Erfahrungsbericht von wildheart
Krieg auf engem Raum
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Panik und Nervenkitzel sind sicherlich David Finchers Stärken. »Alien 3« (1992) war nicht der große Renner, trotz Sigourney Weaver, aber mit »Sieben« (1995, mit Morgan Freeman) und »The Game« (1997, mit Sean Penn und Michael Douglas) lieferte Fincher mehr als gute Streifen. Nach »Fight Club« (1999, mit Edward Norton und Brad Pitt) wagte er sich nun an einen etwas anderen Stoff.
Inhalt
Der steinreiche Stephen Altman (Patrick Bauchau) hat seine Frau Meg (Jodie Foster) wegen einer anderen verlassen. Meg und ihre Tochter Sarah (Kristen Stewart) müssen eine neue Bleibe suchen. Sie suchen in Manhattan und finden eine riesige Wohnung in einem Sandsteinhaus. Diese Wohnung hat einen sog. Panikraum, einen mit Hochtechnologie ausgerüsteten Schutzraum, ringsherum gepanzert mit Stahlwänden, ausgestattet mit dem allernötigsten zum Überleben, ebenso mit Videokameras, mit denen fast die gesamte Wohnung sowie Teile des Außenbereichs einzusehen sind, einer speziellen Telefonleitung usw.
Meg und Sarah ziehen ein, haben noch nicht alles ausgepackt und sind beide verständlicherweise mit der Trennung von Mann und Vater beschäftigt. Doch schon in der ersten Nacht erleben sie eine böse Überraschung. Mehr zufällig entdeckt Meg auf den Monitoren im Schlafzimmer, dass drei Männer in das Haus eingedrungen sind. Meg weckt ihre Tochter und kann im letzten Moment mit ihr in den hauseigenen Bunker flüchten.
Der u.a. wegen Unterhaltszahlungen verschuldete Burnham (Forest Whitaker) und der nicht besonders intelligente Junior (Jared Leto) wollen stehlen – und zwar eine Menge Geld. Junior hat ohne Wissen Burnhams Raoul (Dwight Yoakam) in den geplanten Raub mit einbezogen. Alle drei wussten nicht, dass das Haus inzwischen wieder bewohnt ist. Mittels beschriebenen Zetteln machen sie Meg und Sarah über die Videokameras klar, dass sich das Geld irgendwo im Panikraum befindet. Doch Meg ist nicht bereit, den Raum zu verlassen, vor allem natürlich aus Angst um ihre Tochter, die zudem noch zuckerkrank ist.
Die drei Gangster überlegen, wie sie Meg dazu zwingen können, den Raum zu verlassen. Burnham will ihnen Angst machen. Da er bei der Gesellschaft arbeitet, die solche Schutzräume baut, weiß er, wie man Gas durch einen Schacht in den Raum leiten kann ...
Inszenierung
Fincher inszeniert in routinierter Weise einen Alptraum, einen Kampf auf Leben und Tod: Drei Männer gegen zwei Frauen, ohne Gnade. Er lässt die Kamera in Windeseile durch das düstere Haus, durch Henkel von Kaffeekannen, Winkel und Ecken, Decken und Wände hindurch schnellen, um dem Zuschauer nicht nur die Umgebung schaurig-vertraut zu machen, sondern auch die Kälte der Situation zu vermitteln. Am Anfang, als Meg und Sarah den Schutzraum erreicht haben, besteht eine Pattsituation zwischen ihnen und den Gangstern. Die wissen nicht, wie sie die beiden aus dem Raum bekommen, Meg und Sarah nicht, wie sie die Situation dauerhaft zu ihren Gunsten lösen können. Beiden Seiten fällt allerlei ein, um sich einen Vorsprung vor den jeweils anderen zu verschaffen, der jedoch jedesmal wieder wettgemacht wird.
Dieses Ping-Pong-Spiel ist durchaus spannend gemacht, und die Spannung erfährt auch im Laufe des Films eine Steigerung. Zudem erweist sich Meg als nicht nur intelligente, sondern auch einfallsreiche Frau. Meg und Sarah begreifen, ohne darüber zu reden, dass sie die Gangster nur mit den eigenen Waffen schlagen können. Nicht die Verbrecher befinden sich im Gefängnis, sondern sie, wenn auch in einem relativ sicheren. Dieses Eingesperrtsein, ab einem gewissen Zeitpunkt auch ohne Chance des Kontakts zur Außenwelt, deuten Mutter wie Tochter zu Recht als Situation, in der ihnen nichts anderes bleibt, als Krieg zu führen. Das tun sie, insbesondere nachdem es einen Toten gibt.
Auf seiten der Gangster wird die Situation durch den brutalen Psychopathen Raoul klargestellt: Er wird nicht zögern, die beiden Frauen zu ermorden, um an das Geld zu kommen. Burnham dagegen ist nicht bereit zu morden, was die Frauen allerdings nicht wissen.
Die Filmkamera und die Videokameras im Haus dokumentieren. Sie verfolgen einen Krieg auf kleinem Raum mit kleinen Gruppen, eine Art »häuslichen Guerillakampf«.
Trotzdem möchte ich einige Zweifel anmelden. Die Geschichte ist, was das Ende angeht, absehbar. Niemand dürfte zweifeln, dass die Gangster verlieren. Das allein wäre kein Grund für Punktabzug. Doch obwohl Jodie Foster und Kristen Stewart als (pubertierende) Tochter so einiges auf die Beine stellen, um sich zu befreien, sind sie mir von Anfang an zu stark in ihrem Verhalten. Man kann sich leicht vorstellen, welche Ängste, welche Panik eine solche lebensbedrohende Situation auslösen muss, zumal vor dem Hintergrund einer gerade stattgefundenen Trennung von Ehemann bzw. Vater. Doch zu rasch finden die beiden Frauen zu Stärke und Bewusstheit über ihre Lage: nicht glaubwürdig. Hier hätte mehr Entwicklung der Charaktere in bezug auf die eigene Lage besser getan.
Fincher versetzt den Zuschauer im übrigen zu rasch in die Gefahrenlage selbst. Manchmal hat man den Eindruck, sich in einem Computerspiel zu befinden: kurze Einführung, erster Schuss, Krieg.
Schauspieler
Jodie Foster und Kristen Stewart passen gut in ihren Rollen zusammen und sind stark, wenn es um gute Einfälle, Ruhe-Bewahren und Bewältigung von Angst geht – wie ein eingespieltes Team von Mutter und Tochter, die sich weitestgehend verstehen. Aber ihre Darstellung kann über die genannten Mängel des Drehbuchs nicht hinwegtäuschen. Forest Whitaker spielt den verschuldeten Einbrecher aus Not, der keinen Mord will und zwischen dem beabsichtigten Raub und der Gefahr, die ihm selbst durch Raoul droht, hin und her schwankt, durchaus angemessen, während Jared Leto und Dwight Yoakam mir zu flach in der Charakterdarstellung waren, wahrscheinlich sind dies aber auch eher Mängel des Drehbuchs.
Fazit
»Panic Room« ist durchaus spannend und spannungssteigende Momente hat der Film ebenso. Allerdings verbleibt er durch die unzureichend gezeichneten Figuren zu äußerlich. Natürlich liegen die Sympathien eindeutig auf seiten von Meg und Sarah und wenn eine von beiden getötet würde, würden Tränen fließen. Doch das ist der entscheidende Punkt: Es ist von vornherein klar, dass keine der beiden Frauen ums Leben kommen wird. Und daher ist ein tieferes Mitfühlen mit ihrer Situation sozusagen gar nicht notwendig; sie entkommen eh. Fincher spekuliert gegenüber dem Publikum mit der Sicherheit des Ausgangs der Gefahrenlage und macht »Panic Room« damit weitgehend zu einem Krieg von Schachfiguren.
P.S. Einige Filmkritiker bringen den Film mit der Situation des 11. September in Verbindung, also sozusagen: Panikraum = USA, Gangster = terroristische Bedrohung. Ich halte das für mehr als weit hergeholt.
Panic Room
(Panic Room)
USA 2002, 112 Minuten
Regie: David Fincher
Drehbuch: David Koepp
Hauptdarsteller: Jodie Foster (Meg Altman), Kristen Stewart (Sarah Altman), Forest Whitaker (Burnham), Dwight Yoakam (Raoul), Jared Leto (Junior), Patrick Bauchau (Stephen Altman), Ann Magnusson (Lydia Lynch), Ian Buchanan (Evan Kurlander), Paul Schulze (Keeney, Polizist), Mel Rodriguez (Morales, Polizist)
© Ulrich Behrens 2002
(zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
Der Beitrag wurde von mir nochmals eingestellt, da er aufgrund der technischen Schwierigkeiten bei YOPI am 23.6.2002 offenbar gelöscht wurde.
Inhalt
Der steinreiche Stephen Altman (Patrick Bauchau) hat seine Frau Meg (Jodie Foster) wegen einer anderen verlassen. Meg und ihre Tochter Sarah (Kristen Stewart) müssen eine neue Bleibe suchen. Sie suchen in Manhattan und finden eine riesige Wohnung in einem Sandsteinhaus. Diese Wohnung hat einen sog. Panikraum, einen mit Hochtechnologie ausgerüsteten Schutzraum, ringsherum gepanzert mit Stahlwänden, ausgestattet mit dem allernötigsten zum Überleben, ebenso mit Videokameras, mit denen fast die gesamte Wohnung sowie Teile des Außenbereichs einzusehen sind, einer speziellen Telefonleitung usw.
Meg und Sarah ziehen ein, haben noch nicht alles ausgepackt und sind beide verständlicherweise mit der Trennung von Mann und Vater beschäftigt. Doch schon in der ersten Nacht erleben sie eine böse Überraschung. Mehr zufällig entdeckt Meg auf den Monitoren im Schlafzimmer, dass drei Männer in das Haus eingedrungen sind. Meg weckt ihre Tochter und kann im letzten Moment mit ihr in den hauseigenen Bunker flüchten.
Der u.a. wegen Unterhaltszahlungen verschuldete Burnham (Forest Whitaker) und der nicht besonders intelligente Junior (Jared Leto) wollen stehlen – und zwar eine Menge Geld. Junior hat ohne Wissen Burnhams Raoul (Dwight Yoakam) in den geplanten Raub mit einbezogen. Alle drei wussten nicht, dass das Haus inzwischen wieder bewohnt ist. Mittels beschriebenen Zetteln machen sie Meg und Sarah über die Videokameras klar, dass sich das Geld irgendwo im Panikraum befindet. Doch Meg ist nicht bereit, den Raum zu verlassen, vor allem natürlich aus Angst um ihre Tochter, die zudem noch zuckerkrank ist.
Die drei Gangster überlegen, wie sie Meg dazu zwingen können, den Raum zu verlassen. Burnham will ihnen Angst machen. Da er bei der Gesellschaft arbeitet, die solche Schutzräume baut, weiß er, wie man Gas durch einen Schacht in den Raum leiten kann ...
Inszenierung
Fincher inszeniert in routinierter Weise einen Alptraum, einen Kampf auf Leben und Tod: Drei Männer gegen zwei Frauen, ohne Gnade. Er lässt die Kamera in Windeseile durch das düstere Haus, durch Henkel von Kaffeekannen, Winkel und Ecken, Decken und Wände hindurch schnellen, um dem Zuschauer nicht nur die Umgebung schaurig-vertraut zu machen, sondern auch die Kälte der Situation zu vermitteln. Am Anfang, als Meg und Sarah den Schutzraum erreicht haben, besteht eine Pattsituation zwischen ihnen und den Gangstern. Die wissen nicht, wie sie die beiden aus dem Raum bekommen, Meg und Sarah nicht, wie sie die Situation dauerhaft zu ihren Gunsten lösen können. Beiden Seiten fällt allerlei ein, um sich einen Vorsprung vor den jeweils anderen zu verschaffen, der jedoch jedesmal wieder wettgemacht wird.
Dieses Ping-Pong-Spiel ist durchaus spannend gemacht, und die Spannung erfährt auch im Laufe des Films eine Steigerung. Zudem erweist sich Meg als nicht nur intelligente, sondern auch einfallsreiche Frau. Meg und Sarah begreifen, ohne darüber zu reden, dass sie die Gangster nur mit den eigenen Waffen schlagen können. Nicht die Verbrecher befinden sich im Gefängnis, sondern sie, wenn auch in einem relativ sicheren. Dieses Eingesperrtsein, ab einem gewissen Zeitpunkt auch ohne Chance des Kontakts zur Außenwelt, deuten Mutter wie Tochter zu Recht als Situation, in der ihnen nichts anderes bleibt, als Krieg zu führen. Das tun sie, insbesondere nachdem es einen Toten gibt.
Auf seiten der Gangster wird die Situation durch den brutalen Psychopathen Raoul klargestellt: Er wird nicht zögern, die beiden Frauen zu ermorden, um an das Geld zu kommen. Burnham dagegen ist nicht bereit zu morden, was die Frauen allerdings nicht wissen.
Die Filmkamera und die Videokameras im Haus dokumentieren. Sie verfolgen einen Krieg auf kleinem Raum mit kleinen Gruppen, eine Art »häuslichen Guerillakampf«.
Trotzdem möchte ich einige Zweifel anmelden. Die Geschichte ist, was das Ende angeht, absehbar. Niemand dürfte zweifeln, dass die Gangster verlieren. Das allein wäre kein Grund für Punktabzug. Doch obwohl Jodie Foster und Kristen Stewart als (pubertierende) Tochter so einiges auf die Beine stellen, um sich zu befreien, sind sie mir von Anfang an zu stark in ihrem Verhalten. Man kann sich leicht vorstellen, welche Ängste, welche Panik eine solche lebensbedrohende Situation auslösen muss, zumal vor dem Hintergrund einer gerade stattgefundenen Trennung von Ehemann bzw. Vater. Doch zu rasch finden die beiden Frauen zu Stärke und Bewusstheit über ihre Lage: nicht glaubwürdig. Hier hätte mehr Entwicklung der Charaktere in bezug auf die eigene Lage besser getan.
Fincher versetzt den Zuschauer im übrigen zu rasch in die Gefahrenlage selbst. Manchmal hat man den Eindruck, sich in einem Computerspiel zu befinden: kurze Einführung, erster Schuss, Krieg.
Schauspieler
Jodie Foster und Kristen Stewart passen gut in ihren Rollen zusammen und sind stark, wenn es um gute Einfälle, Ruhe-Bewahren und Bewältigung von Angst geht – wie ein eingespieltes Team von Mutter und Tochter, die sich weitestgehend verstehen. Aber ihre Darstellung kann über die genannten Mängel des Drehbuchs nicht hinwegtäuschen. Forest Whitaker spielt den verschuldeten Einbrecher aus Not, der keinen Mord will und zwischen dem beabsichtigten Raub und der Gefahr, die ihm selbst durch Raoul droht, hin und her schwankt, durchaus angemessen, während Jared Leto und Dwight Yoakam mir zu flach in der Charakterdarstellung waren, wahrscheinlich sind dies aber auch eher Mängel des Drehbuchs.
Fazit
»Panic Room« ist durchaus spannend und spannungssteigende Momente hat der Film ebenso. Allerdings verbleibt er durch die unzureichend gezeichneten Figuren zu äußerlich. Natürlich liegen die Sympathien eindeutig auf seiten von Meg und Sarah und wenn eine von beiden getötet würde, würden Tränen fließen. Doch das ist der entscheidende Punkt: Es ist von vornherein klar, dass keine der beiden Frauen ums Leben kommen wird. Und daher ist ein tieferes Mitfühlen mit ihrer Situation sozusagen gar nicht notwendig; sie entkommen eh. Fincher spekuliert gegenüber dem Publikum mit der Sicherheit des Ausgangs der Gefahrenlage und macht »Panic Room« damit weitgehend zu einem Krieg von Schachfiguren.
P.S. Einige Filmkritiker bringen den Film mit der Situation des 11. September in Verbindung, also sozusagen: Panikraum = USA, Gangster = terroristische Bedrohung. Ich halte das für mehr als weit hergeholt.
Panic Room
(Panic Room)
USA 2002, 112 Minuten
Regie: David Fincher
Drehbuch: David Koepp
Hauptdarsteller: Jodie Foster (Meg Altman), Kristen Stewart (Sarah Altman), Forest Whitaker (Burnham), Dwight Yoakam (Raoul), Jared Leto (Junior), Patrick Bauchau (Stephen Altman), Ann Magnusson (Lydia Lynch), Ian Buchanan (Evan Kurlander), Paul Schulze (Keeney, Polizist), Mel Rodriguez (Morales, Polizist)
© Ulrich Behrens 2002
(zuerst veröffentlicht in www.ciao.com unter dem Mitgliedsnamen Posdole)
Der Beitrag wurde von mir nochmals eingestellt, da er aufgrund der technischen Schwierigkeiten bei YOPI am 23.6.2002 offenbar gelöscht wurde.
26 Bewertungen, 3 Kommentare
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03.09.2008, 10:13 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreichGuten Morgäääään
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29.09.2007, 21:42 Uhr von Puenktchen3844
Bewertung: sehr hilfreichEin ausführlicher Bericht. LG
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14.12.2006, 12:06 Uhr von Sayenna
Bewertung: sehr hilfreichsh & Kuss :-)
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