Oberstufenreform in Baden-Württemberg Testbericht

Oberstufenreform-in-baden-wuerttemberg
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Erfahrungsbericht von bennikenny

Versuchskaninchen 04

Pro:

nur noch ein Halbjahr, wird vielleicht wieder abgeschafft

Kontra:

an der Reform gibts nichts gutes für Schüler

Empfehlung:

Nein

Was waren das noch Zeiten, als man sich mit seinen Interessen seine Lk\'s wählen konnte. Die Lehrer wussten noch was Sie da machen (sollen). Auch waren es die \"Elite-Lehrer\" die als \"dank\" für Ihre gute Pädagogik einen LK bekommen haben und diesen auch mit Freude hielten. Vor einer kleinen Gruppe, die mitmachte, da sie in dem Fach interessiert war. Diese Gruppe wusste auch genau darüber Bescheid, wie sie Ihre Kurse zu wählen hatte und wie sie mal ihre Notenpunkte am besten abrechnen werden.

Doch da kam die liebe Frau Schavan und dachte sich, unsere Schüler sind ja wirklich doof (laut PISA). Also fängt man logischerweise(?) da an, wo es ja eh zu spät ist - ganz oben -. Wenn es schiefgeht fällt das ja eh niemanden auf, die deutsche Wirtschaft ist ja schon schwach und in der Statistik der Bildung kommen Sie dann nicht mehr vor!

Da denkt sich die kluge Frau Schavan: Ich hab zwei Probleme: 1. zu wenig Lehrer für zu viele Schüler und 2. zu dumme Schüler - Was mache ich also? - Ich habs eine Oberstufenreform - sieht so aus als wenn es die Schüler kluger macht und spart Personal - ha bin ich genial! Und wenns schiefläuft werde ich halt Bundespräsidentin *hrhrhr* L\'etat c\'est moi!

Nichtsahnend kommt der Schüler also in die Oberstufe - freut sich schon, dass er nun endlich die Fächer etwas mehr nach seinen Interessen wählen kann. Aber nix da gibts nicht! Soviel Wahlmöglichkeiten - das kostet doch Lehrerpersonal. Alles in einen Kurs stopfen - wo früher sich 10 Leute in angenehmer Atmosphäre Wissen angeeignet haben, geht es heute zu wie in einer Bildungsbatterie - bis 25 Leute, wovon 7 Stück dann dieses Fach wirklich 4 bzw. 5 stündig gewählt hätten. Da freuen sich die Lehrer und arbeiten vor lauter Freude eine Stunde mehr in der Woche, natürlich nur, damit es keine Studienfahrten mehr gibt. Und weil es ja jetzt mehr Leute gibt, die Allgeimbildende Fächer gewählt haben, wird die \"Creme-de-la-creme\" des Lehrerpersonals aus der Ecke des Lehrerzimmers geholt, wo ein großes Schild \"Looser\" hängt. Diese informieren ihre Schüler dann auch gerne NICHT darüber, was sie sich unter einer GFS(neuerdings heißt die jetzt ALF, soll wohl komisch sein oder was?) vorstellen, wie auch gehört haben sie noch keine.
Und wenn man die GFS (Referat) hält, bloß nicht nach Lieblingsfach gehen, sondern bei dem Lehrer halten, der die wenigsten Forderungen stellt - denn gleichwertige Feststellung von Schülerleistung ist einfach ein lachhafte Bezeichnung für so etwas ungleichmäßiges. Ansonsten wäre es wohl nicht möglich, dass man mit weniger als der halben Arbeit 50% bessere Note bekommt oder? Und das ergeht fast jedem so!
Ach ich könnt noch ewig mich aufregen...

Aber hier mal im Ernst die Fakten über diese Fehler(e)form oder bessergesagt, das was ich davon verstanden habe: (Stundenangaben auf Woche bezogen)
Jeder muss 4-stündig in:
MA; DEU; ENG/Franz/Latein (Fremdsprache)
dann darf er sich noch ein Neigungsfach und ein Profilfach aussuchen - z.B: Ges und Chemie; auch beide 4-stündig. Desweiteren muss er 4 \"GFS\" (\"!\"gleichwertige\"!\" Feststellung von Schülerleistung)halten, sowas wie \"große\" Referate. Diese darf er in jedem Fach halten.
Im Abi hat man 5 von den 4-stündigen Fächern als schriftliche Prüfung.
Im mündlichen hat man entweder 2 oder nur ein Fach, wenn man einen Seminarkurs in 12 belegt hat. Natürlich muss dieser den Teil abdecken, den man im schriftlichen nicht macht. (Klingt kompliziert - ist es auch)
Würde ich jetzt über das Abrechnungssystem der Noten schreiben, wäre ich morgen noch nicht fertig. Nur soviel dazu: Unsere Schule hat sich ein Programm angeschafft, was die günstigste Punktzahl errechnet. Man kann also davon ausgehen, dass eigentlich keiner so richtig weiß wie man denn nun sein Zeugnis fertig kriegt.

Meine Lehrer sind, sagen wir mal zu 90% auch gegen die Reform - die einen, weil sie nicht damit zu recht kommen, dass plötzlich schlechtere Leute im \"LK\" sitzen und die anderen, weil sie eingesehen haben, dass man die schüler zum versuchsobjekt gemacht hat.
Am besten hat mir der Kommentar von einem meiner Lehrer gefallen: Die Oberstufenreform darf man eigentlich nicht \"Reform\" nennen - denn dieser Begriff ist zu positiv. Eher sollte man es Lösung des Personalmangels nennen.
Weiteres Lehrerzitat gefällig: \"Ich glaube eh, dass ihr der erste und (vor)letzte Jahrgang seid, der dieses Oberstufensystem hat.\" -Was sag ich meinem potentiellen Arbeitgeber da? - Entschuldigung meine damalige Bildungsministerin war nicht die beste?

Zum Schluss noch der einzig positive Aspekt:
Laut Reform werde ich eine ganz tolle Allgemeinbildung haben, wenn das Abi rum ist. Da kann ich teilweise zustimmen - mehr Fächer als die Abis der letzten Jahre habe ich auf jeden Fall.


Gut ich gebe zu, \"leichte\" Emotionen spielen in diesem Bericht eine Rolle. Natürlich hat bestimmt auch die liebe Frau Schavan ihr Bestes gegeben und ist/war überzeugt von der Qualität ihrer Reform. Tut mir leid ICH NICHT!
Na ja auf jeden Fall ist der Bericht etwas subjektiv, hat aber einen wahren Kern.

15 Bewertungen, 1 Kommentar

  • LaDyH

    04.10.2008, 17:17 Uhr von LaDyH
    Bewertung: besonders wertvoll

    Sehr informativ. BW.