Asphalt Tribe (gebundene Ausgabe) / Morton Rhue Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 06/2004
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Erfahrungsbericht von BjoernS
Über das Leben auf der Straße
Pro:
eindringlich, beschönigt nichts, lehrreich wenn man lernen will
Kontra:
nichts
Empfehlung:
Ja
Jugendbücher interessieren mich in der Regel nicht wirklich brennend, aber wenn meine Schwimmkids dann in höchsten Tönen von einem Buch reden, dann werde ich doch neugierig. So war es auch bei dem nachfolgend vorgestellten Buch mit dem Titel „Asphalt Tribe“.
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Storyline
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Die Geschichte spielt in New York Ende der neunziger Jahre. Es geht um eine Gruppe Jugendlicher, die sich selber den Namen Asphalt Tribe gegeben hat. Diese Gruppe ist keine normale Jugendgruppe, sondern sie lebt auf der Strasse. Zu der Gruppe gehört beispielsweise Maybe, die ihren Spitzenamen daher hat, dass sie viele Fragen mit „vielleicht“ beantwortet. Dazu gehört aber auch Maybes beste Freundin, die drogenabhängige Rainbow. Tears ist erst zwölf Jahre alt und relativ neu in der Gruppe, nach dem sie vor ihrem Stiefvater geflohen ist. Ebenfalls Teil der Gruppe sind 2Moro und Jewel, die ihren „Lebensunterhalt“ damit verdienen, dass sie durch die Clubs ziehen und sich prostituieren.
Die Gruppe ist keine Gruppe im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Zweckgemeinschaft. Sie hängen vor Bars und Cafes rum und versuchen auf die unterschiedlichsten Arten, Geld zu erbetteln – mal durch blosse Pöbelei, mal auf die Mitleidstour. Sie treffen immer wieder auf Menschen, die ihnen helfen wollen – z.B. vom Jugendamt und auch im Bereich der Polizei. Doch die Kids wollen sich nicht helfen lassen, denn sie wollen sich an keine Regeln halten. Mehr durch Zufall trifft Maybe auf einen jungen Mann in der städtischen Bibliothek, der ihr etwas zu essen gibt. Hier findet sie ein wenig Unterstützung ohne dafür eine Gegenleistung bringen zu müssen, ohne sich an Regeln halten zu müssen.
Maybe erkennt im Laufe der Geschichte den Ernst ihrer Lage, nicht zuletzt, weil die Gruppe immer kleiner wird. Die Mitglieder sterben nach und nach weg. Die Frage, ob Maybe rechtzeitig den Absprung schaffen wird, steht im Raum ....
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Meine Meinung
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Das Buch stellt in ziemlich schonungsloser Form das Leben von Straßenkindern dar. Dabei ist es dem Autor bestens gelungen, den Kontrast zwischen der „normalen Gesellschaft“ und den Kids heraus zu arbeiten. Es wird schnell deutlich, dass die Gesellschaft die Straßenkinder als Abschaum betrachtet und doch merkt man schnell, dass die Kinder alle einen guten Grund haben, auf der Straße zu leben. Sei es, weil sie vor sexuellen Übergriffen flüchten, oder weil sie einfach niemand mehr haben will. Dieser Kontrast tritt immer wieder deutlich zu Tage und gerade in den Szenen, in denen die Teile der Gruppe wie der letzte Dreck behandelt werden, kann dem Leser schon mal die Galle überkochen ...
Insgesamt ist die Geschichte aus der Sicht von Maybe geschrieben, die mehr oder weniger als Erzähler auftritt. Mehr oder weniger deshalb, weil manche Passagen so wirken, als ob sie von jemand anderem erzählt werden, obwohl sie doch von Maybe stammen. Gerade bei ihr kommt der Konflikt, in dem sie sich befindet, ziemlich deutlich zu tage. Eigentlich hasst sie das Leben auf der Strasse und sehnt sich nach eine geborgenen Umgebung. Andererseits hat sie gerade mit einer solchen Umgebung eine schlechte Erfahrung gemacht und weigert sich deshalb, sich an die Regeln der Gesellschaft zu halten. Erst als sie den jungen Mann aus der Bibliothek kennen lernt, der ihr ohne Gegenleistung und ohne Forderungen ein wenig hilft, erkennt sie wirklich, in welcher Lage sie sich befindet. Trotzdem ist sie zunächst nicht in der Lage, sich aus dieser Situation zu befreien, denn irgendwie steht sie sich stets selber im Weg. Und das geht nicht nur ihr so, sondern auch allen anderen der kleinen Gruppe.
Der Ort der Geschichte spielt dabei kein Rolle, denn eine Geschichte dieser Art könnte auch jederzeit in London oder Berlin spielen. Dies ist auch der Grund, warum das Buch in Deutschland den Verein „offroadkids“ unterstützt und ein Teil der Einnahmen aus dem Buch an diesen Verein geht. Der Verein unterstützt die Straßenkinder in Deutschland – und davon gibt es mehr, als viele denken.
Die Ausweglosigkeit der Kids wird einfach überzeugend rübergebracht, fast so überzeugend, wie das Verhalten der Gesellschaft, die in großen Teilen die Kids einfach nur wie den letzten Dreck behandelt. Das fällt dem Leser erst auf, wenn er nach dem Lesen des Buches durch die Straßen geht und sieht, wie viele Straßenkinder es auch hier gibt und wie die Menschen sich in den meisten Fällen einfach nur angeekelt wegdrehen. Das Buch öffnet ein wenig die Augen ... denn es beschreibt genau diese Verhalten ziemlich eindringlich. Besonders in diesen Passagen erinnert mich das Buch immer mal wieder an einen Klassiker aus meiner Jugend: Christiane F. – wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Thematisch gehören diese beiden Bücher zumindest teilweise irgendwie zusammen und sie sind beide erschreckend und stimmen zugleich doch ziemlich nachdenklich.
Man kann der Story übrigens zu jedem Zeitpunkt gut folgen und das Werk ist auch nicht schwer zu verstehen. Ich denke, den Hauptgedanken der Geschichte können Jugendlich ab etwa 12 Jahren ziemlich gut folgen – den weitaus wichtigeren, aber nur unterschwelligen Part (die Erkenntnis, dass die Kids sich einfach nur selber im Wege stehen), erkennt man allerdings nur, wenn man ein wenig älter ist. Ich halte diese Buch für wichtig, Kinder sollten es auf jeden Fall gelesen haben, aber bei unter 16jährigen sollten die Eltern auf jeden Fall mit den Kindern darüber sprechen. Die wichtigste Lehre ist nicht, dass das Leben auf der Strasse kein Zuckerschlecken ist (auch wenn diese Erkenntnis sicherlich nicht unwichtig ist), sondern, dass man seine eigene Situation erkennen muss und dass man daraus nur heraus kommt, wenn man es selber möchte ....
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Fakten
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Asphalt Tribe wurde Motron Rhue geschrieben, der unter anderem auch durch „die Welle“ bekannt geworden ist. Die Hardcover-Version, die mir meine Schwimmkids geliehen haben, ist im Februar 2004 beim Ravensburger Buchverlag erschienen, hat 204 Seiten, trägt die ISBN 3473352462 und kostet derzeit 11,95 Euro.
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Fazit
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Ein hervorragendes Jugendbuch, welches ich unbedingt empfehlen muss und dass sicherlich zukünftig einen ähnlichen Stellenwert wie „Christiane F.“ haben wird. Die schonungslose Aufdeckung des Lebens auf der Strasse berührt den Leser zutiefst und macht an vielen Stellen nachdenklich. Jugendliche sollten dieses Buch allerdings nicht ganz ohne Diskussionspartner lesen, denn nur so können sie die wirklichen Stärken des Buches, die zwischen den Zeilen der Story liegen, erkennen und verarbeiten. Ein Buch zum Nachdenken, auch darüber, wie die Lage der Straßenkinder in Deutschland wohl aussieht. Ein Buch mit einem gesellschaftlich fast totgeschwiegenem Thema, bei dem es Zeit wird, dass es endlich mal diskutiert wird.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren
Cu easywk
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Storyline
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Die Geschichte spielt in New York Ende der neunziger Jahre. Es geht um eine Gruppe Jugendlicher, die sich selber den Namen Asphalt Tribe gegeben hat. Diese Gruppe ist keine normale Jugendgruppe, sondern sie lebt auf der Strasse. Zu der Gruppe gehört beispielsweise Maybe, die ihren Spitzenamen daher hat, dass sie viele Fragen mit „vielleicht“ beantwortet. Dazu gehört aber auch Maybes beste Freundin, die drogenabhängige Rainbow. Tears ist erst zwölf Jahre alt und relativ neu in der Gruppe, nach dem sie vor ihrem Stiefvater geflohen ist. Ebenfalls Teil der Gruppe sind 2Moro und Jewel, die ihren „Lebensunterhalt“ damit verdienen, dass sie durch die Clubs ziehen und sich prostituieren.
Die Gruppe ist keine Gruppe im eigentlichen Sinne, sondern eher eine Zweckgemeinschaft. Sie hängen vor Bars und Cafes rum und versuchen auf die unterschiedlichsten Arten, Geld zu erbetteln – mal durch blosse Pöbelei, mal auf die Mitleidstour. Sie treffen immer wieder auf Menschen, die ihnen helfen wollen – z.B. vom Jugendamt und auch im Bereich der Polizei. Doch die Kids wollen sich nicht helfen lassen, denn sie wollen sich an keine Regeln halten. Mehr durch Zufall trifft Maybe auf einen jungen Mann in der städtischen Bibliothek, der ihr etwas zu essen gibt. Hier findet sie ein wenig Unterstützung ohne dafür eine Gegenleistung bringen zu müssen, ohne sich an Regeln halten zu müssen.
Maybe erkennt im Laufe der Geschichte den Ernst ihrer Lage, nicht zuletzt, weil die Gruppe immer kleiner wird. Die Mitglieder sterben nach und nach weg. Die Frage, ob Maybe rechtzeitig den Absprung schaffen wird, steht im Raum ....
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Meine Meinung
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Das Buch stellt in ziemlich schonungsloser Form das Leben von Straßenkindern dar. Dabei ist es dem Autor bestens gelungen, den Kontrast zwischen der „normalen Gesellschaft“ und den Kids heraus zu arbeiten. Es wird schnell deutlich, dass die Gesellschaft die Straßenkinder als Abschaum betrachtet und doch merkt man schnell, dass die Kinder alle einen guten Grund haben, auf der Straße zu leben. Sei es, weil sie vor sexuellen Übergriffen flüchten, oder weil sie einfach niemand mehr haben will. Dieser Kontrast tritt immer wieder deutlich zu Tage und gerade in den Szenen, in denen die Teile der Gruppe wie der letzte Dreck behandelt werden, kann dem Leser schon mal die Galle überkochen ...
Insgesamt ist die Geschichte aus der Sicht von Maybe geschrieben, die mehr oder weniger als Erzähler auftritt. Mehr oder weniger deshalb, weil manche Passagen so wirken, als ob sie von jemand anderem erzählt werden, obwohl sie doch von Maybe stammen. Gerade bei ihr kommt der Konflikt, in dem sie sich befindet, ziemlich deutlich zu tage. Eigentlich hasst sie das Leben auf der Strasse und sehnt sich nach eine geborgenen Umgebung. Andererseits hat sie gerade mit einer solchen Umgebung eine schlechte Erfahrung gemacht und weigert sich deshalb, sich an die Regeln der Gesellschaft zu halten. Erst als sie den jungen Mann aus der Bibliothek kennen lernt, der ihr ohne Gegenleistung und ohne Forderungen ein wenig hilft, erkennt sie wirklich, in welcher Lage sie sich befindet. Trotzdem ist sie zunächst nicht in der Lage, sich aus dieser Situation zu befreien, denn irgendwie steht sie sich stets selber im Weg. Und das geht nicht nur ihr so, sondern auch allen anderen der kleinen Gruppe.
Der Ort der Geschichte spielt dabei kein Rolle, denn eine Geschichte dieser Art könnte auch jederzeit in London oder Berlin spielen. Dies ist auch der Grund, warum das Buch in Deutschland den Verein „offroadkids“ unterstützt und ein Teil der Einnahmen aus dem Buch an diesen Verein geht. Der Verein unterstützt die Straßenkinder in Deutschland – und davon gibt es mehr, als viele denken.
Die Ausweglosigkeit der Kids wird einfach überzeugend rübergebracht, fast so überzeugend, wie das Verhalten der Gesellschaft, die in großen Teilen die Kids einfach nur wie den letzten Dreck behandelt. Das fällt dem Leser erst auf, wenn er nach dem Lesen des Buches durch die Straßen geht und sieht, wie viele Straßenkinder es auch hier gibt und wie die Menschen sich in den meisten Fällen einfach nur angeekelt wegdrehen. Das Buch öffnet ein wenig die Augen ... denn es beschreibt genau diese Verhalten ziemlich eindringlich. Besonders in diesen Passagen erinnert mich das Buch immer mal wieder an einen Klassiker aus meiner Jugend: Christiane F. – wir Kinder vom Bahnhof Zoo“. Thematisch gehören diese beiden Bücher zumindest teilweise irgendwie zusammen und sie sind beide erschreckend und stimmen zugleich doch ziemlich nachdenklich.
Man kann der Story übrigens zu jedem Zeitpunkt gut folgen und das Werk ist auch nicht schwer zu verstehen. Ich denke, den Hauptgedanken der Geschichte können Jugendlich ab etwa 12 Jahren ziemlich gut folgen – den weitaus wichtigeren, aber nur unterschwelligen Part (die Erkenntnis, dass die Kids sich einfach nur selber im Wege stehen), erkennt man allerdings nur, wenn man ein wenig älter ist. Ich halte diese Buch für wichtig, Kinder sollten es auf jeden Fall gelesen haben, aber bei unter 16jährigen sollten die Eltern auf jeden Fall mit den Kindern darüber sprechen. Die wichtigste Lehre ist nicht, dass das Leben auf der Strasse kein Zuckerschlecken ist (auch wenn diese Erkenntnis sicherlich nicht unwichtig ist), sondern, dass man seine eigene Situation erkennen muss und dass man daraus nur heraus kommt, wenn man es selber möchte ....
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Fakten
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Asphalt Tribe wurde Motron Rhue geschrieben, der unter anderem auch durch „die Welle“ bekannt geworden ist. Die Hardcover-Version, die mir meine Schwimmkids geliehen haben, ist im Februar 2004 beim Ravensburger Buchverlag erschienen, hat 204 Seiten, trägt die ISBN 3473352462 und kostet derzeit 11,95 Euro.
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Fazit
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Ein hervorragendes Jugendbuch, welches ich unbedingt empfehlen muss und dass sicherlich zukünftig einen ähnlichen Stellenwert wie „Christiane F.“ haben wird. Die schonungslose Aufdeckung des Lebens auf der Strasse berührt den Leser zutiefst und macht an vielen Stellen nachdenklich. Jugendliche sollten dieses Buch allerdings nicht ganz ohne Diskussionspartner lesen, denn nur so können sie die wirklichen Stärken des Buches, die zwischen den Zeilen der Story liegen, erkennen und verarbeiten. Ein Buch zum Nachdenken, auch darüber, wie die Lage der Straßenkinder in Deutschland wohl aussieht. Ein Buch mit einem gesellschaftlich fast totgeschwiegenem Thema, bei dem es Zeit wird, dass es endlich mal diskutiert wird.
Vielen Dank fürs Lesen, Bewerten und Kommentieren
Cu easywk
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