Renovierung (Tipps & Tricks) Testbericht

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Erfahrungsbericht von thaicattery

Fliesen selber verlegen

Pro:

Es spart die hohen Handwerkerkosten.

Kontra:

Man sollte handwerkliche Fähigkeiten haben.

Empfehlung:

Ja

Ich bin Fliesenlegerin, habe meine Gesellenprüfung 1982 abgelegt und weiß von was ich spreche.
Ich war die erste Fliesenleger Gesellin im Bereich Koblenz.

Nun was machen wir heute? Egal ob Altbausanierung oder Neubau, egal ob Gäste WC, Bad oder Küchenwandspiegel, die Vorgehensweise ist immer gleich.
Ich streiche die Wände mit PCI Gisogrund, einem Haftgrund vor.
Vor dem Anlegen der Wand überlege ich, worauf wird mein Blick als erstes gerichtet sein, wenn ich den fertigen Raum betrete?
Ich persönlich schaue auf den vorgemauerten Sanitärblock oder den Fensterbereich. Außerdem empfinde ich es als störend wenn der Fliesenabschluss zur Decke oder Boden aus einem winzigen Fliesenstreifen besteht.
Also messe ich die Wandhöhe und errechne mir die Größe der Fliesenstreifen. Achtung: Fugenbreite 3mm! Nun kann ich entscheiden ob ich oben und unten zwei gleich große Streifen haben möchte, die beider größer als eine halbe Platte sein sollten, oder ob ich am Fußboden einen großen Streifen habe und zur Decke hin mit ganzen Fliesen auskommen.
Ich persönlich bevorzuge es, mit einer ganzen bzw. einer halben Platte am Sanitärblock auszukommen. Ebenso gehe ich mit dem Wandabschluss recht und links vor.
Wer sich das nicht errechnen möchte, zeichnet sich eine Reihe hoch und breit auf der Wand, mit Fuge an.
Die spätere Optik muss aber jeder für sich entscheiden.
Jetzt, da ich meine Maße habe ziehe ich mir mit Wasserwage und Richtlatte meinen Riß in den Raum. Also meinen Maßstrich rund herum, den ich in der Höhe der 5 oder 6 Platte mache.
Ja, sie haben richtig verstanden, ich arbeite vom Riß nach oben und nach unten!
Als Kleber benutze ich immer Flexkleber, der mit Wasser und einem Quirl angemacht wird. Achten Sie auf die richtige Konsistenz des Klebers. Nicht zu dünn, sonst läuft alles weg und nicht zu dick sonst kann man es nicht mit dem Zahnspachtel aufziehen.
Ich bevorzuge einen Zahnspachtel oder Kammspachtel von 5-8mm, entweder einen neuen 5mm Zahnspachtel oder einen abgewetzten 10mm Zahnspachtel.
Den Kleber trage ich vom Riß aus zuerst nach unten auf. Immer drauf achten das die Rillen voll satt sind!
Dann beginne ich mit dem verlegen der Fliesen. Ich lege die Fliese ins Kleberbett und rutsche sie einen cm hoch und runter. Die Rückseite der Fliese, der Scherben, nimmt die Feuchtigkeit aus dem Kleber auf und so saugt sich die Platte fest (Ich brauche daher keine Keile).
Zur Sicherheit nehme ich hin und wieder eine Fliese aus dem frischen Kleber um zu sehen wie bedeckt die Rückseite mit Kleber ist. Eine Fliese sollte zu 80% bedeckt sein. Die Zähne des Zahnspachtels bilden auf der Rückseite ein Zahnmuster.
Kommen wir zur Tür- bzw. Fensterseite!!
Rechts und links vom Fenster fange ich mit ganzen Platten an. In der Mitte über und unter dem Fenster bekomme ich einen Streifen, der entweder aus einer Platte oder zwei gleich großen Streifen besteht (je nach größe des Streifens).
Rein optisch sieht es immer gut aus wenn das Fenster oder die Tür mit ganzen Fliesen umgeben ist.
Fensterlaibung und Sturz mache ich immer gleich mit. Hier muss absolut präziese gearbeitet werden!
Achtet auf den Fugenschnitt und guckt hin und wieder senkrecht und wagerecht durch die Fugen. Kleine Korrekturen könnt Ihr dann noch vornehmen.

Nun zum schneiden der Fliesen:
Die preiswerteste Alternative für Wandplatten ist Reißnadel und Hauschiene.
Ich stelle die Hauschien auf das gewünschte Maß, ritze 1x mit der Reißnader darüber und breche die Platte mit der Hand. Dabei wird die Glasur angeritzt, die gewöhnlich härter ist als der Scherben und die Platte bricht.
Das brechen geht so:
Platte am oberen Rand, mit der linken Hand umgreifen, der Zeigefinger liegt hinter dem Schnitt. Rechte Hand greift auf der anderen Seite des Schnitt. Sanfter Druck und die Platte bricht wie Butter.
Keine sorge das ist Übungssache!
Wenn man den Dreh raus hat können Kinder angeschnittene Platten mit der Hand brechen.

Eine andere, teurere Alternative ist die Schneidemaschine. Die Platte wird eingelegt, das Maß eingestellt und ein Diamant- oder Vidiarad ritzt die Platte an. Brechen müsst ihr sie dann aber immer noch.

Nungut, kommen wir zur Verfugung. Wir nehmen eine Fugscheibe, ausreichend Wasser, einen guten, nicht neuen Schwamm und los.
Jetzt war ich zu schnell!
Die Fugnmasse wird wesentlich dünner an gemacht als der Kleber und mit der Fugscheibe diagonal aufgetragen. Diagonal damit der Rand der Fugscheibe nicht in die Fugen gerät und die Fugmasse heraus drückt. Immer 2 x auftragen und überschüssiges mit der Fugscheibe abziehen.
Nun wird mit dem gut ausgedrückten Schwamm vorgewaschen und zwar auch diagonal. Ein neuer Schwamm saugt nicht! Daher mein Tip mit dem älteren Schwamm!
Das sauber reiben erfolgt senkrecht zur Fuge. Jede Schwammseite wird nur 1 x benutzt. So wird es am saubersten.
Wenn die fugen angetrocknet sind und auf den Plattenbelag ein trockener Schleier liegt kommt der letzte Arbeitsschritt, das büglen der Fugen mit einem Tuch, bevorzugt aus Bieber.... Bieber Bettwäsche, damit klar ist was ich meine.
Ich reibe den Staub von den Platten und bügele jede Fuge senkrecht und wagerecht. Dadurch werden die Blasen zugerieben und unebenheiten gebügelt.

So und nun verrate ich Euch ein Geheimnis!!!
Wenn ich irgendwo zu besuch bin unddas Örtchen aufsuche und dann natürlich nichts zu tun habe, begutachte ich den Fugenschnitt und die Qualität der Arbeit.


Zum Schlus:
Eine Bordüre wird vom Laien oft zu hoch angebracht. Bordüren gehören in Augenhöhe, genau wie Bilder!
Wahllose Einstreuungen macht man nicht mehr. Schön sieht es aus, sie in unsymetrischen Mustern zu legen.

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