Harry Potter und der Feuerkelch Testbericht

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Erfahrungsbericht von Anonym114

Potter-Pause

Pro:

spannende zweite Hälfte, Figuren werden weiter entwickelt

Kontra:

schwache erste Hälfte, weniger wäre mehr gewesen

Empfehlung:

Ja

Vor gut einem Monat hatte mir eine Freundin einen Stapel von Büchern in die Hände gedrückt: Harry-Potter Band 1-4, auf Deutsch allerdings. Ja, ich weiß, sprachlich ist es an sich besser, die Bände im englischen Original zu lesen. Doch man nimmt, was man kriegt. Welche Erfahrungen ich mit den ersten Teilen gemacht habe, dazu war hier ja schon einiges zu lesen. Nun also der vierte Teil von Joanne K. Rowlings Geschichten um den jungen Zauberer: Harry Potter und der Feuerkelch.

DIE FIGUREN:
Ein bißchen tue ich mich schwer, Harry Potter und Co ein viertes Mal vorzustellen. Aber jeder von den Charakteren durchlebt auch leichte Veränderungen. Und damit klar ist, von wem ich hier schreibe, will ich die Figuren mal kurz schildern.

HARRY POTTER:
Im vierten Band wird Harry 14. Er ist bei Tante, Onkel und Cousin aufgewachsen. Und auch zu Beginn dieses Buches verbringt er seine Schulferien in Hogwarts, wartet aber sehnsüchtig, dass er die letzten freien Wochen bei seinem besten Freund Ron Weasley und dessen Familie bleiben kann. Harry hat man in den ersten Schuljahren als durchschnittlichen Schüler, aber als guten Sportler und vor allem guten Zauberer kennen gelernt. Quasi als Baby war es ihm gelungen, dem bösen Zauberer Voldemort, von allen nur wegen seiner damals ungeheuren Boshaftigkeit und Macht nur Du-weißt-schon-wer genannt, zu besiegen. Seitdem hat er eine blitzförnige Narbe auf der Stirn. Dieser Blitz beginnt im vierten Teil höllisch zu brennen. Es scheint sich etwas in Sachen Voldemort anzubahnen.
Und dann ist da noch das Trimagische Turnier, ein Wettkampf zwischen drei Zaubererschulen. Eigentlich darf da nur je ein Schüler pro Schule im Alter von mindestens 17 Jahren teil nehmen . Doch ohne sein dazutun wird Harry vom Zauberkelch als vierter Schul-Champion aufgerufen. Für ihn bedeutet das eine große Gefahr. Denn bei früheren Turnieren sind immer wieder Teilnehmer zu Tode gekommen.
Und um die Sache noch schlimmer zu machen, kommt es zu einem schweren Streit mit Ron Weasley.

RON WEASLEY:
Ron und Harry kennen sich seitdem sie gemeinsam mit dem (Zauber-)Zug zum ersten Mal nach Hogwarts, in ihre Schule gefahren sind. Der rothaarige Ron ist der jüngste von sechs Brüdern, seine älteren Geschwister waren erfolgreich, haben der Familie als Schulsprecher und Vertrauensschüler Ehre eingebracht. Für Ron ist Harry soetwas wie ein weiterer Bruder, aber er beginnt in diesem Teil, auch neidisch auf ihn zu sein. Harry wurde wegen der Geschichte mit Du-weißt-schon-wer schon immer wieder von vielen als ein besonderer Junge angesehen. Jetzt, als Starter beim Trimagischen Turnier, scheinen ihm noch mehr Ruhm und Ehre zu winken. Ron fühlt sich einmal mehr zurück gesetzt. Doch die Freundschaft zwischen den beiden siegt natürlich.

HERMINE GRANGER:
In den ersten Teilen der Potter-Erzählung war sie, die dritte im Freundesbunde, vor allem die kluge, z.T. sogar altkluge Schülerin. Mit der Zeit hatte sich aber immer mehr gezeigt, dass sie für Harry und Ron im Notfall Fünfe grade sein läßt. Aber auch hier wirkt Hermine etwas nervig: Es geht um Hauselfen, die mit sklavischer Treue und ohne jede Bezahlung für ihre Dienstherren leben und arbeiten und keinerlei Rechte genießen. Für sie will Hermine nun einen Durchbruch erreichen und fällt damit auch den Freunden auf die Nerven.
Doch dann lernen die noch eine ganz andere Hermine kennen. Viktor Krum, bulgarischer Quidditsch (Zauberer-Sport-)-Nationalspieler, ebenfalls Schul-Champion und somit Harrys Gegner im Trimagischen Turnier, scheint für Hermine zu schwärmen, lädt sie zum Ball ein und sie ist der für ihn liebste Mensch, der während der zweiten Turnierrunde durch ihn befreit werden muss.

ALBUS DUMBLEDORE:
Der Schulleiter von Hogwarts, der Zauberschule, nimmt einmal mehr eine gewichtige Rolle ein. Er zeichnet sich durch einen besonderen Gerechtigkeitssinn aus und versucht, wann immer es ihm möglich ist, Harry zu schützen und zu unterstützen. Denn bereits in den ersten Bänden musste der junge Potter ja einige Gefahren überstehen.

MAD-EYE MALFOY:
Der frühere Ministeriumsmitarbeiter gilt als etwas verrückt. Doch aufgrund seiner großen Fähigkeiten (er hat zahlreiche schwarze Zauberer zur Strecke gebracht) hat Dumbledore ihn als Lehrer für die Verteidigung gegen die dunklen Künste angestellt. Er soll Harry in diesem Schuljahr besonders schützen, denn der Schulleiter ahnt, dass möglicherweise Gefahren drohen ...

SIRIUS BLACK:
Er war der beste Freund von Harrys verstorbenem Vater und ist Harrys schützender Patenonkel. Doch Sirius muss sich verstecken, da ihn die Zaubererwelt fälschlicherweise für einen Verbrecher hält. Per Eulenpost sind er und Harry aber in sehr engem Kontakt und auch Sirius versucht alles, um seinem Patensohn unter die Arme zu greifen.


MEINE MEINUNG ZU DEN CHARAKTEREN:
Es gelingt Joanne K. Rowling, die wichtigen Figuren auch in diesem Buch fort zu schreiben. Man lernt sie immer genauer kennen, erlebt ihre Weiterentwicklungen mit. Auch Harry und Ron beginnen für Mädchen zu schwärmen, Harry ist von Cho, einer Quidditsch-Spielerin angetan, Ron schwärmt für Fleur, die als Schul-Champion einer der anderen Schulen im Turnier antritt, scheint aber auch auf Hermine und Viktor eifersüchtig. Während Harry und Ron weitgehend positiv wirken, bin ich bei Hermine etwas unentschlossen. Denn mit ihrem Kampf für die Elfen nervt sie mich auch als Leserin ein Stück weit, mit ihrem Kampf für ihre Freunde sammelt sie wieder Sympathiepunkte.

ALLER ANFANG ...
... ist bei Joanne K. Rowling und ihren Potter-Bänden meist schwer. Im vierten Teil hat sie doppelt so viel geschrieben wie bisher. Bislang lag ihre Schwachstelle in der immer recht ähnlichen und irgendwie ermüdenden Darstellung, wie sich Harry innerhalb der Schulferien mit seinen Verwandten, den Dursleys, herum schlagen muss. Diesmal scheint es am Anfang etwas anders (und vielleicht besser zu zu gehen). Denn man erlebt, wie Voldemort und ein Diener (Wurmschwanz, der im dritten Teil entkommen war) die Wiederauferstehung
Voldemorts planen. Erst dann geht es zu Harry Potter, der das sich anbahnende Unheil in Form eines stechenden Schmerzes an seiner Narbe.
Weiter geht es dann mit einigem Hickhack zu den Quidditsch-Weltmeisterschaften, die geheim von den Menschen (Muggel genannt) ausgetragen werden und zu der zig tausende Zauberer aus aller Welt erscheinen. Dort gibt es dann einigen Trubel, denn so genannte Todesesser, Anhänger von Voldemort, sorgen für Aufruhr und es erscheint ein Totenschädel am Himmel, ebenfalls ein Zeichen für Du-weißt-schon-wer.
So kurz zusammen gefaßt, scheint das für jede Menge Spannung zu bürgen. Doch ich habe eher das Gefühl, dass Joanne K. Rowling ihre an sich sehr spannenden Ideen einfach lang und breit dargestellt hat und sie auf diese Weise etwas zäh wurden. So beginnt für mich die eigentliche Spannung erst nach gut 400 Seiten ...

DIE GESCHICHTE:
Zurück in Hogwarts werden Harry, Ron, Hermine und alle anderen Schüler darüber informiert, dass in diesem Jahr zum ersten Mal seit Ewigkeiten ein so genanntes Trimagisches Turnier statt finden soll. Drei Schüler von drei Zauberschulen müssen sich drei schwierigen und z.T. auch (lebens-)gefährlichen Prüfungen stellen. Hier wird es spannend. Denn Harry ist (gegen die ursprüngliche Regel) Teilnehmer Nummer vier, drei Jahre jünger als seine Gegner und hat dadurch wesentlich weniger Zaubererfahrung. Doch durch Tipps aus verschiedenen Richtungen kann Harry dann die Prüfungen recht gut bestehen.
Doch auch sonst tut sich einiges an der Schule. Eine neugierige Reporterin versucht sowohl Harry als auch das Zauberministerium mit fiesen Geschichten in die Enge zu treiben. Klar, dass Harrys schulischer Erzfeind Malfoy dort immer wieder Sticheleien und Schadenfreude walten lassen kann.
Doch dann kommt die letzte und entscheidende Runde des Trimagischen Turniers. Während die Starter der anderen Schulen relativ bald aus dem Rennen sind, geraten Harry und der zweite Starter von Hogwarts in eine tödliche Gefahr ...

MEINE MEINUNG ZUR GESCHICHTE:
Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte dieser Potter Band auch erst mit dem Beginn des Trimagischen Turniers los gehen können. Denn der Anfang des Romans ermüdet mich sehr. Dafür bleiben am Ende einige Fragezeichen bestehen. Es werden zwar kleine Geschichten zu Ende gebracht, so z.B. der Handlungsstrang um die neugierige Reporterin. Ein Schnitt gibt es auch wie gewohnt durch das Ende des Schuljahres. Doch andere Dinge wirken immer noch offen. Das ist zwar nicht schlimm, wenn man den nächsten Teil direkt im Regal stehen hat. Doch wenn man bedenkt, dass die meisten Potter-Fans darauf nun mehr als ein Jahr warten mussten ... so wirkt das Ende vom vierten Teil eher wie eine Unvollendete ... Klar, auch im wahren Leben lösen sich nicht alle Geschichten mit dem Ende eines Schul- oder Kalenderjahres auf. Dennoch scheint mir der Bruch hier sehr stark, erinnert mich eher an den Cliff-Hanger bei einer Serie ...

PREIS:
Ich hab es ja anfangs gesagt: Mir wurde Harry Potter geliehen. Von den ersten Bänden weiß ich, dass sie im Lade 14,50 Euro (Festeinband) und 40 Euro (Teil 1-4 )als Taschenbuch kosten sollen. Da der vierte Teil etwa so dick ist wie der erste und der zweite zusammen, glaube ich aber, dass er als Hardcover wohl bei 16,80 Euro liegt. Ich meine, ich hätte ihn zu dem Preis neulich gesehen.
Bei E-Bay die Potter-Bücher zu ersteigern, lohnt übrigens nicht unbedingt. Die Preise liegen dort meist etwa genauso hoch wie die im Laden. Und dazu muss man ja noch die Versandkosten tragen und erhält ein gebrauchtes Tuch in einem ungewissen Zustand, Daher lautet in Sachen Gebraucht-Potter mein Tipp auch weiterhin: Trödelmarkt.

FAZIT:
Der dritte Teil der Rowling-Romane (Harry Potter und der Gefangene von Askaban) hat mich bisher am meisten begeistert, dieser vierte Band (Harry Potter und der Feuerkelch) war für mich das bislang enttäuschendste der vier Bücher! Zu langsam geht die Geschichte los, zu sehr werden Details breit getreten und wirken dadurch uninteressant. Joanne K. Rowling hatte auch dieses Mal viele sehr gute Ideen. Doch die wirken bei ihr zunächst verschenkt. Gut möglich, dass ich vorzeitig aufgegeben hätte, wenn Harry und Co. mir durch die ersten Teile nicht schon ein Stück weit ans Herz gewachsen wären. Erst in der zweiten Hälfte kommt wirklich Spannung auf, das Buch entwickelt einen Sog und läßt einen nicht mehr so schnell los.
Mit dem Ende schafft sie einen guten Bogen zum nächsten Teil. Gut für diejenigen, die irgendwann die komplette Harry-Potter-Geschichte am Stück lesen können, schlecht für alle anderen, ... Für mich gibt es erst einmal Potter-Pause. Denn den fünften Band hab ich noch nicht vorliegen.
Insgesamt bin ich doch etwas enttäuscht, vergebe diesmal nur eine 2-.

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