Attic (Taschenbuch) / Douglas Preston, Lincoln Child Testbericht

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ab 4,26
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Erfahrungsbericht von catmother

Die Welt unter der Welt tief unter New York

Pro:

führt den Horrorthriller \"Das Relikt\" fort, interessante Details über die Unterwelt von New York, schon etwas anspruchsvoll

Kontra:

zu viele Personen, zu viele Handlungen, erfordert einige Bio-Kenntnisse

Empfehlung:

Ja

Da will ich mal gleich noch den zweiten Roman dieser beiden Autoren vorstellen, die ich mir am Urlaubsort aus dem Regal der Tauchbasis gegriffen hatte. Es war eher Zufall, daß ich diese zwei wählte, denn vorher kannte ich kein einziges ihrer doch inzwischen zahlreichen Bücher.


** Die Geschichte **
New York. Zwei Polizeitaucher begeben sich auf die Suche nach einem Paket Heroin, das ein Dealer in den dreckigsten Abschnitt des Flusses geworfen hat, eher er von der Polizei getötet wurde. Dieser Arm wird allgemein Humboldt Killer genannt, weil er nur noch eine Kloake ist mit meterhohen Schlammschichten aus Unrat und Müll.
Der junge und unerfahrene Polizeitaucher Snow findet zwar das Heroin nicht, aber dafür ein Skelett. Trotz der Panik, die ihn in dieser unendlichen Dunkelheit ergreift, gelingt es ihm, es heraufziehen zu lassen, wobei sich herausstellt, daß darin noch ein zweites Skelett verknotet ist. Beide sind kopflos.

Bei der Obduktion kann man die Identität zumindest der einen Leiche feststellen - es handelt sich um Pamela Wisher, ein reiches Mädchen, das vor einigen Monaten nach einem Diskoaufenthalt spurlos verschwand. Das andere, männliche Skelett hat erhebliche Verformungen und bleibt zunächst unidentifiziert. Aber beide weisen starke, nicht erklärbare Kratz- und Bißspuren auf, die auch von einem Menschen stammen könnten, was an einen zurückliegenden Fall erinnert, nämlich die „Museumsmorde“ vor einem guten Jahr. Deshalb werden die Leichen unverzüglich ins Naturgeschichtliche Museum abtransportiert. Dort ist man am besten für die Untersuchung von Skeletten eingerichtet.

Als ermittelnder Beamter der Polizei wird Leutnant d’Agosta eingesetzt, von seiten des Museums zieht man die forensische Anthropologin Dr. Margo Green hinzu, den Gerichtsmediziner Dr. Brambell sowie ihren Doktorvater, den Evolutionsbiologen Dr. Frock. Beide, Margo und D’Agosta waren auch damals bei der Aufklärung der Museumsmorde und der Vernichtung des Mbwun dabei.
Während sich Brambell und Frock ständig über die Abnormitäten und die Bißspuren an dem männlichen Skelett streiten, erscheint auch noch FBI-Agent Pendergast auf der Bildfläche, ebenfalls ein alter Bekannter im Kampf gegen das Museumsungeheuer.

An der anderen Front erschleicht sich der Schmierblatt-Journalist (nicht nur bei uns gibt es eine Bild-Zeitung) Willliam Smithback das Vertrauen von Annette Wisher, der Mutter der ermordeten Pamela. Zwar gibt er mitleidige Sympathie vor, ist aber im Grunde nur an einer Titelstory für seine Karriere.
Wenig später erhält er von einem gewissen Mephisto eine Einladung, der etwas über die Ermordung des reichen Mädchens wüßte. Doch dazu muß er in Mephistos Revier hinabsteigen, das heißt in den Untergrund unter dem Untergrund von New York, wo es eine eigene Welt für sich gibt. Dort, mehrere Etagen unter der Erde beschwert sich der Führer einer Gemeinde, wie sich die Gruppen da unten nennen, über Morde an seinen Leuten durch sogenannte Wrinkler, abartige Mißgeburten, die Leichen ohne Köpfe und mit Bißspuren hinterlassen.

Sergeant Hayward, eine ehemalige Bahnpolizistin, hat das Leben im Untergrund von New York lang genug studiert und informiert D’Agosta über ein gutes Dutzend Morde an den sogenannten Tunnelmenschen mit abgetrennten Köpfen. Das läßt einen Zusammenhang zu den zwei Skeletten vermuten und so begeben sich Hayward, D’Agosta und Lieutenant Waxie auf einem Rundgang unter die Stadt, wo sie zumindest den Kopf eines der Opfer und stellen fest, daß die Tatorte nie untersucht wurden.

Polizeichef Horlocker macht pausenlos Druck, weil ihm Mrs. Wisher im Nacken sitzt.
an dem zweiten Skelett werden metallische Elemente in der Wirbelsäule gefunden, das gibt Brambell einen Anhaltspunkt, aber er wird noch am gleichen Abend ermordet.
Wisher hetzt inzwischen die betuchten Leute der Stadt auf und ruft zu einer Aktion „Säubert New York“ ins Leben.
Dann gibt es ein neueste Opfer im Central Park, ein reicher Junge, das heizt die Stimmung noch mehr an.

Es stellt sich heraus, daß die Bißspuren nicht mit dem Mbwun übereinstimmen.
Wegen der Erfolglosigkeit übernimmt Waxie den Fall.
Anhand der Reste von Schrauben in der Wirbelsäule kann das zweite Skelett identifiziert werden. Es handelt sich um Greg Kawakita, einen ehemaligen Kollegen von Margo, der nach den Museumsmorden verschwand.
D’Agotsta und Pendergast schleichen sich in Verkleidung in den Untergrund zu Mephisto, um mehr über die Wrinkler in „Devils Attic - dem Dachboden des Teufels“ zu erfahren, der tiefsten Ebene unter der Stadt. Sie wurde in den 20er Jahren von Reichen für Reiche gebaut, die ihre eigene U-Bahn fern vom normalen Volk haben wollte. Sie befindet sich 30 Stockwerke unter der Erde.

In Kawakitas abgebranntem Lagerhaus finden Margo und D’Agosta Überreste einer Anlage für Genmanipulation und Fasern einer Pflanze namens Lilea mbwunensis, jener Pflanze, nach der der mbwun süchtig war.
Margo findet heraus, daß die Pflanzen gentechnisch verändert wurden, so daß sie durch die enthaltene Droge aggressiv machen.

Pendergast steigt in den Devils Attic hinunter, um dort Informationen zu sammeln.
Ein Massaker in der U-Bahn zwingt die Polizei um Handeln.


** Buchkritik **
Der Thriller führt im Grunde den Roman „Das Relikt“ des Autorenduos in gewisser Weise fort. Es handelt sich größtenteils um die gleichen Figuren, die auch in dem vorhergehenden Thriller das Geschehen bestreiten. Dazu gibt es noch jede Menge Hinweise auf die Ereignisse und Erlebnisse des erwähnten Romans. Im Grunde wäre es günstiger, man hat den Film gesehen oder aber das Buch gelesen, da kann man alles besser einordnen. Zwar wird an einer Stelle eine recht gute Zusammenfassung gegeben, die mag für die Nichteingeweihten allerdings etwas kurz und auch unvollständig sein.

Ähnlich wie „Riptide“ ist der Thriller eine gelungene Mischung aus Wissenschaft, Kriminalfall, Geschichte, Kritik und Horror, wobei die Horrorelemente hier bei weitem überwiegen. So kommt er dem ersten Thriller „Relikt“ eigentlich noch am nächsten. Aber gerade diese Mischung bringt es mit sich, daß man als Leser nicht ganz den Eindruck von einem einfallslosem Schocker hat, sondern dazu auch sein Gehirn noch ein wenig anstrengen muß. Die vielen Einzelheiten und Detail über Gentechnik fordern die volle Aufmerksamkeit, einige Vorkenntnisse aus der Biologie und manchmal ein gutes Gedächtnis.

Für meinen Geschmack sind aber in der ganzen Geschichte zu viele Personen beteiligt, zu viele Nebenhandlungen angelegt. Das Szenario mit dem Journalisten z. B. hätte man sich nun sparen können. Aber vermutlich soll gerade das wohl eine Art Kritik am Sensationsjournalismus rechtfertigen. Ich habe sowieso immer das Gefühl, daß die Autoren, in welchem Genre auch immer, so eine Liste mit „guter“ Kritik vor Augen haben, die man abarbeiten muß, damit ein Werk nicht zu trivial wird und etwas Substanz bekommt.

Das Ende jedenfalls zieht sich anfangs recht zäh dahin bis zu dem wirklichen Showdown, weil es stellenweise viel zu detailliert ist. Ganz zum Schluß bleiben dann auch einige feine unlogische Details in der Schwebe, die aber erst offensichtlich werden dürften, wenn man sich alles noch einmal Revue passieren läßt.

Die Schilderung des Untergrunds von New York mit seinen „Tunnelmenschen“ beruht übrigens auf Tatsachen, wie die Autoren im Abspann des Romans versichern. Das ist dann doch für mich ziemlich erstaunlich gewesen. Überhaupt, es werden so viele Informationen über diese Unterwelt gegeben, daß man am Ende fast selbst eine Karte hätte zeichnen können. Leider oder gottseidank realistisch wird für dieses Problem letztendlich keine Lösung geboten.

Von der Erzählweise her ist der Roman übrigens guter Durchschnitt. Sprachlich gesehen bietet er nichts außergewöhnliches, ist eher nüchtern, aber dabei so rasant, daß man ihn, einmal angefangen, schwerlich aus der Hand legen kann.


** Die Autoren **
Douglas Preston wurde 1956 in Cambridge, Massachusetts geboren. Er studierte Mathematik, Physik, Anthropologie, Biologie, Chemie, Geologie, Astronomie und englische Literatur. Schließlich begann er mit seiner Tätigkeit als Autor und arbeitete am Naturgeschichtlichen Museum in New York, wo er auch die Idee für „Relic“ hatte.
Lincoln Child wurde 1957 in Westport, Connecticut geboren, begann er bereits früh, Geschichten zu schreiben. Bis 1988 arbeitete er dem Verlag St. Martins Press. Als er diesen schließlich verließ, schrieb er mit Douglas Preston den Thriller „Relic“ und arbeitet heute hauptberuflich als Schriftsteller.


** Meine Meinung **
Auch dieser Thriller des neu entdeckten Autorenduos hat mich überzeugt, auch wenn er mir nicht ganz so gut gefallen hat wie der hier schon beschriebene „Riptide“. Er ist eine gute Mischung aus informativem Wissenschaftsroman, Horror-Thriller und Mystik mit gleichzeitig unvorstellbare Zahlen und Fakten über New York und seine Untergrundgesellschaft.


** Daten **
Verlag Droemer / Knaur
Originaltitel: Reliquary
Übersetzung: Thomas Merk
Taschenbuch 544 Seiten
Preis: 8, 90 Euro
ISBN: 3-426-61823-0

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