Alea Puerto Rico Testbericht

Alea-puerto-rico
ab 27,49
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5 Sterne
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Summe aller Bewertungen
  • Präsentation:  sehr gut
  • Spaßfaktor:  gering
  • Spielanleitung:  sehr gut
  • Wird langweilig:  nie

Erfahrungsbericht von linnie

Das heimliche Spiel des Jahres 2002!

5
  • Präsentation:  sehr gut
  • Schwierigkeitsgrad:  leicht
  • Spaßfaktor:  sehr gering
  • Spielanleitung:  gut
  • Wird langweilig:  nie
  • Spieldauer:  lang, 1 bis 2 Stunden
  • Das Spiel für:  Hobby-Spieler
  • Spielerzahl:  ab 2

Pro:

viele taktische Möglichkeiten, gut zu zweit spielbar, schönes Design, wird nicht langweilig, keine Erweiterungen nötig für ein interessantes Spiel

Kontra:

zu fünft sind die taktischen Möglichkeiten etwas eingeschränkt

Empfehlung:

Ja

Puerto Rico war im Jahr 2002 für das Spiel des Jahres nominiert, konnte sich allerdings nicht gegen den Konkurrenten „Villa Paletti“ durchsetzen, allerdings wurde es später mit dem deutschen Spielepreis ausgezeichnet, der vielleicht noch höher einzustufen ist, da es sich dabei um einen Publikumspreis handelt. Das Spieldesign ist sehr hübsch gelungen, außerdem ist Puerto Rico abwechslungsreich und wird nie langweilig. Puerto Rico ist eigentlich für 3 bis 5 Spieler gedacht, kann aber auch gut mit 2 Leuten gespielt werden, eine Änderung der Spielanleitung ist auf der Homepage von Alea zu finden.

** Allgemeines
Autor: Andreas Seyfarth
Illustration: Franz Vohwinkel
Design: Franz Vohwinkel
Realisation: Stefan Brück
Das Spiel ist erschienen bei alea.

Spieler: 2 bis 5 (nicht vom Aufdruck auf dem Karton täuschen lassen, das Spiel IST zu zweit gut spielbar!)
Alter: ab 12 Jahren
Dauer: 90- 150 Minuten
Spielmaterial: 5 Spielpläne, 1 Gouverneur-Karte, 8 Rollenkarten, 1 Ablageplan, 49 Gebäude, 54 Dublonen, 58 Insel-Plättchen, 1 Kolonistenschiff, 100 Kolonisten, 1 Handelshaus, 50 Warensteine, 5 Transportschiffe, 50 Siegpunktechips, 1 Spielanleitung

Kosten: etwa 30 Euro

* Auszeichnungen
Deutscher Spiele-Preis 2002
Nominiert für das Spiel des Jahres 2002
Goldene Feder der Stadt Essen (vorbildliche Spielregel)
Schweizer Spielepreis (bestes Strategiespiel)

** Spielverlauf
In dem Spiel geht es darum, sein Puerto Rico zu besiedeln. Jeder Spieler hat dazu ein eigenes Spielbrett vor sich liegen, auf welchem er Gebäude, Plantagen, Steinbrüche, Geld, Siegpunkte und Kolonisten anordnen kann. Die Spielvorbereitung ist recht kompliziert und für unterschiedliche Mitspielerzahlen auch verschieden, deswegen werde ich darauf nicht eingehen, die Vorbereitung zum Spiel ist ausführlich in der sehr übersichtlichen Spielanleitung beschrieben.

In jeder Spielrunde werden verschiedene Phasen gespielt, dazu wählen nacheinander alle Spieler Rollen aus, die gewisse Privilegien mit sich bringen:

* Baumeisterphase:
In der Baumeisterphase z.B. werden Gebäude gebaut, die für den weiteren Spielverlauf Vorteile mit sich bringen. Alle Spieler dürfen ein Gebäude bauen, aber derjenige Spieler, der die Rolle des Baumeisters gewählt hat, muss eine Dublone weniger für sein Gebäude bezahlen.

* Goldsucherphase:
In der Goldsucherphase erhält der Spieler, der diese Rolle gewählt hat, eine Dublone, alle anderen Spieler gehen leer aus.

* Siedlerphase:
In der Siedlerphase dürfen die Spieler eine Plantage auswählen, der Spieler, der die Siedler-Rolle übernommen hat, kann wahlweise auch einen Steinbruch nehmen, der den Vorteil mit sich bringt, dass dadurch das Bauen billiger wird.

* Aufseherphase und Kapitänsphase;
In der Aufseherphase erhalten die Spieler Waren für ihre Plantagen. Es gibt Mais-, Indigo-, Zucker-, Tabak- und Kaffeeplantagen. Jede Ware ist unterschiedlich wertvoll im Verkauf (so bringt Kaffee in der Händlerphase, also beim Verkaufen, die meisten Dublonen (nämlich vier), Mais gar keine), allerdings bringt jede Ware in der Kapitänsphase bei der Lieferung einen Siegpunkt. Der Spieler, der die Rolle des Kapitäns gewählt hat, bekommt als Privileg einen Siegpunkt mehr.

* Bürgermeisterphase:
In der Bürgermeisterphase werden sogenannte Kolonisten verteilt, die man auf seine Gebäude und seine Plantagen setzen muss (kann), nur Plantagen und Gebäude, auf denen Kolonisten sitzen, werden im Spiel berücksichtigt. Der Bürgermeister hat das Privileg, sich einen Kolonisten aus dem Vorratsstapel nehmen zu dürfen.

In jeder Spielrunde entscheiden die Spieler sich für ihre Rollen, sodass man nach und nach alle Privilegien ausnutzen kann. Ziel des Spieles ist das Sammeln von Siegpunkten, die man einzig und allein in der Kapitänsphase erhalten kann (bzw. für gebaute Gebäude), indem man seine vorher gesammelten Waren auf Schiffe verfrachtet und pro Warenstein einen Siegpunkt erhält. Problem dabei ist allerdings, dass auf jedes Schiff nur eine Warensorte gebracht werden kann und es auch nicht genügend Schiffe für alle Waren gibt. Kann man seine Waren nicht liefern, so muss man sie wieder zurückgeben.

** Spielende
Das Ende des Spieles ist erreicht, wenn alle Kolonisten verteilt sind, ein Spieler alle seine Gebäudefelder vollgebaut hat bzw. wenn alle Siegpunkte verteilt sind. Die angebrochene Runde wird allerdings noch zu Ende gespielt.


** Kritik
Die erste Runde Puerto Rico spielt sich zunächst recht mühselig, da das Spiel recht kompliziert und aufwändig ist, alleine die Spielanleitung umfasst insgesamt 12 Seiten, die man gelesen und verinnerlicht haben sollte. Für die erste Partie muss man daher viel Zeit und Geduld mitbringen, da man auch im Verlauf des Spieles häufig und lange über seinen nächsten Spielzug nachdenken muss, weil man noch nicht gut einschätzen kann, welche Taktik einen voranbringen kann.

Allerdings wird man nicht alleine gelassen, denn um den Einsteig zu erleichtern, ist die Spielanleitung sehr übersichtlich aufgebaut, so kann man in einer Spalte die ausführliche und komplette Anleitung lesen, während in einer anderen Spalte eine Zusammenfassung zu sehen ist, die für die grundlegenden Probleme ausreichend ist. Wichtige Punkte sind aus dem Text hervorgehoben, sodass man sich schnell in der Anleitung zurechtfinden und auch bei auftauchenden Fragen schnell eine Antwort findet. Meiner Meinung nach ist die Anleitung völlig zurecht ausgezeichnet worden, da sie das komplizierte Spiel sehr anschaulich und übersichtlich erklärt. Darüber hinaus findet sich für jeden Mitspieler auf seinem Spielplan eine Übersicht der Rollen, die man wählen kann samt ihren Privilegien, sodass man eigentlich nie den Überblick verlieren kann. Außerdem ist auf jedem Gebäude vermerkt, welche Vorteile es mit sich bringt. So kann man trotz aller Schwierigkeiten recht schnell loslegen beim Spielen.

Wenn man sich erst einmal in das Spiel hineingefuchst hat, will man Puerto Rico immer wieder spielen, da es viele taktische Möglichkeiten eröffnet und man seine eigene Taktik während des Spieles immer wieder über den Haufen werfen muss, wenn einem ein anderer Mitspieler z.B. das von einem selbst gewünschte Gebäude vor der Nase weggeschnappt hat. Viele Strategien können hier zum Ziel führen, sodass es am Ende meist noch sehr spannend bleibt, wenn die Siegpunkte gezählt werden, weil es nicht immer offensichtlich ist, wer das Spiel gewonnen hat.

Puerto Rico wird wirklich nicht langweilig, ist allerdings nur etwas für geübte Spieler, die vor einem komplexen Spiel nicht zurückschrecken und auch mal zwei Stunden für eine Partie investieren wollen. Positiv zu vermerken ist auf jeden Fall noch der Punkt, dass das Spiel auch zu zweit eine Menge Spaß macht, obwohl Puerto Rico offiziell gar nicht zu zweit spielbar ist. Eine zusätzliche Anleitung findet sich unter folgendem Link: http://www.aleaspiele.de/Pages/A7/ Meiner Meinung nach ist das Spiel zu zweit sogar um einiges schwieriger als zu dritt, da die wichtigsten Gebäude nur einmal ausliegen und der Wettkampf in der Baumeisterphase entscheidend sein kann. Für den Einstieg empfehle ich, das Spiel zu dritt auszuprobieren, weil die Taktik dann am einfachsten ist, alle Gebäude sind doppelt vorhanden, sodass immerhin zwei Spieler versorgt werden können und nur einer seine Taktik ändern muss, was allerdings nicht schlimm ist, weil es so viele sinnvolle Gebäude gibt, dass man sowieso nicht alle bauen kann.

Am wenigsten hat mir das Spiel zu fünft gefallen, weil man oft keine Handlungsräume mehr hat. Ein Beispiel: Das Handelshaus hat nur vier Plätze für Waren frei, sodass maximal vier Leute verkaufen können, der fünfte Spieler geht dann leer aus. Das macht es äußerst ungünstig, für einen selbst die Aufseherphase zu wählen, wo Waren ausgegeben werden, weil der nächste Spieler dann die Möglichkeit zum Verkaufen nutzen kann und man selbst am Ende keine Ware gegen Geld eintauschen kann. Zu fünft kann also oft das Spiel gegen einen sein, während man im Spiel zu zweit und zu dritt genug Ausweichmöglichkeiten hat, wenn jemand anderes einem versucht zu schaden. Direkt ist es bei Puerto Rico nicht möglich, einem Mitspieler zu schaden, allerdings sind manche Gebäude natürlich beliebter als andere, sodass oft ein Wettstreit um diese Gebäude beginnt und die Baumeisterphase dann sehr beliebt wird.

Erwährenswert ist wieder die hübsche Optik des Spieles, für die Franz Vohwinkel sich verantwortlich gezeichnet hat. Die Grafik ist an sich recht spartanisch, aber dennoch ist Puerto Rico nett anzusehen, was den Spielspaß gleich noch erhöht. Darüber hinaus ist auch der Karton sinnvoll eingeteilt, für sämtliches Spielmaterial sind genügend Vertiefungen vorhanden, in denen alles verstaut werden kann.

** Fazit
Für mich ist Puerto Rico das heimliche Spiel des Jahres 2002, welches nur deshalb nicht gegen Villa Paletti gewinnen konnte, weil es viel anspruchsvoller und zeitaufwändiger ist, dafür ist es allerdings auch wesentlich abwechslungsreicher und benötigt keine Erweiterungen mehr. Auf der alea-Homepage kann man sich weitere Gebäude herunterladen und ausdrucken, die das Spiel nochmals abwechslungsreicher machen. Ich habe diese Gebäude bislang nicht verwenden müssen, da Puerto Rico auch ohne nicht langweilig wird. Der Preis von etwa 30 Euro ist zwar in der Erstanschaffung recht hoch, aber wenn man bedenkt, dass keine Erweiterung mehr dazugekauft werden muss und das Spiel Langzeitspaß für Strategiespielfans garantiert, ist der Preis absolut in Ordnung. Insgesamt kann ich nur 5 Sterne verteilen und das Spiel bedenkenlos weiterempfehlen, aber man sollte schon recht viel Zeit dafür einplanen.

59 Bewertungen