal einschneidet, wohin es nun abschüssig hinuntergeht. Etwa 29km hinter Røldal ist die Talsohle erreicht. Hier gabelt sich die Strasse, während sich die R11 nach links wendet Richtung Haugesund, zweigt die R13 nach rechts ab. Wir bogen ab und standen schon wenige Kilometer später dem zweiarmigen Låtefoss gegenüber, dessen beachtliche Wassermassen sich aus 165m Höhe in den schmalen Grund des Austdal ergießen. Ein beliebtes Fotomotiv und entsprechend lange kann die Parkplatzsuche dauern, und auch auf den folgenden 15km bis Odda fällt es mitunter schwer, eine Nische fürs Auto zu finden, denn herrlich sind in diesem Abschnitt die Ausblicke auf die links aufragenden Bergmassive, über denen die bis zu 170m mächtigen Eishauben des Folgefonn thronen. Dieser Gletscher, 37km lang und bis zu 16km breit, ist der drittgrößte Norwegens und kann mittels geführter 2-Tages Touren an jedem Wochenende im Juli und August ab Odda erklettert werden.
Wo sich die Kerbe des Austdal in den weit ausladenden und rund 100m tiefer gelegenen Trog des Sørfjord öffnet, liegt der 10000 Einwohner große Ort Odda, derf sich trotz zahlreicher industriebedingter Häßlichnkeiten (Zinkhütten,Aluminiumwerke) großer Beliebtheit bei Touristen erfreut. Die Lage ist beeindruckend, in den Bergseen nahebei steht die Forelle, und die Wandermöglichkeiten sind schier unbegrenzt: Sei es auf/über die Hardangervidda oder über die Kvinnherad-Halbinsel, die sich, fast 1700m hoch zwischen Sørfjord, Hardangerfjord und Åkrafjord erstreckt und zu gut einem Fünftel vom Folgefonn-Gletscher bedeckt ist. Es lohnt sich, hier bzw. in der Nähe ein paar Tage zu verweilen. Wer knapp an Zeit ist, sollte sich zumindest einen Besuch des Buarbreen gönnen. Dieser Ausläufer des Folgefonn ist in einer einstündigen Wanderung zu erreichen (kurz vor Odda, oberhalb des Zentrums, links ab Richtung Buar, 6km, ab dort zu Fuß).
Unter Erzgondeln hinweg, an der Zinkhütte vorbei, ging es nun weiter bis nach Kinsarvik. Rund 60km folgten wir nun der Ostseite des Sørfjord,der ein Nebenarm des berühmten Hardangerfjordes ist und wie jener nicht felsumwandet, sondern von grünen Hängen flankiert. Zwar konnte man immer wieder durch Quertäler Blicke auf die Eiszungen des Folgefonn erhaschen, sah hohe Gipfel das himmelsblau ritzen, aber bei allem dominierte eher das Liebliche, das seinen prächtigsten Ausdruck gegen Ende Mai/Anfang JUni findet, wenn die rund 300000 Apfel- und Pflaumen, Birnen- und Kirschbäume, die den Sørfjord zum Obstgarten Norwegens machen, in voller Blüte stehen. Im August/September wird geerntet, feilgeboten werden die Früchte dann im Straßenverkauf,
aber schon im Juni und Juli machen \"Frukt\" Schilder auf sich aufmerksam. Eingeführt wurde dieser Erwerbszweig schon vor rund 900 Jahren, und zwar durch irische Mönche, die außer Gottes Wort auch die Setzlinge brachten.
An der Stelle, wo der Sørfjord über den Utnefjord in den Hardangerfjord übergeht, sich außerdem nach rechts in den Eidfjord öffnet, erstreckt sich an malerischer Bucht, gesäumt von Wald und Wiese, der Ort Kinsarvik, der sich ebenso wie das wenige Kilometer zuvor passierte Städtchen Lofthus als Feriendomizil anbietet. Beide Siedlungen wurden von Mönchen des Zisterzienserordens im 11.Jahrhundert gegründet und erfreuen sich aufgrund der Lage, der Angelmöglichkeiten imm Fjord und der zahlreichen Wanderwege schon seit über 100 Jahren großer Beliebtheit erfreut.
Auch Bootstouren werden organisiert, per Wasserflugzeug kann man die Fjorde und den Folgefonn aus der Vogelperspektive kennenlernen. Im Hardanger-Ferienpark bei Kinsarvik kommen nicht nur Kinder auf ihre Freizeitkosten, und das angrenzende Husedal ist für seine vier Wasserfälle bekannt. Besichtigenswert ist die Kirche von Kinsarvik aus dem 12.Jh., eine der ältesten des Landes (1.5.-15-9. tgl. 9-19Uhr) sowie das Hardanger-Freilichtmuseum in Skredhaugen bei Lofthus, zu sehen sind inbesondere alte Gehöfte.

Diese Reise ist nur für Naturfreaks zu empfehlen und man sollte sich viel Zeit nehmen.

13 Bewertungen