Island: Reykjavik Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Erfahrungsbericht von bolmsoe
Klein aber fein - Europas nördlichste Hauptstadt
Pro:
hübsches Stadtbild, atemberaubendes Umfeld
Kontra:
teuer, wenig Historisches
Empfehlung:
Ja
Reykjavík, die Hauptstadt Islands, ist die nördlichste Hauptstadt Europas. Mit Außengebieten hat sie ca. 140.000 Einwohner, was für eine Hauptstadt nicht viel ist – doch wenn man bedenkt, dass dies die Hälfte der isländischen Bevölkerung ausmacht, ist Reykjavík geradezu riesig im Vergleich zu den restlichen Ortschaften des Landes.
Mein erster Eindruck von Reykjavík war nicht gerade holde Begeisterung. Zwar fand ich die Stadt sauber und gepflegt, hier und da sah es auch ganz nett aus, aber sollte das alles sein? Irgendwie konnte ich nichts Besonderes an Reykjavík entdecken. Doch ein zweiter Blick sollte mich eines Besseren belehren...
***Geschichtliches***
Der Sage nach ließ sich der erste Siedler Islands, Ingólfur Arnarson, im Jahre 877 an der Stelle nieder, wo heute Reykjavík liegt. Da es aus den diversen heißen Quellen dampfte und qualmte, nannte er den Ort treffend „Rauchbucht“ (isl. Rauch = reykur, Bucht = vík), so dass auch in diesem Falle der Name Programm ist. All die Jahrhunderte nach der Besiedelung dümpelte Reykjavík vor sich hin; schon allein aufgrund der klimatischen Verhältnisse war Reykjavík kein Ort, an den man liebend gerne auswanderte; auch war das Land an sich zu wenig erschlossen und bot keinerlei Komfort. 1786 wurde Reykjavík Stadt (mit 170 Einwohnern!), und ab dann gewann es zunehmend an Bedeutung. Zum einen war es für die Dänen, unter derer Herrschaft Island damals geführt wurde, ein wichtiger Hafen. Im weiteren Verlauf wurden wichtige Einrichtungen von anderen Örtlichkeiten nach Reykjavík verlegt, so z.B. das Parlament „Althing“, das bis 1800 unter freiem Himmel in der Ebene „Thingvellir“, welche heute ein Nationalpark ist, stattfand. Die Industrialisierung und vor allem der Ausbau der Fischindustrie verhalfen Reykjavík zu größerem Bevölkerungswachstum. Letzten Endes profitierte Reykjavík – so schlimm es auch klingt – vom Zweiten Weltkrieg, da Island als Mittelpunkt zwischen Amerika und Europa (nach heutigen Fluggeschwindigkeiten ca. 5 Stunden nach New York und 4 Stunden nach Frankfurt) die perfekte Militärbasis für die Amerikaner darstellte, die Reykjavík gezielt förderten.
Viel mehr ist zu Reykjavíks Geschichte nicht zu sagen und man wird vergeblich historisch wertvolle Gebäude suchen, da Reykjavík wie beschrieben erst relativ spät boomte.
***Sehenswertes***
Ich übernachtete im Hotel Esja im Osten der Stadt, von woaus man eine wunderschöne Aussicht auf das Esja-Bergmassiv und das Meer hat. Dies allein war für mich schon eine Sehenswürdigkeit für sich! Von dort ist es auch nicht mehr weit zur Sportanlage Laugardalur, wo man für ca. 2,50 Euro ein einem Freischwimmbad mit heißem Quellwasser baden kann. Die Isländer sind passionierte Schwimmer und tun dies bereits zu Hauf morgens vor der Arbeit, doch haben sich die heißen Quellfreibäder durchgesetzt, so dass man nur wenige hundert Kilometer vom Polarkreis entfernt vergeblich nach Hallenbädern suchen wird. Da der Weg von den Umkleidekabinen zum Pool nicht weit ist, hat man allerdings gar keine Zeit zu frieren. Selbst habe ich das Bad im Februar besucht, und es war herrlich. Der Dampf, der aus dem Wasser aufsteigt, hält auch die Luftschichten darüber angenehm warm. Da ich ohnehin eine bekennende Wasserratte bin, gehörte das morgendliche Bad in Laugardalur zum Programm, noch bevor sich der Rest meiner Truppe aus den Federn bequemt hatte.
Von Laugardalur aus ist man schnell zu Fuß im Reykjavíker Zoo, wo es nur Tiere aus nördlichen Regionen gibt, so z.B. Robben, Rentiere, Polarfüchse und, wie könnten sie fehlen, die Islandponys. Da ich im Winter auf Island war, waren die Pferde gerade mit dickem Winterfell behangen und sahen richtig wuschelig aus. Sie sind extrem anpassungsfähig und werden auch im Winter auf der Koppel gehalten. Der Zoo war recht klein, aber erstens sehr ordentlich und gepflegt, und zweitens finde ich eine artgerechte Haltung tausendmal besser, als wenn man einen Riesenzoo mit afrikanischen Tieren auf die Beine gestellt hätte. Dieser Zoo ist täglich von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet und erreichbar mit den Bussen Nr. 2, 10, 11, 12, 15, 140 und 5. Der Eintritt kostet am Wochenende umgerechnet ca. 6,30 Euro für Erwachsene und 5,20 Euro für Kinder, unter der Woche kostet es 5,20 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder. Eigentlich recht happig für einen Park dieser Größe (er war nämlich recht klein), aber wir sind eben auf Island und mit solchen Preisen muss man leben, wenn man nicht nur seine Hotelwände von innen bestaunen möchte. Weitere Details gibt’s unter www.husdyragardur.is
In der Innenstadt sollte man sich das Wahrzeichen Reykjavíks, die Hallgrimskirche, ansehen und nach Möglichkeit auch auf ihren Turm fahren. Wie alles auf Island ist der Fahrstuhl dafür recht teuer (ca.2 Euro für diesen relativ kurzen Weg – 76 m), aber man wird mit einer grandiosen Aussicht über die bunten Dächer der Stadt belohnt. Da man vom Turm aus in alle Richtungen schauen kann, erblickt man von der einen Seite auch wieder das Meer mit der Esja-Bergkette. Für solch eine Turmbesichtigung sollte man sich einen Tag mit schöner Sicht aussuchen und seinen Fotoapparat nicht vergessen. Die Kirche selbst ist recht schlicht und was meinen Geschmack einer schönen Kirche betrifft nicht unbedingt erwähnenswert. Eine Besonderheit gibt es jedoch: die Bänke sind durch eine einfache Konstruktion beidseitig benutzbar: Für die Gottesdienste schaut man ganz normal nach vorne, möchte man allerdings einem Orgelkonzert lauschen, klappt man die Rückbank um, sitzt in der entgegen gesetzten Richtung und kann die Orgel betrachten.
Nicht weit vom Zentrum mit seinen Geschäften liegt auch das Rathaus am See „Tjörnin“. Das Rathaus an sich ist eine moderne Konstruktion (wieder nichts mit historisch...), aber um den See herum findet man hübsche alte Villen, wo es sich durchaus leben lässt! Allesamt stammen sie aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sind also nicht wahnsinnig alt im Vergleich zu manch mittelalterlichem deutschen Städtchen, haben aber Stil und Flair!
Ein Rundgang durch die Fußgängerzone lohnt immer, zwar wird man keine Schnäppchen ergattern können, doch gerade was Kleidung usw. betrifft fand ich das Preisniveau nicht wesentlich höher als bei uns. Wie in jeder Großstadt sind auch in Reykjavík überall im Zentrum Fressalien zu beziehen, sei es in Cafés, Restaurants oder an Straßenständen. Auch soll Reykjavík ein ausgiebiges Nachtleben haben, doch war ich abends von den Ausflügen erschlagen und konnte dieses nicht testen.
Etwas außerhalb liegt „Perlan“ (die Perle), ein mit einer Glaskuppel überdachter Heißwassertank. Die Kuppel kann man besteigen und den wunderschönen Blick auf Reykjavík genießen. Im Gebäude selbst befindet sich zwischen den beiden Tanks eine große Innenfläche, wo Veranstaltungen stattfinden. Als ich dort war, war dort gerade eine Buchmesse.
Ca. 5 km östlich der Innenstadt mit Rathaus etc. befindet sich ein großes Einkaufszentrum, „Kringlan“. Auf drei Stockwerken ist vom Supermarkt über Boutiquen, CD-Läden und einem Hardrock-Café bis hin zu zahlreichen Cafés und Restaurants alles vorhanden. Für dortige Verhältnisse günstig essen konnte man am Stand einer chinesischen Garküche, wo man für ein Mittagessen an die 7.50 Euro bezahlt. Dieses Zentrum ist ein lebhafter Konkurrent zu Reykjavíks Fußgängerzone; vor allem überzeugt das riesige Angebot an Parkplätzen für diejenigen, die mit dem Auto kommen.
Wer sich für Kunst interessiert, wird in Reykjavík sicher fündig, doch da mich das Thema weniger interessiert hat, lasse ich es an dieser Stelle außen vor. Auffällig sind die Skulpturen, die einerseits in der ganzen Stadt zerstreut sind, andererseits gibt es einen eigenen Skulpturengarten, den ich aber ebenfalls nicht besucht habe.
Sehr zu empfehlen ist eine professionelle Stadtrundfahrt, die zwar nochmals mit ca. 25 Euro zu Buche schlägt (dauert ca. einen Vormittag), die einem aber wirklich die wichtigsten Dinge und viele interessante Fakten nahe bringt. Diese führt einen auch zum Hafen, den man einfach mal gesehen haben muss, da er für Islands Fischereiwirtschaft bedeutsam ist, außerdem kommt dort täglich fangfrischer Atlantikfisch an, den man in den zahlreichen Restaurants genießen kann.
Dies waren so weit meine Eindrücke von Reykjavík; was ich während meines Aufenthaltes nicht schaffte, war eine Besichtigung des Nationalmuseums, das noch mehr über die Geschichte Auskunft gibt und das Freilichtmuseum am Ortsrand, wo Bauernhöfe aus ganz Island zur Besichtigung angesiedelt wurden. Dies wäre für einen Geschichtsfan wie mich sicher interessant gewesen, aber irgendwie war die Zeit zu knapp. Aber so habe ich wenigstens einen Grund, wieder nach Reykjavík zu kommen!
***Kuriosa***
Island ist und bleibt ein seltsames Land, und so hat auch die Hauptstadt einiges zu bieten, das man als Ausländer erstaunt wahrnimmt.
Die heißen Quellen Islands habe ich bereits erwähnt; eine weitere pfiffige Konstruktion, die sich die Reykjavíker ausgedacht haben, sind unterirdische Rohre, die im Winter heißes Wasser unter der Fußgängerzone durchjagen. Somit ist der Asphalt auf den Hauptflaniermeilen stets eis- und schneefrei und dies ohne lästiges Schneeschippen. Dies ist natürlich anders in den Seitenstraßen, doch ich fand die Idee allein schon witzig. Im Nutzen ihrer natürlichen Energievorräte sind die Isländer einsame Spitze; praktisch ist auch, dass die Energiekosten auf Island sehr gering sind – es ist ja genug Wasser- und Windkraft vorhanden.
In Reykjavík gibt es das einzige europäische Phallusmuseum; drin war ich nicht, aber dort gibt es wohl verschiedenste Phallus-Präparate von unterschiedlichen Säugetieren. Es gründet auf einer eigenen Wissenschaft zu diesem Thema, die Phallologie. Wer sich dafür interessiert, findet wertvolle Hinweise auf http://www.ismennt.is/not/phallus/ger.htm.
Reykjavíks ÖPNV besteht lediglich aus Bussen; U-Bahnen oder Straßenbahnen wird man vergeblich suchen, wie es auch auf ganz Island keine Eisenbahn gibt. Da im ganzen Land nur 280.000 Einwohner leben und sich die Hälfte davon allein in und um Reykjavík konzentrieren, macht die Bahn als Fernverkehrsmittel keinen Sinn; für den Nahverkehr ist die Bahn bei einer Abstimmung dann auch abgelehnt worden, zum einen aus finanziellen Gründen (wieso sollte man ein komplettes Schienennetz verlegen, wo es doch all die Jahre mit dem Bus gut funktionierte...), zum anderen aufgrund der Tatsache, dass Island noch immer ein vulkanaktives und erdbebengefährdetes Gebiet ist. Ein Bus, dem Gesteinsbrocken nach einem Erdbeben den Weg versperren, kann man leichter umleiten als ein Fahrzeug, das seine Schienen nicht verlassen kann. Die Abneigung gegen die Bahn entstammt also in der Hauptsache einer Vorsichtsmaßnahme. Für den Fernverkehr wird einfach geflogen, und dies zu Preisen, die auch nicht teurer sind als die unserer geschätzten Deutschen Bahn. Vom Reykjavíker Stadtflughafen hat man regelmäßige Verbindungen in alle größeren Orte des Landes.
Wer im Stadtbusverkehr Einzelfahrscheine kauft, muss das Geld möglichst passend haben. Automaten gibt es nicht, und man löst grundsätzlich beim Fahrer – nur dieser kann kein Wechselgeld herausgeben! Wenn man das Geld also nicht passend abzählt, leistet man automatisch eine unfreiwillige Spende für die Reykjavíker Verkehrsbetriebe.
***Allgemeines***
Sehr gut ist die Reykjavík-Card, die man im Rathaus, in den größeren Hotels und bei Touristen-Informationen erwerben kann. Sie ist erhältlich für einen, zwei oder drei Tage und berechtigt außer zur kostenlosen Nutzung der Stadtbusse auch zu ermäßigten Eintritten in den Zoo, die Schwimmbäder oder zu ermäßigten Ausflugsfahrten. Ich hatte mich für eine 48-Stunden-Karte entschieden, die mich ca. 6 Euro kostete.
In den Restaurants wird zum Essen kostenloses Leitungswasser gereicht, so dass man viel Geld an Getränken sparen kann. Leitungswasser ist eigentlich überhaupt nicht mein Ding, aber angesichts der gängigen Restaurantpreise habe auch ich das Zeug hinuntergewürgt.
Von Reykjavík aus gibt es zahlreiche Bus-Tagesfahrten zu den typischen Sehenswürdigkeiten Islands. Sehr zu empfehlen ist die Tour „Gullfoss & Geysir“, die einen ins Geysirgebiet, zum Wasserfall Gullfoss, zur Gewächshausstadt Hveragerdi, zum ehemaligen Bischofssitz Skálholt und nicht zuletzt dem Nationalparkgebiet Thingvellir führt. Zwar ist die Tour sehr teuer (75,- Euro plus Verpflegung), doch bekommt man unvergessliche Dinge zu sehen, die Island so einzigartig machen. Die Touren sind über die Hotels zu buchen, wo auch zahlreiche Prospekte ausliegen. Selbstveständlich helfen die Hotels auch bei der Vermittlung von Mietwagen.
Niemand sollte nach Hause fliegen, ohne einmal in der Blauen Lagune gebadet zu haben. Die Blaue Lagune ist ein Freibad in Grindavík, ca. 30 Minuten von Reykjavík entfernt, in dem man das ganze Jahr über in wohlig warmem, dampfendem Wasser baden kann. Reykjavíker Busunternehmen bieten Tages- und Abendfahrten dorthin an.
Bitte beachtet, dass meine Preisangaben sich auf Preise von vor drei Jahren beziehen, da kann sich natürlich mittlerweile etwas geändert haben. Und wer weiß, vielleicht können mittlerweile auch die Busfahrer Geld wechseln... Zur Blauen Lagune und dem Nationalpark Thingvellir habe ich gesonderte Berichte geschrieben, daher habe ich diese Themen hier recht knapp behandelt.
Reykjavík ist ein Besuch wert, und ich werde auf alle Fälle wieder hinfliegen! Die Stadt an sich ist hübsch und sehenswert, wird allerdings noch mehr durch ihr Umfeld aufgewertet, so dass man sie auch perfekt als Basis für weitere Erlebnisse nutzen kann. Durch ihre relative Geschichtslosigkeit ziehe ich ihr einen Stern ab, da ich in fremden Städten generell gerne historische Stadtkerne und Schlösser anschaue.
Viele Infos und Bilder findet Ihr auf www.visitreykjavik.is . Danke fürs Lesen und viel Spaß bei einer eventuellen Island-Reise!!!
Mein erster Eindruck von Reykjavík war nicht gerade holde Begeisterung. Zwar fand ich die Stadt sauber und gepflegt, hier und da sah es auch ganz nett aus, aber sollte das alles sein? Irgendwie konnte ich nichts Besonderes an Reykjavík entdecken. Doch ein zweiter Blick sollte mich eines Besseren belehren...
***Geschichtliches***
Der Sage nach ließ sich der erste Siedler Islands, Ingólfur Arnarson, im Jahre 877 an der Stelle nieder, wo heute Reykjavík liegt. Da es aus den diversen heißen Quellen dampfte und qualmte, nannte er den Ort treffend „Rauchbucht“ (isl. Rauch = reykur, Bucht = vík), so dass auch in diesem Falle der Name Programm ist. All die Jahrhunderte nach der Besiedelung dümpelte Reykjavík vor sich hin; schon allein aufgrund der klimatischen Verhältnisse war Reykjavík kein Ort, an den man liebend gerne auswanderte; auch war das Land an sich zu wenig erschlossen und bot keinerlei Komfort. 1786 wurde Reykjavík Stadt (mit 170 Einwohnern!), und ab dann gewann es zunehmend an Bedeutung. Zum einen war es für die Dänen, unter derer Herrschaft Island damals geführt wurde, ein wichtiger Hafen. Im weiteren Verlauf wurden wichtige Einrichtungen von anderen Örtlichkeiten nach Reykjavík verlegt, so z.B. das Parlament „Althing“, das bis 1800 unter freiem Himmel in der Ebene „Thingvellir“, welche heute ein Nationalpark ist, stattfand. Die Industrialisierung und vor allem der Ausbau der Fischindustrie verhalfen Reykjavík zu größerem Bevölkerungswachstum. Letzten Endes profitierte Reykjavík – so schlimm es auch klingt – vom Zweiten Weltkrieg, da Island als Mittelpunkt zwischen Amerika und Europa (nach heutigen Fluggeschwindigkeiten ca. 5 Stunden nach New York und 4 Stunden nach Frankfurt) die perfekte Militärbasis für die Amerikaner darstellte, die Reykjavík gezielt förderten.
Viel mehr ist zu Reykjavíks Geschichte nicht zu sagen und man wird vergeblich historisch wertvolle Gebäude suchen, da Reykjavík wie beschrieben erst relativ spät boomte.
***Sehenswertes***
Ich übernachtete im Hotel Esja im Osten der Stadt, von woaus man eine wunderschöne Aussicht auf das Esja-Bergmassiv und das Meer hat. Dies allein war für mich schon eine Sehenswürdigkeit für sich! Von dort ist es auch nicht mehr weit zur Sportanlage Laugardalur, wo man für ca. 2,50 Euro ein einem Freischwimmbad mit heißem Quellwasser baden kann. Die Isländer sind passionierte Schwimmer und tun dies bereits zu Hauf morgens vor der Arbeit, doch haben sich die heißen Quellfreibäder durchgesetzt, so dass man nur wenige hundert Kilometer vom Polarkreis entfernt vergeblich nach Hallenbädern suchen wird. Da der Weg von den Umkleidekabinen zum Pool nicht weit ist, hat man allerdings gar keine Zeit zu frieren. Selbst habe ich das Bad im Februar besucht, und es war herrlich. Der Dampf, der aus dem Wasser aufsteigt, hält auch die Luftschichten darüber angenehm warm. Da ich ohnehin eine bekennende Wasserratte bin, gehörte das morgendliche Bad in Laugardalur zum Programm, noch bevor sich der Rest meiner Truppe aus den Federn bequemt hatte.
Von Laugardalur aus ist man schnell zu Fuß im Reykjavíker Zoo, wo es nur Tiere aus nördlichen Regionen gibt, so z.B. Robben, Rentiere, Polarfüchse und, wie könnten sie fehlen, die Islandponys. Da ich im Winter auf Island war, waren die Pferde gerade mit dickem Winterfell behangen und sahen richtig wuschelig aus. Sie sind extrem anpassungsfähig und werden auch im Winter auf der Koppel gehalten. Der Zoo war recht klein, aber erstens sehr ordentlich und gepflegt, und zweitens finde ich eine artgerechte Haltung tausendmal besser, als wenn man einen Riesenzoo mit afrikanischen Tieren auf die Beine gestellt hätte. Dieser Zoo ist täglich von 10:00 Uhr bis 17:00 Uhr geöffnet und erreichbar mit den Bussen Nr. 2, 10, 11, 12, 15, 140 und 5. Der Eintritt kostet am Wochenende umgerechnet ca. 6,30 Euro für Erwachsene und 5,20 Euro für Kinder, unter der Woche kostet es 5,20 Euro für Erwachsene und 4 Euro für Kinder. Eigentlich recht happig für einen Park dieser Größe (er war nämlich recht klein), aber wir sind eben auf Island und mit solchen Preisen muss man leben, wenn man nicht nur seine Hotelwände von innen bestaunen möchte. Weitere Details gibt’s unter www.husdyragardur.is
In der Innenstadt sollte man sich das Wahrzeichen Reykjavíks, die Hallgrimskirche, ansehen und nach Möglichkeit auch auf ihren Turm fahren. Wie alles auf Island ist der Fahrstuhl dafür recht teuer (ca.2 Euro für diesen relativ kurzen Weg – 76 m), aber man wird mit einer grandiosen Aussicht über die bunten Dächer der Stadt belohnt. Da man vom Turm aus in alle Richtungen schauen kann, erblickt man von der einen Seite auch wieder das Meer mit der Esja-Bergkette. Für solch eine Turmbesichtigung sollte man sich einen Tag mit schöner Sicht aussuchen und seinen Fotoapparat nicht vergessen. Die Kirche selbst ist recht schlicht und was meinen Geschmack einer schönen Kirche betrifft nicht unbedingt erwähnenswert. Eine Besonderheit gibt es jedoch: die Bänke sind durch eine einfache Konstruktion beidseitig benutzbar: Für die Gottesdienste schaut man ganz normal nach vorne, möchte man allerdings einem Orgelkonzert lauschen, klappt man die Rückbank um, sitzt in der entgegen gesetzten Richtung und kann die Orgel betrachten.
Nicht weit vom Zentrum mit seinen Geschäften liegt auch das Rathaus am See „Tjörnin“. Das Rathaus an sich ist eine moderne Konstruktion (wieder nichts mit historisch...), aber um den See herum findet man hübsche alte Villen, wo es sich durchaus leben lässt! Allesamt stammen sie aus dem 18. und 19. Jahrhundert, sind also nicht wahnsinnig alt im Vergleich zu manch mittelalterlichem deutschen Städtchen, haben aber Stil und Flair!
Ein Rundgang durch die Fußgängerzone lohnt immer, zwar wird man keine Schnäppchen ergattern können, doch gerade was Kleidung usw. betrifft fand ich das Preisniveau nicht wesentlich höher als bei uns. Wie in jeder Großstadt sind auch in Reykjavík überall im Zentrum Fressalien zu beziehen, sei es in Cafés, Restaurants oder an Straßenständen. Auch soll Reykjavík ein ausgiebiges Nachtleben haben, doch war ich abends von den Ausflügen erschlagen und konnte dieses nicht testen.
Etwas außerhalb liegt „Perlan“ (die Perle), ein mit einer Glaskuppel überdachter Heißwassertank. Die Kuppel kann man besteigen und den wunderschönen Blick auf Reykjavík genießen. Im Gebäude selbst befindet sich zwischen den beiden Tanks eine große Innenfläche, wo Veranstaltungen stattfinden. Als ich dort war, war dort gerade eine Buchmesse.
Ca. 5 km östlich der Innenstadt mit Rathaus etc. befindet sich ein großes Einkaufszentrum, „Kringlan“. Auf drei Stockwerken ist vom Supermarkt über Boutiquen, CD-Läden und einem Hardrock-Café bis hin zu zahlreichen Cafés und Restaurants alles vorhanden. Für dortige Verhältnisse günstig essen konnte man am Stand einer chinesischen Garküche, wo man für ein Mittagessen an die 7.50 Euro bezahlt. Dieses Zentrum ist ein lebhafter Konkurrent zu Reykjavíks Fußgängerzone; vor allem überzeugt das riesige Angebot an Parkplätzen für diejenigen, die mit dem Auto kommen.
Wer sich für Kunst interessiert, wird in Reykjavík sicher fündig, doch da mich das Thema weniger interessiert hat, lasse ich es an dieser Stelle außen vor. Auffällig sind die Skulpturen, die einerseits in der ganzen Stadt zerstreut sind, andererseits gibt es einen eigenen Skulpturengarten, den ich aber ebenfalls nicht besucht habe.
Sehr zu empfehlen ist eine professionelle Stadtrundfahrt, die zwar nochmals mit ca. 25 Euro zu Buche schlägt (dauert ca. einen Vormittag), die einem aber wirklich die wichtigsten Dinge und viele interessante Fakten nahe bringt. Diese führt einen auch zum Hafen, den man einfach mal gesehen haben muss, da er für Islands Fischereiwirtschaft bedeutsam ist, außerdem kommt dort täglich fangfrischer Atlantikfisch an, den man in den zahlreichen Restaurants genießen kann.
Dies waren so weit meine Eindrücke von Reykjavík; was ich während meines Aufenthaltes nicht schaffte, war eine Besichtigung des Nationalmuseums, das noch mehr über die Geschichte Auskunft gibt und das Freilichtmuseum am Ortsrand, wo Bauernhöfe aus ganz Island zur Besichtigung angesiedelt wurden. Dies wäre für einen Geschichtsfan wie mich sicher interessant gewesen, aber irgendwie war die Zeit zu knapp. Aber so habe ich wenigstens einen Grund, wieder nach Reykjavík zu kommen!
***Kuriosa***
Island ist und bleibt ein seltsames Land, und so hat auch die Hauptstadt einiges zu bieten, das man als Ausländer erstaunt wahrnimmt.
Die heißen Quellen Islands habe ich bereits erwähnt; eine weitere pfiffige Konstruktion, die sich die Reykjavíker ausgedacht haben, sind unterirdische Rohre, die im Winter heißes Wasser unter der Fußgängerzone durchjagen. Somit ist der Asphalt auf den Hauptflaniermeilen stets eis- und schneefrei und dies ohne lästiges Schneeschippen. Dies ist natürlich anders in den Seitenstraßen, doch ich fand die Idee allein schon witzig. Im Nutzen ihrer natürlichen Energievorräte sind die Isländer einsame Spitze; praktisch ist auch, dass die Energiekosten auf Island sehr gering sind – es ist ja genug Wasser- und Windkraft vorhanden.
In Reykjavík gibt es das einzige europäische Phallusmuseum; drin war ich nicht, aber dort gibt es wohl verschiedenste Phallus-Präparate von unterschiedlichen Säugetieren. Es gründet auf einer eigenen Wissenschaft zu diesem Thema, die Phallologie. Wer sich dafür interessiert, findet wertvolle Hinweise auf http://www.ismennt.is/not/phallus/ger.htm.
Reykjavíks ÖPNV besteht lediglich aus Bussen; U-Bahnen oder Straßenbahnen wird man vergeblich suchen, wie es auch auf ganz Island keine Eisenbahn gibt. Da im ganzen Land nur 280.000 Einwohner leben und sich die Hälfte davon allein in und um Reykjavík konzentrieren, macht die Bahn als Fernverkehrsmittel keinen Sinn; für den Nahverkehr ist die Bahn bei einer Abstimmung dann auch abgelehnt worden, zum einen aus finanziellen Gründen (wieso sollte man ein komplettes Schienennetz verlegen, wo es doch all die Jahre mit dem Bus gut funktionierte...), zum anderen aufgrund der Tatsache, dass Island noch immer ein vulkanaktives und erdbebengefährdetes Gebiet ist. Ein Bus, dem Gesteinsbrocken nach einem Erdbeben den Weg versperren, kann man leichter umleiten als ein Fahrzeug, das seine Schienen nicht verlassen kann. Die Abneigung gegen die Bahn entstammt also in der Hauptsache einer Vorsichtsmaßnahme. Für den Fernverkehr wird einfach geflogen, und dies zu Preisen, die auch nicht teurer sind als die unserer geschätzten Deutschen Bahn. Vom Reykjavíker Stadtflughafen hat man regelmäßige Verbindungen in alle größeren Orte des Landes.
Wer im Stadtbusverkehr Einzelfahrscheine kauft, muss das Geld möglichst passend haben. Automaten gibt es nicht, und man löst grundsätzlich beim Fahrer – nur dieser kann kein Wechselgeld herausgeben! Wenn man das Geld also nicht passend abzählt, leistet man automatisch eine unfreiwillige Spende für die Reykjavíker Verkehrsbetriebe.
***Allgemeines***
Sehr gut ist die Reykjavík-Card, die man im Rathaus, in den größeren Hotels und bei Touristen-Informationen erwerben kann. Sie ist erhältlich für einen, zwei oder drei Tage und berechtigt außer zur kostenlosen Nutzung der Stadtbusse auch zu ermäßigten Eintritten in den Zoo, die Schwimmbäder oder zu ermäßigten Ausflugsfahrten. Ich hatte mich für eine 48-Stunden-Karte entschieden, die mich ca. 6 Euro kostete.
In den Restaurants wird zum Essen kostenloses Leitungswasser gereicht, so dass man viel Geld an Getränken sparen kann. Leitungswasser ist eigentlich überhaupt nicht mein Ding, aber angesichts der gängigen Restaurantpreise habe auch ich das Zeug hinuntergewürgt.
Von Reykjavík aus gibt es zahlreiche Bus-Tagesfahrten zu den typischen Sehenswürdigkeiten Islands. Sehr zu empfehlen ist die Tour „Gullfoss & Geysir“, die einen ins Geysirgebiet, zum Wasserfall Gullfoss, zur Gewächshausstadt Hveragerdi, zum ehemaligen Bischofssitz Skálholt und nicht zuletzt dem Nationalparkgebiet Thingvellir führt. Zwar ist die Tour sehr teuer (75,- Euro plus Verpflegung), doch bekommt man unvergessliche Dinge zu sehen, die Island so einzigartig machen. Die Touren sind über die Hotels zu buchen, wo auch zahlreiche Prospekte ausliegen. Selbstveständlich helfen die Hotels auch bei der Vermittlung von Mietwagen.
Niemand sollte nach Hause fliegen, ohne einmal in der Blauen Lagune gebadet zu haben. Die Blaue Lagune ist ein Freibad in Grindavík, ca. 30 Minuten von Reykjavík entfernt, in dem man das ganze Jahr über in wohlig warmem, dampfendem Wasser baden kann. Reykjavíker Busunternehmen bieten Tages- und Abendfahrten dorthin an.
Bitte beachtet, dass meine Preisangaben sich auf Preise von vor drei Jahren beziehen, da kann sich natürlich mittlerweile etwas geändert haben. Und wer weiß, vielleicht können mittlerweile auch die Busfahrer Geld wechseln... Zur Blauen Lagune und dem Nationalpark Thingvellir habe ich gesonderte Berichte geschrieben, daher habe ich diese Themen hier recht knapp behandelt.
Reykjavík ist ein Besuch wert, und ich werde auf alle Fälle wieder hinfliegen! Die Stadt an sich ist hübsch und sehenswert, wird allerdings noch mehr durch ihr Umfeld aufgewertet, so dass man sie auch perfekt als Basis für weitere Erlebnisse nutzen kann. Durch ihre relative Geschichtslosigkeit ziehe ich ihr einen Stern ab, da ich in fremden Städten generell gerne historische Stadtkerne und Schlösser anschaue.
Viele Infos und Bilder findet Ihr auf www.visitreykjavik.is . Danke fürs Lesen und viel Spaß bei einer eventuellen Island-Reise!!!
32 Bewertungen, 2 Kommentare
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12.10.2004, 14:52 Uhr von anonym
Bewertung: sehr hilfreichüber den norden europas - schön zu lesen und sehr informativ! LG Silke
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18.05.2004, 11:39 Uhr von Micha_S
Bewertung: sehr hilfreichHi bolmsoe, ein super Bericht! Man muss schon etwas Zeit mitbringen, um ihn zu lesen, aber es lohnt sich! Mir persönlich ist Reykjavik als Reiseziel aber irgendwie "zu nördlich"... Ciao - Micha
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