Hiob (Taschenbuch) / Joseph Roth Testbericht
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Erfahrungsbericht von kwonilchang
Die Geschichte und ihre Hintergründe
Pro:
Geschichte mit bewegendem Hintergrund
Kontra:
nicht sofort verständlich
Empfehlung:
Ja
Seit jeher gehören Leid, Katastrophe und Tod zu den Erfahrungen, die Menschen immer wieder fragen lassen: Wie kann Gott diese Übel zulassen? Warum müssen selbst Kinder und Unschuldige leiden? Diese oft quälende und vergebliche Suche nach dem Warum von Leid und Tod ist trotz Aufklärung und Mündigkeit bis heute aktuell geblieben. Mein Bericht ist dem Roman „Hiob“, dem Roman eines einfachen Mannes, gewidmet.
Gerade im zu Ende gegangenen 20. Jahrhundert häuften sich die literarischen Auseinandersetzungen mit Hiob, dem Sinnbild für einen vom Schicksal geschlagenen Menschen. Insbesondere jüdische Dichter griffen auf Hiob zurück, um anhand seines Schicksals die Ungeheuerlichkeiten, die Juden immer wieder, vor allem aber im 20. Jahrhundert, zu erdulden und zu erleiden hatten, zur Sprache zu bringen.
Bevor ich zum Inhalt des Romans „Hiob“ von Joseph Roth komme, möchte ich auf die Biographie des Autors eingehen:
Joseph Roth wurde am 2. September 1894 im galizischen Brody geboren. Seinen Vater lernte er nie kennen. Von 1905 bis 1913 besuchte Roth das deutsche Gymnasium in Brody. Er war von Goethe, Schiller, Lessing und Hesse begeistert. 1913 zog er zusammen mit seiner Mutter nach Wien, wo er Germanistik und Philosophie studierte. Sein erstes Gedicht „Welträtsel“ wurde 1915 veröffentlicht. Zwischen 1916 und 1918 leistete Roth Kriegdienst in Galizien und veröffentlichte Gedichte und Feuilletons in Wiener und Prager Zeitungen. Der Krieg machte ihn zum Alkoholiker. Die materielle Unsicherheit durch seine Tätigkeit als Journalist und Schriftsteller, die Verzweiflung über die politische Entwicklung und die privaten Schicksalsschläge verstärkten seine Alkoholsucht. Seit 1919 verfasste er Beiträge für den linksliberalen „Neuen Tag“. Themen seiner Werke waren vor allem das Leben in Wien und der Niedergang der kaiserlichen und königlichen Monarchie. 1919 lernte Roth Friederike Reichler kennen, die er 1922 heiratete. 1923 begann er bei der „Frankfurter Zeitung“ als Feuilletonkorrespondent zu arbeiten. Nach einer Reportagereise in die Sowjetunion im Jahre 1926 wandte er sich zunehmend vom Sozialismus ab. 1928 erkrankte seine Frau an einer sich als unheilbar erweisenden Schizophrenie, die ab 1929 einen Aufenthalt in verschiedenen Nervenheilanstalten erforderte. Roth etablierte sich im Laufe seiner Arbeit als politisch engagierter, linksliberaler Journalist und Romancier. Weil er über die Sozialdemokratie enttäuscht war, ging er 1933 ins Exil nach Paris. In österreichisch-monarchischen Kreisen engagierte er sich gegen den Nationalsozialismus. Der verabscheuten Gegenwart setzte er in Romanen der 30er Jahre die geschichtslose, von Armee und Beamten verkörperte Ordnung der Monarchie entgegen. Seine Werke sind vom sozialistischen Engagement geprägt. Bei späteren Werken entwickelte sich Pessimismus und die Forderung nach Menschlichkeit. Am 27. Mai 1939 starb Joseph Roth in einem Pariser Armenhospital auf Grund seiner Alkoholsucht. Ein Jahr nach Roths Tod wurde seine Frau übrigens durch Nationalsozialisten ermordet.
Roths Werke, unter anderem: „Spinnennetz“ (1923), „Flucht ohne Ende“ (1927), „Zipper und sein Vater“ (1928), „Rechts und Links“ (1929), „Radetzkymarsch“ (1932), schildern in einer unfehlbaren Sprache die Tragik des Judentums. So auch sein wohl bekanntester Roman „Hiob“, der 1930 erschien und der Roth den lang ersehnten Erfolg brachte.
Roth schrieb seinen Roman „Hiob“ unter Einfluss vieler Probleme. Anfangs saß seine schwer gestörte Frau im Nebenzimmer. Später, als ein dauernder Anstaltsaufenthalt für sie notwendig wurde, machte er sich Vorwürfe, dass er nicht besser auf sie aufgepasst und mehr geliebt habe. Dies spiegelt sich auch im Roman wieder, als Mendel um seine verstorbene Frau trauert: „Weil nicht die Wärme der Liebe in uns war, sondern zwischen uns der Frost der Gewohnheit, starb alles rings um uns, verkümmerte alles und wurde verdorben.“ Zudem wurde Roth von akuten Geldsorgen geplagt. Trotz der finanziellen Unterstützung seiner Freunde und der gut bezahlten journalistischen Tätigkeit kann er kaum für die hohen Kosten, die die Pflege seiner Frau verursachen, aufkommen. In Briefen an seine Freunde, die oftmals als „Hiobsseufzer“ bezeichnet wurden, klagt er darüber. Ein weiteres Problem war der Alkoholismus. So sagte Roth selber, er hätte den zweiten Teil von Hiob nicht schreiben können, „ohne fast ununterbrochen zu trinken“. Er steckte zweifellos in einer schwierigen, wenn nicht sogar aussichtslos erscheinenden Lage. Zudem mag sich Roth zeitweise entwurzelt gefühlt und mit Hiob verglichen haben.
In Mendel Singer alias Hiob, dem Romanhelden, steckt sicherlich noch vieles von Roth selbst. Es gibt gewisse biographische Hintergründe oder Gemeinsamkeiten. Ein Blick auf die Biographie des Autors zeigt, wie sehr Roth diesen Roman eigenen Leiderfahrungen abgetrotzt hat. Er ist das „Zeugnis einer Lebenskrise“ (G. vom Hofe). Leidvoll erfahrene Existenz wirft aber Roth nicht nur auf sich selbst zurück und macht ihn nicht nur zeitweise zum gepeinigten Außenseiter, sondern befähigt ihn auch, diese Erfahrungen im Hiob-Roman literarisch zu gestalten.
In seinem Roman drücken sich auch seine Verbundenheit und heimliche Solidarität mit seiner Heimat und ihren jüdischen Menschen und die Verwurzelung in der osteuropäischen Kultur und Tradition aus, aber auch Kritik an der ostjüdischen Orthodoxie – Mendel erscheint reichlich engstirnig – und an der westlichen Zivilisation.
Schon ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans wurde dieser ins Englische und Französische übersetzt, in Amerika als Buch des Monats gefeiert, in Paris und New York als Bühnenstück aufgeführt und 1939 bereits in Hollywood – wenn auch ziemlich frei – verfilmt. In Bezug auf die literarische Hiobsrezeption im 20. Jahrhundert, über die wir im anschließenden Referat genaueres erfahren werden, bildet der Roman einen frühen und Maßstäbe setzenden Höhepunkt. Joseph Roth erzählt die Geschichte des Mendel Singer in einer Sprache biblischer Direktheit, deren Thema die göttliche Heimsuchung und das sogenannte Wunder der göttlichen Gnade ist. Hierbei versucht Roth, die Frage nach dem Sinn des Leidens im Geist der Bibel zu beantworten; doch es ist die Antwort eines Skeptikers, dessen Leben Heimsuchung war, der die erlösende Gnade inbrünstig herbeisehnte, aber nicht an sie glauben konnte.
Nun aber zum Inhalt:
Mendel Singer, ein frommer, gottesfürchtiger und gewöhnlicher Jude, lebt in dem idyllischen Schtetl Zuchnow in Galizien und führt dort mit seiner Familie ein bescheidenes Leben als Dorflehrer. Doch die Ruhe in seinem Leben währt nicht lange, da er durch eine Kette harter Schicksalsschläge aus der Bedeutungslosigkeit seiner Existenz gerissen wird. Vorerst noch gläubig nimmt er demütig Unglück für Unglück als Prüfung Gottes hin. Der erste Schicksalsschlag erfasst ihn, als sein jüngster Sohn Menuchim als geistes- und entwicklungsgestörter Epileptiker geboren wird. Ein Wunderrabbi prophezeit der besorgten Mutter: „Menuchim, Mendels Sohn, wird gesund werden. Seinesgleichen wird es nicht viele geben in Israel. Der Schmerz wird ihn weise machen, die Hässlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark.... Verlass deinen Sohn nicht, auch wenn er dir eine große Last ist, gib ihn nicht weg von dir“. Darauf folgt die Einberufung seines ältesten Sohnes Jonas zum Militär. Sein zweiter Sohn flieht nach Amerika, um so dem Kriegsdienst zu entgehen, nennt sich von nun ab „Sam“. Dann muss Mendel erkennen, dass sich seine Tochter Mirjam mit Kosaken einlässt, was für den strenggläubigen Juden der Inbegriff von Verworfenheit ist. Um Mirjams Liebschaften zu unterbinden und sie somit vor Schande zu retten, entschließen sich die Singers, nach Amerika auszuwandern. Diese Fahrt kann aber nur mit den Opfern durchgeführt werden, Jonas, den Berufssoldaten, und den kranken Menuchim bei Verwandten zurückzulassen. Menuchim bekommt als Kranker von den amerikanischen Einwanderungsbehörden keine Einreisegenehmigung. In Amerika scheint sich zunächst jedoch alles zum Guten zu wenden: Sam, sein zuerst ausgewanderter Sohn ist als Geschäftsmann erfolgreich, Mirjam arbeitet in seinem Geschäft und ist mit seinem besten Freund verlobt. Auch die beiden Alten gewöhnen sich trotz Umstellungsschwierigkeiten recht gut an die neue Umgebung. Wenn da nur nicht die nagende Erinnerung an Menuchim wäre, „immer wieder Menuchim“. Man plant, ihn endlich nachzuholen. Doch das Glück ist nicht von Dauer: Der erste Weltkrieg bricht aus. Jonas wird als verschollen gemeldet, Sam fällt als amerikanischer Soldat in Frankreich, auf die Nachricht von seinem Tode stirbt Deborah, und zu allem Unglück verfällt Mirjam der Schizophrenie. Mendel, der bislang sein hartes Leben in frommer stoischer Duldsamkeit ertragen hat, rebelliert nun gegen Gott. Er zündet ein Feuer an und spielt in einer berühmten „Szene ohnegleichen in der deutschen Literatur“ mit dem Gedanken, Gebetsriemen, Gebetsmantel und seine Gebetbücher zu verbrennen:
„Aus, aus, aus ist es mit Mendel Singer ... Er hat keinen Sohn, er hat keine Tochter, er hat kein Weib, er hat keine Heimat, er hat kein Geld. Gott sagt: Ich habe Mendel Singer bestraft. Wofür straft er, Gott? ... Mendel hat den Tod, Mendel hat den Wahnsinn, Mendel hat den Hunger, alle Gaben Gottes hat Mendel. Aus, aus, aus ist es mit Mendel Singer.“
Gefragt von den verstörten und hilflosen Freunden, was er denn verbrennen will, sagt er: „Gott will ich verbrennen.“ Von diesem Tag an betet Mendel nicht mehr, im Gegenteil, er rebelliert: „Mendel Singer ... war böse auf Gott“. Dann kommt die Nachricht vom Ende des Krieges. Ein Heimkehrer bringt eine Schallplatte mit, deren Titelmelodie, „Menuchims Lied“, Mendel verzaubert. Wieder und wieder hört er sie an, und eine langsame Veränderung durchdringt ihn: „Dennoch erschien Mendel seinen Freunden wie den Nachbarn in diesem Frühling verändert. Sie beobachteten manchmal, dass er ein Lied summte, und sie erhaschten ein sanftes Lächeln unter seinem weißen Bart“, so ein Auszug aus dem Roman.
An dem Tag, an dem sich traditionsgemäß die jüdische Erlösungshoffnung stärksten Ausdruck verschafft, am Pessachfest, ereignet sich schließlich das „Wunder“: Der Komponist jenes Liedes befindet sich mit seiner Kapelle auf einer Amerikatournee, lässt Mendel suchen
und gibt sich schließlich als geheilter Menuchim zu erkennen. Die Prophezeiungen des Wunderrabbi haben sich erfüllt. Der Sohn nimmt den Vater bei sich auf, auch die Möglichkeit einer Heilung Mirjams wird angedeutet, und das Buch endet mit einem Bild tiefen Friedens: „Mendel schlief ein. Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“
Zum besseren Verständnis möchte ich nun noch einen Vergleich zwischen Roths Biographie und seinem Roman und zwischen Roths Hiob und dem biblischen Hiob herzustellen. Zuerst zu den Parallelen zwischen der Biographie und dem Roman:
Am auffälligsten ist wohl der Ort der Handlung: Mendel lebt in Galizien, genauso wie Roth. Die Krankheit seiner Frau spiegelt sich in der Geisteskrankheit von Mirjam wieder. Roth wollte diese Krankheit – den Singers gleich – zuerst nicht wahrhaben und lässt daher nichts unversucht, um sie zu heilen. In ähnlicher Weise findet man diesen „Heilungswunsch“ auch im Roman. Hier schreibt Roth, dass die Singers alles unternehmen, um ihren Sohn Menuchim zu heilen. Die Mutter schreckt sogar vor der Fahrt zu einem Wunderrabbi nicht zurück, von dem sie sich die wundergleiche Heilung erhofft. Die gleiche Hoffnung erfüllt Roth, als er mit seiner Frau auf der Suche nach einem Arzt, der seiner Frau helfen könnte, durch Europa fährt, denn er lässt auch einen Wunderrabbi zu seiner Frau kommen. Wie schon erwähnt, wurde Roth von Selbstvorwürfen geplagt, die er in seinen Roman eingearbeitet hat.
Nun zum Vergleich zwischen Roths Hiob und dem biblischen Hiob: In der Bibel heißt es von Hiob: „Er war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse.“ Roth beschreibt Mendel Singer ebenfalls gleich im zweiten Satz: als „fromm und gottesfürchtig“. Schon diese Übereinstimmung im Wortlaut macht den Protagonisten – in unmittelbarer Fortsetzung des Romantitels – von Anfang an zur Hiob-Figur. Von Hiob heißt es jedoch im gleichen Bibelvers (Vers 8), es sei „seinesgleichen nicht auf Erden“. Auch hierauf bezieht sich der Romananfang, aber nur insofern, als er dieser Bestimmung im Hinblick auf Mendel Singer direkt widerspricht: Denn bei Mendel wird seine „Gewöhnlichkeit“ hervorgehoben und ausführlich erläutert, indem vom „schlichten Beruf“, vom fehlenden „Erfolg“, vom „unbedeutenden Wesen“, vom „gewöhnlichen Schwarz“ des Vollbarts die Rede ist: „Hunderttausende vor ihm hatten wie er gelebt und unterrichtet.“ Das entspricht dem Untertitel des Buches, „Roman eines einfachen Mannes“. Der große Hiob hat sich hier in einen jüdischen Jedermann verwandelt, der gleichwohl seine Würde hat und behält.
Roths Hiob-Figuren sind nicht wohlhabend wie der biblische Mann aus Uz, sondern Angehörige sozialer Randgruppen – ein kleinbürgerlicher Kriegsinvalide und ein orthodoxer Durchschnittsjude oder ostjüdischer Emigrant.
Der moderne Hiob bei Roth ist ein einfacher Mann, der seine Gedanken nicht ausdrücken kann, auch nicht seine rebellischen. Daher setzt er sie in symbolische Handlungen um, indem er den Gebetsriemen anlegt oder sich anschickt, Gebetsutensilien zu vernichten und so den biblischen Hiob parodiert. Er versucht zum Beispiel, Gott zu ärgern, „indem er in das italienische Viertel hinübergeht, um Schweinefleisch zu essen“, ferner indem er nicht betet, obwohl es ihn schmerzt. Eine fast kindliche, um nicht zu sagen kindische Verhaltensweise legt Mendel Singer an den Tag. Er ist zwar keineswegs der völlig statisch gezeichnete demütig-passive Dulder, aber die Rebellion hat für ihn einen geringeren Stellenwert als für sein biblisches Vorbild. Gleichwohl kommt der anfangs demütige Dulder an den Rand der Rebellion. Allerdings geht Mendel nicht den letzten Schritt und lässt sich noch eine Tür offen, indem er seine Gebetsutensilien, entgegen seiner ursprünglichen Absicht, nicht verbrennt.
Er besitzt nicht das intellektuelle Format und die geschulte Sprachmächtigkeit des biblischen Hiob, die diesen im Leiden wappnen, so dass er weder völlig schutz- noch ratlos seinen Schicksalsschlägen ausgesetzt ist. Mit solchen Kompetenzen kann sich Roths „einfacher Hiob“ nicht messen. Einfach erscheint er im Hinblick seiner sozialen Herkunft und seiner geistigen Fähigkeiten. Er kann sein Leiden nur unzulänglich zur Sprache bringen. Mendel repräsentiert den unscheinbaren, aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Juden. Er ist der Typus des zeitgenössisch orthodoxen heimatlosen Ostjuden galizischer Herkunft.
Ein weiterer Gesichtspunkt: Beim biblischen Hiob heißt es: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, gelobt sei der Name des Herrn“. Mendel hingegen wurde von Gott nicht mit unzähligen Gaben überschüttet wie der biblische Hiob. Mendel ging es von Anfang an schlecht. Später wird ihm das Wenige, was er besaß, nämlich seine Familie, auch noch genommen, was Mendel jedoch erst ruhig hinnimmt, weil er glaubt, dass ihm eines Tages Gerechtigkeit zuteil wird.
Der Protagonist in Roths Roman ist wohl vergleichbar, stimmt aber nicht völlig überein mit dem alttestamentarischen Hiob. Die Nähe von Roths Roman zur biblischen Vorlage ist unübersehbar. Die Sprache allerdings erinnert an die der Bibel. Sie ist einfach, schlicht, scheinbar naiv und bilderreich. Sie kennt formelhaft wiederkehrende Sätze und ist mitunter auch geradezu poetisch.
Abschließend möchte ich noch einen kleinen persönlichen Kommentar zu meinem Berichtthema „Hiob“ abgeben, da dieses Thema für mich selbst wie eine kleine „Hiobsgeschichte“ ist: Ein vielversprechender Anfang, nämlich das Thema. Dann das Niederschmetternde, nämlich das Buch, das ich zuerst unter die Kategorie „nicht lesenswert“ einordnen wollte, da es mich einfach nicht ansprach. Und dann der Schluss, bei dem sich alles zum Guten wendet. Durch Interpretationen, wie zum Beispiel von Georg Langenhorst, fielen mir die interessanten Parallelen zur Bibel und zur Biographie des Autors auf. Ich erkannte, dass dieses Hiob-Schicksal tatsächlich als Symbol für die Leidensgeschichte der Juden gedeutet werden kann. Jetzt würde ich sogar Heinrich Böll zustimmen, der 1956 in Bezug auf den Roman „Hiob“ meinte: Dies sei „wohl eines der schönsten Bücher, das zwischen den beiden Weltkriegen erschienen ist“.
Gerade im zu Ende gegangenen 20. Jahrhundert häuften sich die literarischen Auseinandersetzungen mit Hiob, dem Sinnbild für einen vom Schicksal geschlagenen Menschen. Insbesondere jüdische Dichter griffen auf Hiob zurück, um anhand seines Schicksals die Ungeheuerlichkeiten, die Juden immer wieder, vor allem aber im 20. Jahrhundert, zu erdulden und zu erleiden hatten, zur Sprache zu bringen.
Bevor ich zum Inhalt des Romans „Hiob“ von Joseph Roth komme, möchte ich auf die Biographie des Autors eingehen:
Joseph Roth wurde am 2. September 1894 im galizischen Brody geboren. Seinen Vater lernte er nie kennen. Von 1905 bis 1913 besuchte Roth das deutsche Gymnasium in Brody. Er war von Goethe, Schiller, Lessing und Hesse begeistert. 1913 zog er zusammen mit seiner Mutter nach Wien, wo er Germanistik und Philosophie studierte. Sein erstes Gedicht „Welträtsel“ wurde 1915 veröffentlicht. Zwischen 1916 und 1918 leistete Roth Kriegdienst in Galizien und veröffentlichte Gedichte und Feuilletons in Wiener und Prager Zeitungen. Der Krieg machte ihn zum Alkoholiker. Die materielle Unsicherheit durch seine Tätigkeit als Journalist und Schriftsteller, die Verzweiflung über die politische Entwicklung und die privaten Schicksalsschläge verstärkten seine Alkoholsucht. Seit 1919 verfasste er Beiträge für den linksliberalen „Neuen Tag“. Themen seiner Werke waren vor allem das Leben in Wien und der Niedergang der kaiserlichen und königlichen Monarchie. 1919 lernte Roth Friederike Reichler kennen, die er 1922 heiratete. 1923 begann er bei der „Frankfurter Zeitung“ als Feuilletonkorrespondent zu arbeiten. Nach einer Reportagereise in die Sowjetunion im Jahre 1926 wandte er sich zunehmend vom Sozialismus ab. 1928 erkrankte seine Frau an einer sich als unheilbar erweisenden Schizophrenie, die ab 1929 einen Aufenthalt in verschiedenen Nervenheilanstalten erforderte. Roth etablierte sich im Laufe seiner Arbeit als politisch engagierter, linksliberaler Journalist und Romancier. Weil er über die Sozialdemokratie enttäuscht war, ging er 1933 ins Exil nach Paris. In österreichisch-monarchischen Kreisen engagierte er sich gegen den Nationalsozialismus. Der verabscheuten Gegenwart setzte er in Romanen der 30er Jahre die geschichtslose, von Armee und Beamten verkörperte Ordnung der Monarchie entgegen. Seine Werke sind vom sozialistischen Engagement geprägt. Bei späteren Werken entwickelte sich Pessimismus und die Forderung nach Menschlichkeit. Am 27. Mai 1939 starb Joseph Roth in einem Pariser Armenhospital auf Grund seiner Alkoholsucht. Ein Jahr nach Roths Tod wurde seine Frau übrigens durch Nationalsozialisten ermordet.
Roths Werke, unter anderem: „Spinnennetz“ (1923), „Flucht ohne Ende“ (1927), „Zipper und sein Vater“ (1928), „Rechts und Links“ (1929), „Radetzkymarsch“ (1932), schildern in einer unfehlbaren Sprache die Tragik des Judentums. So auch sein wohl bekanntester Roman „Hiob“, der 1930 erschien und der Roth den lang ersehnten Erfolg brachte.
Roth schrieb seinen Roman „Hiob“ unter Einfluss vieler Probleme. Anfangs saß seine schwer gestörte Frau im Nebenzimmer. Später, als ein dauernder Anstaltsaufenthalt für sie notwendig wurde, machte er sich Vorwürfe, dass er nicht besser auf sie aufgepasst und mehr geliebt habe. Dies spiegelt sich auch im Roman wieder, als Mendel um seine verstorbene Frau trauert: „Weil nicht die Wärme der Liebe in uns war, sondern zwischen uns der Frost der Gewohnheit, starb alles rings um uns, verkümmerte alles und wurde verdorben.“ Zudem wurde Roth von akuten Geldsorgen geplagt. Trotz der finanziellen Unterstützung seiner Freunde und der gut bezahlten journalistischen Tätigkeit kann er kaum für die hohen Kosten, die die Pflege seiner Frau verursachen, aufkommen. In Briefen an seine Freunde, die oftmals als „Hiobsseufzer“ bezeichnet wurden, klagt er darüber. Ein weiteres Problem war der Alkoholismus. So sagte Roth selber, er hätte den zweiten Teil von Hiob nicht schreiben können, „ohne fast ununterbrochen zu trinken“. Er steckte zweifellos in einer schwierigen, wenn nicht sogar aussichtslos erscheinenden Lage. Zudem mag sich Roth zeitweise entwurzelt gefühlt und mit Hiob verglichen haben.
In Mendel Singer alias Hiob, dem Romanhelden, steckt sicherlich noch vieles von Roth selbst. Es gibt gewisse biographische Hintergründe oder Gemeinsamkeiten. Ein Blick auf die Biographie des Autors zeigt, wie sehr Roth diesen Roman eigenen Leiderfahrungen abgetrotzt hat. Er ist das „Zeugnis einer Lebenskrise“ (G. vom Hofe). Leidvoll erfahrene Existenz wirft aber Roth nicht nur auf sich selbst zurück und macht ihn nicht nur zeitweise zum gepeinigten Außenseiter, sondern befähigt ihn auch, diese Erfahrungen im Hiob-Roman literarisch zu gestalten.
In seinem Roman drücken sich auch seine Verbundenheit und heimliche Solidarität mit seiner Heimat und ihren jüdischen Menschen und die Verwurzelung in der osteuropäischen Kultur und Tradition aus, aber auch Kritik an der ostjüdischen Orthodoxie – Mendel erscheint reichlich engstirnig – und an der westlichen Zivilisation.
Schon ein Jahr nach dem Erscheinen des Romans wurde dieser ins Englische und Französische übersetzt, in Amerika als Buch des Monats gefeiert, in Paris und New York als Bühnenstück aufgeführt und 1939 bereits in Hollywood – wenn auch ziemlich frei – verfilmt. In Bezug auf die literarische Hiobsrezeption im 20. Jahrhundert, über die wir im anschließenden Referat genaueres erfahren werden, bildet der Roman einen frühen und Maßstäbe setzenden Höhepunkt. Joseph Roth erzählt die Geschichte des Mendel Singer in einer Sprache biblischer Direktheit, deren Thema die göttliche Heimsuchung und das sogenannte Wunder der göttlichen Gnade ist. Hierbei versucht Roth, die Frage nach dem Sinn des Leidens im Geist der Bibel zu beantworten; doch es ist die Antwort eines Skeptikers, dessen Leben Heimsuchung war, der die erlösende Gnade inbrünstig herbeisehnte, aber nicht an sie glauben konnte.
Nun aber zum Inhalt:
Mendel Singer, ein frommer, gottesfürchtiger und gewöhnlicher Jude, lebt in dem idyllischen Schtetl Zuchnow in Galizien und führt dort mit seiner Familie ein bescheidenes Leben als Dorflehrer. Doch die Ruhe in seinem Leben währt nicht lange, da er durch eine Kette harter Schicksalsschläge aus der Bedeutungslosigkeit seiner Existenz gerissen wird. Vorerst noch gläubig nimmt er demütig Unglück für Unglück als Prüfung Gottes hin. Der erste Schicksalsschlag erfasst ihn, als sein jüngster Sohn Menuchim als geistes- und entwicklungsgestörter Epileptiker geboren wird. Ein Wunderrabbi prophezeit der besorgten Mutter: „Menuchim, Mendels Sohn, wird gesund werden. Seinesgleichen wird es nicht viele geben in Israel. Der Schmerz wird ihn weise machen, die Hässlichkeit gütig, die Bitternis milde und die Krankheit stark.... Verlass deinen Sohn nicht, auch wenn er dir eine große Last ist, gib ihn nicht weg von dir“. Darauf folgt die Einberufung seines ältesten Sohnes Jonas zum Militär. Sein zweiter Sohn flieht nach Amerika, um so dem Kriegsdienst zu entgehen, nennt sich von nun ab „Sam“. Dann muss Mendel erkennen, dass sich seine Tochter Mirjam mit Kosaken einlässt, was für den strenggläubigen Juden der Inbegriff von Verworfenheit ist. Um Mirjams Liebschaften zu unterbinden und sie somit vor Schande zu retten, entschließen sich die Singers, nach Amerika auszuwandern. Diese Fahrt kann aber nur mit den Opfern durchgeführt werden, Jonas, den Berufssoldaten, und den kranken Menuchim bei Verwandten zurückzulassen. Menuchim bekommt als Kranker von den amerikanischen Einwanderungsbehörden keine Einreisegenehmigung. In Amerika scheint sich zunächst jedoch alles zum Guten zu wenden: Sam, sein zuerst ausgewanderter Sohn ist als Geschäftsmann erfolgreich, Mirjam arbeitet in seinem Geschäft und ist mit seinem besten Freund verlobt. Auch die beiden Alten gewöhnen sich trotz Umstellungsschwierigkeiten recht gut an die neue Umgebung. Wenn da nur nicht die nagende Erinnerung an Menuchim wäre, „immer wieder Menuchim“. Man plant, ihn endlich nachzuholen. Doch das Glück ist nicht von Dauer: Der erste Weltkrieg bricht aus. Jonas wird als verschollen gemeldet, Sam fällt als amerikanischer Soldat in Frankreich, auf die Nachricht von seinem Tode stirbt Deborah, und zu allem Unglück verfällt Mirjam der Schizophrenie. Mendel, der bislang sein hartes Leben in frommer stoischer Duldsamkeit ertragen hat, rebelliert nun gegen Gott. Er zündet ein Feuer an und spielt in einer berühmten „Szene ohnegleichen in der deutschen Literatur“ mit dem Gedanken, Gebetsriemen, Gebetsmantel und seine Gebetbücher zu verbrennen:
„Aus, aus, aus ist es mit Mendel Singer ... Er hat keinen Sohn, er hat keine Tochter, er hat kein Weib, er hat keine Heimat, er hat kein Geld. Gott sagt: Ich habe Mendel Singer bestraft. Wofür straft er, Gott? ... Mendel hat den Tod, Mendel hat den Wahnsinn, Mendel hat den Hunger, alle Gaben Gottes hat Mendel. Aus, aus, aus ist es mit Mendel Singer.“
Gefragt von den verstörten und hilflosen Freunden, was er denn verbrennen will, sagt er: „Gott will ich verbrennen.“ Von diesem Tag an betet Mendel nicht mehr, im Gegenteil, er rebelliert: „Mendel Singer ... war böse auf Gott“. Dann kommt die Nachricht vom Ende des Krieges. Ein Heimkehrer bringt eine Schallplatte mit, deren Titelmelodie, „Menuchims Lied“, Mendel verzaubert. Wieder und wieder hört er sie an, und eine langsame Veränderung durchdringt ihn: „Dennoch erschien Mendel seinen Freunden wie den Nachbarn in diesem Frühling verändert. Sie beobachteten manchmal, dass er ein Lied summte, und sie erhaschten ein sanftes Lächeln unter seinem weißen Bart“, so ein Auszug aus dem Roman.
An dem Tag, an dem sich traditionsgemäß die jüdische Erlösungshoffnung stärksten Ausdruck verschafft, am Pessachfest, ereignet sich schließlich das „Wunder“: Der Komponist jenes Liedes befindet sich mit seiner Kapelle auf einer Amerikatournee, lässt Mendel suchen
und gibt sich schließlich als geheilter Menuchim zu erkennen. Die Prophezeiungen des Wunderrabbi haben sich erfüllt. Der Sohn nimmt den Vater bei sich auf, auch die Möglichkeit einer Heilung Mirjams wird angedeutet, und das Buch endet mit einem Bild tiefen Friedens: „Mendel schlief ein. Und er ruhte aus von der Schwere des Glücks und der Größe der Wunder.“
Zum besseren Verständnis möchte ich nun noch einen Vergleich zwischen Roths Biographie und seinem Roman und zwischen Roths Hiob und dem biblischen Hiob herzustellen. Zuerst zu den Parallelen zwischen der Biographie und dem Roman:
Am auffälligsten ist wohl der Ort der Handlung: Mendel lebt in Galizien, genauso wie Roth. Die Krankheit seiner Frau spiegelt sich in der Geisteskrankheit von Mirjam wieder. Roth wollte diese Krankheit – den Singers gleich – zuerst nicht wahrhaben und lässt daher nichts unversucht, um sie zu heilen. In ähnlicher Weise findet man diesen „Heilungswunsch“ auch im Roman. Hier schreibt Roth, dass die Singers alles unternehmen, um ihren Sohn Menuchim zu heilen. Die Mutter schreckt sogar vor der Fahrt zu einem Wunderrabbi nicht zurück, von dem sie sich die wundergleiche Heilung erhofft. Die gleiche Hoffnung erfüllt Roth, als er mit seiner Frau auf der Suche nach einem Arzt, der seiner Frau helfen könnte, durch Europa fährt, denn er lässt auch einen Wunderrabbi zu seiner Frau kommen. Wie schon erwähnt, wurde Roth von Selbstvorwürfen geplagt, die er in seinen Roman eingearbeitet hat.
Nun zum Vergleich zwischen Roths Hiob und dem biblischen Hiob: In der Bibel heißt es von Hiob: „Er war fromm und rechtschaffen, gottesfürchtig und mied das Böse.“ Roth beschreibt Mendel Singer ebenfalls gleich im zweiten Satz: als „fromm und gottesfürchtig“. Schon diese Übereinstimmung im Wortlaut macht den Protagonisten – in unmittelbarer Fortsetzung des Romantitels – von Anfang an zur Hiob-Figur. Von Hiob heißt es jedoch im gleichen Bibelvers (Vers 8), es sei „seinesgleichen nicht auf Erden“. Auch hierauf bezieht sich der Romananfang, aber nur insofern, als er dieser Bestimmung im Hinblick auf Mendel Singer direkt widerspricht: Denn bei Mendel wird seine „Gewöhnlichkeit“ hervorgehoben und ausführlich erläutert, indem vom „schlichten Beruf“, vom fehlenden „Erfolg“, vom „unbedeutenden Wesen“, vom „gewöhnlichen Schwarz“ des Vollbarts die Rede ist: „Hunderttausende vor ihm hatten wie er gelebt und unterrichtet.“ Das entspricht dem Untertitel des Buches, „Roman eines einfachen Mannes“. Der große Hiob hat sich hier in einen jüdischen Jedermann verwandelt, der gleichwohl seine Würde hat und behält.
Roths Hiob-Figuren sind nicht wohlhabend wie der biblische Mann aus Uz, sondern Angehörige sozialer Randgruppen – ein kleinbürgerlicher Kriegsinvalide und ein orthodoxer Durchschnittsjude oder ostjüdischer Emigrant.
Der moderne Hiob bei Roth ist ein einfacher Mann, der seine Gedanken nicht ausdrücken kann, auch nicht seine rebellischen. Daher setzt er sie in symbolische Handlungen um, indem er den Gebetsriemen anlegt oder sich anschickt, Gebetsutensilien zu vernichten und so den biblischen Hiob parodiert. Er versucht zum Beispiel, Gott zu ärgern, „indem er in das italienische Viertel hinübergeht, um Schweinefleisch zu essen“, ferner indem er nicht betet, obwohl es ihn schmerzt. Eine fast kindliche, um nicht zu sagen kindische Verhaltensweise legt Mendel Singer an den Tag. Er ist zwar keineswegs der völlig statisch gezeichnete demütig-passive Dulder, aber die Rebellion hat für ihn einen geringeren Stellenwert als für sein biblisches Vorbild. Gleichwohl kommt der anfangs demütige Dulder an den Rand der Rebellion. Allerdings geht Mendel nicht den letzten Schritt und lässt sich noch eine Tür offen, indem er seine Gebetsutensilien, entgegen seiner ursprünglichen Absicht, nicht verbrennt.
Er besitzt nicht das intellektuelle Format und die geschulte Sprachmächtigkeit des biblischen Hiob, die diesen im Leiden wappnen, so dass er weder völlig schutz- noch ratlos seinen Schicksalsschlägen ausgesetzt ist. Mit solchen Kompetenzen kann sich Roths „einfacher Hiob“ nicht messen. Einfach erscheint er im Hinblick seiner sozialen Herkunft und seiner geistigen Fähigkeiten. Er kann sein Leiden nur unzulänglich zur Sprache bringen. Mendel repräsentiert den unscheinbaren, aus ärmlichen Verhältnissen stammenden Juden. Er ist der Typus des zeitgenössisch orthodoxen heimatlosen Ostjuden galizischer Herkunft.
Ein weiterer Gesichtspunkt: Beim biblischen Hiob heißt es: „Der Herr hat’s gegeben, der Herr hat’s genommen, gelobt sei der Name des Herrn“. Mendel hingegen wurde von Gott nicht mit unzähligen Gaben überschüttet wie der biblische Hiob. Mendel ging es von Anfang an schlecht. Später wird ihm das Wenige, was er besaß, nämlich seine Familie, auch noch genommen, was Mendel jedoch erst ruhig hinnimmt, weil er glaubt, dass ihm eines Tages Gerechtigkeit zuteil wird.
Der Protagonist in Roths Roman ist wohl vergleichbar, stimmt aber nicht völlig überein mit dem alttestamentarischen Hiob. Die Nähe von Roths Roman zur biblischen Vorlage ist unübersehbar. Die Sprache allerdings erinnert an die der Bibel. Sie ist einfach, schlicht, scheinbar naiv und bilderreich. Sie kennt formelhaft wiederkehrende Sätze und ist mitunter auch geradezu poetisch.
Abschließend möchte ich noch einen kleinen persönlichen Kommentar zu meinem Berichtthema „Hiob“ abgeben, da dieses Thema für mich selbst wie eine kleine „Hiobsgeschichte“ ist: Ein vielversprechender Anfang, nämlich das Thema. Dann das Niederschmetternde, nämlich das Buch, das ich zuerst unter die Kategorie „nicht lesenswert“ einordnen wollte, da es mich einfach nicht ansprach. Und dann der Schluss, bei dem sich alles zum Guten wendet. Durch Interpretationen, wie zum Beispiel von Georg Langenhorst, fielen mir die interessanten Parallelen zur Bibel und zur Biographie des Autors auf. Ich erkannte, dass dieses Hiob-Schicksal tatsächlich als Symbol für die Leidensgeschichte der Juden gedeutet werden kann. Jetzt würde ich sogar Heinrich Böll zustimmen, der 1956 in Bezug auf den Roman „Hiob“ meinte: Dies sei „wohl eines der schönsten Bücher, das zwischen den beiden Weltkriegen erschienen ist“.
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