Opel Kadett Testbericht

Opel-kadett
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Abbildung beispielhaft
ab 19,63
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Summe aller Bewertungen
  • Fahreigenschaften:  gut
  • Fahrkomfort:  gut
  • Platzangebot:  großzügig
  • Zuverlässigkeit:  sehr gut

Erfahrungsbericht von amgaida

Der treue Begleiter

4
  • Fahreigenschaften:  durchschnittlich
  • Fahrkomfort:  gut
  • Platzangebot:  großzügig
  • Zuverlässigkeit:  gut
  • Besitzen Sie das Produkt?:  nein
  • Dauer des Besitzes & der Nutzung:  länger als 1 Jahr

Pro:

günstig, schöne Form, großer Kofferraum, zuverlässig, komfortabel, sparsam

Kontra:

Rostanfälligkeit, Verarbeitung im Innenraum, indirekte Lenkung, 4-Gang Getriebe

Empfehlung:

Ja

Letztes Jahr war der Tag gekommen, an dem der Vorhang endgültig fiel. Nachdem ich mein Sixpack gefunden hatte und meine Ma meinen Golf übernehmen konnte, war endlich die Zeit gekommen, dass sie sich von ihrem Kadett trennen musste. Nach immerhin 14 Jahren war er uns sehr ans Herz gewachsen und die Trennung verlief auch etwas schmerzhaft.


EINLEITUNG:

Der Kadett E wurde von 1984 bis 1991 gebaut und in der Zeit fast 3,8 Millionen Mal verkauft. Er wurde mit Benzin- und Dieselmotoren angeboten, wobei der Diesel mit 1,6l Hubraum und turbolosen 54 PS sicher das unkultivierteste und zugleich schwächste Aggregat im Angebot war.
Die Benziner fingen anfangs beim 1,2 mit 55 PS an und gingen über Volumenmodelle 1,6i und 1,8 mit 75 bzw. 90 PS bis zum GSI-16V mit 150 PS. Es gab den Kadett als 3- und 5-Türer, als 4-türige Stufenheckversion und als 3- und 5-türigen Kombi (Caravan/Combo). Auch gab es eine durch Überrollbügel entstellte Cabrioversion des Kadett.
Im Jahr 1989 gab es ein Facelift der Baureihe, das neben einer leichten Abrundung des Designs im Innenraum (Lenkrad, Schalter und Hebel, Kopfstützen etc.) auch einen anderen Kühlergrill und eine Auffrischung in weiteren äußeren Details (Schriftzüge, Stoßleisten, Radkappen etc.) beinhaltete.

In unsere Familie gekommen war unser Kadett im Oktober 1989. Unser Corsa A hatte mit kapitalem Getriebeschaden gerade die Segel gestrichen und meine Ma brauchte einen fahrbaren Untersatz. Der Opel-Händler, dessen Werkstatt soeben den wirtschaftlichen Tod für unseren Corsa diagnostiziert hatte, konnte mit einem günstigen Angebot kontern. Ein silberner Kadett E 1,3 LS, 3-Türer und ohne erkennbare Extras dafür mit Tageszulassung stand für glatte 16.000 DM auf seinem Hof. Der Preis war natürlich wirklich attraktiv, wird aber davon beeinflusst gewesen sein, dass Opel parallel seit dem Facelift das Modell 1,4i angeboten hatte, das ebenfalls 44KW/60PS leistete aber über eine Benzineinspritzung und dadurch über einen geregelten Katalysator verfügte.
Da wir den Kadett zuvor als Leihwagen eine Woche gefahren hatten, gefiel er meiner Ma sowieso. Der größere Innenraum (vgl. mit dem Corsa) und der bessere Komfort eine automobile Klasse höher waren schon ansprechend. Also wurde der Wagen gekauft, quasi aus der Not heraus.


KAROSSERIE:

Aus heutiger Sicht ist das erste Wort, das einem beim Sinnieren über die Karosserie des E-Kadetts einfällt: \"ROST\". Leider.
Denn als er damals auf den Markt kam mit seiner Eiform und einem CW-Wert von 0,30, war er meiner Meinung nach schon ein Hingucker und setzte sich deutlich vom eher kastenförmigen Golf II und dem biederen damaligen Escort ab. Die Länge war mit knapp 4m klassenüblich, etwas über Klassendurchschnitt lag die Kofferraumgröße mit ca. 390l. Der Innenraum war vom Platzangebot her für 2 Großgewachsene Erwachsene vorne immer ausreichend. Auch auf der Rückbank fanden 2 große oder 3 kleinere Personen problemlos Platz.

Die Sitze waren in den gesamten 14 Jahren ausreichend straff geblieben, nicht durchgesessen und recht umfangreich zu verstellen. Der Fahrersitz war bei unserem Wagen höhenverstellbar, was zwar furchtbar umständlich über eine Handkurbel unter dem Sitz ging, dafür aber einen weiten Verstellbereich sicherte. Auch mit über 1,90m fand ich ausreichend Platz für meine Beine. Die Spiegel waren mechanisch von innen zu verstellen, sogar die Gurthöhe war auf allen 4 Sitzen einstellbar... ein Hauch von Luxus wehte also doch. Die Sitzbezüge und Türinnenseiten waren mit grauem Stoff bezogen, welcher zwar ganz nett aussah aber schnell verdreckte.

Die Rückbank ließ sich umklappen, das geschah jedoch nur als Ganzes, was die Personenzahl beim Transport größerer Gegenstände auf die 2 Personen auf den vorderen Plätzen beschränkte. Durch das Schräg abfallende Heck hatte der Kadett eine recht große und damit auch schwere Heckklappe, die manchmal ordentlichen Kraftaufwand brauchte, um geöffnet und geschlossen zu werden. Von außen waren die großzügig dimensionierten Kunststoff-Stoßfänger auffallend. Da konnte mal beherzt Parkgerempelt werden, die Spuren waren jederzeit zu verschmerzen.

Kunststoff war auch das im Innenraum hauptsächlich verarbeitete Material. Und so richtig passgenau hatte man trotz immerhin 5-jähriger Bauzeit des Autos in 1989 nicht gearbeitet. Da knarzte eigentlich von Anfang an das Armaturenbrett, was später zu einem lauten Klappern wurde, so dass eine Unterhaltung auf schlechter Straße zeitweise nicht mehr möglich war. Aber es hielt alles und nichts brach ab, verbog oder ging irgendwie kaputt. Einzig der Sicherungskasten links unter dem Lenkrad wollte nicht immer geschlossen bleiben.


MOTOR/ANTRIEB:

Der Motor in unserem Kadett leistete 44KW/60PS bei 6000 U/min aus 1297ccm Hubraum. Das Drehmoment des 8-Ventilers betrug 96 Nm bei 3200 U/min. Der Vergasermotor wollte beim Start sein Gemisch mit einem Choke manuell zubereitet bekommen, was besonders in den ersten Sekunden nach dem Start unangenehm erhöht klingende Drehzahlen und ein sehr klappriges Verbrennungsgeräusch zur Folge hatte.

Das Getriebe in unserem Kadett verfügte leider nur über 4 Gänge, was teilweise langwierige Drehorgien zur Folge hatte, um flott voran zu kommen. Aber mangels Drehzahlmesser musste der Fahrer wenigstens nicht mitansehen, wie hoch der kleine Vierzylinder drehen musste, um auf der Landstraße im 3. Gang LKWs zu überholen. Etwas nervig war auch der Rückwärtsgang, bei dem ein Ring am Schalthebel hochgezogen werden musste und damit die Gasse für den Rückwärtsgang freigab. Das ging oft nur im 2. oder 3. Versuch und von einem leichten Kratzen begleitet.

Die eingetragene Höchstgeschwindigkeit betrug 160 km/h. Tatsächlich rannte er genauso schnell wie der 90 PS Golf II eines Freundes, dessen Auto mit 178 km/h eingetragen war. Man konnte also durchaus (sicher auch durch die windschlüpfrige Form) auf der Autobahn flott unterwegs sein. Die Beschleunigung betrug ca. 16 Sek. von 0 - 100. Hier war besonders wegen der großen Sprünge in der Übersetzung kein Blumentopf zu gewinnen.

Der Motorlauf war insgesamt ziemlich rauh, relativ laut und wenig unterhaltsam. Beim Öffnen der Motorhaube fiel jedoch auch auf, dass kaum Dämmaterial verbaut wurde und hier wohl auch ein Grund für die deutlich vernehmbaren Laufgeräusche lag. Am besten fuhr man mit 80 km/h auf Landstraßen und bis 130 oder ab 150 km/h auf der Autobahn, weil dann das Dröhnen, das bei mittleren Drehzahlen den Motorlauf begleitete, nicht mehr im Vordergrund stand.

Dafür war der Wagen äußerst sparsam zu bewegen. Auf Langstrecken war es kein Problem unter 6l (Normalbenzin 91 ROZ) zu kommen. Im Alltag lag der Verbrauch zwischen 7 und 8 Litern. Wenn es (wie leider sehr oft) nur extreme Kurzstrecken zu bewältigen galt, jagten bis zu 10 l durch den Vergaser.

Der Kadett mit dem 1,3l Vergasermotor verfügte ab Werk über keinerlei Abgasreinigung. Als 1990 die Nachrüstung von Katalysatoren steuerlich subventioniert wurde, bekam unser Wagen einen ungeregelten Katalysator eingebaut. Die Einbaukosten von ca. 300,- Eur entsprachen damals ziemlich genau dem Steuernachlass. Zudem fuhren wir ab dann in etwas günstigerer Steuerklasse. Leider kann ich die aktuelle Besteuerung nicht mehr benennen, ich weiß aber dass meine Ma in 2003 ca. 300,- Eur Steuer pro Jahr für den kleinen 1,3l-Motor gezahlt hat.

Der einzige richtige Defekt war ein defekter Zündverteiler und korrodierter Verteilerfinger bei ca. 60.000 km Laufleistung, was eine Reparatur in Höhe von ca. 180,- Eur zur Folge hatte. Erhöhter Ölverbrauch war nicht festzustellen, mehr als 0,2-0,3l Verbrauch war auch in den letzten 2 Jahren nicht zu bemerken. Wir haben unseren Kadett nach 14 Jahren mit 110.000 km verkauft, der Motor machte einen guten Eindruck und es war zu erwarten, dass er die Lebensdauer der Karosserie locker erreichen würde, zumal der Wagen Zeit seines Lebens Scheckheft gepflegt wurde.


FAHRWERK:

Das Fahrverhalten des Kadetts war absolut narrensicher. Er war deutlich untersteuernd ausgelegt, war auch bei plötzlichem Gaswegnehmen in Kurven nicht dazu zu überreden mit dem Heck auszukeilen. Das Fahrverhalten war damals schon sehr neutral und ausgewogen. Dazu kam die sehr komfortable Federung, die nur auf längeren Wellen ein wenig Seefahrer-Flair aufkommen ließ und hier zeigte, dass sie unterdämpft war. Im Alltag und für den Einsatzzweck des Autos war das sicher eine gelungene Abstimmung.

Die Bremsen (vorne Scheiben, hinten Trommelbremsen) waren über die gesamte Besitzdauer sehr schwergängig und wirklich erst mit Nachdruck zu einigermaßen Wirkung zu überreden. An heutigen Maßstäben gemessen sicher eher eine schlechte Bremse. ABS gab es natürlich auch noch nicht, aber zum Blockieren brauchte es schon eine Schreckbremsung auf Nässe. Die Lenkung war sehr indirekt ausgelegt und musste zudem ohne Servounterstützung auskommen, was mit den 175er Reifen und den sicher gute 500 KG, die auf dem Vorderwagen lasteten eine ganz schöne Kurbelei bedeutete.

Die aufgezogenen Reifen in der Größe 175/70 R13 waren bei uns immer nur Sommerreifen von Markenherstellern. Zuletzt waren es Continental Eco-Contact, die bei ca. 90.000 km neu aufgezogen wurden und die sogar im Kölner Winter (Regen und Schneematsch) eine ganz gute Figur machten.


DEFEKTE:

Der erwähnte Zünd-Defekt war der Grund für das einzige Liegenbleiben, das meine Ma mit dem Auto erleben musste. Alle übrigen Defekte wurden meist im Rahmen der regelmäßigen Inspektionen behoben. Dazu zählten mindestens 3x der Endschalldämpfer, einmal musste die Führung des Fensters auf der Fahrerseite repariert werden, weil das Fenster in die Tür gefallen war und auch die Ventildeckeldichtung musste kurz vor 100.000 km erneuert werden.

Die weitaus häufigsten Reparaturen waren wg. ständig auftauchender Roststellen. Speziell an den hinteren Radläufen und an den Türen rostet der Kadett E mit Vorliebe. Und das sogar kurz nach Ablauf der 6-jährigen Garantie gegen Rost. Ständig musste gespachtelt und lackiert werden, obwohl der Wagen gepflegt war und der Lack auch nach 14 Jahren noch aussah wie bei einem Jahreswagen. Hier war unsere günstige und kompetente freie Werkstatt wirklich Gold wert.


KOSTEN:

Wie erwähnt ist speziell der 1,3l-Motor eine sehr sparsame Motorisierung, sogar mit 4 Gang-Getriebe. Die Versicherungseinstufungen waren mit 19(KH), 14(TK) und 10(VK) sehr günstig. Teuer wurde wie erwähnt die Steuereinstufung des ungeregelten Katalysators. Die Ersatzteilpreise für den Kadett sind sehr gering, besonders da viele Teile gebraucht zu bekommen sind. Hier zeigt sich ein positiver Effekt der großen Verbreitung des Autos. Gegen den Rost und die daraus resultierenden Probleme mit dem TÜV ist aber wohl kein Kraut gewachsen.

Wir haben unseren Kadett im Oktober 2003 nach 14 Jahren und 110.000 km aus 1.Hd. und Scheckheft gepflegt für 300,- Eur verkauft. In diesem Bereich liegen auch gebrauchte Autos, die jedoch meist äußerlich recht ramponiert sind und häufig deutlich mehr gelaufen sind.


FAZIT:

Auf dem Kadett habe ich nach dem Erhalt meines Führerscheins fahren gelernt und in ihn auch meine ersten Beulen und Schrammen reingefahren. Er ist ein perfektes Anfängerauto und auch im Winter kinderleicht zu fahren. Wenn er nicht vom Rost vertilgt würde, wäre er sicher auch heute noch eine Empfehlung wert!

Man sollte beim heutigen Gebrauchtkauf in jedem Fall darauf achten einen Motor mit geregeltem Kat zu bekommen, der im Unterhalt nicht ganz so teuer ist. Von mir gibt es eine Empfehlung und 4 Sterne von 5. Der Abzug resultiert einzig aus der mangelnden Rostvorsorge und der etwas einfachen Machart.

PS: Der Bericht erscheint unter gleichem Usernamen so bei Ciao.de!

9 Bewertungen, 1 Kommentar

  • Overknees

    26.12.2004, 03:52 Uhr von Overknees
    Bewertung: sehr hilfreich

    Kadett E Ich hatte das Vergnügen, nach meiner Rückkehr aus Mexico für ein paar Monate einen zu bewegen. 2.0i Club Caravan, mit damaliger Vollausstattung und ganze 150,- Euro teuer. Und sowas bei Hammer :) Der Kadedillac hat mich ste