Panic Room (DVD) Testbericht

D
Panic-room-dvd-thriller
ab 11,53
Paid Ads from eBay.de & Amazon.de
Auf yopi.de gelistet seit 04/2011

5 Sterne
(3)
4 Sterne
(7)
3 Sterne
(3)
2 Sterne
(0)
1 Stern
(1)
0 Sterne
(0)

Erfahrungsbericht von mima007

Hitchcock meets Hightech

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Spannender Klaustro-Thriller von David Fincher, sozusagen Hitchcock meets Hightech. Das Kammerspiel hat nur einen Schauplatz: ein New Yorker Herrenhaus, das über einen sogenannten Panic Room verfügt. Und der ist auch dringend nötig.—Dem rasant inszenierten Film steht leider eine karge DVD-Ausstattung gegenüber.

Filminfos

Originaltitel: Panic Room, 2001, DVD: 10/2002
FSK: 16
Länge: ca. 90 Min.
Regisseur: David Fincher
Drehbuch: David Koepp
Musik: Howard Shore
Darsteller: Jared Leto, Jodie Foster, Forest Whitaker, Dwight Yoakam u.a.

Handlung

Die junge Mutter Meg Altman (Jodie Foster) und ihre Tochter ziehen in ein nobles Wohnhaus in Manhattan ein. Meg lebt von ihrem Mann Stephen wegen dessen Affäre getrennt, lässt aber das Haus von ihm bezahlen. Die noble Hütte, die zuvor dem verstorbenen Finanzguru Perlstein gehörte, verfügt über Aufzug und einen sogenannten Panikraum, der sich einbruchsicher abschotten lässt. Vom Panikraum aus lässt sich per Videokamera das ganze Hausinnere überwachen. Hier drin befinden sich auch Vorräte für das Überleben – und ein Geheimnis.

Schon in der ersten Nacht bekommen Meg und ihre Tochter ungebetenen Besuch: ein Trio von Einbrechern, angeführt vom räuberischen Enkel des Verblichenen (Jared Leto). Ein Servicemitarbeiter der Herstellerfirma des Panikraums namens Burnham (Whitaker) und Raoul, ein Busfahrer auf Abwegen (Yoakam), der als Einziger eine Pistole dabei hat, komplettieren das Rollkommando. Und was sie wollen, befindet sich im Panikraum: Millionen von Dollars...

Sobald Meg die Eindringlinge bemerkt, schnappt sie ihre Tochter und flüchtet ins vermeintlich sichere Refugium. Doch der schlaue Burnham benutzt Propangas, um dessen Insassen unter Druck zu setzen. Leider kehrt sich der Effekt ins Gegenteil um, als Meg das Gas entzündet und der Schuss nach hinten los geht. Der Enkel steigt aus und wird erschossen.

Meg schafft es auch, einen Nachbarn zu alarmieren, der allerdings nicht reagiert. Wenig später, von krankhafter Platzangst gequält, erreicht sie über Handy ihren Mann Stephen, doch sogleich kappt Burnham die Telefonleitung. Es ist ein Katz-und-Maus-Spiel. Doch ihr läuft die zeit davon: Denn Megs Tochter ist eine Diabetikerin, und da sie weder Zucker noch Insulin bekommen kann, verfällt sie in Unterzuckerschock. Das Einzige, was sie vor dem Koma und nachfolgendem Tod bewahren würde, wäre eine Injektion Insulin. Doch die Spritze befindet sich in unerreichbarer Ferne, im Kühlschrank.

Die Ereignisse erreichen eine ersten Höhepunkte, als Stephen eintrifft und als Geisel genommen wird, um Meg zur Öffnung des Panikraums zu zwingen...

Die DVD

Technische Infos
Bildformate: 2,35:1, 16:9
Tonformate: DD 5.1
Sprachen: Engl., Dt.
Untertitel: Engl., Dt.

Extras:
- Filmografien von Darstellern und Regisseur
- Trailer

Mein Eindruck

Der Regisseur von \"Sieben\", David Fincher, hat einen visuell reizvollen und dramaturgisch spannenden Film gemacht, der allerdings von den Darstellern nur unterdurchschnittliche Leistungen fordert. Sie müssen sich andauernd bewegen – denn dies ist die Essenz amerikanischen Kinos: Dynamik. Leider kann der Zuschauer nie sicher sein, ob nicht irgendwelche Körper-Doubles durch die Gänge des Hauses sausen. Vieles ist nur durch Videokamera wahrgenommen, mit entsprechend minderwertiger Bildqualität.

Und so gute Schauspieler wie Jodie Foster (\"Schweigen der Lämmer\") oder Whitaker (\"Species\") werden herzlich wenig gefordert. Foster zeigt stets das gleiche verzweifelte oder erstarrte Gesicht, insbesondere dann, wenn es um ihre Tochter oder ihren Mann geht. Und dementsprechend entsteht der Eindruck, als sei das Haus die Hauptperson des Films.

Das wird dadurch anschaulich, dass die allmächtige und allgegenwärtige Kamera durch Wände dringt, als wären sie Luft, und durch Räume und Gegenstände saust, als handle es sich um eine Landschaft. Menschliche Körper sind hier lediglich zufällige und vorübergehende Erscheinungen. Das Haus aber währet ewiglich. Dieser Effekt erinnert an gewisse Geisterhaus-Streifen, wie sie neuerdings wieder in Mode gekommen sind (\'Haunted House\', \'The house on the hill\', \'13 Geister\' usw.).

Die kathedralenhafte Atmosphäre des Hauses, in dem nur Sicherheit und Geld gesucht und verehrt werden, ein Menschenleben aber deswegen nichts zählt, wird ganz am Schluss gestreift: Meg und ihre Tochter sind wieder auf Wohnungssuche. Neben kryptischen Straßenkürzeln wie WEA (West End Avenue), die sich nur dem eingeweihten Jünger des Wohnungsmarktes erschließen, erwähnen Wohnungsanzeigen auch \"cathedral windows\": Fenster, die bis zum Boden reichen, aber im englischen Sprachgebrauch offenbar vor allem in Kathedralen zu finden sind. Dass am Schluss das Geld (genauer: die Wertpapiere) im Winde verweht, erscheint nur folgerichtig. Weder Liebe noch Fleisch noch immaterielle Werte überdauern in der Stadt aus Stein: nur Kathedralen.

Unterm Strich

Technisch und handwerklich ausgezeichnet inszeniert und streckenweise spannend, enttäuscht der Streifen doch stark auf der menschlichen und darstellerischen Seite. Wenn man sich ähnliche Katastrophenfilme mit Klaustro-Atmosphäre erinnert (\'Erdbeben\', \'Inferno\'), so bleibt die Interaktion der Darsteller weit dahinter zurück, was die Emotionen anbelangt. Die \'Emotionalität\' der drei Einbrecher erschöpft sich eh nur in Gefluche (Leto) oder Geballer (Yoakam), während Burnham (Whitaker) der Denkertyp zu sein scheint, wenn auch mit einem goldenen Herzen für Kinder.

Dass die DVD lediglich mit den Filmografien des Regisseurs und der Darsteller ausgestattet ist und weder Making-of noch Interviews umfasst, ist für eine solche Großproduktion ein schweres Manko. Man kann nur auf eine Special Edition hoffen.

Michael Matzer © 2003ff

28 Bewertungen