Reissdorf Kölsch Testbericht

Reissdorf-koelsch
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Summe aller Bewertungen
  • Geschmack:  sehr gut
  • Wirkungsgrad:  durchschnittlich

Erfahrungsbericht von lohrbengel

"Reissdorf, Reissdorf-Infusion"

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Ja

Liebe Yopi´ler,
heute schreibe ich als allererstes mal über ein, für den Kölner, angenehmes Thema.
Jawoll, sie haben richtig geraten, nicht der Klüngel war gemeint, auch nicht der FC, sondern unser
allerliebstes Getränk, das Kölsch! Doch für welche Marke soll man sich bei den vielen Sorten
entscheiden?

Diese Frage ist nach ein bisschen Nachdenken für mich ein sehr leichte Frage: Reissdorf,die Spezialität aus dem Herzen Kölns, muss es sein! Natürlich es gibt noch viele andere, die mit Reissdorf konkurrieren können, doch Reissdorf ist halt Kult bei uns und das wird auch noch lange so bleiben!


Kölsch an sich:
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"Kölsch ist ein "nach dem Reinheitsgebot hergestelltes, helles, hochvergorenes, hopfenbetontes,
blankes obergäriges Vollbier". Kölsch ist ein helles Bier, da helles Mal verwendet wird,im Unterschied zu den dunklen Biersorten wie Altbier [meine Meinung: "Bäh" :-)]oder dunkle Weizenbiere.

Kölsch ist ein hochvergorenes, oft sogar endvergorenes Bier: fast alle oder alle in
Lösung befindlichen Stoffen werden vergoren.

Kölsch ist ein hopfenbetontes Bier: Kölsch glänzt durch seinen feinherben Hopfengeschmack!
Dank der obergärigen Brauart ist es gleichzeitig fruchtig und süffig frisch.

Kölsch ist ein blankes Bier. Seit den zwanziger Jahren wird Bier filtriert, da der Verbrauchergeschmack sich dahingehend verändert hat. Kölsch Wieß war "out", Kölsch war "In".

Kölsch ist ein obergäriges Bier, weil zum Brauen obergärige Hefe benutzt wird, nach guter alter kölscher Tradition.

Kölsch ist ein Vollbier. Es hat einen Stammwürzegehalt von 11-14 % und damit einen Alkoholgehalt von 4,7 bis 5,1 Volumenprozent.

Und das Kölsch nach dem Reinheitsgebot gebraut wird, das versteht sich von selbst!"

(Text aus "Kölsch Kultur" von Janus Fröhlich/Detlef Rick)

Vor dem Krieg waren in Köln die Bier Dortmunder, Münchener und Pilsener Brauart besonders beliebt,
der Kölsch-Anteil lag nur bei ca.10 %. Doch nach dem Krieg schritt der sogenannte "Vater des Kölsch" ein. Hans Sion schwor die Kölner Brauer darauf ein, nur noch Kölsch herzustellen.
Als dieser Plan aufging, boten sie dem 1998 verstorbenen Brauereiverbandschef ernsthaft 1 Mark
pro verkauften Hektoliter Kölsch an. Sion lehnte dankend ab! Wenn er angenommen hätte, wäre er jedes Jahr mehrfacher Millionär geworden.

Unser Kölsch ist auch das einzige Bier, was in einer Konvention geschützt ist! Der 6. März 1986 wird wohl als einzigartiges Datum der Brauerei-Geschichte eingehen. Im Hotel Excelsior, einer exclusiven Adresse in Köln, trafen sich 24 Brauer und der Oberbürgermeister der Stadt Köln."Kölsch muss Kölsch blieve", so lautete das Motto dieses geheime Treffens. Und alle 24 Brauereien unterzeichneten diese Konvention und von diesem Datum an war Kölsch ein geschütztes Warenzeichen. Diese Brauereien verpflichteten sich, diese 16 Paragraphen einzuhalten, die das Kölsch schützen sollten. 15 Brauereien in den Stadtmauern und 9, die alle namentlich benannt wurden, außerhalb! Keine andere auswärtige Brauerei darf sein Bier Kölsch nennen, denn
darüber wacht das Bundeskartellamt in Berlin. Außerdem dürfen die Brauereien keine Zusätze
wie "Ur-Kölsch", "Bergisches Kölsch" oder sogar "Düsseldorfer Kölsch" hinzufügen, dies ist
strengstens verboten. Genauso streng wird kontrolliert, dass auch alle Brauereien ihr Produkt in einer Kölschstange (0,2 Liter) anbieten, denn etwas anderes dürfen sie nicht!

So kann man nur eine alte Anekdote von Hans Sion noch ergänzen: "Was ist der Unterschied zwischen
der Severinsbrücke und einem Kölsch? Üver die Brück jeht jeder, äver üver e Jlas Kölsch jeht nix!"
Auf deutsch: Über diese Brücke geht jeder, aber über ein Glas Kölsch geht nichts!


Zur Geschichte Reissdorfs:
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"Wer die eigene Vergangenheit ignoriert, hat keine Zukunft" - so lautet eine alte Lebensweisheit.
Damit hält es auch die Reissdorf-Brauerei!
Die "Obergärige Brauerei Heinrich Reissdorf, Cöln" wurde am 4.September 1894 von Heinrich Reissdorf gegründet (daher auch der häufige Gesang "Heinrich, wir danken dir, für diese Runde hier!"), der bis dato ein angesehener und reicher Schneidermeister war, erst als er 50 war, wechselten er auf Anraten seiner
Söhne zu den Bierbrauern über. Doch leider verstarb der "Gründervater" dieses leckeren Bieres 7 Jahre später, so dass seine Frau und seine Söhne das Geschäft weiterführten! Ab 1923 braute sie dann
auch untergärige Biere, die in Köln damals klarer Marktführer waren, worauf natürlich das "obergärig" aus dem Namen verschwand. Reissdorf war es auch, die 1936 das erste Kölsch in Flaschen herausbrachte. Leider wurde im 2.Weltkrieg bei einem Bombenangriff am 2.3.1945 90 % der Brauerei zerstört, der Brauerei-Ausschank an der Severinsstraße dem Erdboden gleich gemacht. Doch zum Glück blieb der Brauereieigene Brunnen ganz, so konnte das ganze Veedel (kölsch für Viertel)mit Wasser versorgt werden. Das erste Bier, das Reissdorf nach dem 2.Weltkrieg braute, hieß Colonia-Quell,da aber die Briten die Rohstoffe knapp hielten, konnte man leider kein Bier, das einem Kölsch nur ansatzweise ähnelte, brauen. Dies änderte sich mit der Währungsreform, zuerst kam ein Einfachbier Ende Juni 48 auf dem Markt, danach auch wieder Kölsch, Pils und Lagerbier. Seit Anfang der 70er wird ausschließlich Reissdorf-Kölsch gebraut und es wurde auch wieder das Wort "obergärig" in
den offiziellen Titel übernommen! Heute steht die "Obergärige Brauerei Heinrich Reissdorf, Cöln"
unter der Leitung der vierten Familiengeneration und beschäftigt ca.80 Mitarbeiter, die geschätzte
300.000 Hektoliter Kölsch pro Jahr produzieren. Die Brauerei ist immer noch im Vrigsveedel und
wird es auch hoffentlich noch lange bleiben, die Verwaltung und die Logistik wurden jedoch
nach Rodenkirchen in ein Industriegebiet verlagert. Im Moment ist der Anteil des Fassbieres mit dem
Anteil des Flaschenbieres ungefähr gleich! Interessant wird der Erfolg der Brauerei Reissdorf
vor allen Dingen, wenn man bedenkt, dass sie fast gar keine Kosten für Werbung und sonstige Spielereien ausgeben! Sie wird fast nur durch "Mundpropaganda" weiter verbreitet, was ja auch hinsichtlich des Geschmackes stimmt.

zum Geschmack:
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Reissdorf schmeckt einfach, aber das, finde ich, wäre ein bisschen wenig für DIESES Bier, denn Reissdorf ist der Kult bei allen! Es ist süffig und hat einen wirklich unverwechselbaren Geschmack - es hebt sich einfach von der Masse der anderen Kölschsorte
ein wenig ab!
Reissdorf ist ein "mild gehopftes, etwas dunkleres Kölsch mit angenehmen Nachgeschmack",
so drückt es mein Kölschlexikon aus. Dagegen ist absolut gar nichts zu sagen.

Reissdorf ist trotz (oder sogar wegen?!?!) seines erhöhten Preises, gegenüber anderen Kölschsorten,
ein Kölsch, was total "in" ist, sogar Stefan Raab zeigt in seinem Booklet zu der "TV Total-CD"
mit einem Kasten Reissdorf seine Sympathien für die Brauerei. Auch bei "7 Tage - 7 Köpfe" und
bei "Big Brother" wurde ein schönes, leckeres Reissdorf genossen.

Am besten serviert man ein Reissdorf bei ca.6-8 °C in einer gut gesäuberten Stange, manche mögen es, gerade im Sommer, ein wenig kühler, aber es gibt auch ein paar Magenkranke, die ein Reissdorf bei einer Temperatur knapp über 10°C genießen wollen.

Anschrift:
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Privatbrauerei Heinrich Reissdorf
Emil-Hoffmann-Str. 4-10
50996 Köln
Tel.: (02236) 96 55-0
Fax: (02236) 96 55-235

Internetadresse:
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http://www.reissdorf.de

Ist wirklich zu empfehlen, dort gibt es viele Informationen und Downloads für den Reissdorf-Genießer!

Fazit:
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"Ein Kölsch, ein lecker Kölsch - das ist das schönste auf der Welt" - so wurde das
Kölsch besungen und wenn es dann auch noch ein Reissdorf ist, dann ist die Welt perfekt.

14 Bewertungen, 2 Kommentare

  • jimbob

    10.04.2005, 16:09 Uhr von jimbob
    Bewertung: sehr hilfreich

    Man sieht das sich hier wirklich Mühe gegeben wurde , informativ und interessant .

  • anonym

    09.03.2002, 14:30 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    schöner bericht, vielleicht liest man sich ja mal 8-)