Pleased To Meet You - James Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Cover-Design:  durchschnittlich
  • Klangqualität:  gut

Erfahrungsbericht von Gimmick404

das goldene Ende

4
  • Cover-Design:  durchschnittlich
  • Klangqualität:  gut

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Von der britischen Band „James“ habe ich Anfang der Neunziger das erste Mal etwas gehört. Damals lief ihr „Born of Frustration“ aus dem Album „Seven“ des Öfteren im Radio, ebenfalls die damalige Nachfolgesingle „Sound“. Es war damals die Vorphase des Britpop, der dann von Oasis, Blur und auch Pulp Mitte der Neunziger kommerziell ausgebeutet wurde. James aus Manchester, die schon seit den Achtziger (1982) in der britischen Alternative-Szene recht bekannt waren, an der Seite von „The Smiths“ allerdings nicht so recht den Durchbruch schafften, fuhren zwar auch dann einige kleinere Hits in der Folge des Britpop-Booms ein, doch das große Geld verdienten und die großen Hits hatten andere.

Ich muss zugeben, dass mir die meisten der mittlerweile zehn Studioalben der Band eher unbekannt sind. Bis auf einige Single-Hits, die sich auch auf dem Best-Of.-Album aus dem Jahre 1998 befinden, sowie den letzten beiden Alben, „Millionaires“ (1999) und „Pleased To Meet You“ (2001), kenne ich eigentlich gar nicht so viele Songs dieser Band. Immerhin konnte ich auf www.allmusic.com nachlesen, dass das einzig Beständige bei James das Unbeständige ist, kurz gesagt: kein Album ist die schlichte Kopie eines der Vorgängeralben, richtige Ausfälle sollen wohl auch nie dabei gewesen sein, der richtige Knaller – in Bezug auf die Charts – allerdings auch nicht. Eigentlich waren und sind James eher die eher unbekannten, die dabei doch im Grunde absolut typisch britische und zeitgenössische Musik machen. Einen sehr guten Einstieg in die Welt der Band bietet da natürlich ihr Best-Of-Album. „Millionaires“ aus dem Jahr 1999 bietet dagegen zwar 3 sehr gute Songs („We’re Going to Miss You“, „Just Like Fred Astaire“ und „I Know What I’m Here For“, hat allerdings gegen Ende doch einige Durchhänger.

Das Zeug zum Klassiker ohne Schwäche hätte dagegen das letzte Album, eine richtige Perle der britischen Alternative-Szene. Das einzige, was dem Album fehlt: jeglicher kommerzieller Erfolg. Eigentlich ist es auf den ersten Blick nur schwer verständlich, dass es selbst auf der Insel nur recht mäßig verkauft wurde. Auf den zweiten Blick allerdings wird schon etwas klarer, was dem Erfolg im Weg stand: die Plattenfirma ignorierte schlicht, was sie da auf CD brannte, keine Werbung und kein Airplay (sprich Einsatz im Radio). So ging das Album dann letztlich ziemlich unter, fast schon ein Wunder, dass ich davon in Deutschland überhaupt etwas mitbekommen hatte, denn es gab schon nach dem Vorgängeralbum zahlreiche Gerüchte, die Band würde sich auflösen. Dass sie es nicht getan haben, sondern stattdessen zu einem ganz großen Wurf ausholten, musikalisch gesehen, erfreut dann doch die Ohren.

Bevor ich dann auf das Album selbst zu sprechen komme, kurz noch vorab, dass ich mich hier auf die German Edition beziehen werde, der leider 2 Songs fehlen. Dank Audiogalaxy war es mir aber möglich, diese doch zu beschaffen.


01 – Space (4:49)
Ganz sanft fängt es an, Tim Booth, der Sänger, flüstert die ersten Zeilen, nur untermalt von sphärischen/spacigen Klängen. Schon früh wird hier auch die Handschrift von Produzent Brian Eno (David Bowie, Roxy Music, U2) deutlich. Gegen Mitte wird der Song dann rockiger, der Refrain wird von einem Chor gesungen. Insgesamt ein sehr gelungener Opener, der schon die Energie und den Enthusiasmus spüren lässt, der in dieser Scheibe steckt.

02 - Falling Down (3:36)
Im selben Stil, wie „Space“ aufhörte (der sich eigentlich auch auf dem ganzen Album im Wesentlichen nicht ändern soll) geht es dann weiter mit „Falling Down“. Leicht melancholisch, rockig. Typisch britisch, aber ohne all zuviel Pathos. Übrigens kommt der Titel selbst im Text gar nicht vor. Allerdings ist es für mich kein Highlight des Albums, daüfr fehlt das Besondere...

03 – English Beefcake (5:46)
... welches der dritte Song zu bieten hat. Da geht der Finger schon mal öfter auf den „Repeat-Button“. Fast folkloristisch fängt es an, mit einer Art Mundharmonika, die das Intro dominiert. Der leidenschaftliche Sprechgesang, der dann nach rel. Kurzer Zeit einsetzt, fügt sich hervorragend in den Klangteppich ein. Irgendwie hört man beim Refrain David Bowie heraus, obwohl er bei der Produktion nicht mitwirkte – Eno lässt grüßen. Nach knapp drei Minuten scheint der Song dann vorbei zu sein, doch da kommt ja noch das grandiose Finale, welches fast vom Gesang schon ein wenig an Songs der frühen Depeche Mode (Master & Servant) erinnert. Eignet sich übrigens auch hervorragend für Autofahrten in der Dämmerung, dank der melancholisch-düsteren Grundstimmung, die der Sound vermittelt. Sehr schön, einer der besten Songs der britischen Alternative-Szene.

04 – Junkie (4:56)
Mit „Junkie“ verhält es sich ähnlich wie mit „Falling Down“. Eigentlich ein schöner Song, doch fällt er eben im direkten Vergleich mit dem direkten Vorgänger etwas ab. Klingt übrigens wie „From The Dutch Mountains“ von den Nits. Eher schleppend, kommt er irgendwie nicht so recht in Fahrt. Gehobener Durchschnitt, mehr nicht, aber immerhin wieder kein Ausfall.

05 – Pleased To Meet You (5:37)
Fast könnte man meinen, James hätten ein bestimmtes System: Perlen wechseln sich mit Standard ab. Denn was „Junkie“ fehlt, hat Pleased To Meet You“ wieder im Überfuss: grandiose Melodie, Leidenschaft und überhaupt das gewisse Etwas, welches man oft genug nur schwer in Worte fassen kann. Fängt an, wie der musikalische Zwilling von Space, sehr ruhig, fast nur auf einer Note aufbauend, um dann plötzlich regelrecht aus sich herauszubrechen, setzen Gitarre & Drums parallel fast schon mit Urgewalt ein. Am besten hört man den Song nachts, Licht aus, Lautsprecher voll auf (oder besser noch Kopfhörer, spart auch den Ärger mit den Nachbarn...). Unzählige Male habe ich diesen Song schon gehört, doch langweilig wird er nie. Unbedingt hörenswert.

06 – The Shining (4:26)
Nach den ersten 6 Songs flaute das Vorgängeralbum etwas ab, würde man den bisherigen leichten Schwankungen des Albums folgen, müsste es also von jetzt an bergab gehen. Ganz halten kann dieser Song die ziemlich hochgelegte Messlatte von „Pleased To Meet You“ zwar nicht, doch ist er bei weitem kein Lückenfüller, wie man es bei „Junkie“vielleicht sogar noch sagen könnte. Zwar fehlt etwas der Rhythmuswechsel, der die bisherigen Highlights ausmachte, aber dafür bietet der Song sehr harmonische Vocals und eine eingängige Melodie. Netter Popsong, was keineswegs abwertend gemeint ist.

07 – Senorita (3:12)
Klingt eigentlich auch gut, dieser Song, der sich textlich mal um was anderes, nämlich die Liebe dreht. Den rechten Zugang hab ich allerdings nie gefunden, er klingt nicht unangenehm, fügt sich auch nahtlos ein, doch gibt es eben besseres auf diesem Album....

08 – Give It Away (3:05)
... wie zum Beispiel „Give It Away“... leidenschaftlich hier wieder der Gesang, die Melodie wieder sehr eingängig, wird der Song vor allem vom Refrain getragen. Macht irgendwie gute Laune und verführt ausnahmsweise mal zum Mitsingen, was bei anderen Songs dieses Albums mitunter etwas schwieriger ist.

09 – Fine (3:41)
Wieder ein sehr ruhiger Beginn. Ruhiger & melancholisch stimmender Gesang, der die von „Give It Away“ erzeugte Stimmung direkt wieder umkehrt – allerdings nicht zum Nachteil des Albums. Die Parallele zum Beginn des Albums: sowohl der Anfang als auch das Ende sind wechselhaft, der Unterschied: betraf dies zu Beginn noch eher die musikalische Qualität, so ist es hier nur noch die erzeugte Stimmung auf hohem Niveau. Traumhaft, im wahrsten Sinne des Wortes.

10 – Getting Away With It (4:29)
Die erste Singleauskoppelung und immerhin – so weit ich mich erinnere, in den britischen Top 30. Eine klassische Pup-Hymne nennt man das in Great Britain. Sehr eingängiger Refrain, den man sich auch nach zig Pints noch leicht merken kann – und es würde ja auch passen – „Getting away with it“ (Bier?). Musikalisch zwar nicht ganz an die Klasse von „Pleased To Meet You“, „British Beefcake“ oder „Space“ heranreichend, erzeugt der Song aber eine eben durch die Eingängigkeit und Pubtauglichkeit eine mindestens ebenbürtige Klasse. Typischer Britpop, wie man es hierzulande wohl nennen würde.

11 - Alaska Pipeline (4:28)
Alaska Pipeline bildet den Abschluss eines gelungenen Albums. Eine eher untyische Nummer, die fast schon experimentell klingt, mit Trip-Hop-Elementen. Ruhige Melodie, ruhiger Gesang, aber dennoch keineswegs langweilig, ist es einer der interessantesten Songs des Albums, bei dem man bei jedem Hörgang neues entdeckt. Schöner Song.


Auf der UK-Edition sind noch 2 weitere Songs enthalten: „Gaudi“ und „What Is It Good For“. Diese sind im Grunde im typische Stil des Albums gehalten. In Deutschland ist diese Ausgabe aber kaum zu bekommen und seit es kein Audiogalaxy mehr gibt, auch über Tauschbörsen so gut wie nicht zu bekommen. Eigentlich schade und auch etwas unverständlich, dass man die CD in Deutschland etwas kastriert hat. Aus diesem Grunde – und nur aus diesem – gibt es einen Stern Abzug, den sich die Plattenfirma ankreiden lassen darf. Denn das Album selbst hat ansonsten jeden der fünfe verdient. Wer typisch britische Musik mag, liegt hier auf jeden Fall richtig. Leider gibt es die Band allerdings mittlerweile nicht mehr, so dass eines ihrer besten Alben dann auch ihr wohl letztes war.

Im Booklet selbst sind dankenswerterweise alle Texte abgedruckt. Ansonsten sind noch Bilder aller Bandmitglieder (immerhin derer 8) abgebildet.

www.jamestheband.com

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