Erfahrungsbericht von steffestef
"Zeit bedeutet nichts"
Pro:
schön, gut zu lesen, emotional
Kontra:
spezielle Thematik, manchmal etwas verwirrend, teilweise kitschig
Empfehlung:
Ja
Henry ist Bibliothekar und arbeitet in der Newberry Bibliothek in Chicago. Er ist 28 und sein Leben völlig aus der Spur geraten. Als er fünf Jahre alt ist, stirbt seine Mutter. Kurz davor passierte es ihm das erste Mal: Zeitreisen! In Stresssituationen, wenn er Fernsehen schaut oder einfach wenn es besonders unpassend ist, verschwindet sein gegenwärtiges Selbst in eine andere Zeit. Als er noch jung ist, bewegt er sich mehr in die Zukunft, mit steigendem Alter mehr in die Vergangenheit. In der anderen Zeit kommt er immer nackt an, außer seinem Körper darf nichts die eigene, gegenwärtige Zeit verlassen. Mit 28 dann trifft er die junge Kunststudentin Clare (20). Aber Clare scheint ihn schon zu kennen! Völlig außer sich begrüßt sie Henry, glücklich, ihn in der Echt-Zeit gefunden zu haben. Die beiden verabreden sich für den Abend zum Essen und dann wird einiges klar. Clare kennt Henry schon seit sie sechs Jahre alt ist. Immer wieder taucht eine ältere Henry-Version in ihrer Kindheit auf. Die beiden haben einen geheimen Treffpunkt auf der Wiese hinter Clares Elternhaus. Mal ist Henry Anfang Dreißig, dann über Vierzig. Der ältere Henry gibt der jungen Clare eine Liste, wann er bei ihr auftauchen wird. Bis Clare 18 ist, geht das so. Danach steht ihr eine zweijährige Trennung bevor, in der sie Henry in der Wirklichkeit trifft.
Kritik:
Soweit kurz der Inhalt. Diese Vorgeschichte ist auch im Buch schnell erzählt. Der Leser beginnt in Henrys und Clares gemeinsamer Gegenwart. Ausgehend von diesem Punkt werden erst die Ereignisse in Clares Vergangenheit aufgerollt (natürlich nicht alle, einige kann man erst dann verstehen, wenn die Erzähl-Echtzeit da angelangt ist, wo der "alte" Henry in die Vergangenheit reist), danach begleitet man die beiden chronologisch in der Zeit nach vorne - immer wieder unterbrochen von Henrys Ausflügen in andere Zeitebenen. Wir sehen die beiden Heiraten, ihr verzweifeltes Bemühen, Kinder zu kriegen und Henrys Wunsch, sich von dieser Chrono-Krankheit (wie er sie selber nennt) befreien zu lassen.
Im Mittelpunkt aber steht die Liebesgeschichte zwischen Clare und Henry. Wie wichtig ist eigentlich zeitliche Kontinuität in einer Beziehung? Die 20-jährige Clare trifft auf einen Henry, der nur ganz wenig mit dem Mann gemeinsam hat, den sie lieben gelernt hat (das war immerhin der wesentlich ältere und reifere Henry). Und wie frei sind wir in unseren Entscheidungen wirklich? Henry macht auf seinen Zeitreisen die Erfahrung, dass er - auch wenn er ein Ereignis ändern möchte - das nicht kann: das Endergebniss bleibt immer dasselbe.
Meinung:
Mir hat das Buch sehr gut gefallen. Am Anfang war ich wegen der episodenhaften Erzählweise etwas verwirrt, das hat sich aber verhältnismäßig schnell gelegt. Jetzt bin ich als alter "Trekki" allerdings auch jemand, der sich gerne gedanklich mit diesen Zeit-Phänomenen, möglichen Auswirkungen etc. beschäftigt. Manch einem mag die Geschichte einfach zu abgehoben erscheinen.
Ein weiterer Knackpunkt ist natürlich das Liebesthema. Wenn man ehrlich ist, geht es vorrangig um die beiden Liebenden, eher zweitrangig um die Fragen des Zeitreisens, der Persönlichkeit, des freien Willens. Entsprechend emotional kommen die Episoden und die Erzählweise daher. Man merkt doch, dass hier eine Frau geschrieben hat ;-). Trotz großer Traurigkeit gibt's natürlich auch ein Happy End (welcher Form sei hier allerdings nicht verraten!!!)
Schwierig ist vielleicht auch, dass das Buch von seinem Leser ein gewisses Maß an Aktivität verlangt. Wer nicht gerade über ein fotografisches Gedächtnis verfügt, muss schon ab und zu nachblättern, um eine zeitliche Begebenheit komplett in ihrem Ablauf erfassen zu können. Mir hat das gut gefallen!
Autorin:
Audrey Niffenegger wurde 1963 in Illinois, USA geboren und lehrt heute als Professorin an der Hochschule Chicago. Ihre Themengebiete umfassen Künste von Buch bis Bild. Neben ihre Schriftstellerei arbeit sie auch noch aktiv als bildende Künstlerin. Ihr Debütrom "Die alte Jungfer" erschien 1986. Ihr bisher berühmtestes Buch jedoch ist "Die Frau des Zeitreisenden" (2003).
22 Bewertungen, 8 Kommentare
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04.03.2007, 23:09 Uhr von mami_online
Bewertung: sehr hilfreichGut dass mein Freund keine Zeitreisen unternimmt *gg LG, Nicole
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09.02.2007, 19:57 Uhr von swissflyer
Bewertung: sehr hilfreich●○● sh ●○●
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09.02.2007, 18:42 Uhr von bodenseestern
Bewertung: sehr hilfreich**liebe Grüße Petra**
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09.02.2007, 17:41 Uhr von sigrid9979
Bewertung: sehr hilfreichSpitze lg Sigi
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09.02.2007, 16:50 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh :o)
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09.02.2007, 16:21 Uhr von bastiansuperstar
Bewertung: sehr hilfreichSH!! LG Bastiansuperstar!
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09.02.2007, 16:08 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
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09.02.2007, 14:36 Uhr von sandrad198
Bewertung: sehr hilfreich''sh+lg Sandra ''
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