Pearl Harbor (VHS) Testbericht

Pearl-harbor-vhs-antikriegsfilm
ab 11,75
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Erfahrungsbericht von melannium

Pearl 'Schmalz'or

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ben Affleck und Josh Hartnett haben die gleichen Feinde: hinterhältige Japaner und - schmalzige Dialoge! Außerdem lieben sie das gleiche Mädchen.
„Pearl Harbor“: Titanic-Verschnitt mit mehr Wumms und noch mehr Schmalz.


| S | T | O | R | Y |

Rafe Mc Cawley (Ben Affleck, „Armaggedon“) und Danny Walker (Josh Hartnett, „Halloween H:20“) sind seit Kindertagen beste Freunde. Aufgewachsen wie Brüder teilen sie die gleiche Leidenschaft: das Fliegen. Fast selbstverständlich also, dass die beiden im Air-Corps der US-Army zu zwei wagemutigen Teufelspiloten ausgebildet werden.
Aber den ehrgeizigen Rafe drängt es nach mehr. Der eigensinnige Pilot ist auf der Suche nach neuen großartigen Herausforderungen, die sich ihm zu Friedenszeiten in den USA nicht stellen. Deshalb meldet er sich freiwillig zur „Eagle Squadron“ - einer Sondereinheit amerikanischer Soldaten, die im Krieg in Europa auf Seite der Engländer gegen Nazi-Deutschland kämpft.
Um Danny nicht zu sehr vor den Kopf zu stoßen, gibt Rafe vor, von seinem Vorgesetzen für diesen Sondereinsatz abberufen worden zu sein. Nur seiner großen Liebe Evelyn (Kate Beckinsale, „Viel Lärm um nichts“) erzählt er die Wahrheit. Einerseits kann die hübsche(?) Militärkrankenschwester sehr gut verstehen, dass Rafe sich nützlich machen will, wo er gebraucht wird - andererseits beschleicht sie die dunkle Ahnung, Rafe könne an der Front sein Leben lassen.
Auch die Tatsache, dass Evelyn und Danny nach Hawaii auf den amerikanischen Militärstützpunkt Pearl Harbor versetzt werden, verschafft dem Mädchen keinen Seelenfrieden. Während Rafe in Europa sein Leben aufs Spiel setzt, wird Evelyn auch in der neuen paradiesischen Umgebung von Angst und Sehnsucht zugleich geplagt.
Die Nachricht vom Tod des Geliebten verschafft ihr schließlich die schreckliche Gewissheit. Aber Evelyn ist nicht allein mit ihrer Trauer. Auch Danny ist nach dem Ableben seines Freundes mehr als niedergeschlagen. Wie praktisch nur, dass Evelyn ihren Busen nicht nur zum Trostspenden anbietet.
Das Durcheinander ist perfekt, als sich die Nachricht von Rafes Tod als verfrüht herausstellt und ebenjener quicklebendig in Pearl Harbor auftaucht, um seiner Liebsten nach durchlebtem Kriegsgräuel wieder ins Antlitz zu blicken. Schließlich hat Evelyn mittlerweile einen neuen Liebhaber - und das ist ausgerechnet Rafes bester Kumpel Danny...
Aber für Rivalitäten bleibt kaum Zeit, denn jetzt(!) geht der Film los: Die Japaner starten ihren Überraschungsangriff auf Pearl Harbor. Endlich darf Rafe auch für die eigene Nation seine Flugkünste unter Beweis stellen.


| K | R | I | T | I | K |

Angekündigt als teuerster Film aller Zeiten mit über 210 Millionen Dollar Produktionskosten, erweist sich „Pearl Harbor“ nach Fertigstellung als nicht ganz so superlativ. 135 Millionen sind’s letztendlich geworden, weil den großen Geldgebern im Hintergrund (Disney!) plötzlich Bedenken kamen: Vielleicht ist das Kriegsspektakel doch ein bisschen zu pathetisch und kitschig, um einen Titanic-Erfolg zu wiederholen? Ganze vier Mal stand der Film vor dem Aus. Eingespart wurde schließlich vor allem an den Gagen, weil sich die Sachkosten so gut wie gar nicht reduzieren ließen: Produzent Jerry Bruckheimer und Regisseur Michael Bay „begnügten“ sich mit Gewinnbeteiligungen und auch Top-Star Ben Affleck kassierte statt der geplanten 22 Millionen nur 25.000 $, um einen Anteil am Einspielergebnis zu erhaschen: „Weil ich den Film für sehr wichtig halte und den Überlebenden von Pearl Harbor Tribut zollen will“ (O-Ton Affleck). Welches Motiv wirklich dahinter steht dürfte klar sein. Wenn „Pearl Harbor“ seine Einspielprognosen erfüllt, sind die 22 Millionen, die Ben Affleck hätte bekommen sollen, ein Witz. Außerdem hoffen alle Darsteller auf den Titanic-Effekt: Gagenforderungen in Höhe des 20fachen lassen sich leicht für die nächsten Filmprojekte durchsetzen!
Überhaupt dürfte klar sein, welcher Film für „Pearl Harbor“ Pate gestanden hat. Wenn Danny und Eve es in einem Militärhangar treiben, der flott mit blütenweißen Fallschirmen ausgeschmückt ist, dann erinnert das vom Stil her schon sehr an die Szene, in der Leonardo DiCaprio und Kate Winslet es sich in einem Auto im Laderaum der Titanic gemütlich machen. Auch Rafes vermeintliches Ableben nach seinem Flugzeugabsturz ist relativ eindeutig: im eiskalten Wasser treibt er auf einem Wrackteil seines Kampfbombers dahin...
„Pearl Harbor“ - ernstzunehmende Konkurrenz für die Titanic? Nicht wirklich, denn im Prinzip passt in diesem Film einiges nicht zusammen: Die Dreiecks-Liebesbeziehung ist drittklassig schmalzig, die Dialoge unnötig aufgeblasen. So schreibt Evelyn in einem Brief an ihren geliebten Rafe etwa folgendes: „Ich beobachte jeden Abend den Sonnenuntergang in Pearl Harbor... Wenn ich doch nur die letzten warmen Sonnenstrahlen einfangen könnte, um sie dir zu schicken...“ Die robuste Übermutter, die mit beiden Stützstrümpfen voll im Leben steht, verkneift sich neben mir im Kinosessel ein sehnsüchtiges Schluchzen. Mir wird schon ganz übel. Gott sei Dank, dass diese klischeebehaftete, schlecht in Szene gesetzte Love-Story-Phase nur etwa zwei Stunden des Films ausmacht!
Dann kommt der Teil, der dem Erfolgsduo Bruckheimer/Bay die Idee zum ganzen Film geliefert hat: der Angriff auf Pearl Harbor. Bei der größten Explosion der Filmgeschichte stehen dem Publikum Mund und Nase offen. Es wird deutlich, dass die beiden Produzenten Actionsequenzen mittlerweile aus dem Effeff beherrschen und die ganze Geschichte drumherum nur notgedrungen drangeschustert ist.
Der finale Vergeltungsschlag, den die Amerikaner als Revanche fliegen, wird der Historie nicht gerecht, weil er in dieser Form unmöglich gewesen wäre. Und gerade diese unmöglichen Heldentaten, die wir in Filmen wie „Armageddon“ oder „The Rock“ lieben, wirken in einem solchen Kriegsepos vollkommen deplaziert. Ein Kriegsfilm ist eben kein Popcorn-Kino.
Über drei Stunden dauert der Film. Unverständlich, wenn man bedenkt, dass viele Filme, die im Gegensatz zu „Pearl Harbor“ eine umfangreiche Story haben, auf die obligatorischen 100 Minuten gekürzt werden müssen. Einiges hätte rausfallen dürfen, was den Film nur unnötig wie Kaugummi zieht.
Aufgrund der überlangen Spielzeit hat der ufa-Palast in Kassel „freundlicherweise“ mitten in der Schlacht eine zehnminütige Pinkelpause eingebaut und dazu die Titelmusik aus dem Zeichentrickfilm „Hilfe ich bin ein Fisch“ eingespielt. Das war ein ziemlich kontrastreiches Erlebnis. Danke.



| S | C | O | R | E |

Die Filmmusik von Hans Zimmer ist wie gewohnt sehr melodiös und geht ins Ohr. Auch wenn’s nichts wirklich neues zu hören gibt. Wer die Soundtracks von „The Rock“ und „Gladiator“ im Regal hat, kann sich das Geld für diesen Score getrost sparen. Zugegeben auch ziemlich schwer immer was grundlegend anderes zu komponieren, wenn man so viele Filme vertont wie OSCAR-Dauergast Hans Zimmer.
Meiner Meinung nach hat es der Großmeister des Breitwand-Sounds trotzdem wieder geschafft, Kampfgetümmel und Schlachtszenen packend zu untermalen.
Aus den USA hört man da ganz andere Stimmen: „Banal“ urteilt die NBC Today Show - "schwach und langweilig“ wertet CNN. Schon im Vorfeld hatte Zimmer seine Schwierigkeiten offenbart, unter dem enormen Zeitdruck ein würdiges Thema für diesen Mega-Blockbuster zu finden. Schließlich musste die Musik parallel zur endgültigen Schnittversion entstehen.
Kurzum - für ein ansprechendes Leitthema hat’s gereicht, der Rest ist so lala.


| F | A | Z | I | T |

Ich bin überzeugt davon, dass bei einem 120-Millionen-Dollar-Etat für Werbung und Medienarbeit genug Leute ins Kino stürmen werden, um diesem sentimentalen Drei-Stunden-Epos ein Plätzchen in den Top 50 der erfolgreichsten Filme aller Zeiten zu sichern. Ich fand’s teilweise ziemlich unausgewogen und manchmal einfach nur kitschig - vom postkartengetreuen Sonnenaufgang zu Beginn bis hin zur Ballade „There You’ll Be“ am Schluss...

17 Bewertungen, 5 Kommentare

  • MOFFt

    14.02.2002, 23:28 Uhr von MOFFt
    Bewertung: sehr hilfreich

    hat mir besser gefallen wie titanic - grüsse MOFFt

  • harhuettne

    14.02.2002, 23:24 Uhr von harhuettne
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Kitsch hat mich an dem Film auch gestört. Hätte man mehr draus machen können :-( greetz harhuettne

  • zettikonfetti

    14.02.2002, 23:18 Uhr von zettikonfetti
    Bewertung: sehr hilfreich

    Tja, das Lesen hat sich gelohnt.... der lesende zettikonfetti

  • Ghostface

    14.02.2002, 23:13 Uhr von Ghostface
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schau doch mal bei mir vorbei!

  • Mischka27

    14.02.2002, 23:13 Uhr von Mischka27
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr gut geschrieben