Pinkerton - Weezer Testbericht

Pinkerton-weezer
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Erfahrungsbericht von ZordanBodiak

Tired of WEEZER??? NEVER!!!

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Und wie versprochen mein zweites Fremdgehen innerhalb von zwei Tagen. Mit diesem Bericht setze ich nun meine „Doktorarbeit“ über die beste noch aktive Rockband der Welt – Weezer – fort.

Der Erfolg von Weezers selbstbetitelten Debütalbum war umschlagend. Über Nacht zum Superstar geworden, trennte sich die Band nach der ersten Major-Tour für eine gewisse Zeit um ihre Gedanken wieder in die richtige Reihe zu bekommen und um zu vermeiden, dass die Bandmitglieder den Boden unter den Füssen verlieren – aber diese Starallüren wird man auch im Nachhinein vergeblich bei den „ewigen Verlieren“ Weezer suchen müssen.
Bassist Matt Sharp gründete die Rentals und nahm deren Debütalbum auf, Gitarrist Brian Bell tourte mit seiner Band Space Twins und Drummer Patrick Wilson legte sein Hauptaugenmerk auf seine Zweitband Special Goddness.
So hatten dreiviertel der Band schon eine Übergangslösung gefunden, aber was machte Songschreiber Rivers Cuomo in den zwei Jahren bis zum Erscheinen des nächsten Albums? Zum einen unterzog er sich einer schwerwiegenden und schmerzhaften Operation – er ließ sich sein kürzeres Bein verlängern –, zum anderen schrieb er sich an der ruhmreichen Harvard University für ein Studium der Geschichte und Literatur ein.

Schließlich fand sich die Band am 24. September 1996 wieder zusammen um ihr nachfolgendes selbstproduziertes Album mit dem Namen „Pinkerton“ – der Name einer Figur aus Puccinis „Madame Butterfly“ – einzuspielen. Unglücklicherweise flatterte eine Klage aufgrund des Titels in die Hände der Band, die dafür sorgte, dass die Plattenfirma das Nachfolgealbum nicht genügend bewarb. In den heute schnelllebigen Zeiten sicherlich ein fataler Fehler, wie sich im Laufe des Berichtes noch herausstellen wird.


Und um nicht gänzlich den Bericht aus den Augen zu verlieren nun hier eine kurze Beschreibung der zehn brillanten Rock-Songs, die leider nicht die Aufmerksamkeit erhalten haben, die sie wahrlich verdienen. Auch ich musste mich zwangsweise dieser Über-Platte lange Zeit verschließen. Nachdem ich vor drei Jahren erneut auf Weezer aufmerksam geworden bin und mir endlich den überragenden Erstling gekauft hatte, war ich in der darauffolgenden Zeit auf der verzweifelten Suche nach „Pinkerton“. Leider hätte ich diese mir bis zum vergangenen Jahr (Kaufdatum: 25. Juni) nur für horrorende Preise in der über 40 DM-Kategorie erwerben können und das ist selbst mir als unbeschreiblicher Musikliebhaber zu hoch.
Aber glücklicherweise erfuhr Weezer durch die Veröffentlichung ihres letztjährigen Albums ein kleines Revival, dass dafür sorgte, dass auch wieder ihre zweite CD in das ständige Programm der Plattengeschäfte aufgenommen wurde und ich sie für einen erschwinglicheren Preis erstehen konnte.


Tired of Sex:
Eine langsame Trommel, die sich in den Vordergrund spielt und von zurückhaltenden Gitarren unterstützt wird, eröffnet den ersten Song von „Pinkerton“. Rivers Cuomo erzählt von seinen Tour-Erfahrungen in Sachen Sex. Sichtlich beschämt für sein Verhalten (Sex mit diversen Groupies), erhofft er sich, dass er dennoch Liebe finden wird. Beginnt der Song eher verhalten, steigert er sich in der zweiten Hälfte des Refrains zu einem wahren Gitarrengewitter in dem Rivers all seinen Scham und seine Aggressionen probiert zu bewältigen. Wahrlich ein Opener der so gar nicht in der Tradition des „blauen Albums“ steht, wo sind die ironischen Untertönen? Wo sind die leicht beschwingten Gitarren? Ihre Tradition haben Weezer aufgegeben, im Vordergrund steht jetzt ein unüberhörbarer Garagen-Sound, der meines Wissens nie besser veröffentlicht worden ist.

Getchoo:
Spätestens bei der Eröffnung von „Getchoo“ merkt man, dass „Pinkerton“ anders ist. Die Sunny-Boys mit dem unwiderstehlichen liebenswerten Charakter sind gestandenen Männern gewichen. Lärmender Gitarrensound eröffnet den Song und der Zuhörer erfährt von Rivers gescheiterter Liebe. Fehler hat er gemacht, Fehler hat sie gemacht, aber jetzt ist sie weg! Gefühle die jeder schon einmal fühlte und Weezer packen diese in ein noisiges Gitarrengewand, dass jegliche Schmerzen von der Seele nimmt.

No other one:
Verzerrte Gitarren, ein eröffnender Schrei und “No other one” kann beginnen. Depressivstimmende Gitarren unterstützen Rivers Gesang, wieder einmal ist die Liebe das Thema, wieder einmal ist dies eine unglückliche Liebe. Zwar hat Rivers eine Freundin gefunden, bleibt jedoch mit dieser nur zusammen um nicht allein zu sein. Hört man nicht direkt auf den Text, könnte man meinen, dass dies wieder ein klassischer Weezer-Song ist. Der leicht depressive musikalische Unterton – der sich zum Refrain immer noch ein gewisses Stück in die Aggressivität pushen kann – wird von Rivers klarem Gesang untermalt und erinnert so noch am ehesten an das Debütalbum. Konzentriert man sich hingegen auf die Zeilen wird man feststellen, dass auch dieser Song von wahren Gefühlen geprägt ist.

Why bother?:
Direkt losschrammelnde Gitarren eröffnen “Why bother?”. Ein Song der meines Erachtens ein wenig aus dem Konzept von Weezers zweitem Album fällt. Sicherlich das Thema ist ein erneutes mal die Liebe, in diesem Fall Rivers Angst vor dem Verlassenwerden, aber dennoch passt dieser Song von seinem „Aussehen“ nicht gänzlich in das Konzept von „Pinkerton“. Hörte man bei den vorgehenden Songs eindeutig den ungeschliffenen und rauen Ton der Produktion, kommt der Sound von „Why bother?“ ziemlich klar dem Hörer entgegen. Nach dem zweiten Erklingen des Refrains offenbart sich dem Hörer ein kleiner Übergang – vermittelt durch phantastisch aufspielende Gitarren – der Rivers Gedankenwechsel verdeutlicht. Sicherlich einer der leichteren Songs des Albums, was dessen Qualität aber in keinster Weise mindert.

Across the Sea:
Mal wieder ein musikalischer Geniestreich der Vier. Eingeleitet von einem Klavier erzählt Rivers von seiner Sehnsucht nach Zuneigung – hervorgerufen durch den Brief eines weiblichen Fans aus Japan. Zu Beginn ein beschwingt ruhiges Lied, steigert er sich dem Refrain hingegen zu einem drumorientierteren Song, bleibt aber immer noch verhältnismäßig ruhig. Erklingt der Song zuvor noch als gitarrenlastig, verfällt dieser nach dem zweiten Erklingen des Refrains in eine ruhige Phase, die sich jedoch wieder zu einem wahren Gitarrenfeuerwerk hochpusht.

The good Life:
Leicht beschwingte Gitarren – die latente Erinnerungen an Ska-Musik hervorrufen – leiten erneut einen Song der beschwingteren Art und Weise ein. Rivers probiert in „The good Life“ die Geister seiner Vergangenheit zu bekämpfen, nach dem phänomenalen Erfolg des Debütalbum zog er sich in ein Einsiedlerdasein zurück und eben diesen Geist der Einsamkeit bekämpft Rivers mit „The good Life“. Ängste und Einsamkeit vertreibt dieser Song ohne Zweifel, die Gitarren preschen derart nach vorne, dass man sich ein Wippen mit den Beinen nur schwerlich verkneifen kann. Sicherlich einer der zuversichtlichsten Songs des Albums.

El Scorcho:
Funky! Trés funky! Das sind wohl die treffendsten Worte die diesen Song beschreiben. Eingeleitet mit einem Gurgler (!) spielen funky Gitarren – tut mir leid, aber ich finde leider kein anderes Wort –, die von ebenso beschwingten Drums unterstützt werden, auf. Sich dem Refrain nähernd verstummt die Instrumentieren und lediglich die Snare-Drums ertönen neben Rivers Gesang. Doch bereits nach diesem kurzen ruhigen Zwischenspiel fängt (?) sich die Band wieder und hämmert dem Hörer ein Gitarrenfeuerwerk um die Ohren. Sicherlich der Song ist für Kommerz-Pop gewöhnte Ohren stark gewöhnungsbedürftig, zeigt aber ebenso die Garagen-Rock-Wurzeln wie auch die Perfektion in Sachen Songschreiben von Weezer auf.

Pink Triangle:
Ruhige Gitarren eröffnen einen Song, der augenscheinlich an die ironischen Zeiten des Vorgängers erinnert. Rivers erzählt erneut von einer unglücklichen Liebe: Dieses Mal findet der schüchterne Sänger die wahre Traumfrau und muss feststellen, dass diese nicht an seinem Geschlecht interessiert ist. Und so ist auch dieser Song ein erneuter Schlag in das Gesicht für den „ewigen Verlierer“ Rivers Cuomo. Mit Gitarrenklängen, die direkt aus der Garage nebenan kommen könnten verzaubert Weezer seine Zuhörer erneut.

Falling for you:
Ruhig Töne dominieren den vorletzten Titel eines Albums, das nicht besser sein könnte. Und wieder könnte es anders sein? Auch bei „Falling for you“ steht die Liebe im Mittelpunkt. Aufgebaut als eher simpler aber dennoch künstlerisch wertvoller Rock-Song besticht „Falling for you“ durch eingängliche Gitarren und Rivers Cuomo klaren Gesang. In knapp vier Minuten packen Weezer derart viel Gefühl, dass man die songschreiberischen Qualitäten von Rivers Cuomo nur noch beneiden kann. Wieso schaffen Bands wie Wheatus - oder in nationaler Hinsicht Liquido – den kommerziellen Durchbruch und die wahre Größe des „Indie-Rocks“ (vielleicht eine annähernd treffende Beschreibung für das Genre) bleibt außerhalb der USA eine nahezu unbeschriebenes Blatt?

Butterfly:
Der abschließende Song besticht durch seine akustischen Gitarren, die sich im Hintergrund halten und enormen Platz für Rivers leicht melancholischen Gesang lassen. Getragen von einem Text der die zwischenmenschlichen Beziehungen erneut beleuchtet – dieses Mal schreibt Cuomo über die Trennung – sorgt die Band für einen depressivstimmenden Abschluss einer Platte. Spätestens nach diesem Song muss man die Band in sein Herz geschlossen haben, den so schön melancholisch können nur Weezer sein.


Und wieder bringt Weezer seinem Zuhörer zehn Songs näher, die nicht schöner sein könnten. Sicherlich Weezer sind nicht mehr die fröhlichen unscheinbaren Jungs von nebenan, aber was sie für ein Gitarrenfeuerwerk auf dieser Platte eröffnen, ist schier unglaublich.
Aber auch in kommerzieller Hinsicht war dies eine enorme Veränderung für Weezer: Verkauften sie noch von ihrem Debütalbum 2 Millionen Kopien in den USA, konnten sie von „Pinkerton“ lediglich 500.000 Kopien absetzen. Die Fans vermissten den radiotauglichen Rocksound des ersten Albums, diese persönliche Offenbarung des Innersten von Rivers Cuomo wollten sie bei weitem nicht hören. Und genau dieses negative Desinteresse an Rivers Cuomos Gefühlen sorgte für einen Bruch in der Kreativität des Songschreibers. Falsch verstanden, nicht mehr geliebt, alles Gefühle die in Rivers aufkeimten und dafür sorgten dass sich dieser aus dem Musikbusiness zurückzog – auf der Suche nach sich selbst, hört man erst im Jahre 2000 neue Töne von Weezer. Hierzu aber im nächsten Bericht mehr...

Dieses Album ist anders! Definitiv! Aber schlechter? Keinesfalls! Zurück an die Wurzeln des Garagen-Rocks, veröffentlichen Weezer mit dem selbstproduzierten „Pinkerton“ das wohl ungeschliffenste Major-Album aller Zeiten. Sicherlich verständlich, dass die Hörer von überproduzierten Rockalben, die ohne jegliche Dissonanzen auskommen und eher klardurchstrukturierte Songs bieten, hier vorerst an ihren musikalischen Horizont stoßen.
Lässt man sich hingegen auf „Pinkerton“ ein und konzentriert sich gänzlich auf die Musik, erkennt man ganz schnell die wahre Größe dieses Albums. Die Öffne-meine-Seele-Stunde von Rivers Cuomo hat einen derart persönlichen Grad, dass man sich bei schlechter Stimmung die ein oder andere Träne nicht verkneifen kann. Aber spätestens wenn man Songnummer sechs erreicht hat, verschwindet die depressive Grundstimmung des Albums zunehmend. Zwar haben hat die zweite Hälfte immer noch einen ernsten Hintergrund, diesen verpacken Weezer jedoch in Hoffnungen erweckende Songs, die von einer enormen Intensität geprägt sind. So muss man nach dem ersten Genuss des mit 34 Minuten und 38 Sekunden sehr kurz ausgefallenem Album schon zwanghaft den Play-Knopf des CD-Players erneut drücken, um noch ein weiteres Mal in den Genuss dieser Klangwelt zu kommen.

Abschließend eine absolute Kaufempfehlung! Aber Achtung: Dies ist nicht unbedingt eine Rock-Platte zum Nebenbeihören, die ersten Male sollte man diese CD abgeschieden in seinem Kämmerchen genießen, um auch wirklich die Qualitäten dieses Werkes schätzen zu lernen.

Für mich eines der größten Alben aller Zeiten. Garage-Rock wie man ihn nicht perfekter inszenieren kann und zu dem eines der persönlichsten Alben, die ich je gehört habe

CD-Wertung: Sagenhafte 11 Punkte von 10 möglichen!

Internet: www.weezer.net


Wie schon angekündigt war dies der zweite Teil meiner Weezer-Trilogie. Der abschließende Bericht über das im letzten Jahr veröffentlichte dritte Weezer-Album wird von mir in der nächsten Zeit fertiggestellt. Ich hoffe nur, dass ich es schaffe und einigen Lesern, den Mund wässerig mache und so Weezer den ein oder anderen weiteren Liebhaber in Deutschland finden wird...

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