Harry Potter und der Feuerkelch Testbericht
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Erfahrungsbericht von Greifenklaue
Harry Potter und die Kammer des Schreckens
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Hier also mein Outing! Nein, ich bin weder schwul noch bi (das wird ja eh mittlerweile toleriert). Nein, mein Eingeständnis ist viel unangenehmer und peinlicher, doch nach Monaten des Herumeierns, hier nun die entscheidenen Worte: JA, ich lese Harry Potter!
So, es ist raus! 25 Jahre und doch von so einem Werk fasziniert! Und ich muss sogar sagen, es ist nicht nur eine angenehme Abwechslung zum DSA-AD&D-Shadowrun-Einheitsbrei (gut, auch hier gibt es viele gute Werke, ich hab sie in letzter zeit allerdings erfolgreich umschifft), nein, Rowling entwickelt sogar gewisse Stärken, eine Kampagne aufzubauen. Aber dazu später mehr, kommen wir erstmal zum Inhalt.
Harrys zweites Schuljahr steht bevor, aber bis es beginnt, muss er noch eine quälend lange Zeit bei seinen Verwandten, den Dursleys, verbringen. Immerhin, seitdem sie wissen, dass er ein Zauberer ist, hat er ein eigenes Zimmer und muss nicht mehr in einem Schrank wohnen und Dudley, der Sohn, läßt ihn ebenfalls in Ruhe.
Aber dann wird der Waffenstillstand gebrochen... Onkel Vernon ist dabei, ein wichtiges Geschäft an Land zu ziehen – in seinem Wohnzimmer – und Harry soll einfach nur still sein. Doch als er ins Zimmer tritt, als der Besuch unten klingelt, ist sein Bett schon belegt. Ein Hauself namens Dobby hat sich darein gelümmelt und warnt Harry, nach Hogwarts zurückzukehren. Darauf will sich Harry natürlich nicht einlassen, aber Dobby ist fest entschlossen, ihn daran zu hindern. Nicht nur, dass er seine Briefe geklaut hat, er stürmt los, die Treppe hinab und verursacht pures Chaos.
Natürlich geht das Geschäft schief, die Dursleys sind sauer und zu allem Überfluß finden sie in den nun aufgetauchten Briefen den Hinweis, dass Zauberschüler in den Ferien nicht zaubern dürfen. Das trägt nicht gerade zur Verbesserung der Lage für Harry bei...
Zu seinem Glück schauen Ron und die Weasley-Zwillinge kurz darauf mit einem fliegenden Auto vorbei, um zu schauen, warum er denn nicht auf ihre Briefe antwortet. Kurz entschlossen nehmen sie ihn mit zu sich in den Fuchsbau, wo er gut müttlerlich von Mrs Weasley betreut wird und angenehme Ferien verbringt.
Doch die Schulzeit naht mit rasanten Schritten und ein Brief von Hogwarts offenbart einige Neuerungen. Der neue Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste wird der berühmte Gilderoy Lockhart, immerhin sieben Bücher sind von ihm zu kaufen, darunter Klassiker wie Gammeln mit Ghulen oder Wanderungen mit Werwölfen.
Also auf in die Winkelgasse per Flohpulver, leider ist Harry mit der ganzen Sache noch nicht so vertraut und landet stattdessen nebenan in der Nokturngasse, wo er eine unangenehme Begegnung mit seinem Erzfeind Draco Malfoy hat. Glücklicherweise findet ihn Hagrid und ein neues Schuljahr könnte eigentlich beginnen, wenn da nicht...
...ja wenn da nicht ein weiteres mysteriöses Geschehnis wäre. Die Weasleys sind schon auf dem Bahnsteig zu Gleis 9 dreiviertel, als Ron und Harry hinterherwollen und gegen eine Wand rennen. Der Schock ist groß – nun, Ron würde sicherlich einige Ferientage länger sicher verschmerzen können, aber Harry ist natürlich schon ganz heiß. Also wird sich Papas fahr (- und flug-) tauglichen Untersatz geschnappt und schon den ersten Ärger in Hogwarts eingehandelt. Immerhin, endlich da und endlich unsere Lieblingsstreberin hermine wiedergesehen...
Doch nur kurze Zeit nach Schulauftakt finden Angriffe auf sogenannte Schlammblüter, also Magier von Muggle-Eltern (Muggle = normale Menschen) und man vermutet, dass der Erbe Slytherins, der Gründer eines der vier Häuser Hogwarts, dahintersteckt. In seinen Gründertagen soll er eine geheime Kammer des Schreckens in Hogwarts bauen lassen haben, die nun wieder geöffnet worden ist.
Soweit der Inhalt, wenden wir uns jetzt den Schreibstil Rowlings zu.
Der Inhalt ist natürlich wenig ausgearbeitet – nehmen wir das magische Schachspiel aus dem ersten Teil (ich denke, wer es nicht kennt, kann es sich wenigstens ein wenig vorstellen). Das wird auf etwa einer halben seite beschrieben, ein R. A. Salvatore hätte da vermutlich gleich ein eigenes Buch draus gemacht... Zum einen ist das aber durchaus verständlich, schließlich hat sie ein ganzes Schuljahr zu überfliegen, zum anderen regt dieses kurze Beschreiben auch die Phantasie an. Natürlich wünscht man sich schon, das es stellenweise etwas mehr umschrieben ist, aber das ist wohl auch ein Tribut an ein Kinderbuch.
Im vorliegenden Werk beispielsweise finden sich neben Schulanfang, Schulende, dem ersten Quidditch-Spiel um den Hauspokal und den Winterferien eigentlich kein längeres Kapitel – so dass man auch recht schnell durch ist...
Nun zur Kampagnenstärke von Rowling: In Teil I wurden schon diverse Hinweise eingestreut, die nun hier erst eine Rolle spielen. Das ganze ist dabei recht geschickt angelegt. Selbst bei manch einem Zyklusautoren, der seine Werke in einem Zug hintereinanderweg schreibt, hat man oft das Gefühl, dass er in seinem vierten Werk eine Idee hatte und nachträglich nochmal im zweiten Band dazu was einfügt, was da aber eigentlich nicht mehr reinpasst. Bei rowling wirkt das aus einem Guß, vermutlich auch, weil sie eben diese Möglichkeit nicht hat und ihr Anfangskonzept VOR dem ersten Werk stand (also jedes der sieben Schuljahre in einem Werk zu beschreiben). Und Hinweise für Nummero 3, Der Gefangene von Askaban gibt es wieder einige.
Das ganze Werk läßt sich am ehesten als Kinderkrimi mit phantastischer Orientierung begreifen – daher fällt für mich übrigens auch der Vergleich zum Herrn der Ringe vollkommen weg. Tolkien ist GOTT und eines Vergleiches unwürdig. Trotzdem ist Rowlings Kammer des Schrecken ein sehr gutes Buch, phantasiereich, kreativ.
Wünschenswert,wenn so ein Buch es schafft, die Kiddies von Computer, Konsole und Fernseher wegzulocken und einem dem Lesen zuzuführen. Soetwas ist in puncto PISA auch dreimal nützlicher als irgendwelche Pseudoreformen. Natürlich mag ich den Kult, oder vielmehr den Medienhype, von Potter auch nicht, ABER unter diesem Aspekt kann ich damit zumindest abfinden.
Und wer weiß, wahrscheinlich wird das ein oder andere Kind neugierig und wagt sich an ein Buch wie „der kleine Hobbit“ oder den „Herrn der Ringe“ heran und findet zu einem obskuren Hobby wie Rollenspiel, das im Microchipzeitalter nur mit Bleistift, Papier und Würfel auskommt!
[Gebundene Ausgabe von Carlsen im Umfang von 352 Seiten geschrieben von Joanne K. Rowling zwischen 12 bis 15 Euro]
So, es ist raus! 25 Jahre und doch von so einem Werk fasziniert! Und ich muss sogar sagen, es ist nicht nur eine angenehme Abwechslung zum DSA-AD&D-Shadowrun-Einheitsbrei (gut, auch hier gibt es viele gute Werke, ich hab sie in letzter zeit allerdings erfolgreich umschifft), nein, Rowling entwickelt sogar gewisse Stärken, eine Kampagne aufzubauen. Aber dazu später mehr, kommen wir erstmal zum Inhalt.
Harrys zweites Schuljahr steht bevor, aber bis es beginnt, muss er noch eine quälend lange Zeit bei seinen Verwandten, den Dursleys, verbringen. Immerhin, seitdem sie wissen, dass er ein Zauberer ist, hat er ein eigenes Zimmer und muss nicht mehr in einem Schrank wohnen und Dudley, der Sohn, läßt ihn ebenfalls in Ruhe.
Aber dann wird der Waffenstillstand gebrochen... Onkel Vernon ist dabei, ein wichtiges Geschäft an Land zu ziehen – in seinem Wohnzimmer – und Harry soll einfach nur still sein. Doch als er ins Zimmer tritt, als der Besuch unten klingelt, ist sein Bett schon belegt. Ein Hauself namens Dobby hat sich darein gelümmelt und warnt Harry, nach Hogwarts zurückzukehren. Darauf will sich Harry natürlich nicht einlassen, aber Dobby ist fest entschlossen, ihn daran zu hindern. Nicht nur, dass er seine Briefe geklaut hat, er stürmt los, die Treppe hinab und verursacht pures Chaos.
Natürlich geht das Geschäft schief, die Dursleys sind sauer und zu allem Überfluß finden sie in den nun aufgetauchten Briefen den Hinweis, dass Zauberschüler in den Ferien nicht zaubern dürfen. Das trägt nicht gerade zur Verbesserung der Lage für Harry bei...
Zu seinem Glück schauen Ron und die Weasley-Zwillinge kurz darauf mit einem fliegenden Auto vorbei, um zu schauen, warum er denn nicht auf ihre Briefe antwortet. Kurz entschlossen nehmen sie ihn mit zu sich in den Fuchsbau, wo er gut müttlerlich von Mrs Weasley betreut wird und angenehme Ferien verbringt.
Doch die Schulzeit naht mit rasanten Schritten und ein Brief von Hogwarts offenbart einige Neuerungen. Der neue Lehrer in Verteidigung gegen die dunklen Künste wird der berühmte Gilderoy Lockhart, immerhin sieben Bücher sind von ihm zu kaufen, darunter Klassiker wie Gammeln mit Ghulen oder Wanderungen mit Werwölfen.
Also auf in die Winkelgasse per Flohpulver, leider ist Harry mit der ganzen Sache noch nicht so vertraut und landet stattdessen nebenan in der Nokturngasse, wo er eine unangenehme Begegnung mit seinem Erzfeind Draco Malfoy hat. Glücklicherweise findet ihn Hagrid und ein neues Schuljahr könnte eigentlich beginnen, wenn da nicht...
...ja wenn da nicht ein weiteres mysteriöses Geschehnis wäre. Die Weasleys sind schon auf dem Bahnsteig zu Gleis 9 dreiviertel, als Ron und Harry hinterherwollen und gegen eine Wand rennen. Der Schock ist groß – nun, Ron würde sicherlich einige Ferientage länger sicher verschmerzen können, aber Harry ist natürlich schon ganz heiß. Also wird sich Papas fahr (- und flug-) tauglichen Untersatz geschnappt und schon den ersten Ärger in Hogwarts eingehandelt. Immerhin, endlich da und endlich unsere Lieblingsstreberin hermine wiedergesehen...
Doch nur kurze Zeit nach Schulauftakt finden Angriffe auf sogenannte Schlammblüter, also Magier von Muggle-Eltern (Muggle = normale Menschen) und man vermutet, dass der Erbe Slytherins, der Gründer eines der vier Häuser Hogwarts, dahintersteckt. In seinen Gründertagen soll er eine geheime Kammer des Schreckens in Hogwarts bauen lassen haben, die nun wieder geöffnet worden ist.
Soweit der Inhalt, wenden wir uns jetzt den Schreibstil Rowlings zu.
Der Inhalt ist natürlich wenig ausgearbeitet – nehmen wir das magische Schachspiel aus dem ersten Teil (ich denke, wer es nicht kennt, kann es sich wenigstens ein wenig vorstellen). Das wird auf etwa einer halben seite beschrieben, ein R. A. Salvatore hätte da vermutlich gleich ein eigenes Buch draus gemacht... Zum einen ist das aber durchaus verständlich, schließlich hat sie ein ganzes Schuljahr zu überfliegen, zum anderen regt dieses kurze Beschreiben auch die Phantasie an. Natürlich wünscht man sich schon, das es stellenweise etwas mehr umschrieben ist, aber das ist wohl auch ein Tribut an ein Kinderbuch.
Im vorliegenden Werk beispielsweise finden sich neben Schulanfang, Schulende, dem ersten Quidditch-Spiel um den Hauspokal und den Winterferien eigentlich kein längeres Kapitel – so dass man auch recht schnell durch ist...
Nun zur Kampagnenstärke von Rowling: In Teil I wurden schon diverse Hinweise eingestreut, die nun hier erst eine Rolle spielen. Das ganze ist dabei recht geschickt angelegt. Selbst bei manch einem Zyklusautoren, der seine Werke in einem Zug hintereinanderweg schreibt, hat man oft das Gefühl, dass er in seinem vierten Werk eine Idee hatte und nachträglich nochmal im zweiten Band dazu was einfügt, was da aber eigentlich nicht mehr reinpasst. Bei rowling wirkt das aus einem Guß, vermutlich auch, weil sie eben diese Möglichkeit nicht hat und ihr Anfangskonzept VOR dem ersten Werk stand (also jedes der sieben Schuljahre in einem Werk zu beschreiben). Und Hinweise für Nummero 3, Der Gefangene von Askaban gibt es wieder einige.
Das ganze Werk läßt sich am ehesten als Kinderkrimi mit phantastischer Orientierung begreifen – daher fällt für mich übrigens auch der Vergleich zum Herrn der Ringe vollkommen weg. Tolkien ist GOTT und eines Vergleiches unwürdig. Trotzdem ist Rowlings Kammer des Schrecken ein sehr gutes Buch, phantasiereich, kreativ.
Wünschenswert,wenn so ein Buch es schafft, die Kiddies von Computer, Konsole und Fernseher wegzulocken und einem dem Lesen zuzuführen. Soetwas ist in puncto PISA auch dreimal nützlicher als irgendwelche Pseudoreformen. Natürlich mag ich den Kult, oder vielmehr den Medienhype, von Potter auch nicht, ABER unter diesem Aspekt kann ich damit zumindest abfinden.
Und wer weiß, wahrscheinlich wird das ein oder andere Kind neugierig und wagt sich an ein Buch wie „der kleine Hobbit“ oder den „Herrn der Ringe“ heran und findet zu einem obskuren Hobby wie Rollenspiel, das im Microchipzeitalter nur mit Bleistift, Papier und Würfel auskommt!
[Gebundene Ausgabe von Carlsen im Umfang von 352 Seiten geschrieben von Joanne K. Rowling zwischen 12 bis 15 Euro]
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