Prag Testbericht

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  • Preis-Leistungs-Verhältnis:  sehr gut
  • Empfehlenswert:  ja

Erfahrungsbericht von rispetto

Prager Frühling

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Die Stadt an der Moldau zu besuchen und nicht in einem der vielen anonymen Hotels zu wohnen, sondern in einer Prager Familie, hat schon etwas besonderes. Über eine Adressenvermittlung hatten wir dieses durchaus günstige Angebot erhalten und waren natürlich sehr gespannt.
In einem tristen Prager Stadtteil erwartete uns eine freundliche Mutter zweier Kinder. Sie hatte schon Erfahrung im Umgang mit deutschen Touristen, ein herzlicher Kontakt war schnell hergestellt. Alles kein Problem.

Von der Anreise noch geschafft, sollte der erste Tag nur einen kleinen Überblick bringen, uns ein wenig mit Prag vertraut machen.

Die U- Bahnstation war in der Nähe und Dank der Erklärung unserer Gastgeberein schnell gefunden. Wir fahren die furchterregend steile und alte Rolltreppe hinunter und die Metro bringt uns ins Zentrum.
Unser Ziel war, wie könnte es für den ersten Tag auch anders sein, der Altstädter Ring. Das touristische Zentrum wimmelt immer von Besuchern, ist entsprechend herausgeputzt und ist ein Muss für Pragbesucher, hier kann man erste Eindrücke sammeln.

Viele Marktstände laden zum stöbern ein, schönes Spielzeug aus Holz zu durchaus noch moderaten Preisen kann man hier erwerben.
Ständige Menschentrauben bilden sich vor der Aposteluhr mit ihren beweglichen Figuren, der Filmverbrauch muss hier unglaublich sein!

Ist man erst mal im Zentrum von Prag, kann das meiste zu Fuß erreicht werden, eigentlich ist alles überschaubar.
Für den ersten Tag haben wir aber genug gesehen, jetzt knurrt der Magen und es muss ein tschechisches Essen her. Das kann eigentlich nur aus Schweinebraten und Knödeln bestehen und muss, das ist Pflicht, mit diversen Gläsern des berühmten tschechischen Bieres eingenommen werden.
Im Restaurant werden wir noch eine Spezialität kennen und fürchten lernen: Den Becherovka, ein Kräuterschnaps der zu dem üppigen Essen hervorragend passt, aber eine vernichtende Wirkung haben kann! Jetzt verhilft er uns zur nötigen Bettschwere, es reicht für heute, morgen mehr!

Nach einem üppigen Frühstück mit unserer Gastgeberin haben wir uns heute die Karlsbrücke und die Kleinseite vorgenommen.
Auf anraten unserer Prager Familie sollten wir früh aufbrechen, die Karlsbrücke ist dann noch zu erkennen, bevor der Touristenstrom alles niederwalzt.

Wir sind sehr früh dort und die Menschenmassen noch erträglich. Wir genießen den grandiosen Anblick von Moldau, Kleinseite und der Karlsbrücke. Darüber thront der imposante Hradschin.
Die Karlsbrücke ist gesäumt von fliegenden Händlern, hier quirlt wirklich das Leben. Aufpassen! Hier ist ein ideales Revier für Taschendiebe.
Ein Besuch der Kleinseite ist immer mit einem Abstecher in das „Goldene Gässchen“ verbunden, auch wir lassen uns dieses Kleinod nicht entgehen, es lohnt sich wirklich, es ist allerdings klein und eng hier, die vielen Touristen beginnen langsam zu nerven.

Auch dieser Abend endet mit einem üppigen Essen und reichlich Alkohol, man kann ihm hier wirklich kaum entgehen. Im berühmten U Fleku werden Busladungen von Touristen abgefüllt, die Stimmung ist immer kurz vor dem Siedepunkt, aber irgendwie wird man angesteckt und fühlt sich eigentlich ziemlich wohl.
Zuhause würde man wohl ums U Fleku einen großen Bogen machen, aber hier passt es einfach. Das selbstgebraute Bier schmeckt hervorragend, die Gläser werden zügig nachgefüllt.

Der geplante Absacker in den berühmten „Kelch“ muss entfallen, ein Platz ist einfach nicht zu bekommen. So schließt ein Gang durch die malerisch erleuchteten Gassen den Abend ab.

Der Wenzelsplatz und seine Umgebung sind das Ziel des nächsten Tages, wir setzen uns in das berühmte Cafe des Hotels Evropa mit seiner wunderschönen Einrichtung im Jugendstil und schauen dem Treiben vor der Tür zu.
Zum schlechten Kaffee gibt’s freundlicherweise einen, uns jetzt schon liebgewordenen, Becherovka!

Hier, am Wenzelsplatz spürt man auch etwas von der literarischen Geschichte dieser Stadt, seine berühmten Literaten fallen einem ein: Franz Kafka, Neruda, Jaroslav Hasek, der Schöpfer des braven Soldaten Schwejk, und vielleicht auch Egon Erwin Kisch, der rasende Reporter.
Wir beschließen am nächsten Tag das wiedereröffnete Kleinseiter Kaffeehaus zu besuchen, dort waren schon F. Kafka und F. Werfel zu Gast. Hier wollen wir auch einmal sitzen!

Es gibt soviel zu sehen und unsere Zeit wird sicher nicht für alles reichen, das wird uns jetzt schon klar. Ein weiterer Besuch wird schon geplant, vielleicht wieder bei einer so netten Gastgeberin wie diesmal, die uns mit ihrer Freundlichkeit und Wärme ganz schnell das Gefühl gab: Wir gehören zur Familie und sind nicht nur zahlende Gäste.

Einen großen Becherovka zum Abschied nehmen wir in der kleinen Küche ein, es wird Zeit, wir müssen los.
Bis denne, rispetto

©Rispetto, auch gepostet bei Ciao

36 Bewertungen, 3 Kommentare

  • anonym

    23.02.2002, 00:36 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich mag Prag auch sehr gern; es ist eine Märchenstadt.

  • interola

    22.02.2002, 16:55 Uhr von interola
    Bewertung: sehr hilfreich

    lang ist es her, dass ich dort war --- damals 1967 kurz vor dem Prager Frühling , ich muss mal wieder hin

  • Andreas1501

    22.02.2002, 16:52 Uhr von Andreas1501
    Bewertung: sehr hilfreich

    Bisher war ich nur einmal vier Tage in Prag und habe die Stadt sehr schön gefunden. Was Becherovka ist und wie er wirkt, ist mir seitdem auch bestens bekannt *g*. Gruß Andreas