Die Philosophin (Taschenbuch) / Peter Prange Testbericht

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Erfahrungsbericht von margy

die philosophin

Pro:

siehe oben

Kontra:

stellenweise langatmig

Empfehlung:

Ja

Daten zum Buch:

Im Dezember 2004 erschien das Buch "Die Philosophin" von Peter Prange im Droemer-Knaur Verlag mit 567 Seitenzum Preis von 9,95 ?.

Der Autor:

Peter Prange: Peter Prange, 1955 geboren, studierte Germanistik, Romanistik und Philosophie in Tübingen, Göttingen und Paris und promovierte mit einer Arbeit zur Sittengeschichte der Aufklärung. Seit dem Erfolg seines deutsch-deutschen Romans "Das Bernstein-Amulett" (1999) lebt er als freier Schriftsteller in Tübingen. Sein letzter Roman "Die Principessa" (2002) stand monatelang auf der Spiegel-Bestsellerliste.

Inhaltsangabe auf der Rückseite des Buches:

Paris 1747. Von Gott und den Menschen verraten, gerät Sophie in die brodelnde Hauptstadt des Königreichs. Um zu überleben, arbeitet sie im Café "Procope", Treffpunkt der Freidenker und Aufrührer. Gegen ihren Willen verliebt sie sich in einen Gast: Denis Diderot. Der Philosoph plant das gefährlichste Buch der Welt seit der Bibel, eine Enzyklopädie mit dem ganzen Wissen der Menschheit - Sprengstoff für die morsche Monarchie. Schon bald begreift Sophie, dass es dabei um viel mehr geht als nur um ein Buch. Es geht um ihr eigenes Leben, ihr Recht auf Freiheit, Liebe und Glück.

Als 11jähriges Mädchen musste Sophie Volland mit ansehen, wie ihre Mutter auf dem Scheiterhaufen verbrannt wurde. Sie war der Hexerei angeklagt. Ihr wurde die Liebe zu einem Mann zum Verhängnis und auch ihre Vorliebe zum Lesen. Entsetzt und schockiert von der Situation lebt Sophie in Angst. Um nicht selbst dort zu enden wie ihre Mutter, meidet sie jedes Buch und hat klägliche Angst vor der Liebe.
Ihre Jugendzeit verbrachte Sophie dann in einem Kloster. Als sie dann erwachsen ist, geht sie nach Paris, verdient sich ihren Lebensunterhalt in einem Cafe. "prolope", so der Name des Cafes ist bekannt als Dreh- und Angelpunkt der Dichter und Denker. Auch Denis Diderot geht hier ein und uas, Sophie macht Bekanntschaft mit ihm und die beiden verlieben sich ineinander. In Diderot findet die junge Frau einen Mann, der ihr die Ängste nimmt. So entwickelt sich Sophie immer mehr zu einer eigenen Persönlichkeit, lernt es, Bücher in die Hand zu nehmen und zu lieben.
Die Kirche als das Machtmonopol des 18. Jahrhunderts bangte um ihren Einfluss im Land. Sie verbot die Bücher und Schriften, um ihre Macht nicht eingeschränkt zu sehen. Die Menschen sollten sich nach Meinung der Kirche kein Wissen aneignen. Da Diderot an seinem Werk der Enzyklopädie noch zu arbeiten hat und darum bangt, es trotz des Verbotes und der Verbrennung von Büchern weiterführen zu können, macht sich Sophie stark...

Leseprobe:

Wer Paris vom Glockenturm der Hauptkirche Notre-Dame aus erblickte, dem mochte die Stadt wie eine wohlgeformte Gipslandschaft erscheinen, ein ruhiges, graues Häusermeer, aus dem sich die Kirchen und Staatsgebäude wie majestätische Mahnmale erhoben, unverrückbare Felsen in der Brandung der Zeit.

Doch dieser Schein trog. Denn in Wahrheit war Paris ein riesiger Krake, der sich mit ihren Armen über das ganze französische Königreich ausbreitete. Tag für Tag wuchs dieser Krake an, wuchernd und wabernd, als gebe es keine Grenzen. Gierig verschlang er, was im Umkreis Hunderter Meilen geerntet und gekeltert wurde, zehrte Dörfer und Städte aus, verleibte seinem unersättlichen Organismus alle Gaben und Güter, allen Reichtum und Überfluss des Landes ein, um die unermessliche Anzahl von Menschen zu ernähren, die im Gedärm der Pariser Straßen und Gassen geboren wurden, sich vermehrten und starben im ewigen Kreislauf des Lebens: ein Schlund, in dem ganz Frankreich verschmolz, ein ruhelos -zuckendes Labyrinth der Leidenschaften und Begierden.

Schon um ein Uhr in der Frühe erwachte die Stadt. Übernächtigten Heerscharen gleich kamen die Bauern auf ihren Karren aus den Vororten gezogen, um mit Unmengen von Fleisch, Gemüse und Obst, Eiern, Butter und Käse den Bauch des gefräßigen Kraken zu stopfen. Doch erst wenn im Morgengrauen die Bäcker ihre Geschäfte öffneten, füllten sich allmählich die Straßen. Handwerker und Arbeiter, Hausfrauen und Dienstmädchen, Büroschreiber und Handelsgehilfen bahnten sich, einer eiliger als der andere, ihren Weg durch den immer dichteren Verkehr der in alle Himmelsrichtungen rollenden Fuhrwerke und Droschken. Wenn sich nach der Frühmesse dann die Kirchen leerten, begegneten die Pfarrer und Betschwestern schon den Professoren und Studenten der Sorbonne, die mit wehenden Talaren und Büchern unter dem Arm zur Vorlesung hasteten, während die Kellner der Limonadenbuden auf ihren Tabletts heiße und kalte Getränke durch das Gewühl balancierten. Brachen gegen neun Uhr die Barbiere und Perückenmacher, gepudert vom Scheitel bis zur Sohle, die Kräuselschere in den Händen, zu ihren Hausbesuchen auf, quollen die Gassen und Plätze bereits von den Massen über, und die Stadt drohte an ihrer eigenen Geschäftigkeit zu ersticken, wenn eine Stunde später die Staatsdiener, Richter und Notare in schwarzen Schwärmen zum Châtelet und Justizpalast eilten, bevor schließlich die Bankiers, Makler und Spekulanten zur Börse strömten und die Müßiggänger zum Palais Royal.

Schreibstil:

Mit einer sehr dichten atmosphärischen Dichte und Stimmung aufkommen lassend schreibt Peter Prange sein Buch. Sprchlich wirklich sehr begabt taucht man ein in das 18. Jahrhundert. Sehr spannend und lehrreich mit historischen Fakten und eingebauter Liebesgeschichte ist dieses Werk geschrieben. Die Sprache ist modern, gibt trotzdem oder gerade deswegen die Zeit gut wieder. Die Schilderungen sind höchst lebendig, fesselnd und beeindruckend. Mit großem Einfühlungsvermögen notiert der Schriftsteller seine Figuren, die den Roman bevölkern. Lesenswert, in flüssiger Schreibweise, überaus packend wird uns die Machtstellung der Kirche und die Unterdrückung des Volkes nahe gebracht. Die Schilderungen sind alle interessant.

Wer war?:

Sophie Volland, ein zugelegter Name. Mit richtigem Namen hieß sie Louis Henriette, wurde am 27. November 1716 geboren und starb am 22. Februar 1784, war Philosophin. In den Jahren 1759 - 1774 tauschte sie mit Diderot Briefe aus. Ihn lernte sie mit 39 Jahren kennen.

Michel de Montaigne wurde am 28. Februar 1533 geboren auf Schloss Montaigne und starb am 13. August 1592. Montaigne war Politiker, Philosoph, Begründer der Essayistik. Der Vater war Katholik, seine Mutter eine Jüdin. Montaigne studierte Rechtswissenschaften, arbeitete als Parlamentsrat und Bürgermeister. Er war Vater von 6 Kindern.

Denis Diderot erblickte am 5. Oktober 1713 in Langres das Licht der Welt und starb am 31. Juli 1784 in Paris. Er ist bekannt als französischer Schriftsteller. Sein Vater war ein reicher Messerschmied. Diderot selbst arbeitete zu seinen Lebzeiten als Übersetzer. Er war der Kirche abgeneigt, was ihm einige Monate Haft einbrachte.

Jean Jacques Rousseau wurde am 28. Juni 1712 in Genf geboren und starb am 2. Juli 1778 in Ermenonville. Er arbeitete als französisch-schweizerischer Schriftsteller, Philosoph, Pädagoge, Naturforscher und Komponist. Sein Vater war ein Uhrmacher und die Mutter Tochter eines Pfarrers.

Infos zur Enzyklopädie:

Diderot erhielkt den Auftrag, die Enzyklopädie zu übersetzen, da er als Übersetzer bereits Erfahrung hatte. Diderot jedoch beschloss, das Werk nicht nur zu übersetzen, sondern gemeinsam mit anderen Gelehrten noch zu erweitern. 1751 kamen 2 Bände auf den Markt, die jedoch nach kurzer Zeit von der Kirche verboten wurden. Es handelte sich um Lexika, die in alphabetischer Ordnung Wissenschaften, Künste und Gewerbe beinhalteten. 1753 bis 1756 kamen weitere Bände heraus. 20 Jahre arbeitete Diderot insgeamt bis 1765.

Meinung:

Der Roman ist ausgefüllt mit Weisheiten fürs Leben. Die fand ich besonders beeindruckend und faszinierend zugleich. An manchen Stellen ist die Geschichte zu detailliert geschrieben, so dass ich diese Stellen überflog. Die Szenen des 18. Jahrhunderts sind meines Erachtens nach gut dargelegt, nichts ist beschönigt, wirken wirklichkeitsgetreu. Es geht in diesem Roman um Intrigen, das Machtmonopol der Kirche, die willkürlich nach eigenem Denken, verfuhr. Nur ihre eigenen Interessen standen im Vordergrund, um ja nicht die Machtstellung zu verlieren. Dafür war jedes Mittel recht. Die falschen Vorstellungen über Moral der Kirche und dem Glauben der damaligen Epoche kommen gut zum Ausdruck. Jedes seiner Worte macht Peter Prange zu einem einzigartigen Erlebnis, denn sie wandeln sich in Bilder und als Gemälde vor unserem geistigen Auge und den Gedanken des Lesers. Bei der Reise durch das Buch begenete ich Machtgerangel und Machtkämpfen der Kirche gegen das Volk, die Machenschaften des König Louis XV in einer grausamen und unmenschlichen Zeit. Am Anhang des Buches findet man eine anschauliche uind hilfreiche Zeittafel. Über Verfolgung der Menschen, Verbrennungen von Schriften und Büchern, Leidenschaft und Liebe, Eifersucht, Tod und Hass lässt sich hier schmökern. Die Geschichte, von der Peter Prange schreibt, beruht auf Tatsachen. Die Stadt Paris ist lebendig und faszinierend beschrieben. Ich kann den Roman nur wärmstens empfehlen.

35 Bewertungen, 14 Kommentare

  • bigmama

    25.04.2008, 23:52 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett

  • Miraculix1967

    25.04.2008, 21:39 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönes Wochenende, SH und LG Miraculix1967

  • Trolligun

    25.04.2008, 20:43 Uhr von Trolligun
    Bewertung: besonders wertvoll

    klasse Bericht. LG Trolli

  • festinalente

    25.04.2008, 19:14 Uhr von festinalente
    Bewertung: sehr hilfreich

    scheint ein interessantes buch zu sein!

  • Bunny84

    25.04.2008, 18:01 Uhr von Bunny84
    Bewertung: sehr hilfreich

    Klasse Bericht. Liebe Grüße und ein schönes Wochenende. Anja

  • morla

    25.04.2008, 16:22 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    wünsche dir ein schönes wochenende. lg. petra

  • creedy18

    25.04.2008, 12:39 Uhr von creedy18
    Bewertung: sehr hilfreich

    klingt wirklich interessant, muss ich mir mal merken

  • Baby1

    25.04.2008, 10:51 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • anonym

    25.04.2008, 10:24 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    SH für deinen guten Bericht.LG Bernd

  • sindimindi

    25.04.2008, 09:23 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Eiine interessante Buchempfehlung!

  • ronald65

    25.04.2008, 09:17 Uhr von ronald65
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh

  • Mondlicht1957

    25.04.2008, 04:50 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich und liebe Grüsse

  • Bigfatalex

    25.04.2008, 03:45 Uhr von Bigfatalex
    Bewertung: sehr hilfreich

    super ich hab das Buch schon etwas länger hier liegen, du hast mir Mut gemacht es auch zu lesen ;-)

  • Mundi

    25.04.2008, 03:31 Uhr von Mundi
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg Mundi