Herr Lehmann (Taschenbuch) / Sven Regener Testbericht

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Erfahrungsbericht von nikosternchen

un- kultig

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Frage! Wie ist das eigentlich mit Kultbüchern und Filmen? Darf man/frau diese schlecht finden? Ist man/frau doof wenn man den Witz nicht erkennt. Ist man/frau ein Langweiler(in) wenn das Buch nur langweilt? Ich hoffe doch wohl nicht, und ehrlich gesagt wäre es mir sicher auch lieber gewesen wenn ich ein spannendes, witziges vor Intelligenz sprühendes Buch gelesen hätte als diesen Käse...

HERR LEHMANN- von SVEN REGENER

MARCEL REICH-RANITZKI sagt: „Ich habe schallend gelacht, ein hochbegabter Roman!“

Obwohl.. genau das hätte mich warnen sollen, denn den größten Teil den Herr Reich-Ranitzki „hochbegabt“ findet finde ich einfach scheiße.

Aber auch der SPIEGEL und DIE ZEIT lobt, und den internationalen Buchpreis „Corine“ wird ja wohl auch hoffentlich nicht umsonst vergeben.

Sven Regener, Seineszeichens aber neben neuerdings Autor Mitbegründer und Sänger der Band „Elements of Crime“ hätte meines Erachtens bei seiner ersten Berufswahl getrost bleiben können.

Wenn Rockstars Geschichtchen schreiben:
Die Geschichte trägt sich gegen 1990 , also zur Zeit der Wende in Berlin/ Kreuzberg zu. Frank Lehmann, der wegen seines zügig herannahenden 30. Geburtstags von allen nur noch Herr Lehmann gerufen wird lässt uns ein klein wenig an seinem Leben dort teilhaben.
So beginnt dieses hochgelobte literarische Werk damit wie Herr Lehmann an einem Sonntag morgen total breit irgendwo in Kreuzberg versucht an einem leicht aggressiven Hund vorbei zukommen. Als er diesen mit Whiskey abfüllt und irgendwann endlich im Bett landet, ( an dieser Stelle dachte ich tatsächlich noch es könnte spannend werden) wird der werte Leser mit einem ganzen Kapitel über ein Telefongespräch mit Herrn Lehmanns Mutter gequält.
Warum ruft sie um zehn Uhr an und wieso erzählt sie ihm das sie bereits schon um sieben aufgestanden sei, und warum Herr Lehmann denn noch schlafen würde und bla bla bla...

Mittlerweile sind wir auf Seite 33 angelangt ...

Als er voll genervt nach dieser Mutter-Attacke in die Markhalle frühstücken gehen will und ein weiteres hochsinnvolles Gespräch mit Kathrin, der recht soliden und durchschnittlichen Köchin darüber führt, warum sie um 11 Uhr Morgens noch keinen Schweinebraten zubereitet hat, und ob denn von gestern Abend nichts mehr da wäre und wieder nur bla bla...

Außer von Herrn Lehmann bekommt der Leser durch die vielen doofen und sinnlosen Dialoge kaum ein wirkliches Bild von den anderen Hauptpersonen in diesem Buch . Und Herr Lehmann, tja... also Herrn Lehmann möchte ich einfach nur sagen : Halt einfach die Klappe, du nervst.

Vielleicht mag meine Antipathie gegen dieses Buch auch einfach daran liegen das ich Herrn Lehmann nicht so richtig auf den Pelz gucken kann. Nur wenn jemand Protagonist in einem Buch sein soll, dann sollte es über ihn auch ein bisschen was Interessantes zu schreiben geben. Oder einfach nur etwas sehr Wortwitziges, oder kultiges oder Heldenhaftes oder meinetwegen auch etwas Antiheldenhaftes.
Aber nichts dergleichen kann ich hier wirklich finden. Muss ich vielleicht Berliner sein um dies zu verstehen ? Nein, ich glaube nicht, denn es gibt genug Bücher die auf karikaturistische Weise jemanden darstellen und wo genau dieses dann wirklich witzig ist...

Ein positives Fünkchen muss ich dem Buch auch zugestehen :

Ich habe schon schlechteres gelesen...




Leseprobe:

S. 34
Warum zum Beispiel ist ein Begriff wie Orangensaft geschützt, so dass nur aus 100% Orangen hergestellter Orangensaft Orangensaft heißen darf, dachte Herr Lehmann dem langsam, während er noch immer ratlos in der Nähe des Eingangs stand, die Beine schwer wurden, während der andere kram je nach Fruchtgehalt aber Orangennektar oder Fruchtsaftgetränk mit Orangengeschmack heißen muss, nicht aber der Begriff Restaurant, obwohl der Begriff Restaurant bei weitem schützenswerter ist als etwa der Begriff Orangensaft, dachte er, vor allem vor den Frühstückern ist der Begriff zu schützen, nicht aber der Begriff Orangensaft, das gäbe keinen Sinn, ging es ihm immer sinnfreier durch den vom Schnapsgebrauch ungewöhnlich verkaterten Kopf während er noch immer in den großen, wenigstens nicht mit Musik beschallten Raum hineinstarrte, in dem niemand, aber auch niemand Anstalten machte, einen kompletten Tisch zu räumen, was der einzige Ausweg für Herrn Lehmann gewesen wäre, außer der sofortigen Flucht natürlich , die ihm jetzt als das Beste erschien, wäre sie nicht Kapitulation und anschließender Ratlosigkeit verbunden gewesen.


So, und nun beachten wir einmal : DAS WAR EIN SATZ....

Ich bin mir nicht sicher ob aus diesem Grund Herr Reich- Ranitzki so hoch gelobt hat, weil Herr Regener es schaffte Sätze über eine halbe Seite zu verfassen??? Ich für meinen Teil finde zum Beispiel genau diesen Satz völlig überflüssig, weil, wie Herr Regener auch schon interesanterweise eingebaut hat, völlig sinnfrei ist.


FAZIT UND MEINUNG
Meinetwegen ächtet mich , meinetwegen urteil mich der Humorlosigkeit. Aber Meine Meinung über dieses Buch wird sich deswegen nicht ändern. Mich hat es gelangweilt, mir ist die Hauptperson unsympathisch, die Schreibweise ist weder hochbegabt sondern einfach nur schlecht und unleserlich. Deswegen vergebe ich hier nur einen Anstandstern, freue mich das ich es hochdotiert bei Ebay wieder versteigern kann, ein paar Cent für den Bericht bekomme und weiss das ich mir den Kinobesuch für den Film sparen kann ;o)


Ich weiss, jetzt hagelt es Vorwürfe ich hätte das Buch nicht verstanden, aber da steh ich drüber, denn ich muss nicht verstehen was schlecht inszeniert ist ;o)..



Grüße Nikolina

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