Reiseverkehrskauffrau/-mann Testbericht

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Summe aller Bewertungen
  • Einstellungschancen:  durchschnittlich
  • Aufstiegschancen:  gut
  • Verdienstmöglichkeiten:  durchschnittlich
  • Sozialleistungen:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von Cyvessa

Die Reiseverkehrskauffrau ...

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Ich bin seit 2000 ausgelernte Reiseverkehrskauffrau und liebe meinen Beruf ... wer noch nicht genau weiß, was wir so machen... hier ein Paar Erläuterungen zum
Berufsbild und der Ausbildung :

Voraussetzungen für die Ausbildung

Grundsätzlich gibt es keine. Bevorzugt werden allerdings Abiturienten. Für den Umgang mit den Kunden ist ja doch ein gewisses Alter notwendig, damit man von den Kunden auch „für voll“ genommen wird. Sorry für den Ausdruck, aber der passt so schön an dieser Stelle. Oder meint ihr, eine alte Omi glaubt einer 16jährigen, dass die Züge nach Fahrplan-änderung nicht mehr so fahren, wie in den letzten 5 Jahren..da braucht man dann schon wirklich Überzeugungskraft.

Ich hatte in der Klasse eine einzige Hauptschul-abgängerin; sie war am Ende die einzige, welche die Ausbildung nicht geschafft hatte.
Auch werden bevorzugt Leute genommen, welche eine 2. Fremdsprache erlernt haben; Französisch oder Spanisch ist hier sehr von Vorteil.Ganz abgesehen von den geografischen Kenntnissen, welche vorausgesetzt werden.

Die Ausbildung

Sie dauert 3 Jahre; kann jedoch bei sehr guten Noten auf 2,5 Jahre verkürzt werden.
In der Regel hat man Blockunterricht. Dies heißt etwa 1,5 Monate Schule und dabei 2 –3 Tage (von Reisebüro zu Reisebüro unterschiedlich ) Nachmittags ins Büro und nach dem Block dann etwa 2 Monate nur arbeiten und dann wieder der nächste Schulblock.

Die Fächer zu meiner Zeit waren :
- Reiseverkehrfachkunde ( Flug, Bahn,Touristik )
- Betriebswirtschaftslehre
- Volkswirtschaftslehre
- Geographie ( Länderkunde )
- Rechnungswesen
- Englisch
- Mathematik ( kaufmännisches Rechnen )
- Informatik / Organisationslehre
- Sport
- Religion
- Politik / Geschichte
- Spanisch auf Wunsch
Alles natürlich speziell auf Reisebüros bezogen. Heute sind BWL, VWL und REWE zu einem Fach geschrumpft.

Die Abschlussprüfung erfolgt schriftlich in den Fächern Reiseverkehrsfachkunde, BWL, REWE, VWL, Mathe und Informatik / Orga. Hier lief es bei mir noch alles hauptsächlich unter dem Multiple Choice – Verfahren. Mündlich werden Reiseverkehrsfachkunde, BWL, REWE und VWL abgefragt.

Die Vergütung der Ausbildung nach dem aktuellstem Stand weiss ich leider nicht. Ich bekam damals etwa brutto im 1. Jahr 750 DM, 2. Jahr 850 DM und 3. Jahr 1080 DM.

Im 1. Lehrjahr durchläuft man die Bahnabteilung und im 2. und 3. Jahr die Touristik- und Flugabteilung.
Die Ausbildung ist manchmal wirklich nicht einfach; ich hatte auch das schwere Los gezogen und habe fast 2 Jahre damit verbracht die Post, die Ablage und Bahnbestellungen zu erledigen. Oft werden hier die Azubis leider ausgebeutet.
Vielen wird damit auch die Zukunft verbaut. Man lernt nicht alles was man sollte und wird oft zur heutigen Zeit leider nicht übernommen. Im Büro bekommt man gesagt,das lernst du in der Schule und in der Schule wird vorausgesetzt, dass man es im Büro lernt. Im Endeffekt muss man es sich dann selber beibringen. Es kommt immer auf einen selber an, was man aus seiner Ausbildung macht.

Das Berufsbild der Reiseverkehrskauffrau

Also, wie jeder weiss, berät man Kunden bezüglich Pauschalreisen. Dies sind Reisen die den Flug, Hotel und Transfer beinahlten. So wie z. B. eure letzte
Mallorca – Reise J Diese Reisen sind schon komplett in den Prospekten zusammengeschneidert.
Im Computerreservierungssystem werden die Verfügbar-keiten überprüft und dementsprechend gebucht. Wenn der Kunde bestimmte Wünsche hat ( bestimmte Zimmer-lage , Kinderbett, etc. ) werden diese per Fax oder heute auch Email an das Hotel weitergegeben.

In der Flugabteilung bucht man die Linienflüge, z.B. Düsseldorf – Berlin, Frankfurt – Hong Kong und jeweils zurück. Man prüft die Verfügbarkeiten
und die Preise, bucht Flüge um u.s.w..

Die Bahnabteilung erledigt alles rund um Bahnbe-stellungen. Hierzu gehört auch oft die Fährpassagen-abteilung, wo man alle möglichen Schiffsfahr-
scheine ausstellt.

Sehr selten kommen Individuelle Anfragen an; z. B. wenn ein Kunde mit einer eigenen Route mit verschie-denen Städten kommt und dann dementsprechend die Flüge und Hotels buchen möchte. Hier fragen wir
dann die Hotels und Flüge dann einzeln an und bieten ihm dann auch noch vielleicht Musicalkarten oder etc. an. Hier stellen wir die Reise selber zusammen und nicht eine angefertigte aus dem Prospekt. Dies macht
mir z. B. noch am meissten Spass. Man kann hier etwas seiner Kreativität freien Lauf lassen.

In der Regel bestehen die Reisebüros aus sogenann-ten „Allroundern“, jeder erledigt alles. Es gibt i. d. R. keine unterteilungen in Abteilungen. Immer gibt es aber jemanden, der Spezialist ist auf einem Gebiet. So hilft man sich dann auch untereinander.

Es ist manchmal wirklich nicht einfach, die Wünsche des Kunden zu erfragen.Oft wissen diese selber nicht, wohin Sie möchten und lehnen sich an uns an,
wollen irgendwo vielleicht auch nicht die Verantwor-tung übernehmen, sollte der Urlaub doch nicht so ausfallen, wie Sie denken. Dann kommen Sie dann
mit den Reklamationen zu uns. Diese nehmen wir zwar an, geben Sie dann aber an den entsprechenden Veranstalter weiter. Wir fungieren hier lediglich
als Vermittler. In diesem Beruf muß man wirklich starke Nerven haben.

Es ist nicht immer einfach. Jeder Kunde ist anders. Und vor allem hat nicht jeder Respekt vor seinen Mitmenschen. Hier könnte ich schon einige Schoten erzählen. In meinen Jahren ist mir schon einiges Lustiges passiert.

Was auch nicht einfach ist: Das Wissen über die ganze Welt sozusagen :
Welches Land wo liegt, wann man wo hinfahren kann... man muss einfach alles wissen.Viele erwarten sogar, dass wir Ihnen sagen, ob Sie ein weichgekochtes Ei oder ein hartgekochtes zum Frühstück bekommen... laut Bildzeitung zumindest.


Ich arbeite jetzt im Firmenservice. Hier kooperieren wir mit Firmen; verkaufen hautpsächlich Flugtickets, buchen Stadthotels und stellen Bahnfahrkarten aus.
Pauschalreisen buchen wir seltener. Alles läuft über Telefon und man hat selten direkten Kundenkontakt. Man hat natürlich auch ein komplett anderes Klientel.
Es fängt an bei einer genervten Sekretärin bis zum Geschäftsleiter, welcher immer selber bucht und viel besser gelaunt ist. Die Geschäftsreisenden sind in
der Regel nicht so knittrig wie die „Normalkunden“, welche im Reisebüro buchen.
Sie haben einen Termin, da müssen Sie hinfliegen und Geld spielt da oft keine Rolle. Das genaue Gegenteil ist eher seltener vertreten. Man muss aber wissen,
das man einige mit Samthandschuhen anfassen muss. Mir macht es immer noch sehr großen Spass. Es ist durchaus abwechslungsreich.

Weitere Touristische Berufe

Man kann direkt zu den Veranstalter wechseln und dort in den jeweiligen Abteilungen anfangen; z. B. Spanienabteilung, Hoteleinkauf, Gruppenabteilung etc.

Als Reiseleiter kann man ebenfalls anfangen. Bei
Studienreisenveranstalter wird hier allerdings i.d.R. ein Studium der Geschichte vorausgesetzt.

In den Hotels als Eventmanager sind wir auch gerne gesehen. Hier plant man Kongresse, Betriebsfeiern, etc.

Natürlich kann man auch ein paar Jahre als Stewardess durch die Weltgeschichte fliegen; hierzu braucht man allerdings keine Ausbildung; es werden auch Querein-steiger ohne Vorkenntnise genommen.


Abschlusswort

Der Beruf ist schon sehr interessant und vielseitig, wenn man beim richtigen Arbeitgeber landet; abgesehen von den Arbeitszeiten ( 9.00 – 18.30 Uhr oder
ähnliches zuzügl. Samstagsarbeit ). Es ist nix für schwache Nerven.

Schön ist natürlich die Möglichkeit, dass man einiges sieht in unserem Beruf.Einmal im Jahr hat man den Anspruch, eine Informationsreise mitzumachen.
Hier sieht man dann die Hotels vor Ort. Dies ist nicht immer mit Spass verbunden. Oft sind dan 7-9 Häuser am Tag dran; dann ist man froh, wenn
man Abends im Bett liegt. Ganz abgesehen von den Ermäßigungen, welche wir erhalten. Nur braucht man hierzu auch das nötige Kleingeld. Meiner Meinung nach, verdienen wir für unser Wissen, welches wir weitergeben zu wenig. Der Durchschnittslohn dürfte etwa 1500 € Brutto betragen.


Leider hat die Tourismusbranche durch den 11.9. einen kleinen Knix erlebt. Die Provision werden immer geringer. Die Fluggesellschaften versuchen durch
den Direktvertrieb die Reisebüros auszuschliessen. Das Internetangebot wächst. In diesen Zeiten können wirklich nur die Starken überleben. Also : aufpassen,
wo man sich bewirbt !

Sollte ich etwas vergessen haben, so schreibt es mir in die Kommentare, so dass ich meinen Bericht verbessern kann.

17 Bewertungen, 1 Kommentar

  • campimo

    11.04.2007, 22:35 Uhr von campimo
    Bewertung: sehr hilfreich

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