Powerslave (1984) - Iron Maiden Testbericht
Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von Gemeinwesen
Tales of Mystery & Imagination für Luftgitarristen
Pro:
Iron Maiden auf dem Zenit ihrer Karriere, ein nettes Cover . . .
Kontra:
. . . dessen kleine, versteckte Gags im CD - Format allerdings leider gänzlich untergehen.
Empfehlung:
Ja
„Powerslave” ist für mich viel mehr als nur irgendein Album. Für mich markiert das Erscheinen des 1984er Albums von Iron Maiden den Beginn einer wunderbaren Freundschaft, die nach wie vor besteht. „Powerslave“ ist nicht nur das erste Iron Maiden-Album, das ich mir je gekauft habe, sondern war für mich auch der erste Tonträger von Interpreten aus dem Bereich der gebrüllten Musik. Bevor ich „Powerslave“ kaufte, hatte ich Chris de Burgh und Elton John für Rockmusiker gehalten. Nachdem ich „Powerslave“ für mich entdeckt hatte, wusste ich es besser.
Chris de Burgh und Elton fabrizierten Stoff, aus dem Kuschelrock-CDs sind. Die vier Jungs von Iron Maiden hingegen waren die Evangelisten des Hardrock, Verkünder der reinen, einzig wahren Lehre und von Stund an meine erklärten Helden.
Rund 20 später sehe ich die Dinge zwar etwas undogmatischer (hey, es ist zwar verdammt lange her, aber Chris de Burgh hat nicht nur Schnulzensülze produziert, sondern immerhin auch so ein schönes Stück wie “Patricia, the Stripper“ – und so ganz uneben ist auch Elton John nicht, finde ich), aber meine Begeisterung für Iron Maiden ist ungebrochen. Und wenn ich, wie kürzlich erst wieder geschehen, „Powerslave“ auflege, dann weiß ich auch wieder genau, warum.
Den Songtexter nennen sie "Conan, the Librarian"
Da wären zum Beispiel die Texte. Die stammen bei Iron Maiden in der Regel aus der Feder des Sängers Bruce Dickinson, dem seine Bandkollegen schon vor Jahr und Tag den Spitznamen „Conan, the Librarian“ verpasst haben. Weil Fechter Bruce zum einen eine scharfe Klinge führt, zwischendurch seine Nase aber offenbar auch gern in Bücher steckt. Wenn er sie wieder herausholt, macht er aus englischer Romantik einen Text für ein episches Heavy Metal-Stück von knapp 14 Minuten Länge – so geschehen bei „Rime of the Ancient Mariner“, dem das gleichnamige Gedicht von Samuel Taylor Coleridge (1798-1834) zugrunde liegt. Sowas muss man sich erst einmal trauen in einem Genre, in dem sich, einem ungeschriebenen Gesetz folgend, jeder zweite Gesang wahlweise mit Wein oder Weib befasst.
Texte von Iron Maiden-Songs mögen hie und da etwas sperrig sein, aber dafür wird dann eben auch mehr geboten als nur das Repertoire gängiger Heavy Metal-Klischees. „Da muss ich echt zwischendurch zum Wörterbuch greifen“ – der Ausspruch einer guten Freundin von mir bringt’s, finde ich, auf den Punkt.
Die Musik steht dahinter freilich nicht zurück. Eingängige Refrains mit mehrstimmigem Satzgesang, ausgefeilte Soli der Gitarristen Dave Murray und Adrian Smith sowie Steve Harris’ markant rumpelnder Bass geben den Kurs vor, und Drummer Nicko McBrain schlägt dazu den Takt. Der Opener „Aces High“, Nummer eins von zwei als Single ausgekoppelten Stücken von „Powerslave“, legt die Messlatte bereits verdammt hoch an. Single-Aspirant Numero Zwo „Two Minutes to Midnight“ schließt aber nahtlos an, und selbst die Sujets sind ähnlich.
Typisch für die 80er: Der "Ich-bin-gegens-Wettrüsten"-Song als integraler Bestandteil
Beide Stücke setzen sich mit dem Thema „Krieg“ auseinander, wenn auch auf sehr verschiedene Weise. „Aces High“, eine Art Ehrenbezeugung vor den Spitfire-Flieger-Assen des Zweiten Weltkriegs, ist ein Stück, das in der Tradition von „Where Eagles Dare“ steht und verdankt, wie auch der Opener des Vorjahres-Albums „Piece of Mind“, seine Entstehung wahrscheinlich einem der einschlägigen britischen WWII-Filme aus den 60er Jahren. „Two Minutes to Midnight“ hingegen atmet ganz den Geist der 80er, in denen es quasi zum guten Ton gehörte, früher oder später mal einen Song zu veröffentlichen, in dem man ganz klar Stellung zum Wettrüsten bezieht. In dem man klipp und klar sagt, dass man Krieg ganz, ganz scheiße findet (ein Paradebeispiel, in dem zufällig auch die Ziffer zwei eine Rolle spielt, ist „Two Tribes“ von Frankie Goes to Hollywood). Iron Maidens Blick auf die Doomsday Clock spiegelt den Zeitgeist wieder, Aussage und Musik sind dabei aber zeitlos.
„Losfer Words (Big ’Orra)“ kommt, nomen est omen, auch ganz ohne Worte aus; mit dem von einem eingängigen Gitarren-Signal eingeläuteten „Flash of the Blade“ hat Bruce Dickinson wohl seiner Liebe zum Fechtsport ein musikalisches Denkmal gesetzt. Wenn „Powerslave“ überhaupt eine Schwachstelle hat, dann ist es in meinen Augen das nun anschließende „Back in the Village“, dem ich nie sonderlich viel habe abgewinnen können und dessen Text für mich seit gut 20 Jahren ein ziemliches Buch mit Sieben Siegeln ist (schlecht muss er deswegen nicht sein, ich kann halt mit dem Expressionismus Dickinson’scher Prägung in „Back in the Village“ vergleichsweise nur wenig anfangen).
Liebäugeleien mit dem Prinzip Konzeptalbum
Mit dem Titelstück „Powerslave“ wird’s nun episch: hätte Regisseur Stephen Sommers seine Neuverfilmung von „Die Mumie“ mit Rockklängen untermalen wollen, er hätte sicher nichts Besseres tun können, als zu der von schaurig verzerrtem Hohngelächter eingeleiteten groß angelegten Gruselnummer zu greifen. Und als ob eine Spielzeit von mehr als sieben Minuten noch nicht genug für ein Heavy Metal-Stück sei, setzen Iron Maiden ihrem Werk jetzt mit dem monumentalen „Rime of the Ancient Mariner“ die Krone auf und beweisen, dass auch ein Stück von knapp 14 Minuten Spielzeit nicht langweilig werden muss: Streckenweise erinnert mich das an Alan Parsons’ legendäres Konzept-Album „Tales of Mystery and Imagination“; und tatsächlich liebäugelten Bandleader Steve Harris und seine Mitstreiter in den Jahren nach 1984 zunehmend mit dem Gedanken, ein Konzeptalbum aufzunehmen.
Nach acht Stücken und einer Gesamtspielzeit von rund 52 Minuten ist dann erst mal Schluss – es sei denn, man machte es wie ich und stellte sofort wieder auf „Repeat“: Sehr oft höre ich „Powerslave“ vielleicht nicht, aber wenn, dann meist gleich zweimal hintereinander.
R e s ü m e e :
„Powerslave“ war mein erstes Iron Maiden-Album, und besser als auf ihrer 1984er Veröffentlichung sind sie m. E. nie mehr gewesen. Den Powerslave-Nachfolger „Somewhere in Time“ fand ich zwar auch noch ganz manierlich; was danach kam, war mir oft zu manieriert. Auf „Powerslave“ aber macht das britische Heavy Metal-Flaggschiff Iron Maiden ordentlich Fahrt. Angefangen bei den Single-Auskopplungen „Aces High“ und „Two Minutes to Midnight“, die einen furiosen Auftakt bilden, bis zum knapp viertelstündigen „Rime of the Ancient Mariner“ bietet„Powerslave“ einmal mehr Heavy Metal der Güteklasse A: Iron Maiden sind und bleiben für mich erste Wahl für den Award „The thinking man’s melodic heavy metal band no. 1“.
::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
D i e _ C D /
m e i n e _ A n s p i e l t i p p s
:::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::::
… … 1. Aces High
-----------------------------------------------------------------
… … 2. 2 Minutes to Midnight
-----------------------------------------------------------------
… … 3. Losfer Words (Big 'Orra)
-----------------------------------------------------------------
… … 4. Flash of the Blade
-----------------------------------------------------------------
… … 5. The Duellists
-----------------------------------------------------------------
… … 6. Back in the Viallge
-----------------------------------------------------------------
… … 7. Powerslave
-----------------------------------------------------------------
… … 8. Rime of the Ancient Mariner
-----------------------------------------------------------------
39 Bewertungen, 20 Kommentare
-
04.09.2008, 00:59 Uhr von Estha
Bewertung: sehr hilfreichNaaaaabend...
-
31.12.2006, 15:33 Uhr von hjid55
Bewertung: sehr hilfreichsh & wünsch dir eine schöne Silvester Feier. lg Sarah
-
04.02.2006, 21:27 Uhr von Lidlefood
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
-
04.02.2006, 20:13 Uhr von chapikra
Bewertung: sehr hilfreichMit internetten Grüßen Sandra
-
04.02.2006, 19:26 Uhr von Magdal_ena
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich!! Adios, Magdal,ena
-
04.02.2006, 14:27 Uhr von Sternenhimmel
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich <br/>
-
04.02.2006, 11:45 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichsh
-
04.02.2006, 03:08 Uhr von Foxe
Bewertung: sehr hilfreichsehr guter Bericht, freue mich über gegenlesungen!
-
04.02.2006, 00:23 Uhr von Power_Surfer
Bewertung: sehr hilfreichschöner bericht, mit iron maiden kann ich bis heute nichts anfangen obwohl ich metal sehr gerne höre
-
03.02.2006, 21:43 Uhr von sindimindi
Bewertung: sehr hilfreichTja - und ich hab's damals noch nicht verstanden..."Brüllmusik" ist auch heute noch nicht mein Steckenpferd. Damals war wohl eher Conan the Barbarian, als Conan the Librarian angesagt...;-) <br/>RS
-
03.02.2006, 12:58 Uhr von t_durden
Bewertung: sehr hilfreichschöner bericht *lg rene
-
03.02.2006, 09:12 Uhr von Rebbi
Bewertung: sehr hilfreichschön geschrieben
-
03.02.2006, 01:04 Uhr von NancyNoack
Bewertung: sehr hilfreichklasse Bericht
-
03.02.2006, 01:02 Uhr von HiRD1
Bewertung: sehr hilfreichSH. Gruß, Ralf
-
03.02.2006, 01:00 Uhr von Damk1x
Bewertung: sehr hilfreichsh, würde mich über eine Gegenbewertung freuen
-
03.02.2006, 00:53 Uhr von Vicky
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich. Vicky
-
03.02.2006, 00:27 Uhr von morla
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
-
03.02.2006, 00:20 Uhr von waltraud.d
Bewertung: sehr hilfreichsehr hilfreich
-
03.02.2006, 00:15 Uhr von Lotosblüte
Bewertung: sehr hilfreichPerfekt wieder mal... <br/>lg
-
03.02.2006, 00:15 Uhr von Baby1
Bewertung: sehr hilfreichsuper bericht LG Anita
Bewerten / Kommentar schreiben