Pfälzer Wald Testbericht

Pfaelzer-wald
ab 11,19
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Erfahrungsbericht von LoMei

Reichskleinodien und Neuer Wein

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Der Weg vom Trifels zur Madenburg ist mir sehr vertraut. Ich bin ihn viele Male bei jedem Wetter und zu verschiedenen Jahreszeiten gewandert, und jedes Mal war es anders.
Von einer dieser Wanderungen möchte ich erzählen, weil sie einen internationalen Anstrich hatte und mir immer wieder in den Kopf kommt.


INHALT

1. Die Wandergruppe
2. Auf dem Trifels
3. Entlang der Burgendreifaltigkeit zur Madenburg
4. Auf der Madenburg
5. Fazit


1. DIE WANDERGRUPPE

Ich war mehr als 3 Jahrzehnte in einer Karlsruher Raffinerie tätig und dort unter anderem viele Jahre für den Betrieb von Produktionsanlagen verantwortlich. Eine dieser Anlagen hat so einige technische Besonderheiten. Deshalb war es üblich, zu den im Rhythmus von etwa 3 Jahren vorgeschriebenen TÜV-Abstellungen Vertreter der Muttergesellschaften zur Mithilfe bei der Inspektion und darüber hinaus Fachleute aus anderen Raffinerien mit gleicher Problematik zu einem Erfahrungsaustausch einzuladen. Diese Spezialisten kamen aus Raffinerien in den USA, in England, in Finnland und natürlich in Deutschland.
An einem arbeitsfreien Sonntag Mitte Oktober fragte ich die Mitglieder dieses Teams, ob sie nicht Lust zum Wandern hätten. Alle waren begeistert. Wir fuhren mit mehreren Autos zum Parkplatz am Trifels. Ein Auto stellten wir vorher auf einem Parkplatz an der Bundesstraße 48 unterhalb der Madenburg ab.


2. AUF DEM TRIFELS

Wir waren ein Trupp von etwa 15 Personen. Zuerst gingen wir zur Burg Trifels hinauf. Ich erzählte, was ich über die Geschichte der Burg und ihre Bedeutung wusste. Die Engländer waren überrascht und beeindruckt, dort zu stehen, wo ihr berühmter König Richard Löwenherz im Jahre 1193 für 10 Monate als Geisel inhaftiert war. Einer wollte ganz genau wissen, wo in der Burg der denn „gesessen“ habe. Das wusste ich leider nicht. Die künstlerisch wertvollen Nachbildungen der deutschen Reichskleinodien, bestehend aus Kreuz, Krone, Schwert und Zepter, sind in einem Raum unter Glas zu sehen. (Die Originale befinden sich in Wien.) An den Wänden sind Tafeln angebracht, auf denen einiges aus der Geschichte des Mittelalters auf deutsch, englisch und französisch nachzulesen ist. Besonders die traditionsbewussten Engländer studierten es sehr aufmerksam.
Später standen wir oben auf dem Turm und hatten eine herrliche Aussicht über die Berge des Pfälzer Waldes. Der Trifels wurde vermutlich im 11. Jahrhundert erbaut. Er lag zur Zeit der salischen und staufischen Kaiser im Zentrum des Reiches und wurde nie eingenommen. Es gab den Spruch: Wer den Trifels hat, hat das Reich. Er diente als Staatsgefängnis und beherbergte seit 1126 die Reichskleinodien. Als man ihn aufgab, verfiel die Burg. Sie wurde sogar eine Zeitlang als Steinbruch genutzt.
In den dreißiger Jahren des 20. Jahrhunderts begann man, sie so wieder aufzubauen. In der Planungsphase wurden andere intakte Stauferburgen studiert. Das Gedankengut des Dritten Reiches soll bei der Aufbaukonzeption mit eine Rolle gespielt haben. Ich bin kein Historiker und kein Burgenexperte und halte den Aufbau trotzdem für recht gelungen. Im großen Rittersaal finden heute regelmäßig Konzerte statt.


3. ENTLANG DER BURGENDREIFALTIGKEIT ZUR MADENBURG

Von Annweiler aus hat man einen sehr schönen Blick auf drei markante Burgen. Sie stehen in einer geraden Linie und werden die Burgendreifaltigkeit genannt. Es sind dies Trifels, Anebos und Scharfenberg (auch Münz genannt). Unser Weg führte uns genau an ihnen entlang. Die Burg Anebos ist nur an Balkenlöchern in dem Felsen und an kaum erkennbaren Mauerresten auszumachen. Von Burg Scharfenberg ist der viereckige Bergfried, Reste der Ringmauer, Treppenstufen und der Burggraben erhalten. Hier machen junge Leute gern ihre Lagerfeuer. Wenn man absteigt, überquert man die Straße und erreicht den Kramerpfad. Dieser Weg ist ohne großes Gefälle an den Hang des Berges gebaut. Wir hatten uns inzwischen in Gruppen aufgeteilt und marschierten zügig davon. Die Bäume standen im Schmuck des Herbstlaubes. Sie bildeten für unseren Weg einen Laubengang und grüßten von der anderen Seite des Tales mit ihren bunten Farben herüber. Der Kramerpfad endet an einem großen Parkplatz, den man von Eschbach aus erreicht. Von hier ging es nun ein kleines Stück bergan, bis wir vor den mächtigen Mauern der Madenburg standen.


4. AUF DER MADENBURG

Wir gingen durch das äußere Tor, zogen langsam den Weg hinauf am Burgbrunnen vorbei zum inneren Tor und standen dann im großen Burghof. Die Ruine der Madenburg ist eine der eindrucksvollsten in der Pfalz. Der Name Madenburg kommt von Maidenburg und bezieht sich auf die Jungfrau Maria. Der Bau der Burg geht auf das 12. Jahrhundert zurück. Sie wechselte mehrfach den Besitzer und wurde in ihrer Geschichte einige Male zerstört und wieder auf- und umgebaut. Hier haben 1549-1679 die Fürstbischöfe von Speyer residiert. Die Anlage wurde von den Franzosen 1679 und 1689 zerstört. Das gleiche Schicksal erlitt damals das Heidelberger Schloss. Mauern, Torbögen und Treppentürme der Madenburg zeugen vom Glanz vergangener Zeiten.
Vor Jahren besuchten wir den Burghof mit einer Gruppe junge AFSer, die aus den verschiedensten Ländern kamen und ein Jahr in einer deutschen Familie lebten und eine deutsche Schule besuchten. Als wir damals den Burghof betraten, saß rechts auf einer erhöhten Felsplatte eine Pfadfindergruppe. Einer spielte auf der Klampfe und alle sangen begeistert Fahrten- und Wanderlieder. Ein junger Amerikaner blieb stehen und hörte zu. Später stieß er mich an und meinte: „Now I know, that’s Germany.“
Unsere Technikergruppe stand lange an der Mauerkante und blickte hinab auf die ausgedehnten Weinberge und die Winzerdörfer Eschbach, Göcklingen und etwas weiter entfernt Heuchelheim. Die Sicht war gut. In der Ferne grüßten die Berge des Schwarzwaldes. Davor sah man ein bisschen um Dunst der Rheinebene die Schornsteine der Karlsruher Raffinerien. Ich bin immer wieder von dieser Aussicht begeistert.
Wir belegten einen der festverankerten Tische, und ich besorgte in der Burgschänke Pfälzer Spezialitäten. Es gab Brot und weißen Käse (Quark), Hausmacherwurstwaren und Neuen Wein. Der Hunger war groß. Der Durst ein bisschen größer, und die Stimmung stieg. Bald hörte man ein interessantes Gemisch aus Deutsch, britischem und amerikanischem Englisch und Finnisch. Wir verstanden uns prächtig. Dann stand ein Engländer aus Pembroke im fernen Wales auf und hielt eine Bedankmich-Rede. Er hatte in der Schule einmal Deutsch gelernt und versuchte es in dieser Sprache. Wir hörten, wie begeistert er von unserer Hospitalität sei. Einer der Finnen hielt eine Rede auf finnisch. Ich verstand nur zwei Wörter, „kiitos“ und „ hyvä“. Das erstere heißt „danke“ und das zweite „gut“. Mehr brauchte man nicht zu verstehen.
Als wir schließlich aufbrachen, gingen einige im Schlingerkurs. Auf dem Wanderweg, der in vielen engen Serpentinen nach unten zu dem abgestellten Auto führt, wurde mancher Baum umarmt und mag sich darüber gewundert haben, dass er auf finnisch und englisch um Verzeihung gebeten wurde.


5. FAZIT

Einige Wochen später erhielt ich einen Brief aus Pembroke. Einer unserer Freunde, es war nicht der Redner, drückte noch einmal seinen Dank für diese Pfalzwanderung aus und fragte zum Schluss, ob wir denn wohl überhaupt wüssten, in einem wie schönen Land wir wohnten.
Ich denke, wir wissen es. Wir wohnen hier nun seit gut 3 ½ Jahrzehnten und möchten auch nicht wieder fort.
Wer noch nie in der Pfalz war, und dort noch nie gewandert ist, oder nie Feste mitgefeiert hat, sollte das schnell nachholen.
Bücher mit Wandervorschlägen verschiedener Autoren und die Wanderkarten des Pfälzerwaldvereins bekommt man im Buchhandel.
Drum: Auf ihr Brüder in die Pfalz.

33 Bewertungen, 5 Kommentare

  • w.gruentjens

    04.12.2002, 11:37 Uhr von w.gruentjens
    Bewertung: sehr hilfreich

    Die Pfalz liebe ich auch sehr. Meine Frau ist daher, und wir sind dort auch viel gewandert. Leider ist der Trifels durch die Renovierung unter Hitler doch arg verfremdet worden.

  • Andreas68

    11.06.2002, 15:24 Uhr von Andreas68
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein Erlebnis wie ds mit den Pfadfindern hat für Gäste unseres Landes sicherlich Seltenheitswert. Für uns auch.

  • amrum

    07.05.2002, 17:35 Uhr von amrum
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Bienwald ist auch nicht schlecht.

  • martinius

    06.05.2002, 12:58 Uhr von martinius
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Fleck auf Erden. Hat aber noch viel mehr zu bieten. Gruß aus Landstuhl, Pfalz!!!

  • kundschafter

    06.05.2002, 12:41 Uhr von kundschafter
    Bewertung: sehr hilfreich

    Stimmt, die Pfalz ist ein wunderschöner Flecken Erde.Gruß Gabi