Rosa Armee Fraktion - J.B.O. Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 09/2003
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Summe aller Bewertungen
- Cover-Design:
- Klangqualität:
Erfahrungsbericht von Finron
Rückkehr der rosa Revoluzzer
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Sie sind wieder zurück in voller Stärke: Die Verteidiger des Blödsinns, die Krieger in Schwarz-Rosa-Gold – J.B.O. Nachdem Holmer und Schmitti die Band verlassen hatten, durften die beiden neuen Rosa Krieger Wolfram Kellner und Ralph Bach zwar schon auf „Live-Sex” mitspielen, doch eigentlich war der Studio-Vorgänger „Sex Sex Sex” noch ein künstlerischer Alleingang der beiden Gitarreros Hannes und Vito.
Ganz anders das neue Machwerk, das ab Montag in die Läden kommt: Bei „Rosa Armee Fraktion” brachten auch die beiden Neuen Ideen mit ein. Das Resultat: Eine Scheibe, die so organisch und frisch klingt wie schon lange kein J.B.O.-Album mehr.
Eine kurze Geschichte des Spaßes
****************************************
Doch fangen wir erst einmal von ganz vorne an: Wer sind J.B.O. überhaupt? Es war im glücklichen Jahr 1989, da sich die beiden Gitarristen Hannes „G. Laber” Holzmann und Vito C. in einer dunklen Erlangener Kaschemme kennen lernten. Sie merkten schon bald, dass sie auf einer Wellenlänge lagen: Metal-Fans mit Freude am Lachen. Also gründeten sie zusammen mit Schlagzeuger Holmer und Basser Schmitti das „James Blast Orchester” und feierten schon im Oktober 1989 Bühnenpremiere beim Erlangener Newcomerfestival – mit umgetexteten Coversongs und schon damals in Schwarz-Rosa-Gold. Beides (Covers und die schreckliche Farbkombination) sollte später ihr Markenzeichen werden.
Bis 1994 war das Ganze nur ein Spaß für die Vier, man nahm zwei EPs – „Blastphemie” und „Eine gute CD zum Kaufen” – auf, erspielte sich im Nürnberger Raum langsam Kultstatus, doch der Rest der Republik ahnte nicht, was da auf sie zukommen würde.
Das änderte sich rapide mit „Explizite Lyrik” (1995). Keine Ahnung, wie sie’s geschafft haben, jedenfalls stand die selbst produzierte CD der Metalomaniacs plötzlich im Erlangener Media Markt – und war bald schon in ganz Ostbayern erhältlich. Dank Mundpropaganda wusste bald schon jeder Metalfan, was er mit diesem Machwerk bekommen würde: 74 Minuten knallharte Covers und knackig witzige Texte. Und vollkommen unerwartet ging die Scheibe auch über 10.000 Mal über die Ladentheke, stiegim Sommer ‘96 in den Top 100 ein – und da machte auch Finron seine erste Bekanntschaft mit J.B.O.: Im Nachtprogramm von SWF3 (das ich damals auch in Niederbayern herbekam ;o)) lief „Marvin”, eine Verarsche des Communards-Klassikers „Nightshift”. Und nach diesen gut zwei Minuten wusste ich: Die CD muss ich haben.
Doch da kam, was kommen musste: Bigband-Altmeister James Last fühlte sich von dem Bandnamen beleidigt, klagte erfolgreich dagegen – und so wurde aus „James Blast Orchester” schließlich J.B.O. (bzw. „James *zensiert* Orchester”). Und die Band bekam natürlich dank des Prozesses jede Menge Publicity.
Weiter ging’s 1997 mit einem Major Label-Vertrag (Lawine/BMG) und „Laut!”, das bis auf Platz 13 der LP-Charts vorstieß. 1998 setzten J.B.O. mit „Meister der Musik” eins drauf und enterten erstmals die Top Ten. Das zehnjährige Jubiläum 1999 wurde natürlich gebührend gefeiert – doch da zeichnete sich schon das Ende der alten Formation ab.
Schlagzeuger Holmer, im zivilen Leben Psychologiestudent, und Basser Schmitti wollten mehr vom Leben als Sex, Drugs & Rock’n’Roll und verließen 2000 die Band. Zwar spielten Holmer und Schmitti noch den neuen Longplayer „Sex, Sex, Sex” ein, doch standen schon zwei neue Mitstreiter in den Startlöchern, die das neue Werk live kredenzen sollten: Wolfram Kellner am Schlagzeug (trommelte schon bei Fiddlers Green) war ein alter Klassenkamerad von Vito, Bassist Ralph Bach ist eine Szene-Ikone aus Nürnberg. Auf „Live-Sex” waren di zwei „Neuen” erstmals zu hören, und beim jetzt vorliegenden neuen J.B.O.-Longplayer „Rosa Armee Fraktion” haben die beiden schon kräftig mitgemischt. Mit der Singleauskopplung „Ich will Lärm” konnten sich die Fans shcon mal ein Bild vom neuen J.B.O.-Sound machen, am 9.9. kommt dann endlich der neue Longplayer in die Läden.
Fast Forward – kreuz und quer gehört
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Im Schnelldurchlauf schildere ich nun den ersten Eindruck zu den Songs, dezidierte Einzelkritik nach Form, Stil und Farbe folgt später. Erst mal die bittere Nachricht für Cover-Fans: Die Cover-Quote wurde weiter gesenkt. Macht aber nix, denn die Platte ist so frech und crispy, dass sie einfach ein Mords-Audiospaß ist. Ihr Fett bekommen auf „Rosa Armee Fraktion” nur mehr die Bloodhoundgang mit „Arschloch und Spaß dabei” (original „Fire, Water, Burn”), die Sailors mit „GirlsGirlsGirls”, Zlatko mit „Ich vermisse meine Hölle” (klar, was das Original war), die Spider Murphy Gang, dessen „‘S Leb’n is wia a Traum” zu einem „Tschibum”-Beziehungsdrama umgetextet wurde. Heinz Rühmann wird mit einem Medley aus „Lalelu”, „Ich brech die Herzen”, „Ob blond, ob braun” und „Ein Freund” metallisch witzig gewürdigt.
Nicht minder hörenswert sind die Eigen-Produktionen aus der J.B.O.-Tonwerkstatt. Mit fetten Metal-Gitarren steigt man gleich bei „Wem nutzt das das schon” auf amtliche Art in die rosa JBO-Welt ein. Der Fun-Metal kommt diesmal nicht nur auf der schrägen Singleauskopplung „Ich will Lärm” etwas punkig daher. Überhaupt pflegen JBO auf „Rosa Armee Fraktion” dem Stilbruch. „Faulheit siegt” ist ein astreines Motörhead-mäßiges Metal-Brett – bis zum Prinzen dudeln fröhlich „ich hab keine Lust”-Refrain.
Orientalisch wird’s bei „1001 Nacht” – auch wenn die Schlange, die da beschwört wird, fest am männlichen Körper angewachsen ist. Nach dem Ausflug in andere musikalische Gefilde kommt das (Nu)Metal-Ohr beim JBO-Wahlprogramm-Song „Rosa Armee Fraktion” wieder auf seine Kosten. Einen seltsamen Trip bürden Hannes, Vito & Co. den Hörern mit „Ich lebe für Schafskäse” auf. Flugschädel-Fans werden dagegen begeistert sein.
Ein Hohelied auf den Konsumwahn und die Werbewelt ist „Weichspüler” mit näselnden Speedpunk-Gitarren. Nach einer kurzen Harmonielehre-Einführung geht’s mit „Du bringst mich um” ab in schmalzige Rock-Gefilde zwischen Maffay und Europe, allerdings mit wirklichem Zungenschnalzer-Text. Die Krönung schließlich zum Schluss: „Ich bin der Hit” – mit allem, was dazu gehört: Tango-Rhythmus, eingängigem Refrain – und nach radiofreundlichen drei Minuten ist Schluss. Ein Hit eben – wie die ganze Scheibe.
Soundcheck Stück für Stück
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So, wer noch mehr wissen will: Hier die Songs in der Einzelkritik:
1. Wem nutzt das schon (3:40): Der astreine Metal-Opener mit den klassisch näselnden J.B.O.-Gitarren drückt gleich mal gut rein. Besungen werden gute Reime, die aber vollkommener Blödsinn sind (der Chor shoutet „Wem nutzt das schon”) - und was viel schöner wär, wenn es sich reimen würde. Immerhin: „Edmund Stoiber reimt sich auf Straßenräuber, Boris Becker reimt sich auf Nutellaschlecker…” Eine spaßige Satire auf das Hobbypoeten-Motto: „Hauptsach ‘s reimt sich”
2. Arschloch und Spass dabei (4:23): „Fire, Water, Burn” von der Bloodhoundgang. Brauch ich musikalisch nicht weiter zu erörtern, deshalb erst mal der Refrain: „Der Ruf, der Ruf, der Ruf ist im Eimer (3x) - der gute Name ist entzwei, doch das ist mir einerlei. Arschloch und Spaß dabei”. Herrlich gelangweilt rappt Vito C. über die bösen Gerüchte, die über J.B.O. im Umlauf sind. Aber scheiß drauf – in Wahrheit sind wir noch viel schlimmer. Könnte auch für die Bloodhoundgange gelten. Klasse Cover eines klasse Songs.
3. Ich will Lärm (3:36): Die aktuelle Singleauskopplung bietet genau das: Lärm im Refrain. Und in den Strophen den Grund, warum J.B.O. Metal hör’n wollen. In Strophe eins gehts aufs Oktoberfest, dazu erklingt Umpda-Bierzeltsound. Und man ist wirklich erleichtert, als die lärmenden Gitarren einsetzen. Strophe zwei wird im Reggae-Style kredenzt, in der Schlussstrophe gibt’s Klassik-Kost. Und dazwischen eben immer wieder wohltuenden Lärm.
4. Faulheit siegt (3:12): Ja, sind J.B.O. bei Motörhead in die Lehre gegangen? Es lärmt und wummert wie bei Lemmy & Co., während geschildert wird, wie jemand morgens versucht, in die Gänge zu kommen. Doch grad beutelt man seine Schuppen aus, da kommt der Cut: A Capella-Gesang und Prinzen-mäßig wird „Denn ich hab einfach keine Lust” intoniert. Cut. Lärm bröööööh. Cut. Lala-Refrain. So geht’s weiter. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht von schlechten Eltern.
5. GirlsGirlsGirls (3:05): An der ollen Sailors-Nummer wurde musikalisch nicht rumgedoktert. Feiner A Capella-Gesang wie weiland die Comedian Harmonists. Nur eben eingedeutscht, der Text.
6. 1001 Nacht (3:27): Und wieder kein metal-Brett. Statt dessen orientalische Klänge, in denen der kleine Piepmatz und das Leben mit ihm besungen wird. Für mich eine der schwächeren Nummern auf der Scheibe.
7. Rosa Armee Fraktion (2:58): Endlich wieder lärmende Gitarren! Im Titel-Track, der mehr im Nu Metal-Style gehalten ist, stellen J.B.O. zunächst ihr Wahlprogramm vor und malen sich dann aus, wie’s wär, wenn sie die Republik regieren würden - inclusive Skandalmeldungen a la. „unbestätigten Gerüchten zufolge soll Spaßminister Vito C. in seiner Jugend auf manchen Partys nicht gesichtet worden sein” (ausm Kopf abgeschrieben, daher nicht wörtliches Zitat).
8. Ich lebe für Schafskäse (1:27): Nein, kein Self-Outing der Band-Turnschuhe, sondern eine wüste Soundcollage. Der Song (?) beginnt mit den Zeilen „Hallo, hier ist der DJ eures Vertrauens” und switcht durch alles Mögliche, immer wieder hört man jemanden „Schafskäse” sagen. Also, irgendwie, glaub ich, soll das ganze ein „Am Radio durch die Frequenzen drehen“ darstellen. Aber ganz ehrlich: Die Nummer ist nur für Flugschädel-Fans genießbar.
9. Weichspüler (3:06): Da lob ich mir schon diese Nummer. Straighter Hardrock, der das Zeug zur Ciao-Hymne hat („Ich hab den Weichspüler vergessen” – „Mien kaffee hat kein Verwöhn-Aroma”). Richtig, es geht um den Konsumwahn. Klasse Nummer, gehtr schnell ins Ohr und von da direkt ins Mosher-Bein.
10. Enthusiasmisierte Harmonielehre (0:06): Genau das. J.B.O. erklären den Unterschied zwischen Dur und Moll. Und zwar schneller, als man den Titel des Zwischenspiels aussprechen kann.
11. Du bringst mich um (3:56): So perfekt kann Hardrock a la Europe sein. Der Titel verspricht etwas zu viel, denn „Du bringst mich um” ist eine astreine Schmuserocknummer mit entsprechendem Text: „Du bringst mich um / meinen Verstand / Du hältst mich fest / in deiner Hand”. Hört sich also eher an wie der neue Schmuse-Quark von den Scorpions denn ein astreines J.B.O.-Gedröhn. Und ist damit schon wieder eine lustige Verarsche ohne gecovert zu sein.
12. Ich vermisse meine Hölle (3:21): Erinnert sich noch jemand an Zlatko, den mentalen Schwachströmer aus Big Brother? Ihm haben J.B.O. ein ganz besonderes Denkmal gesetzt. Nämlich seinen Discofox-Langweiler-hit „Ich vermiss dich wie die Hölle” gewaltig aufpoliert. Mit Gurgelgesang und fetten Powerchords lässt man „Satan” Hannes ran ans Mikro. Und der sing eben, wie schlimm es auf Erden ist für einen Dämon, welche Qual, wie erfindungsreich die Menschen beim musikalischen Foltern ihrer Zeitgenossen sind – und wie schön es doch im Vergleich dazu in der unterirdischen Schwefelsauna ist.
13. La Ichobein (3:20): Seltsamer Titel, dessen Zusammensetzung sich jedoch schnell erschließt. „La” steht für „La Le Lu”, „Ich” für „Ich brech die Herzen”, „ob” für „Ob blond, ob braun” und mit „ein” beginnt natürlich „Ein Freund, ein guter Freund”. Alles zusammen sind vier Heinz Rühmann-Hits. Und alle vier werden in einem mords-metalmäßigen Medley verwurstet. Macht Laune.
14. Tschibum (2:43): Oh, schön, Spider Murphy Gang. „S’lebn is wia a Traum”. Erinnert Ihr euch? Anfangs ist die Nummer genauso arrangiert, Liebe, Glück, Idyll, Tschibum. Doch langsam zieht der Alltag ein: Genervt, Streit, Tschibum. Und man bekommt langsam einen Hass aufeinander *metalbräz* Tschibum. Zum Totlachen, denn irgendwie haben sie’s gut erfasst, wie’s so geht in der trauten Zweisamkeit.
15. Der Hit (3:00): Tango-Time zum Ausklang der Platte. Mit Geigen und Ramtatata singt ein Hit von sich selbst. Dann Break, Refrain in knackigem Rock’n’roll: „Ich bin der Hit / Ich brauch nur drei Minuten / willst Du mit mir kommen / dann musst Du dich schon sputen”. Jaja, die schöne Zweideutigkeit. Das ist es, was wir an J.B.O. so lieben. Und natürlich die Konsequenz des musikalischen Narrenspiels: Nach exakt drei Minuten ist nämlich Schluss mit dem Hit.
Drauf und nicht drauf: Natürlich kommen am Schluss noch ein paar Ostereier. Die CD läuft und läuft so ca. zehn Minuten, da kommt das erste Einsprengsel, irgendein Gelaber. Mittlerweile find ich diese Ostereier ziemlich witzlos und abgenudelt. also schnell wieder zurückgesprungen auf Track 1.
Blödsinn? Blödsinn!
***********************
Kommen wir zu den berühmten letzten Worten: Dem Fazit. Wieder einmal bieten J.B.O. Blödsinn für alle Geschmäcker und Coverversiopnen, die allesamt zu Partyhits taugen. Dazu sind sie knackig und frisch, sprühen vor Ideen (wenn auch manchmal zu viel). Kurz gesagt: Zwei Daumen hoch für diesen 45minütigen Klamaukmetal-Wahn. Ich hab mich köstlich amüsiert, auch wenn es zwei, drei Nummern gibt, mit denen ich weniger anfangen kann.
Über den Preis und das Cover (daher auch keine Wertung) kann ich nichts sagen, weil ich vom Label ein Mischpult-Master *stolzgrins* zugeschickt bekommen hab (deshalb auch Probleme mit dem Texte erinnern). Aber wer J.B.O. kennt, der weiß, dass im Booklet garantiert wieder jede Menge Gags und Pointen, Spaßiges und Sonstiges versteckt ist. Denn J.B.O. zu lesen macht genauso viel Spaß wie J.B.O. hören. Keep on Rolling!
©Finron
Tippfehler bitte rosa anstreichen.
Ganz anders das neue Machwerk, das ab Montag in die Läden kommt: Bei „Rosa Armee Fraktion” brachten auch die beiden Neuen Ideen mit ein. Das Resultat: Eine Scheibe, die so organisch und frisch klingt wie schon lange kein J.B.O.-Album mehr.
Eine kurze Geschichte des Spaßes
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Doch fangen wir erst einmal von ganz vorne an: Wer sind J.B.O. überhaupt? Es war im glücklichen Jahr 1989, da sich die beiden Gitarristen Hannes „G. Laber” Holzmann und Vito C. in einer dunklen Erlangener Kaschemme kennen lernten. Sie merkten schon bald, dass sie auf einer Wellenlänge lagen: Metal-Fans mit Freude am Lachen. Also gründeten sie zusammen mit Schlagzeuger Holmer und Basser Schmitti das „James Blast Orchester” und feierten schon im Oktober 1989 Bühnenpremiere beim Erlangener Newcomerfestival – mit umgetexteten Coversongs und schon damals in Schwarz-Rosa-Gold. Beides (Covers und die schreckliche Farbkombination) sollte später ihr Markenzeichen werden.
Bis 1994 war das Ganze nur ein Spaß für die Vier, man nahm zwei EPs – „Blastphemie” und „Eine gute CD zum Kaufen” – auf, erspielte sich im Nürnberger Raum langsam Kultstatus, doch der Rest der Republik ahnte nicht, was da auf sie zukommen würde.
Das änderte sich rapide mit „Explizite Lyrik” (1995). Keine Ahnung, wie sie’s geschafft haben, jedenfalls stand die selbst produzierte CD der Metalomaniacs plötzlich im Erlangener Media Markt – und war bald schon in ganz Ostbayern erhältlich. Dank Mundpropaganda wusste bald schon jeder Metalfan, was er mit diesem Machwerk bekommen würde: 74 Minuten knallharte Covers und knackig witzige Texte. Und vollkommen unerwartet ging die Scheibe auch über 10.000 Mal über die Ladentheke, stiegim Sommer ‘96 in den Top 100 ein – und da machte auch Finron seine erste Bekanntschaft mit J.B.O.: Im Nachtprogramm von SWF3 (das ich damals auch in Niederbayern herbekam ;o)) lief „Marvin”, eine Verarsche des Communards-Klassikers „Nightshift”. Und nach diesen gut zwei Minuten wusste ich: Die CD muss ich haben.
Doch da kam, was kommen musste: Bigband-Altmeister James Last fühlte sich von dem Bandnamen beleidigt, klagte erfolgreich dagegen – und so wurde aus „James Blast Orchester” schließlich J.B.O. (bzw. „James *zensiert* Orchester”). Und die Band bekam natürlich dank des Prozesses jede Menge Publicity.
Weiter ging’s 1997 mit einem Major Label-Vertrag (Lawine/BMG) und „Laut!”, das bis auf Platz 13 der LP-Charts vorstieß. 1998 setzten J.B.O. mit „Meister der Musik” eins drauf und enterten erstmals die Top Ten. Das zehnjährige Jubiläum 1999 wurde natürlich gebührend gefeiert – doch da zeichnete sich schon das Ende der alten Formation ab.
Schlagzeuger Holmer, im zivilen Leben Psychologiestudent, und Basser Schmitti wollten mehr vom Leben als Sex, Drugs & Rock’n’Roll und verließen 2000 die Band. Zwar spielten Holmer und Schmitti noch den neuen Longplayer „Sex, Sex, Sex” ein, doch standen schon zwei neue Mitstreiter in den Startlöchern, die das neue Werk live kredenzen sollten: Wolfram Kellner am Schlagzeug (trommelte schon bei Fiddlers Green) war ein alter Klassenkamerad von Vito, Bassist Ralph Bach ist eine Szene-Ikone aus Nürnberg. Auf „Live-Sex” waren di zwei „Neuen” erstmals zu hören, und beim jetzt vorliegenden neuen J.B.O.-Longplayer „Rosa Armee Fraktion” haben die beiden schon kräftig mitgemischt. Mit der Singleauskopplung „Ich will Lärm” konnten sich die Fans shcon mal ein Bild vom neuen J.B.O.-Sound machen, am 9.9. kommt dann endlich der neue Longplayer in die Läden.
Fast Forward – kreuz und quer gehört
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Im Schnelldurchlauf schildere ich nun den ersten Eindruck zu den Songs, dezidierte Einzelkritik nach Form, Stil und Farbe folgt später. Erst mal die bittere Nachricht für Cover-Fans: Die Cover-Quote wurde weiter gesenkt. Macht aber nix, denn die Platte ist so frech und crispy, dass sie einfach ein Mords-Audiospaß ist. Ihr Fett bekommen auf „Rosa Armee Fraktion” nur mehr die Bloodhoundgang mit „Arschloch und Spaß dabei” (original „Fire, Water, Burn”), die Sailors mit „GirlsGirlsGirls”, Zlatko mit „Ich vermisse meine Hölle” (klar, was das Original war), die Spider Murphy Gang, dessen „‘S Leb’n is wia a Traum” zu einem „Tschibum”-Beziehungsdrama umgetextet wurde. Heinz Rühmann wird mit einem Medley aus „Lalelu”, „Ich brech die Herzen”, „Ob blond, ob braun” und „Ein Freund” metallisch witzig gewürdigt.
Nicht minder hörenswert sind die Eigen-Produktionen aus der J.B.O.-Tonwerkstatt. Mit fetten Metal-Gitarren steigt man gleich bei „Wem nutzt das das schon” auf amtliche Art in die rosa JBO-Welt ein. Der Fun-Metal kommt diesmal nicht nur auf der schrägen Singleauskopplung „Ich will Lärm” etwas punkig daher. Überhaupt pflegen JBO auf „Rosa Armee Fraktion” dem Stilbruch. „Faulheit siegt” ist ein astreines Motörhead-mäßiges Metal-Brett – bis zum Prinzen dudeln fröhlich „ich hab keine Lust”-Refrain.
Orientalisch wird’s bei „1001 Nacht” – auch wenn die Schlange, die da beschwört wird, fest am männlichen Körper angewachsen ist. Nach dem Ausflug in andere musikalische Gefilde kommt das (Nu)Metal-Ohr beim JBO-Wahlprogramm-Song „Rosa Armee Fraktion” wieder auf seine Kosten. Einen seltsamen Trip bürden Hannes, Vito & Co. den Hörern mit „Ich lebe für Schafskäse” auf. Flugschädel-Fans werden dagegen begeistert sein.
Ein Hohelied auf den Konsumwahn und die Werbewelt ist „Weichspüler” mit näselnden Speedpunk-Gitarren. Nach einer kurzen Harmonielehre-Einführung geht’s mit „Du bringst mich um” ab in schmalzige Rock-Gefilde zwischen Maffay und Europe, allerdings mit wirklichem Zungenschnalzer-Text. Die Krönung schließlich zum Schluss: „Ich bin der Hit” – mit allem, was dazu gehört: Tango-Rhythmus, eingängigem Refrain – und nach radiofreundlichen drei Minuten ist Schluss. Ein Hit eben – wie die ganze Scheibe.
Soundcheck Stück für Stück
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So, wer noch mehr wissen will: Hier die Songs in der Einzelkritik:
1. Wem nutzt das schon (3:40): Der astreine Metal-Opener mit den klassisch näselnden J.B.O.-Gitarren drückt gleich mal gut rein. Besungen werden gute Reime, die aber vollkommener Blödsinn sind (der Chor shoutet „Wem nutzt das schon”) - und was viel schöner wär, wenn es sich reimen würde. Immerhin: „Edmund Stoiber reimt sich auf Straßenräuber, Boris Becker reimt sich auf Nutellaschlecker…” Eine spaßige Satire auf das Hobbypoeten-Motto: „Hauptsach ‘s reimt sich”
2. Arschloch und Spass dabei (4:23): „Fire, Water, Burn” von der Bloodhoundgang. Brauch ich musikalisch nicht weiter zu erörtern, deshalb erst mal der Refrain: „Der Ruf, der Ruf, der Ruf ist im Eimer (3x) - der gute Name ist entzwei, doch das ist mir einerlei. Arschloch und Spaß dabei”. Herrlich gelangweilt rappt Vito C. über die bösen Gerüchte, die über J.B.O. im Umlauf sind. Aber scheiß drauf – in Wahrheit sind wir noch viel schlimmer. Könnte auch für die Bloodhoundgange gelten. Klasse Cover eines klasse Songs.
3. Ich will Lärm (3:36): Die aktuelle Singleauskopplung bietet genau das: Lärm im Refrain. Und in den Strophen den Grund, warum J.B.O. Metal hör’n wollen. In Strophe eins gehts aufs Oktoberfest, dazu erklingt Umpda-Bierzeltsound. Und man ist wirklich erleichtert, als die lärmenden Gitarren einsetzen. Strophe zwei wird im Reggae-Style kredenzt, in der Schlussstrophe gibt’s Klassik-Kost. Und dazwischen eben immer wieder wohltuenden Lärm.
4. Faulheit siegt (3:12): Ja, sind J.B.O. bei Motörhead in die Lehre gegangen? Es lärmt und wummert wie bei Lemmy & Co., während geschildert wird, wie jemand morgens versucht, in die Gänge zu kommen. Doch grad beutelt man seine Schuppen aus, da kommt der Cut: A Capella-Gesang und Prinzen-mäßig wird „Denn ich hab einfach keine Lust” intoniert. Cut. Lärm bröööööh. Cut. Lala-Refrain. So geht’s weiter. Gewöhnungsbedürftig, aber nicht von schlechten Eltern.
5. GirlsGirlsGirls (3:05): An der ollen Sailors-Nummer wurde musikalisch nicht rumgedoktert. Feiner A Capella-Gesang wie weiland die Comedian Harmonists. Nur eben eingedeutscht, der Text.
6. 1001 Nacht (3:27): Und wieder kein metal-Brett. Statt dessen orientalische Klänge, in denen der kleine Piepmatz und das Leben mit ihm besungen wird. Für mich eine der schwächeren Nummern auf der Scheibe.
7. Rosa Armee Fraktion (2:58): Endlich wieder lärmende Gitarren! Im Titel-Track, der mehr im Nu Metal-Style gehalten ist, stellen J.B.O. zunächst ihr Wahlprogramm vor und malen sich dann aus, wie’s wär, wenn sie die Republik regieren würden - inclusive Skandalmeldungen a la. „unbestätigten Gerüchten zufolge soll Spaßminister Vito C. in seiner Jugend auf manchen Partys nicht gesichtet worden sein” (ausm Kopf abgeschrieben, daher nicht wörtliches Zitat).
8. Ich lebe für Schafskäse (1:27): Nein, kein Self-Outing der Band-Turnschuhe, sondern eine wüste Soundcollage. Der Song (?) beginnt mit den Zeilen „Hallo, hier ist der DJ eures Vertrauens” und switcht durch alles Mögliche, immer wieder hört man jemanden „Schafskäse” sagen. Also, irgendwie, glaub ich, soll das ganze ein „Am Radio durch die Frequenzen drehen“ darstellen. Aber ganz ehrlich: Die Nummer ist nur für Flugschädel-Fans genießbar.
9. Weichspüler (3:06): Da lob ich mir schon diese Nummer. Straighter Hardrock, der das Zeug zur Ciao-Hymne hat („Ich hab den Weichspüler vergessen” – „Mien kaffee hat kein Verwöhn-Aroma”). Richtig, es geht um den Konsumwahn. Klasse Nummer, gehtr schnell ins Ohr und von da direkt ins Mosher-Bein.
10. Enthusiasmisierte Harmonielehre (0:06): Genau das. J.B.O. erklären den Unterschied zwischen Dur und Moll. Und zwar schneller, als man den Titel des Zwischenspiels aussprechen kann.
11. Du bringst mich um (3:56): So perfekt kann Hardrock a la Europe sein. Der Titel verspricht etwas zu viel, denn „Du bringst mich um” ist eine astreine Schmuserocknummer mit entsprechendem Text: „Du bringst mich um / meinen Verstand / Du hältst mich fest / in deiner Hand”. Hört sich also eher an wie der neue Schmuse-Quark von den Scorpions denn ein astreines J.B.O.-Gedröhn. Und ist damit schon wieder eine lustige Verarsche ohne gecovert zu sein.
12. Ich vermisse meine Hölle (3:21): Erinnert sich noch jemand an Zlatko, den mentalen Schwachströmer aus Big Brother? Ihm haben J.B.O. ein ganz besonderes Denkmal gesetzt. Nämlich seinen Discofox-Langweiler-hit „Ich vermiss dich wie die Hölle” gewaltig aufpoliert. Mit Gurgelgesang und fetten Powerchords lässt man „Satan” Hannes ran ans Mikro. Und der sing eben, wie schlimm es auf Erden ist für einen Dämon, welche Qual, wie erfindungsreich die Menschen beim musikalischen Foltern ihrer Zeitgenossen sind – und wie schön es doch im Vergleich dazu in der unterirdischen Schwefelsauna ist.
13. La Ichobein (3:20): Seltsamer Titel, dessen Zusammensetzung sich jedoch schnell erschließt. „La” steht für „La Le Lu”, „Ich” für „Ich brech die Herzen”, „ob” für „Ob blond, ob braun” und mit „ein” beginnt natürlich „Ein Freund, ein guter Freund”. Alles zusammen sind vier Heinz Rühmann-Hits. Und alle vier werden in einem mords-metalmäßigen Medley verwurstet. Macht Laune.
14. Tschibum (2:43): Oh, schön, Spider Murphy Gang. „S’lebn is wia a Traum”. Erinnert Ihr euch? Anfangs ist die Nummer genauso arrangiert, Liebe, Glück, Idyll, Tschibum. Doch langsam zieht der Alltag ein: Genervt, Streit, Tschibum. Und man bekommt langsam einen Hass aufeinander *metalbräz* Tschibum. Zum Totlachen, denn irgendwie haben sie’s gut erfasst, wie’s so geht in der trauten Zweisamkeit.
15. Der Hit (3:00): Tango-Time zum Ausklang der Platte. Mit Geigen und Ramtatata singt ein Hit von sich selbst. Dann Break, Refrain in knackigem Rock’n’roll: „Ich bin der Hit / Ich brauch nur drei Minuten / willst Du mit mir kommen / dann musst Du dich schon sputen”. Jaja, die schöne Zweideutigkeit. Das ist es, was wir an J.B.O. so lieben. Und natürlich die Konsequenz des musikalischen Narrenspiels: Nach exakt drei Minuten ist nämlich Schluss mit dem Hit.
Drauf und nicht drauf: Natürlich kommen am Schluss noch ein paar Ostereier. Die CD läuft und läuft so ca. zehn Minuten, da kommt das erste Einsprengsel, irgendein Gelaber. Mittlerweile find ich diese Ostereier ziemlich witzlos und abgenudelt. also schnell wieder zurückgesprungen auf Track 1.
Blödsinn? Blödsinn!
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Kommen wir zu den berühmten letzten Worten: Dem Fazit. Wieder einmal bieten J.B.O. Blödsinn für alle Geschmäcker und Coverversiopnen, die allesamt zu Partyhits taugen. Dazu sind sie knackig und frisch, sprühen vor Ideen (wenn auch manchmal zu viel). Kurz gesagt: Zwei Daumen hoch für diesen 45minütigen Klamaukmetal-Wahn. Ich hab mich köstlich amüsiert, auch wenn es zwei, drei Nummern gibt, mit denen ich weniger anfangen kann.
Über den Preis und das Cover (daher auch keine Wertung) kann ich nichts sagen, weil ich vom Label ein Mischpult-Master *stolzgrins* zugeschickt bekommen hab (deshalb auch Probleme mit dem Texte erinnern). Aber wer J.B.O. kennt, der weiß, dass im Booklet garantiert wieder jede Menge Gags und Pointen, Spaßiges und Sonstiges versteckt ist. Denn J.B.O. zu lesen macht genauso viel Spaß wie J.B.O. hören. Keep on Rolling!
©Finron
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