Die Frau des Zeitreisenden (Taschenbuch) / Audrey Niffenegger Testbericht

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ab 5,37
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Erfahrungsbericht von BulmaZ

...dass Abwesenheit sehr präsent sein kann.

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Immer, wenn wieder einmal die Entscheidung ansteht, welches Buch als nächstes gelesen wird [was derzeit mangels genügend Zeit viel zu selten geschieht], fällt die Wahl nicht eben leicht. Als ich das letzte Mal vor meinen Regalen stand, wollte ich mal ganz verwegen und mutig sein, sodass ich zu einem Roman griff, das sonst eher nicht zu meinem Beuteschema gehört. Nun war es aber eben da und erregte genügend Neugier, dass ich dazu griff:

Die Frau des Zeitreisenden – Audrey Niffenegger

+++ Bezugsquelle & Preis +++

Gekauft habe ich das Taschenbuch bei eBay. Dort habe ich ca. 2,00 € bezahlt.
Neu kostet es 9,95 €.

+++ Eckdaten +++

Titel: Die Frau des Zeitreisenden
Originaltitel: The Time Traveler’s Wife
Autorin: Audrey Niffenegger
Übersetzung: Brigitte Jakobeit
Verlag: Fischer
Erscheinungsjahr: 2003
Genre: Liebesroman
Seitenanzahl: 540 Seiten

+++ Audrey Niffenegger +++

Audrey Niffenegger (* 13. Juni 1963 in South Haven, Michigan, USA) ist eine amerikanische Schriftstellerin und Künstlerin. […]Ihre Bilder, Zeichnungen und Drucke werden seit 1987 Galerie Printworks in Chicago ausgestellt. Sie sieht sich als Künstlerin vor allem durch die Arbeiten Horst Janssens, Aubrey Beardsleys, Winsor McCays, Jiri Anderles, Käthe Kollwitz', Joseph Cornells, Goyas, Hans Bellmers und Max Ernsts beeinflusst. Ihre Bilderbücher wurden in Handarbeit in einer Auflage von 10 Stück fertiggestellt. Zwei dieser Bücher sind nach dem Erfolge ihres ersten Romans mittlerweile verlegt worden: The Three Incestuous Sisters und The Adventuress. 2003 erschien ihr Roman Die Frau des Zeitreisenden, durch den sie bekannt geworden ist und der 2009 mit Rachel McAdams und Eric Bana in den Hauptrollen verfilmt wurde.

Quelle: www.wikipedia.de

+++ Die Frau des Zeitreisenden +++

Als Henry DeTample das erste Mal auf Clare trifft, ist diese gerade sechs Jahre alt. Doch bereits zu diesem Zeitpunkt weiß er, dass er seine zukünftige Frau vor sich sieht. Denn er hat bereits erlebt, wie er sie heiratet. Henry ist ein Zeitreisender und landet immer wieder einmal in Vergangenheit und Gegenwart.

Clare weiß nie, wann sie Henry wieder trifft – in Stunden, Tagen oder Jahren.
Sie weiß nur, dass sie Henry von ganzem Herzen liebt und fiebert jedes Treffen mit ihm herbei. So ist die Freude groß, als die kleine Clare endlich erwachsen ist und ihren Henry heiraten kann. Doch jeder Tag ist überschattet von der Angst, dass Henry plötzlich wieder verschwindet und vor allem auch, dass ihm dabei etwas zustößt…

+++ Eindrücke +++

Zugegeben – den Plot könnte man in einem Satz zusammenfassen.
Vielleicht macht gerade dieser Fakt den Roman von Audrey Niffenegger so interessant und so vollkommen undurchschaubar, wenn man ihn zum ersten Mal in Händen hält. Es verheißt einfach Spannung, nur zu wissen, dass es um einen Zeitreisenden und seine große Liebe geht, welche Hindernisse dabei entstehen und wie diese umschifft werden. Am interessantesten aber dürfte wohl für jeden Bücherwurm sein, der nicht nur gedankenlos konsumiert, wie Audrey Niffenegger das Ganze wohl umgesetzt haben mag. Davon dürfte man vermutlich eine eher diffuse bis gar keine Vorstellung haben, wirkt der Plot bzw. die Idee doch irgendwie frisch, unverbraucht und einfach neu. Man darf also durchaus hoffen, dass die Autorin sich nicht in schleimigem Kitsch ergeht, sondern etwas ganz Anderes erschaffen hat.

Dass dem so ist, wird bereits deutlich, nachdem man die ersten paar Seiten hinter sich gelassen hat. „Die Frau des Zeitreisenden“ ist in der Tat und erwartungsgemäß anders. Allein schon der Erzählperspektive und der Erzählpersonen wegen. Hinzu kommt allerdings der gesamte Aufbau des Plots. Denn, wie man sich vermutlich im Vorfeld ausmalen kann, gibt es keineswegs einen linearen Handlungsverlauf. Den würde auch allein die Idee für die Geschichte gar nicht zulassen bzw. das gesamte Vorhaben direkt wieder zunichte machen. Wer nun aber denkt, man könne der Geschichte aufgrund der vielen Zeitsprünge nur wenig bis gar nicht folgen, der irrt. Abgesehen von den Kapitelüberschriften, unter denen sich stets eine Jahresangabe mit dem jeweilig aktuellen Alter der Protagonisten befindet, ist der rein technische Aufbau so gut strukturiert, dass man tatsächlich den Eindruck von organisiertem Chaos hat. Dies macht durchaus einen großen Reiz aus und befriedigt die im Vorfeld sicher vorhandene Neugier auf den Roman zunächst in ausreichendem Maße. Darüber hinaus ist es einfach faszinierend, sich auf den Fakt der Zeitreisen einzulassen und alles damit verbundene zusammen mit den beiden Hauptfiguren zu erleben. Denn genau wie Clare, die den Umstand von Henrys Problem locker in Kauf nimmt, tut es der Leser auch. Dadurch werden sämtliche durchaus verworrene Begegnungen und Szenarien plötzlich vollkommen normal und nachvollziehbar. Dies liegt aber ganz sicher auch daran, dass die Autorin kein großes Trara um die unkontrollierbare Zeitreisefähigkeit Henrys macht. Sie stellt sie als gegeben dar – von Beginn an. So wird „Die Frau des Zeitreisenden“ unterm Strich erstaunlich realistisch und authentisch.

Bis hierhin gibt es eigentlich keinerlei Probleme mit Niffeneggers Erstling.
Mit fortschreitendem Lesen jedoch gestaltet sich der Lesefluss als zunehmend langwieriger. Denn was zu Beginn noch ein Vorteil war, der die Neugier auf den Roman geschürt hat, entpuppt sich irgendwann als großer Nachteil und letztlich ausschlaggebenden Punkt dafür, dass Audrey Niffeneggers Roman eigentlich ziemlich schlecht ist. Denn es passiert eigentlich nicht wirklich etwas. Sicher – eine schwammige Aussage, dennoch trifft sie es hier den Kern des Problems, das man mit diesem Roman haben dürfte. All die Dramatik, die augenscheinlich mit dem Plot verbunden sein könnte, all das Glück und Leid – es kann nicht auf den Leser übergreifen, da es viel zu selten aufblitzt. Meistens plätschert die Geschichte vor sich, springt mal vor, mal zurück, erzählt Episoden aus der Zeit Henrys ohne Clare und umgekehrt. Dann wiederum ergeht die Autorin sich seitenweise über ein familiäres Weihnachtsfest, über Hochzeiten und Co. Zwar tappt sie dabei niemals in die Kitschfalle, trotzdem will der Roman einen einfach nicht fesseln. So wird die Hoffnung auf doch noch etwas mehr von allem spätestens ab der Mitte des Romans erstickt. Man möchte irgendwann nur noch fertig sein und die letzte Seite gelesen haben.

Rein vom Schreibstil her dürfte man auch zwischen Freude und Entsetzen schwanken.
Zum einen versteht es Audrey Niffenegger Gefühlsregungen in jeglicher Nuance farbenprächtig einzufangen und auf den Leser zu transportieren. Zum anderen macht sie ihren durchaus poesiehaften Schreibstil direkt wieder zunichte, indem sie so wunderbar blumige Worte wie ‚Möse‘ einbringt. Streckenweise fragt man sich, ob besonders die [zum Glück sehr wenig gestreuten und stets sehr kurzen] Sexszenen von jemand anderem geschrieben wurden. Denn genau die wollen so gar nicht zu dem Können passen, das Audrey Niffeneggers restlicher Stil zeigt, passen, in dem man sich als jemand, der sich an ausdrucksstarker Sprache erfreut, verlieren möchte. Allerdings hat auch der eigentlich so angenehme und schöne restliche Stil so seine Tücken [ja, es gibt immer etwas zu meckern]: Denn oftmals hat man den Eindruck, die Autorin hätte nur so drauflos geschrieben, ohne große nachzudenken, was eigentlich. Sie verwendet Parabeln, Alliterationen, Metaphern in beliebiger Zahl und Länge, sodass so manche Passage gern mal überblättert werden kann, was letztlich den Fakt verstärkt, dass „Die Frau des Zeitreisenden“ einfach langatmig und –weilig ist.

Einzig die Figuren sind der Autorin wirklich ohne Abstriche gelungen.
Clare und Henry sind absolut vorstellbar. Sie sind weit davon entfernt, das absolute Traumpaar zu sein, was hierbei allerdings weniger durch die Umstände bedingt wird, sondern vielmehr von ihrem Wesen. Sie haben Ecken und Kanten, mal mehr und mal weniger. Aber man kann sich mit ihnen identifizieren und nur das zählt. Streckenweise leidet man sogar mit ihnen und erlebt ihren Schmerz mit, ihre Zweifel und sämtliche Nuancen zwischen Glück und Leid. Sie sind beide absolut sympathisch und authentisch – sofern dies vor allem Henry als Zeitreisendem möglich ist.
Obwohl der Plot sich also eigentlich fast vollständig nur auf Henry und Clare konzentriert, kommen aber auch die Nebenfiguren nicht zu kurz. Von denen gibt es hier zwar sehr viele, man hat allerdings schnell raus, auf welche es am meisten ankommt. Zwar hat Audrey Niffenegger hier dann doch wieder etwas tiefer in die Klischeekiste gegriffen, aber nicht wieder so tief, dass man es ihr nicht verzeihen könnte. Insofern hat sie zumindest was ihre Figuren angeht alles richtig gemacht.

Unterm Strich ist „Die Frau des Zeitreisenden“ ein Roman, den man sich getrost sparen kann. Das gilt sowohl für diejenigen, die einen Faible für ausgesprochene Liebesschnulzen haben [denn das ist Niffeneggers Roman keineswegs], als auch für diejenigen, die drei bis sieben mehr Ansprüche an ihre Literatur stellen. „Die Frau des Zeitreisenden“ ist einfach zu langatmig und in der Folge langweilig. Zu Beginn wirkt das Szenario zwar vor allem aufgrund der Umsetzung noch spannend und vor allem frisch, im Verlauf jedoch hat man zu schnell die Nase voll davon, da ein paar mehr Wendungen und eine wirkliche Handlung eben durch nichts zu ersetzen sind. Daher gibt es an dieser Stelle auch nur zwei Sterne und keine Empfehlung.

49 Bewertungen, 15 Kommentare

  • campino

    25.06.2011, 16:01 Uhr von campino
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg andrea -----------

  • anonym

    01.01.2011, 21:20 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich. LG Just86

  • ingoa09

    22.10.2010, 22:07 Uhr von ingoa09
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse beschrieben! Liebe Grüße, Ingo

  • mima007

    10.10.2010, 11:31 Uhr von mima007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Gruesse, mima007

  • senora

    09.10.2010, 10:47 Uhr von senora
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche ein wunderschönes Wochenende.

  • Venenum84

    08.10.2010, 22:17 Uhr von Venenum84
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wünsche dir ein angenehmes Wochenende! lg jenny

  • anonym

    08.10.2010, 22:16 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schöne Grüsse, Talulah

  • morla

    08.10.2010, 22:16 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    schönes wochenende lg. petra

  • atrachte

    08.10.2010, 22:05 Uhr von atrachte
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh. lg

  • wakingtall2005

    08.10.2010, 21:26 Uhr von wakingtall2005
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schön geschrieben, würde mich über Gegenlesung freuen.. oder vielleicht Lust auf eine Leserunde? Einen schönen Abend und ein schönes Wochenende : )

  • Lale

    08.10.2010, 20:52 Uhr von Lale
    Bewertung: sehr hilfreich

    Allerbesten Gruß

  • Baby1

    08.10.2010, 20:40 Uhr von Baby1
    Bewertung: besonders wertvoll

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • tina08

    08.10.2010, 20:29 Uhr von tina08
    Bewertung: sehr hilfreich

    Viele Grüße ... Tina

  • katjafranke

    08.10.2010, 20:14 Uhr von katjafranke
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein SH von der KATJA

  • XXLALF

    08.10.2010, 20:09 Uhr von XXLALF
    Bewertung: sehr hilfreich

    und ein wunderschönes wochenende