Ö Testbericht

ab 34,16
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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  durchschnittlich
  • Klangqualität:  gut

Erfahrungsbericht von Donline

Ohne „Ö“ fehlt mir was

5
  • Cover-Design:  durchschnittlich
  • Klangqualität:  gut

Pro:

Zeitlose CD die (teilweise leider) nichts an ihrer Aktualität verloren hat.

Kontra:

Etwas einfallsloses Cover, nur 45:18 Minuten

Empfehlung:

Ja

Das Album „Ö“ erschien im März 1988 auf CD,LP und MC und steht seitdem in meinem CD-Schrank. Warum Ö werden sich einige Fragen, das ist relativ einfach zu beantworten. Klappt man das etwas öde gestaltete Booklet mal auseinander, es ist kein Buch sondern eher ein Faltblatt, so setzt sich daraus das Wort GRÖNEMEYER zusammen. Dieses Ö bildet das Cover in türkisgrün, welches mit der oben zu sehenden Farbe nicht viel gemein hat, es ist viel heller. Auf der Rückseite des Faltblattes findet man die Texte zu 9 Songs auf dieser CD, weil Herbert ja etwas nuschelt ist das ganz angebracht, sowie ein paar Bilder der Band. Also nichts worauf man stolz sein müsste.
Dafür nur 3 Sterne...

Aber eigentlich geht es ja um die Musik.

In Was soll das beschreibt Grönemeyer in seiner unbeschreiblichen Art, wie die Beziehung zu seiner Freundin zerbricht. Ein fremder Mann tritt in Ihr Leben. Natürlich kommt der Nebenbuhler im Text schlecht weg, aber der Hörer wird am Ende mit der Frage allein gelassen ob der Sänger unterliegt oder nicht. Neben der sozialen Aussage gibt es hier melodisch was auf die Ohren. Ein guter, eingängiger Popsong, der von leichten Drums und Gitarrenriffs begleitet wird. Gut zum Ausspannen geeignet, aber wenn ich nach meinem heutigen Geschmack beurteilen sollte nur ein netter Song.

Rockiger kommt uns der gebürtige Göttinger mit Vollmond. Musikalisch werden wir von einer E-Gitarre begrüßt, die auch den Scorpions gehören könnte. Dieser Stiel zieht sich weiter durch den Song, in dem Herbert den Mond bittet ihm eine Frau, na ja, sagen wir mal willig zu machen. Er handelt sogar einen Deal mit dem Erdtrabanten aus, ob das allerdings zum Erfolg führt erfährt man nicht. Für mich einer der besseren Songs, obwohl er eigentlich nicht in das Bild des Grönemeyers passt, das ich bis dahin von ihm hatte. Der Titel „Deutschrocker“ hat er sich mit diesem schnellen Song auf jeden Fall verdient.

Nicht mehr als ein gewöhnliches Liebeslied ist Komet. Aber so schön wie es Grönemeyer in diesem Song beschreibt kann man es wunderbar verstehen. Ein langsam einsetzender Bass, der mit einer E-Gitarre, sowie dem Schlagzeug eine Einheit bildet liefern zu beginn einen melodischen Teppich. Der ganze Song ist in einem seichten Tempo, keine Hektik dafür wird Herbert aber ab und an etwas laut um dann wieder ruhig zu werden. Kleine Inseln ohne Worte unterbrechen den Sprachfluss des Interpreten den seine Musiker mit schönen Gitarrenklängen untermalen. Ich glaub schöner kann man ein Liebeslied kaum beginnen.

die Zeit steht still
Wenn du\'s willst
vertreibst dumpfe Gedanken

heile Welt
unverfälscht
bringst die Erde ins Wanken

(Komet)



Völlig anders geht es da in Mit Gott zu. Grönemeyer klinkt sich hiermit in die Politik ein. Oft versteckt aber teilweise ganz offen geht es in diesem Song um den im Oktober 1987 tot in einer Badewanne in Genf aufgefundenen Uwe Barschel und dessen Partei. Gut das der Text dabei ist, denn Herbert nuschelt z.T. heftig. Die Melodie ist sehr eingängig und wird wie fast immer von Gitarren und Drums bestimmt. Vor allem das kurze E-Gitarrensolo in der Mitte des Songs ist sehr einprägsam. Für mich einer der besten Songs, da er ironisch und sarkastisch ist, aber natürlich auch einen großen Teil Realismus beinhaltet.

Und wieder ein Liebeslied. Mit Halt mich ist m.E. der schönste Song auf dieser CD entstanden. Nur von Streichern und sich selbst am Piano begleitet, berieselt uns Herbert mit schönen Worten. Effektvoll eingesetzt wurde auch das Saxophonsolo im Mittelteil. Besonderheit dieses Songs ist die am Ende gemachte Pause, bei der schon einige Radiomoderatoren geflucht haben, weil sie zu früh das Mikro geöffnet haben.

Die Sucht nach Macht und Geld sind die Vorherrschenden Themen in keine Heimat. Das Ausländerproblem, dem sich Herbert schon häufiger in seinen Liedern gewidmet hat, kommt hier wieder einmal zum Tragen. Melodischer, seichter Rock der wieder mehr in Richtung Gitarre und Drums geht, die aber gut arrangiert werden. Leider ist der Text, genauso wie bei „mit Gott“, auch heute fast jederzeit einsetzbar.

überreiztes Geschrei nach neuer Moral
Jagd nach Sensationen, jeder Preis wird bezahlt
Jeder gegen jeden, Hauptsache es knallt

(keine Heimat)



Herbsterwachen ist ein Song über das Altern und die damit verbundene Frage, „was bin ich noch Wert“? Sind zwei alte Menschen wirklich nur noch Randfiguren und gehören sie nicht mehr zur Gesellschaft? Schon interessant das sich ein damals 32 jähriger solche Gedanken macht. Schöne Melodien unterstreichen das Bild das man sich während des Textes machen kann. Die Vögel, die am Anfang besungen werden, kann man förmlich sehen, wenn man die Augen zu macht. Ein tolles Lied.


Fragwürdig ist in zweierlei Hinsicht zu verstehen. Es geht um Umfragen, die Leute wie Grönemeyer natürlich jeden Tag an den Kopf geworfen werden. Eine Situation die Herbert offensichtlich auf den Geist geht, denn in seinem Stück kommen meist sehr absurde Fragen, gemischt mit z.T. relevanten vor.

Textauszug:

man ist prominent, für alles gleich kompetent
ist Abrüstung für den Frieden riskant
braucht es die Monarchie auf Lummerland
tragen sie bei der Liebe Strümpfe
was sagt ihnen das Lied der Schlümpfe
wer wird der Galopper des Jahres, schon fertig - das war es


Mit einer großen Portion Satire begegnet er uns. Ob diese Fragen „würdig“ sind, dass wollen wir mal dahingestellt lassen, aber es ist irgendwie lustig sich ein solches Interview vorzustellen. Als Musikstil kann ich nur Popsong schreiben, denn mehr ist es im Grunde nicht. Aber eben einer bei dem man mal über manchen Stumpfsinn nachdenken sollte, den die Medien verbreiten.


Eine gehöriger Schuss Melancholie macht sich im folgenden Bist du Taub breit.
Eigentlich ist es der Schlussstrich am Ende der Beziehung die ja schon in „Was soll das“ in Frage gestellt wurde. Auch hier geht die Musik unter die Haut. Dumpfe Stimmungen verbreitende Synthesizer und Drumeffekte eignen sich nicht unbedingt für depressive Menschen, aber sie runden das Album ab. Ab und zu liebe ich den Song und dann hasse ich ihn. Ich kann allerdings nicht erklären warum, ist eine Frage der Stimmung.

Song Nr. 10 auf der CD ist ein verlängerter Neumix von Was soll das?, der keine großartigen Neuerungen beinhaltet und lediglich durch ein verlängertes Gitarrensolo überzeugen kann. Da hätte Herbert für meinen Geschmack auch einen richtigen zehnten Song auf das mit 45:18 Minuten ohnehin nicht längsten Album packen können. Aber trotzdem ist dieses Werk von Herbert mit das Beste, das in meiner Sammlung zu finden ist du das ich nicht missen möchte.
Interessant ist das sich Liebeslieder und andere Songs abwechseln und so eine gelungene Mischung bieten. Die Klangqualität ist durchwachsen. Die ruhigen Stücke glänzen zusätzlich durch ihre schönen Arrangements, wogegen die härteren Stücke zuweilen etwas kratzig erscheinen. Kann aber von Herbert auch gewollt sein.

Ob man den Zeitgeist noch hat, ist übrigens auch so eine Frage die in Fragwürdig gestellt wird. Diese kann ich im Fall Grönemeyer nur bejahen, denn diese CD hat auch 14 Jahre nach ihrem erscheinen nichts an Aktualität eingebüßt. An manchen Stellen muss man leider sagen...


Gekauft habe ich die CD von Herbert Grönemeyer übrigens weil ich die Erstauskopplung Was soll das? damals zum ersten Mal bei „Wetten, dass...“ gehört, so toll fand, dass ich diese CD unbedingt haben wollte. Für 26,90 DM (13,75 €) habe ich das Album dann gekauft ohne es vorher ganz gehört zu haben.
Warum ich das noch so genau weiß? Weil ich damals nicht soviel Geld dabei hatte und die Läden nach einem Sonderangebot absuchte. Das war der günstigste Preis damals. Heute gibt es die CD bei Amazon für 16,90 € was schon ein hoher Preis ist, aber wer sie einmal gehört hat wird es nicht bereuen. Günstiger gibt es sie natürlich bei Ebay.

© Donline 17.10.2004 für Yopi
© Donline 27.08.2002 für Ciao

28 Bewertungen, 1 Kommentar

  • melle7484

    31.10.2004, 19:07 Uhr von melle7484
    Bewertung: sehr hilfreich

    One Ö fehlt dir was! Yeah!