Olympic Nationalpark Testbericht

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Erfahrungsbericht von denali

Hämmernde Gesellen im Regenwald

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Der Olympic Nationalpark, im äußerstem Nordwesten der USA gelegen, bietet dem Erholungssuchenden einen reichhaltigen Strauß an Möglichkeiten für Aktivitäten. Das Gebiet beinhaltet eine Vielfalt als Landschaftstypen und erlangte im Juni 1938 Nationalpark-Status.

Denkt man bei dem Parknamen zuerst eher an sportliche Wettkämpfe, so sollte der Besucher allerdings nicht dem Wettbewerb „möglichst viel in kurzer Zeit sehen“ verfallen. Namensgeber für den Park ist der mit 2.428 Metern höchste Berg der Region, der Mount Olympus.
Zu erreichen ist der Park bequem von Vancouver, Canada, bzw. Seattle über den Highway 101. Um sich den weiten Fahrweg um den Puget Sound zu ersparen, bietet sich von Edmonds nach Kingston (wohlgemerkt in Washington State – nicht die Hauptstadt Jamaikas) eine kurze Fährüberfahrt über die Meeresbucht an. Zielort auf dem Highway 101 ist Port Angeles, jetzt mit knapp 20.000 Einwohnern die größte Stadt auf der Halbinsel. Übrigens erreicht man diesen Ort auch per Fährüberfahrt von Victoria, British Columbias Hauptstadt auf Vancouver Island.

Der Nationalpark ist rd. 3.700 qkm groß (d.h. 4 mal so groß wie die Insel Rügen) und nicht alle Gegenden sind dem Besucher zugänglich. Dem Park sind auch einzelne Abschnitte an der Pazifikküste zugeordnet und er wurde von der UNESCO zum „Erbe der Menschheit“ unter besonderen Schutz gestellt. Die zahlreichen Wälder werden von Nadelbäumen dominiert.

Um Euch die Schönheiten des Gebietes zu beschreiben, beginnt die Reise in Port Angeles und führt gegen den Uhrzeigersinn um die Halbinsel herum.


Hurricane Ridge

Direkt in Port Angeles, praktisch auf Meereshöhe, beginnt diese kurvenreiche Straße ins Gebirgsmassiv. Endpunkt ist der Parkplatz am Hurrican Ridge Besucherzentrum, auf knapp 1.600 Metern über dem Meeresspiegel gelegen. Von hier genießt man eine wunderbare Aussicht auf die Gipfel dieses Gebirgszuges mit all seinen Gletschern.
Einige Wanderwege führen um das Hochplateau, von dem man an klaren Tagen weit ins Land schauen kann, herum. So lassen sich beispielsweise Victoria auf Vancouver Island bzw. die San Juan Inseln zweifelsfrei erkennen.
Unterwegs wird man auch einen Skilift passieren, der im Winter die Freizeitsportler in dieses beliebte Skigebiet befördert. Zugegeben, im Sommer bei strahlendem Sonnenschein und 25 Grad Celsius kann man sich den dann herrschenden Trubel nur schwer vorstellen.
Obwohl in diesem Gebirge kein Vulkan vorhanden ist (weder aktive noch ehemalige) , so sind die Berge doch vulkanischen Ursprungs. Vor Jahrmillionen schufen Unterwasservulkane diese neue Landmassen. Durch gewaltige Verschiebungen der Erdkruste wurden diese dann in die Höhe getrieben (tektonische Plattenbewegung) und das Gebirge war entstanden.

Jedenfalls ist die Fahrt auf das „Dach“ des Nationalparks unbedingt zu empfehlen. Auf der Rückfahrt bieten verschiedene Parkplätze an der Strecke eine famose Aussicht über den Puget Sound bis hin zum höchsten Berg in diesem Staate, dem Mt. Rainier (wolkenloser Himmel sei hier mal vorausgesetzt).

Achtung: Wie Bergziegen springen die Rehe hier über den Asphalt. Aufgrund ihrer Fellfärbung sind sie teilweise auch schwer zu erkennen. Manche Rehe sind allerdings den Autoverkehr gewohnt und bleiben neugierig und bettelnd stehen. Auch wenn die dunklen Augen Euer Herz erweichen, füttert die Tiere bitte nicht.

Lake Crescent

Oder auf Hochdeutsch: Mondsichelsee.
Ungefähr 20 Meilen (32km) westlich von Port Angeles schlängelt sich der Highway 101 dann um das südliche Ufer des Lake Crescent, der eingerahmt von kleineren Bergen (oder waren es größere Hügel??) wie ein Fjord anmutet. Gespeist wird der See von dem Schmelzwasser der Gletscher innerhalb der Olympic Mountains.
Am Highway 101 werden nicht viele Aktivitäten angeboten. Von der Lake Crescent Lodge führen einige Wanderwege unterschiedlicher Länge und Schwierigkeit in die Wälder, von denen der Pfad zu den 27 Meter hohen Marymore Wasserfällen einfach zu laufen ist.
Wer Wassersport liebt, also nicht Schwimmen sondern eher Jetski bzw. Wasserski, ist am Ost- bzw. Nordufer des Sees gut aufgehoben.


Sol Duc Hot Springs

Der indianischen Legende nach, existierten einmal zwei Drachen, von denen einer im Sol Duc Valley und der andere im benachbarten Elwha Valley lebte. Keiner wusste von der Existenz des anderen bis sie sich bei einem Spaziergang durch die Wälder begegneten. Was folgte, war ein unerbittlicher Kampf über Jahre, den keiner der beiden Drachen gewinnen konnte. Enttäuscht zogen sich beide zurück und ihre Tränen über die Niederlage bilden die Quelle für die Hot Springs.
Tränen treiben auch dem Besucher in die Augen, wenn er die Eintrittspreise zum Schwimmbad innerhalb der heißen Quellen sieht. Stolze 10 Dollar (DM 22,-) werden pro Nase fällig, wobei kleinere Nasen, also Kinder, einen kleinen Rabatt erhalten.
In unmittelbarer Nachbarschaft befindet sich für Übernachtungswillige auch eine Lodge sowie ein Campingplatz. Letzterer ohne Komfort, selbst die Bedürfnisanstalt wurde eingespart.
Wer sich allerdings auf einer Fotopirsch befindet, ist dort gut aufgehoben. Morgens um 7 ist die Welt dort in Ordnung. Eine Wanderung zu den Sol Duc Wasserfällen im Frühnebel hat schon was für sich. So spazierte auch ich los, von unzähligen Vogelstimmen, die einen Specht bei seiner Arbeit anfeuerten, aus dem Bett geworfen. Bei meinem dynamischen Abgang aus dem Wohnmobil schreckte ich erst mal eine Waschbärenfamilie auf. Überraschung auf beiden Seiten. Natürlich haben die Tiere nicht darauf gewartet, bis ich meinen Fotoapparat schussbereit hatte.
Der Rundweg über die Lover’s Lane (ohne indianische Legende) ist toll angelegt. Neben diesem Weg gibt es noch andere Möglichkeiten, die weiten Wälder per pedes zu erkunden.

Lake Ozette

Folgt man ab der Ortschaft Sappho den Highways 113 und 112 in westlicher Richtung, so erreicht man den Lake Ozette. Dieser See liegt außerhalb des riesigen Parkgeländes fast an der Pazifikküste. Bei Kanuten ist der See sehr beliebt, allerdings muss man sich entsprechende Gerätschaften selbst mitbringen.
Zur Pazifikküste sind es von hier noch gut 5 km (einfache Tour), die nur zu Fuß bewältigt werden können. Die Strecke ist einfach zu laufen, da sie sehr eben verläuft. Angeblich soll man auf den Wegen auch Weißkopfseeadler zu sehen bekommen. Hatten bei mir wohl alle einen Betriebsausflug.... Ach ja, vergesst nicht, Euch nach den Zeiten für Ebbe und Flut zu erkundigen. Bei Flut wird der Weg ein wenig abgekürzt ;-)

Hoh Rain Valley

Regenwälder in den Tropen kennen viele. Aber dieser Regenwald in der gemäßigten Klimazone unseres Erdballes ist einmalig. Auch den Vergleich mit den Wäldern Tasmaniens gewinnt das Hoh Valley locker. Gegen die Baumriesen hier wirken die tasmanischen Bäume wie Jungpflanzen.

Würde die durchschnittliche Jahresmenge an Regen dieses Gebietes hier auf einen Schlag niedergehen, so wäre das entstandene Schwimmbecken satte 3,6 Meter tief. Die vorherrschenden geologischen und klimatischen Bedingungen sorgen für diesen Überfluss. Das Hoh Valley ist dem Meer geöffnet und so hat der Wind des kalten Pazifiks leichtes Spiel seine Wolkenfelder dort hineinzutreiben. Und dann folgen die hohen Berge der Olympic Range....
Und von der reichhaltigen Nahrung profitieren die Bäume des Tales. Ja ja, so ein Baum hat’s gut: kommt der Nahrungsschub wächst er in der Länge, wir dagegen....)

Die Feuchtigkeit sorgt dann auch für den starken Mooswuchs. Teilweise hängt den Bäumen das Moos wie eine künstliche Haarpracht von den Ästen (...und Lametta ist auch schon dran).

Direkt hinter dem Besucherzentrum beginnen die Wanderwege. Empfehlenswert ist eine Kombination von den beiden Wegen „Halls of Mosses“ und „Spruce Trail“. Der erstere ist als Lehrpfad angelegt und erklärt die Entstehung der Baumgiganten und auch deren Nutzen, nachdem ein langes Baumleben ausgehaucht wurde. Insgesamt hat man so einen guten Mix zwischen vermooster Bäume und der Vielfalt (inkl. Tierwelt) des Regenwaldes. Für beide Wege benötigt man etwa 2 Stunden.

An wolkenreichen Tagen (wovon es hier viele gibt) ist das Licht im Urwald recht schummrig. Es empfiehlt sich dann die Mitnahme eines Stativs.


Küstenregion

Den Highway 101 weiter Richtung Süden folgend, erreicht man dann die Pazifikküste. Der Einfachheit halber hat man die Strände hier durchnumeriert (Beach 1, Beach 2 usw.).
Irgendwann, nach einem langen Leben, werden auch die Baumriesen einmal schwach. Einige davon werden von den Flüssen in der Schneeschmelze ins Meer gespült. Das Ergebnis der Salzwassertätigkeit und die Kraft der Wellen an dem Holz liegt hier an den Ufern: bizarre Formen und Formationen.


Sonstiges

Auch während der Sommermonate ist mit wechselndem Wetter zu rechnen. Der Streckenabschnitt vom Hoh Valley zur Pazifikküste ist für seine Nebelbänke berüchtigt.

Übernachtungsmöglichkeiten sind rund um die Attraktionen herum in großer Zahl vorhanden. Gleiches gilt für Campingplätze. Im Nationalpark selbst gibt es 16 Campgrounds, von denen vier allerdings nur Zeltern vorbehalten sind.

Tankstellen gibt es im Nationalpark nicht. Rund um den Highway 101 ist die Versorgung aber gesichert, ab und an gibt es auch Servicestellen an den Zufahrtsstraßen in den Park. In Washington State arbeiten fast alle Tankstellen mit dem System „erst bezahlen – dann tanken“. Also knapp kalkulieren, denn zuviel entrichtetes Geld gibt’s in aller Regel nicht zurück.

Wer längere Wandertouren in den Park hinein plant, benötigt dafür eine Erlaubnis der Ranger. Mitgenommene Lebensmittel müssen bärensicher (neben Waschbären tummeln sich im Park auch Braunbären) verstaut werden. Das Permit kostet 5 Dollar plus 2 Dollar für jede Übernachtung .

Ansonsten beträgt der Eintrittspreis 10 Dollar pro Privatauto. Das Ticket behält für 7 Tage seine Gültigkeit. Die Gebühr für eine Übernachtung auf einem der Campingplätze innerhalb des Parks beträgt zwischen 8 und 12 Dollars. Auf den privaten Plätzen außerhalb des Parkgeländes kann sich dieser Betrag leicht verdoppeln.



Wer den Park also richtig erkunden will, braucht Zeit und Ruhe. Mit einer unglaublichen Stille – bildlich gesprochen könnte man ein Eichhörnchen rülpsen hören - wird derjenige belohnt, der früh auf den Beinen ist (statt eines Verdauungsspazierganges eine Wanderung zur Appetitanregung). Man kann dem Erwachen der Natur innerhalb der Morgennebel quasi zusehen. Und in der Vielfalt der Möglichkeiten wird jeder das für sich passende Urlaubsvergnügen herausfiltern können.


Eigene Reisezeit:
September 2001

Viele Grüße
denali

16 Bewertungen, 2 Kommentare

  • hirni

    30.03.2002, 15:21 Uhr von hirni
    Bewertung: sehr hilfreich

    guter Bericht

  • 2nd_Starlight

    30.03.2002, 15:20 Uhr von 2nd_Starlight
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr ausführlich..gute Arbeit