Erfahrungsbericht von w.gruentjens
Krieg hui - Liebe pfui?
Pro:
So schön kann Krieg sein ...
Kontra:
... und so dämlich Liebe
Empfehlung:
Nein
Oktober 2001: Worauf sich die Kinder gefreut hatten - eine schöne Mischung aus Liebe und Katastrophe wie bei Titanic - wurde zu einem netten Familienfilmabend, aber nicht mehr.
Krieg hui...
Um es vorweg zu sagen: Die Materialschlacht und die Luftkämpfe sind ganz großartig, und wenn der Film nur daraus bestanden hätte, wäre er von mir als sehr empfehlenswert eingestuft worden - trotz der fehlenden Kunst.
Denn die handwerklich perfekte Darstellung einer geschichtlich überlieferten Katastrophe ist durchaus eine wichtige Aufgabe, die sich noch manchen Themas annehmen kann.
So muss ich sagen, dass ich über die Hintergründe, den Ablauf von der japanischen Vorbereitung über die Täuschungsmanöver und das Anschleichen bis zum Vollenden des Überfalls auf den auf Hawaii liegenden amerikanischen Stützpunkt noch aus keiner anderen Quelle etwas so intensiv und direkt miterlebend erfahren habe wie aus dem Film.
Hier hat der Film also ein dickes Lob verdient. Schöner kann Krieg fast nicht mehr sein.
1941 war der zweite Weltkrieg in vollem Gange. Die Japaner hielten es eher mit den Deutschen, und sie kamen auf die Idee, die auf Hawaii liegende amerikanische Basis Pearl Harbor anzugreifen. Ausführlich - und manchmal wohl mit etwas mehr Phantasie als wirklicher Information - werden die Vorbereitungen gezeigt, die dazu führen, dass dort eine ganze Flotte vernichtet werden sollte. Die Schlachtszenen sind ausgezeichnet, und hier liegt auch die Stärke des Films. Fast 50 Minuten wird in allen Einzelheiten gezeigt, wie Angriffe geflogen, Bomben abgeworfen und Torpedos auf Schiffe gejagt werden. Nahaufnahmen und ungewohnte Perspektiven (Kamera auf Bombe) bringen hier zusätzlich Leben hinein.
Hätte der Film sich darauf beschränkt, ein Kriegs- oder Antikriegsfilm zu sein, so wäre er um Stufen, ja Treppen besser.
Liebe pfui...
Peinlich wird es allerdings da, wo versucht wird, die gelungene Kombination von Liebe und Katastrophe - von Shakespeare vorgemacht, von James Cameron in Titanic nachgemacht - noch perfekter zu machen:
Die Hauptdarstellerin hat nicht einen Liebhaber, sondern gleich zwei. Und es entstehen auch zwei Liebesgeschichten. Diese werden dadurch verwoben, dass die beiden Männer seit der Kindheit Freunde sind - sie haben schon damals das Fliegen geübt, sowohl mit Spielzeug als auch mit richtigen Flugzeugen.
Aber damit nicht genug: Damit die zwei Liebesgeschichten auftreten können, muss ja einer sterben. Und das tut er dann auch, in einem tollen Luftkampf geschildert, als er die Engländer im Kampf gegen die Deutschen unterstützt.
Aber jetzt setzen wir noch einen Trumpf drauf: Es reichen ja nicht zwei Liebesgeschichten, sondern es muss ja noch etwas Dramatik her. Also lassen wir den Gestorbenen von den Toten auferstehen - er konnte sich aus dem sinkenden Flugzeug retten und war dann in Feindesland - und die beiden aufeinander treffen.
Nun will ich nicht alles verraten, aber die weitere Entwicklung geht nach demselben Schema.
Lachen und Tod?
Für Slapstick-Liebhaber ist herrlich die Szene, wo sich die beiden kennen lernen. Hier hat man wirklich etwas zu lachen. Aber zu einem Film über Liebe und Tod will das Ganze doch nicht recht passen. Auch der Effekt \"Das Lachen bleibt einem im Halse stecken\" wie bei \"Das Leben ist schön\" funktioniert hier nicht.
Ebenso will sich der Effekt: \"Wie schrecklich ist doch der Krieg!\" wie bei Spielbergs \"Der Soldat James Ryan\" hier nicht einstellen. Im Gegenteil: Die Helden treten alle vor, als sie gefragt werden, wer sich zu einem Himmelfahrtskommando meldet, nämlich der lächerlichen Rache.
Dabei wurden 1942 von einem Flugzeugträger, der in die Nähe von Japan gefahren war, leichter gemachte Bomber(!) gestartet, um Tokio zu bombardieren, d. h. einige wenige Bomben dort abzuwerfen.
Lieber übertreiben...
Nicht nur die Story ist übertrieben, auch die Charaktere sind völlig überzogen. Die Helden sind zu heldenhaft und zweifeln nie, nicht einmal im Tode. Die Frauen - alles Krankenschwestern - sind nur zur Army gegangen, weil es da 4000 mal mehr Männer gibt und weil sie die entweder vernaschen oder als Ehemann angeln wollen. Daher stufe ich den Film auch als frauenfeindlich ein.
Das Pathos, die amerikanische Selbstbemitleidung und -beweihräucherung sind an manchen Stellen unerträglich.
Der Tod hält Ernte,
und die Musi spielt dazu...
Die Musik von Hans Zimmer klingt fast immer wie der 2. Satz eines Klavierkonzertes von Robert Schumann. Er möge mir verzeihen - mal nachsehen, ja, auf dem 100-Mark-Schein lächelt seine Frau immer noch. Eigentlich schreibt man ja seit 140 Jahren nicht mehr so, aber er bringt es gut rüber. Wenn dann auch noch ein Flötensolo hinzukommt, wird es richtig schön. Kommt dann auch noch Chor hinzu, dann wird es unerträglich schön, eben kitschig.
Schlimm ist auch, dass die Musik fast ständig dudelt und nicht - wie bei \"Cast Away\" - sparsam eingesetzt wird. Als wenn bei dem Überfall und den massiven Zerstörungen ein ganzes Symphonieorchester dabeigewesen wäre! Du siehst hunderte sterben, und die Musik dudelt und dudelt...
Ärmeres Pearl Harbor
Der Regisseur von Armageddon hatte ja in dem Film schon gezeigt, dass er für Action ein guter Regisseur, für Handlung, übertriebenes Pathos und Leitung der Schauspieler aber weniger hilfreich ist. Das hat sich hier mehr als bestätigt.
Die Schauspieler sind - bis auf den schwarzen Hauptdarsteller aus \"Men of honor\" - mittelmäßig, sogar Ben Affleck. Auch Alec Baldwin gefällt mir als Bösewicht besser als als heldenhafter Fluglehrer. Kate Beckinsale ist nett anzusehen, vor allem von weitem im roten Kleid. Viel mehr als das bringt sie aber nicht zustande. Ihr zweiter Lover Josh Hartnett - der neue amerikanische Teenie-Schwarm - gefällt mir da schon besser.
Die Synchronisation ist grottenschlecht. Das geht so weit, dass auf 3 gesprochene Silben 5 gehörte kommen.
Damit ich den Film aber nicht nur in den Kriegsteilen lobe, muss ich eins noch erwähnen:
Die Szene, in der die Hauptdarstellerin im roten Kleid auf die Kamera zugeht, ist sehr ansprechend und ästhetisch, fast schon kunsthandwerklich. Man könnte fast vergessen, dass so kurze Kleider 1941 nur von gewissen Damen getragen wurden...
Es geht nicht um Kunst, es geht um...
Was kann einen großen Drehbuchautor wie Radall Wallace, der mit dem Drehbuch zu Bravehaert ein Meisterwerk vorgelegt hat, in der auch eine zarte Liebesgeschichte auf ein Schlachtenepos trifft, dazu bewegen, bei einem so mittelmäßigen Film mitzumachen?
Wenn man mal die Broschüre liest, die in den Kinos verteilt wird, dann kann es einem schon klar werden. Da ist niemals von Kunst, von Stilmitteln, von Ausdruck und Aussage die Rede, sondern nur von Einspielergebnissen, von Geld.
Der Film ist gedreht nach dem Motto:
DAS MASSENPUBLIKUM WILL KEINE KUNST; ABER WIR WOLLEN SEIN GELD
Fazit:
War Romeo und Julia eine feine Liebesgeschichte mit wenigen Toten und Kunst, war Titanic eine schöne Liebesgeschichte mit vielen Toten und Kunsthandwerk, dann hat Pearl Harbor sogar zwei Liebesgeschichten mit ganz vielen Toten, bleibt aber reines Handwerk, manchmal sogar stümperhaftes.
War Armageddon schon arm, so ist Pearl ärmer, und am ärmsten ist der arme Walt Disney, dessen Firma dieses Machwerk produziert hat, denn er rotiert jetzt wie ein Propeller im Grabe.
Wer einen Film mit technisch perfekten Schlachten sehen will und über die ungeschickte Rahmenhandlung schmunzeln kann, soll sich diesen Film aber ruhig ansehen.
Krieg hui...
Um es vorweg zu sagen: Die Materialschlacht und die Luftkämpfe sind ganz großartig, und wenn der Film nur daraus bestanden hätte, wäre er von mir als sehr empfehlenswert eingestuft worden - trotz der fehlenden Kunst.
Denn die handwerklich perfekte Darstellung einer geschichtlich überlieferten Katastrophe ist durchaus eine wichtige Aufgabe, die sich noch manchen Themas annehmen kann.
So muss ich sagen, dass ich über die Hintergründe, den Ablauf von der japanischen Vorbereitung über die Täuschungsmanöver und das Anschleichen bis zum Vollenden des Überfalls auf den auf Hawaii liegenden amerikanischen Stützpunkt noch aus keiner anderen Quelle etwas so intensiv und direkt miterlebend erfahren habe wie aus dem Film.
Hier hat der Film also ein dickes Lob verdient. Schöner kann Krieg fast nicht mehr sein.
1941 war der zweite Weltkrieg in vollem Gange. Die Japaner hielten es eher mit den Deutschen, und sie kamen auf die Idee, die auf Hawaii liegende amerikanische Basis Pearl Harbor anzugreifen. Ausführlich - und manchmal wohl mit etwas mehr Phantasie als wirklicher Information - werden die Vorbereitungen gezeigt, die dazu führen, dass dort eine ganze Flotte vernichtet werden sollte. Die Schlachtszenen sind ausgezeichnet, und hier liegt auch die Stärke des Films. Fast 50 Minuten wird in allen Einzelheiten gezeigt, wie Angriffe geflogen, Bomben abgeworfen und Torpedos auf Schiffe gejagt werden. Nahaufnahmen und ungewohnte Perspektiven (Kamera auf Bombe) bringen hier zusätzlich Leben hinein.
Hätte der Film sich darauf beschränkt, ein Kriegs- oder Antikriegsfilm zu sein, so wäre er um Stufen, ja Treppen besser.
Liebe pfui...
Peinlich wird es allerdings da, wo versucht wird, die gelungene Kombination von Liebe und Katastrophe - von Shakespeare vorgemacht, von James Cameron in Titanic nachgemacht - noch perfekter zu machen:
Die Hauptdarstellerin hat nicht einen Liebhaber, sondern gleich zwei. Und es entstehen auch zwei Liebesgeschichten. Diese werden dadurch verwoben, dass die beiden Männer seit der Kindheit Freunde sind - sie haben schon damals das Fliegen geübt, sowohl mit Spielzeug als auch mit richtigen Flugzeugen.
Aber damit nicht genug: Damit die zwei Liebesgeschichten auftreten können, muss ja einer sterben. Und das tut er dann auch, in einem tollen Luftkampf geschildert, als er die Engländer im Kampf gegen die Deutschen unterstützt.
Aber jetzt setzen wir noch einen Trumpf drauf: Es reichen ja nicht zwei Liebesgeschichten, sondern es muss ja noch etwas Dramatik her. Also lassen wir den Gestorbenen von den Toten auferstehen - er konnte sich aus dem sinkenden Flugzeug retten und war dann in Feindesland - und die beiden aufeinander treffen.
Nun will ich nicht alles verraten, aber die weitere Entwicklung geht nach demselben Schema.
Lachen und Tod?
Für Slapstick-Liebhaber ist herrlich die Szene, wo sich die beiden kennen lernen. Hier hat man wirklich etwas zu lachen. Aber zu einem Film über Liebe und Tod will das Ganze doch nicht recht passen. Auch der Effekt \"Das Lachen bleibt einem im Halse stecken\" wie bei \"Das Leben ist schön\" funktioniert hier nicht.
Ebenso will sich der Effekt: \"Wie schrecklich ist doch der Krieg!\" wie bei Spielbergs \"Der Soldat James Ryan\" hier nicht einstellen. Im Gegenteil: Die Helden treten alle vor, als sie gefragt werden, wer sich zu einem Himmelfahrtskommando meldet, nämlich der lächerlichen Rache.
Dabei wurden 1942 von einem Flugzeugträger, der in die Nähe von Japan gefahren war, leichter gemachte Bomber(!) gestartet, um Tokio zu bombardieren, d. h. einige wenige Bomben dort abzuwerfen.
Lieber übertreiben...
Nicht nur die Story ist übertrieben, auch die Charaktere sind völlig überzogen. Die Helden sind zu heldenhaft und zweifeln nie, nicht einmal im Tode. Die Frauen - alles Krankenschwestern - sind nur zur Army gegangen, weil es da 4000 mal mehr Männer gibt und weil sie die entweder vernaschen oder als Ehemann angeln wollen. Daher stufe ich den Film auch als frauenfeindlich ein.
Das Pathos, die amerikanische Selbstbemitleidung und -beweihräucherung sind an manchen Stellen unerträglich.
Der Tod hält Ernte,
und die Musi spielt dazu...
Die Musik von Hans Zimmer klingt fast immer wie der 2. Satz eines Klavierkonzertes von Robert Schumann. Er möge mir verzeihen - mal nachsehen, ja, auf dem 100-Mark-Schein lächelt seine Frau immer noch. Eigentlich schreibt man ja seit 140 Jahren nicht mehr so, aber er bringt es gut rüber. Wenn dann auch noch ein Flötensolo hinzukommt, wird es richtig schön. Kommt dann auch noch Chor hinzu, dann wird es unerträglich schön, eben kitschig.
Schlimm ist auch, dass die Musik fast ständig dudelt und nicht - wie bei \"Cast Away\" - sparsam eingesetzt wird. Als wenn bei dem Überfall und den massiven Zerstörungen ein ganzes Symphonieorchester dabeigewesen wäre! Du siehst hunderte sterben, und die Musik dudelt und dudelt...
Ärmeres Pearl Harbor
Der Regisseur von Armageddon hatte ja in dem Film schon gezeigt, dass er für Action ein guter Regisseur, für Handlung, übertriebenes Pathos und Leitung der Schauspieler aber weniger hilfreich ist. Das hat sich hier mehr als bestätigt.
Die Schauspieler sind - bis auf den schwarzen Hauptdarsteller aus \"Men of honor\" - mittelmäßig, sogar Ben Affleck. Auch Alec Baldwin gefällt mir als Bösewicht besser als als heldenhafter Fluglehrer. Kate Beckinsale ist nett anzusehen, vor allem von weitem im roten Kleid. Viel mehr als das bringt sie aber nicht zustande. Ihr zweiter Lover Josh Hartnett - der neue amerikanische Teenie-Schwarm - gefällt mir da schon besser.
Die Synchronisation ist grottenschlecht. Das geht so weit, dass auf 3 gesprochene Silben 5 gehörte kommen.
Damit ich den Film aber nicht nur in den Kriegsteilen lobe, muss ich eins noch erwähnen:
Die Szene, in der die Hauptdarstellerin im roten Kleid auf die Kamera zugeht, ist sehr ansprechend und ästhetisch, fast schon kunsthandwerklich. Man könnte fast vergessen, dass so kurze Kleider 1941 nur von gewissen Damen getragen wurden...
Es geht nicht um Kunst, es geht um...
Was kann einen großen Drehbuchautor wie Radall Wallace, der mit dem Drehbuch zu Bravehaert ein Meisterwerk vorgelegt hat, in der auch eine zarte Liebesgeschichte auf ein Schlachtenepos trifft, dazu bewegen, bei einem so mittelmäßigen Film mitzumachen?
Wenn man mal die Broschüre liest, die in den Kinos verteilt wird, dann kann es einem schon klar werden. Da ist niemals von Kunst, von Stilmitteln, von Ausdruck und Aussage die Rede, sondern nur von Einspielergebnissen, von Geld.
Der Film ist gedreht nach dem Motto:
DAS MASSENPUBLIKUM WILL KEINE KUNST; ABER WIR WOLLEN SEIN GELD
Fazit:
War Romeo und Julia eine feine Liebesgeschichte mit wenigen Toten und Kunst, war Titanic eine schöne Liebesgeschichte mit vielen Toten und Kunsthandwerk, dann hat Pearl Harbor sogar zwei Liebesgeschichten mit ganz vielen Toten, bleibt aber reines Handwerk, manchmal sogar stümperhaftes.
War Armageddon schon arm, so ist Pearl ärmer, und am ärmsten ist der arme Walt Disney, dessen Firma dieses Machwerk produziert hat, denn er rotiert jetzt wie ein Propeller im Grabe.
Wer einen Film mit technisch perfekten Schlachten sehen will und über die ungeschickte Rahmenhandlung schmunzeln kann, soll sich diesen Film aber ruhig ansehen.
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