SV Werder Bremen Testbericht
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Auf yopi.de gelistet seit 08/2003
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Erfahrungsbericht von Tub_thumper
Grün-Weiße Tradition
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
Der SV Werder Bremen hält sich in dieser Saison aus meiner Sicht überraschend gut in der Liga. Nach den Abgängen von Dieter Eilts, Marco Bode, Frank Rost und Thorsten Frings musste die Mannschaft teilweise umgebaut werden.
Tor
Im Tor spielt der 24-jährige Pascal Borel. Borel ist somit Nachfolger von Frank Rost, den es zum FC Schalke gezogen hat. Er spielt bisher eine ganz ordentliche Saison für einen Debütanten. Bisher hat er sich recht wenig grobe Schnitzer geleistet. Das ist aus meiner Sicht ein Grund, weshalb das Team so gut in der Tabelle steht. Allerdings zeigen die Beispiele Jentsch(1860 München) oder Kampa(Nürnberg), dass ein junger Keeper zumindest eine Saison braucht um sich richtig zu akklimatisieren. Auch Borels Vorgänger Rost hat in seinen ersten Partien nicht sonderlich überzeugt.
Ersatzmann ist Jakub Wierzchowski. Er ist mit Hoffnung auf einen Stammplatz ins Team gerückt. Nachdem sich Trainer Schaaf jedoch für Borel entschieden hat, ist er lediglich ein Reservist.
Abwehr
Die Abwehr des SV Werder hat mit Frank Verlaat und Frank Baumann zwei wertvolle Stützen. Die beiden sind top was die Bundesliga betrifft. Daher kann sich der SV Werder auch einen eher unerfahrenen Spieler im Kasten leisten.
Der Ukrainer Viktor Skripnik ist in Bremen momentan gesetzt. In der letzten Saison sah es noch zunächst anders aus, aber starke Leistungen in der Rückrunde sorgten für eine Trendwende. Sein Hoheitsgebiet ist die linke Seite.
Den Platz des rechten Außenverteidigers nimmt Paul Stalteri ein. Der 24-jährige Kanadier ist ein Allrounder, der auch im Mittelfeld spielen kann.
Mladen Kristajic ist ein Neuzugang im Abwehrbereich. Der Jugoslawe gehört zur Stammelf. Zudem gehört der 28-jährige Defensivspezialist dem Kader der jugoslawischen Nationalmannschaft an.
Frank Verlaat bringt sehr viel Sicherheit in die Abwehr. Trotz seines Alters von 34 Jahren kann er immer noch eine gute Rolle in der Bundesliga spielen. Dies ist angesichts des unerfahrenen Borels auch von Nöten.
Zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft gehört Frank Baumann. Der 26-jährige Kapitän ist der Abräumer vor der Abwehr. Als Talent kam er vom 1.FC Nürnberg nach Bremen und dort ging er seinen Weg konsequent weiter. Für mich ist er ein Kandidat für die Elf 2006, weil er dann im richtigen Alter ist und über entsprechend gute Erfahrungen verfügen sollte. Neben seinen fußballerischen Qualitäten war er immer bereit Verantwortung zu übernehmen. Den Tiefschlag, dass sein verschossener Elfmeter gegen Freiburg zum Abstieg von Nürnberg geführt hatte, hat er schon lange überwunden.
Die Abwehr wird durch Stefan Blank, Ludovic Magnin, Mike Barten und Manuel Friedrich komplettiert. Friedrich wurden sogar Chancen auf einen Stammplatz gegeben. Allerdings riss er sich das Kreuzband im rechten Knie und wird zumindest die Vorrunde ausfallen. Der 22-jährige Verteidiger muss also schon gleich zu Beginn seiner Profikarriere eine schwierige Situation meistern.
Mittelfeld
Als Schaltzentrale zwischen Mittelfeld und Angriff fungiert Micoud. Der Franzose überzeugt alle immer wieder durch seine genialen Steilpässe auf die Stürmer. Ailton und Charisteas haben von den Ideen des Franzosen, der Ambitionen was die Nationalelf betrifft hat, profitiert.
Von dem Transfer Micouds profitierte auch Kristian Liztes. In seiner zweiten Saison für die Bremer ist er Ungar erfolgreich gestartet. Bereits vier Torvorlagen gehen auf sein Konto. In der letzten Saison war er noch alleiniger Spielmacher. Jetzt ist die Last von seinen Schultern genommen worden und er kann befreiter agieren. Taktisch spielt er defensiver als der Franzose.
Im defensiven Mittelfeld hat der SV Werder mit Fabian Ernst einen jungen bundesligaerfahrenen Spieler. Bislang spielt auch er eine gute Saison. Seine Aufgabe ist keine leichte, denn er spielt in der Rolle von Thorsten Frings. Zudem hat der 23-jährige Konkurrenz in Tim Borowski. Es ist die Stärke von Ernst aus der Tiefe zu kommen. Er kann neben der Position im Mittelfeld auch in der Abwehr spielen.
Neben den genannten stehen noch eine Reihe weiterer Spieler im Kader. Tim Borowski, Simon Rolfes, Christan Schulz, Razundra Tjikuzu, Marco Stier, Stefan Beckert, Ivica Banovic, Holger Wehlage und Marco Reich bilden die Reserve. Die Verpflichtung von Reich hat mich verwundert, weil der sich nach gutem Anfang in Kaiserslautern selbst beim Absteiger Köln nur als Bankdrücker auszeichnet. Ich denke, für das Talent wird es die letzte Chance sein, sich beweisen zu können. Tjikuzu muss sich erst wieder für die erste Mannschaft empfehlen. Nach diversen Eskapaden ist er in die Amateurmannschaft versetzt worden.
Sturm
Ein weiteres Prunkstück des SV Werder ist der Angriff. Ailton ist schon seit Jahren als guter Stürmer bekannt. Der Brasilianer besticht immer dann, wenn er Raum hat. Aufgrund seiner nicht gerade schlanken Figur wird er auch Kugelblitz genannt.
Neu im Sturm ist in diesem Jahr ist Charisteas. Der lange Grieche bildet mit Ailton ein gutes Sturmduo. Er hat seine Stärken im Kopfballspiel. Durch seine andere Orientierung passt er gut zu Ailton. Seine 5 Tore in 9 Spielen (24.10.02) zeigen, dass sich der Grieche gut in Bremen integriert hat. Nach dem Abgang von Pizzaro nach München im letzten Jahr haben die Bremer wieder ein erfolgversprechendes Sturmduo auf dem Platz stehen. Die 3 Millionen Euro Ablöse ist Charisteas wert, wenn er so weiterspielt.
Gegen die aktuelle Sturmformation haben Ivan Klasnic, Markus Daun und Blaise Mamoum kaum Chancen sich in Szene zu setzen. Der junge Daun hat jedoch das Potential, sich in den Vordergrund zu schieben. Das wäre dann wieder eine typische Geschichte a la Werder. Allerdings ist Daun vorerst nur von Bayer Leverkusen ausgeliehen.
Historie
Der Verein ist eng mit dem Namen Otto Rehhagel verbunden. Er führte den Verein zu nationalen und internationalen Titeln. Lage galt Rehhagel als ewiger zweiter, weil er in der Meisterschaft den Bayern unterlegen war und auch im Pokalfinale scheiterte.
Die erste Meisterschaft errang Bremen im Jahr 1965. Es war der zweite nationale Titel nach dem Pokal 1961. Als Rehhagel Trainer in Bremen war, gewannen die Bremer 1988 und 1993 den Titel. Zweimal wurde der Pokal 1991 und 1994 gewonnen. Der Supercup –damals noch das Duell zwischen Meister und Pokalsieger- gewannen die Bremer 1988, 1993 und 1994. Der größte Sieg des Vereins gelang auf internationaler Ebene mit dem Sieg im Europapokal der Pokalsieger 1992 durch ein 2:0 gegen den AS Monaco.
Unter Thomas Schaaf gewannen die Bremer 1999 nochmals den Pokal. Damit war der erste Erfolg nach Rehhagel vollbracht. Zudem gewannen die Bremer 1966, 1985 und 1991 die Amateurmeisterschaft.
Gerade was die Auftritte im internationalen Pokal betrifft, habe ich Werder Bremen als eine Mannschaft in Erinnerung, die Hinspielresultate durch leidenschaftlichen Kampf wieder umgebogen haben. 1997 drehten die Bremer ein 1:4 gegen Moskau im Rückspiel mit 6:2 nach Verlängerung um. Ein Jahr später verlor man 0:3 bei Dynamo Berlin und zog dann durch ein 5:0 doch noch in die nächste Runde ein. 1999 lag man ebenfalls mit 0:3 gegen Lyon zurück, doch ein 4:0 im Rückspiel bewahrte Bremen vor dem Aus. Genial war auch der Spielverlauf beim Championsleaguespiel 1993 gegen RSC Anderlecht. 0:3 lag man zur Pause zurück. In der 66. Minute schoss Bremen durch den Neuseeländer Wynton Rufer den ersten Treffer. Am Ende gewannen die Bremer mit 5:3. Das sind die Spiele, an die man sich nicht nur als Fan der Mannschaft noch jahrelang zurückerinnert... die sind einfach phänomenal und sorgen für ein gewisses Kribbeln. Wenn man einen Fußballfan verstehen will, dann muss man sich Spiele wie diese anschauen.
Beim SV Werder wurden einige Spieler groß. Der momentan wohl populärste ist Nationaltrainer Rudi Völler. Es gab jedoch noch eine Reihe von weiteren Spielern, die in den letzten 15-20 Jahren bei Werder zum Nationalspieler wurden: Oliver Reck, Karl-Heinz Riedle, Marco Bode, Dieter Eilts, Frank Baumann oder Thorsten Frings. Dazu spielten auch Ulrich Borowka, Manfred Burgsmüller, Frank Neubarth, Rudi Assauer, Thomas Schaaf, Mirko Votava, Mario Basler und Bernd Höttges im Verein.
Berühmte ausländische Spieler waren und sind: Ailton, Rune Bratseth, Andreas Herzog, Julio Cesar oder Claudio Pizarro.
Umfeld
Der SV Werder zeichnet sich dadurch aus, dass er keine Skandale hat. Es gab bisher keine Spieler, die auffällig waren. Stars wie Rudi Völler Marco Bode oder Dieter Eilts haben sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie auch im Erfolg auf dem Teppich geblieben sind. Selbst Mario Basler war zu Bremer Zeiten am ruhigsten (und wie ich finde am besten).
Das Präsidium arbeitet stets sachlich. Beim SV Werder sind keine Gehälter wie bei Großvereinen möglich. Daher ist die Nachwuchsarbeit immer ein wesentlicher Bestandteil in der Entwicklung gewesen. Es wurden eine Reihe von Talenten gekauft und diese wurden an der Weser zu kompletten Spielern. Die Transfers dieses Jahres zeigen einmal mehr die Kompetenz bei der Ausbildung. Zudem sind zwei ehemalige Bremer auf der Trainerbank der Bundesliga. Neben Thomas Schaaf erlebt Ex-Goalgetter Frank Neubarth seine erste Saison als Bundesligatrainer bei Schalke. Der Bremer Kultkeeper Oliver Reck ist bei Schalke Torwarttrainer.
Jürgen L. Born ist Vorsitzender des Gesamtvereins. Er hält sich (traditionell) weitestgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Für den Bereich Fußball ist Klaus Allofs verantwortlich. Er hat unter anderem den Transfer von Micoud an die Weser ermöglicht. Verantwortlicher Manager zur ganz großen Zeit Ende der 80-er/Anfang der 90-er war Willi Lemke. Er hat es damals verstanden die Mittel, die zur Verfügung standen, optimal einzusetzen. In der aktuellen Struktur hat er einen Sitz im Aufsichtsrat – wie übrigens sein Ex-Präsident Dr. Franz Böhmert. Diese Leute haben hinter den Kulissen dafür gesorgt, dass der Verein so gut steht wie er es momentan tut. Man ist kein Risiko eingegangen und hat immer vorbildlich gewirtschaftet. Das hat der SV Werder dank aktueller und ehemaliger Führungskräfte anderen Vereinen voraus.
Trainer Thomas Schaaf ist ein sehr nüchterner Mensch. Er ist in Interviews selten erregt und spiegelt eigentlich den Verein so wieder wie er ist: gute Arbeit und wenig Aufsehen. Er hat es geschafft, die Ära Rehhagel auch in den Köpfen zu beenden, indem er gezeigt hat, dass auch ein anderer Trainer Erfolg haben kann, obwohl die Situation in Bremen alles andere als optimal ist. Als Trainer in Bremen muss man damit leben, dass fertige Spieler weggekauft werden und zu besser gestellten Vereinen gehen. Spieler wie Marco Bode oder Dieter Eilts, die ihrem Verein von Anfang bis Ende der Profikarriere treu sind, sind äußerst selten. So muss er immer wieder neue Talente aufbauen und integrieren.
Eine herbe Enttäuschung ist für den Verein, dass in Bremen kein Spiel während der WM 2006 in Deutschland ausgetragen wird. Das Niedersachsenstadion in Hannover hat statt dessen den Zuschlag bekommen.
Fazit
Auch in dieser Saison hat der SV Werder wieder eine gute Truppe beisammen mit der der Verein um einen Platz in den internationalen Plätzen mitspielen kann. Ich halte Platz 3 (nach dem BVB und Bayern) bis Platz 6 für erreichbar. Unmittelbare Konkurrenten für Werder sind Schalke, Leverkusen, Hertha. Eine Überraschungsmannschaft kann den Bremern das Leben ebenfalls schwer machen. Die Bremer haben den Vorteil, ein gut harmonierendes Team zu haben. Micoud konnte schnell integriert werden ohne dass es Probleme mit dem ebenfalls spielstarken Liztes gibt. Zudem passt er mit seinen Pässen äußerst gut zu Ailton, dem Vorlagengeber von der Qualität nur recht sein können.
Insgesamt halte ich das Spielsystem von Bremen für sehr abgerundet und in sich stimmig. Das Umschalten von Abwehr auf Angriff gehört zu den herausragenden Qualitäten der Mannschaft. Die Defensive ist aus meiner Sicht Mittelmaß, denn es wurde ein junger Keeper ins kalte Wasser geschmissen, der erst seine Erfahrungen machen muss. Die Kampfstärke von Bremen halte ich für nicht ganz optimal. Werder fällt nicht durch überhartes Spiel auf, sondern es wird in der Regel diszipliniert zur Sache gegangen. Durststrecken der letzten Jahren zeigten jedoch, dass der Biss in Bremen nicht so ganz da ist. Wenn es läuft können sie jede Mannschaft schlagen. Läuft es jedoch nicht, dann gehen dumme Spiele verloren oder unentschieden aus wie das letzte in Hannover wo die Bremer eine 4:2 Führung verspielten und letztlich ein Unentschieden herauskam. Gerade der Fakt ist jedoch ausschlaggebend, wenn man einen Titel erringen will. Dortmund hat beispielsweise im letzten Jahr nicht durch eine überragende Spielkultur die Meisterschaft errungen, sondern durch den Willen zu siegen und nicht aufzugeben. Das fehlt den Bremern ein bisschen, auch wenn sie ab und an in der Lage sind, eine Wende herbeizuführen wie in den Europapokalspielen.
Als Defizit des SV Werder würde ich die Konstanz beurteilen. Wie in der vergangenen Saison auch können die Bremer relativ lange mit der Spitze mithalten, aber dann kommt eine Phase, in der sie zu viel auf die Konkurrenz verlieren. Daher ist eine Beurteilung des Saisonverlaufs schwierig. Kann man die Form konservieren ist bei optimalen Saisonverlauf auch ein Platz in der Champions League oder die Meisterschaft drin. Dafür müssen aber mehrere Dinge passen. Beim FC Bayern müsste es beispielsweise kriseln.
Was das Umfeld betrifft, wird es schwierig für den Verein sein, sich in der Zukunft ganz oben in der Tabelle zu etablieren. In Bremen geht es doch ein bisschen beschaulicher zu als in anderen Vereinen. Dazu gibt es viele Mannschaften (Hertha, Schalke, Dortmund, Bayern, Leverkusen), die mit wesentlich mehr Geld agieren können. Durch geschickte Einkäufe und gute Nachwuchsarbeit kann man dies sicherlich zu einem gewissen Teil kompensieren, andererseits wird an den Abgängen von Frings, Rost oder Pizarro deutlich, dass der Verein eigentlich eher weniger von der Meisterschaft träumen kann. Man kann sich allerdings als neutraler Zuschauer mit dem Verein gut identifizieren, weil es in Duellen gegen die großen der Liga immer ein Kampf David gegen Goliath gibt, den der SV Werder durchaus nicht selten gewinnt.
Danke für\'s Lesen, Tub_thumper
Tor
Im Tor spielt der 24-jährige Pascal Borel. Borel ist somit Nachfolger von Frank Rost, den es zum FC Schalke gezogen hat. Er spielt bisher eine ganz ordentliche Saison für einen Debütanten. Bisher hat er sich recht wenig grobe Schnitzer geleistet. Das ist aus meiner Sicht ein Grund, weshalb das Team so gut in der Tabelle steht. Allerdings zeigen die Beispiele Jentsch(1860 München) oder Kampa(Nürnberg), dass ein junger Keeper zumindest eine Saison braucht um sich richtig zu akklimatisieren. Auch Borels Vorgänger Rost hat in seinen ersten Partien nicht sonderlich überzeugt.
Ersatzmann ist Jakub Wierzchowski. Er ist mit Hoffnung auf einen Stammplatz ins Team gerückt. Nachdem sich Trainer Schaaf jedoch für Borel entschieden hat, ist er lediglich ein Reservist.
Abwehr
Die Abwehr des SV Werder hat mit Frank Verlaat und Frank Baumann zwei wertvolle Stützen. Die beiden sind top was die Bundesliga betrifft. Daher kann sich der SV Werder auch einen eher unerfahrenen Spieler im Kasten leisten.
Der Ukrainer Viktor Skripnik ist in Bremen momentan gesetzt. In der letzten Saison sah es noch zunächst anders aus, aber starke Leistungen in der Rückrunde sorgten für eine Trendwende. Sein Hoheitsgebiet ist die linke Seite.
Den Platz des rechten Außenverteidigers nimmt Paul Stalteri ein. Der 24-jährige Kanadier ist ein Allrounder, der auch im Mittelfeld spielen kann.
Mladen Kristajic ist ein Neuzugang im Abwehrbereich. Der Jugoslawe gehört zur Stammelf. Zudem gehört der 28-jährige Defensivspezialist dem Kader der jugoslawischen Nationalmannschaft an.
Frank Verlaat bringt sehr viel Sicherheit in die Abwehr. Trotz seines Alters von 34 Jahren kann er immer noch eine gute Rolle in der Bundesliga spielen. Dies ist angesichts des unerfahrenen Borels auch von Nöten.
Zum erweiterten Kader der Nationalmannschaft gehört Frank Baumann. Der 26-jährige Kapitän ist der Abräumer vor der Abwehr. Als Talent kam er vom 1.FC Nürnberg nach Bremen und dort ging er seinen Weg konsequent weiter. Für mich ist er ein Kandidat für die Elf 2006, weil er dann im richtigen Alter ist und über entsprechend gute Erfahrungen verfügen sollte. Neben seinen fußballerischen Qualitäten war er immer bereit Verantwortung zu übernehmen. Den Tiefschlag, dass sein verschossener Elfmeter gegen Freiburg zum Abstieg von Nürnberg geführt hatte, hat er schon lange überwunden.
Die Abwehr wird durch Stefan Blank, Ludovic Magnin, Mike Barten und Manuel Friedrich komplettiert. Friedrich wurden sogar Chancen auf einen Stammplatz gegeben. Allerdings riss er sich das Kreuzband im rechten Knie und wird zumindest die Vorrunde ausfallen. Der 22-jährige Verteidiger muss also schon gleich zu Beginn seiner Profikarriere eine schwierige Situation meistern.
Mittelfeld
Als Schaltzentrale zwischen Mittelfeld und Angriff fungiert Micoud. Der Franzose überzeugt alle immer wieder durch seine genialen Steilpässe auf die Stürmer. Ailton und Charisteas haben von den Ideen des Franzosen, der Ambitionen was die Nationalelf betrifft hat, profitiert.
Von dem Transfer Micouds profitierte auch Kristian Liztes. In seiner zweiten Saison für die Bremer ist er Ungar erfolgreich gestartet. Bereits vier Torvorlagen gehen auf sein Konto. In der letzten Saison war er noch alleiniger Spielmacher. Jetzt ist die Last von seinen Schultern genommen worden und er kann befreiter agieren. Taktisch spielt er defensiver als der Franzose.
Im defensiven Mittelfeld hat der SV Werder mit Fabian Ernst einen jungen bundesligaerfahrenen Spieler. Bislang spielt auch er eine gute Saison. Seine Aufgabe ist keine leichte, denn er spielt in der Rolle von Thorsten Frings. Zudem hat der 23-jährige Konkurrenz in Tim Borowski. Es ist die Stärke von Ernst aus der Tiefe zu kommen. Er kann neben der Position im Mittelfeld auch in der Abwehr spielen.
Neben den genannten stehen noch eine Reihe weiterer Spieler im Kader. Tim Borowski, Simon Rolfes, Christan Schulz, Razundra Tjikuzu, Marco Stier, Stefan Beckert, Ivica Banovic, Holger Wehlage und Marco Reich bilden die Reserve. Die Verpflichtung von Reich hat mich verwundert, weil der sich nach gutem Anfang in Kaiserslautern selbst beim Absteiger Köln nur als Bankdrücker auszeichnet. Ich denke, für das Talent wird es die letzte Chance sein, sich beweisen zu können. Tjikuzu muss sich erst wieder für die erste Mannschaft empfehlen. Nach diversen Eskapaden ist er in die Amateurmannschaft versetzt worden.
Sturm
Ein weiteres Prunkstück des SV Werder ist der Angriff. Ailton ist schon seit Jahren als guter Stürmer bekannt. Der Brasilianer besticht immer dann, wenn er Raum hat. Aufgrund seiner nicht gerade schlanken Figur wird er auch Kugelblitz genannt.
Neu im Sturm ist in diesem Jahr ist Charisteas. Der lange Grieche bildet mit Ailton ein gutes Sturmduo. Er hat seine Stärken im Kopfballspiel. Durch seine andere Orientierung passt er gut zu Ailton. Seine 5 Tore in 9 Spielen (24.10.02) zeigen, dass sich der Grieche gut in Bremen integriert hat. Nach dem Abgang von Pizzaro nach München im letzten Jahr haben die Bremer wieder ein erfolgversprechendes Sturmduo auf dem Platz stehen. Die 3 Millionen Euro Ablöse ist Charisteas wert, wenn er so weiterspielt.
Gegen die aktuelle Sturmformation haben Ivan Klasnic, Markus Daun und Blaise Mamoum kaum Chancen sich in Szene zu setzen. Der junge Daun hat jedoch das Potential, sich in den Vordergrund zu schieben. Das wäre dann wieder eine typische Geschichte a la Werder. Allerdings ist Daun vorerst nur von Bayer Leverkusen ausgeliehen.
Historie
Der Verein ist eng mit dem Namen Otto Rehhagel verbunden. Er führte den Verein zu nationalen und internationalen Titeln. Lage galt Rehhagel als ewiger zweiter, weil er in der Meisterschaft den Bayern unterlegen war und auch im Pokalfinale scheiterte.
Die erste Meisterschaft errang Bremen im Jahr 1965. Es war der zweite nationale Titel nach dem Pokal 1961. Als Rehhagel Trainer in Bremen war, gewannen die Bremer 1988 und 1993 den Titel. Zweimal wurde der Pokal 1991 und 1994 gewonnen. Der Supercup –damals noch das Duell zwischen Meister und Pokalsieger- gewannen die Bremer 1988, 1993 und 1994. Der größte Sieg des Vereins gelang auf internationaler Ebene mit dem Sieg im Europapokal der Pokalsieger 1992 durch ein 2:0 gegen den AS Monaco.
Unter Thomas Schaaf gewannen die Bremer 1999 nochmals den Pokal. Damit war der erste Erfolg nach Rehhagel vollbracht. Zudem gewannen die Bremer 1966, 1985 und 1991 die Amateurmeisterschaft.
Gerade was die Auftritte im internationalen Pokal betrifft, habe ich Werder Bremen als eine Mannschaft in Erinnerung, die Hinspielresultate durch leidenschaftlichen Kampf wieder umgebogen haben. 1997 drehten die Bremer ein 1:4 gegen Moskau im Rückspiel mit 6:2 nach Verlängerung um. Ein Jahr später verlor man 0:3 bei Dynamo Berlin und zog dann durch ein 5:0 doch noch in die nächste Runde ein. 1999 lag man ebenfalls mit 0:3 gegen Lyon zurück, doch ein 4:0 im Rückspiel bewahrte Bremen vor dem Aus. Genial war auch der Spielverlauf beim Championsleaguespiel 1993 gegen RSC Anderlecht. 0:3 lag man zur Pause zurück. In der 66. Minute schoss Bremen durch den Neuseeländer Wynton Rufer den ersten Treffer. Am Ende gewannen die Bremer mit 5:3. Das sind die Spiele, an die man sich nicht nur als Fan der Mannschaft noch jahrelang zurückerinnert... die sind einfach phänomenal und sorgen für ein gewisses Kribbeln. Wenn man einen Fußballfan verstehen will, dann muss man sich Spiele wie diese anschauen.
Beim SV Werder wurden einige Spieler groß. Der momentan wohl populärste ist Nationaltrainer Rudi Völler. Es gab jedoch noch eine Reihe von weiteren Spielern, die in den letzten 15-20 Jahren bei Werder zum Nationalspieler wurden: Oliver Reck, Karl-Heinz Riedle, Marco Bode, Dieter Eilts, Frank Baumann oder Thorsten Frings. Dazu spielten auch Ulrich Borowka, Manfred Burgsmüller, Frank Neubarth, Rudi Assauer, Thomas Schaaf, Mirko Votava, Mario Basler und Bernd Höttges im Verein.
Berühmte ausländische Spieler waren und sind: Ailton, Rune Bratseth, Andreas Herzog, Julio Cesar oder Claudio Pizarro.
Umfeld
Der SV Werder zeichnet sich dadurch aus, dass er keine Skandale hat. Es gab bisher keine Spieler, die auffällig waren. Stars wie Rudi Völler Marco Bode oder Dieter Eilts haben sich immer dadurch ausgezeichnet, dass sie auch im Erfolg auf dem Teppich geblieben sind. Selbst Mario Basler war zu Bremer Zeiten am ruhigsten (und wie ich finde am besten).
Das Präsidium arbeitet stets sachlich. Beim SV Werder sind keine Gehälter wie bei Großvereinen möglich. Daher ist die Nachwuchsarbeit immer ein wesentlicher Bestandteil in der Entwicklung gewesen. Es wurden eine Reihe von Talenten gekauft und diese wurden an der Weser zu kompletten Spielern. Die Transfers dieses Jahres zeigen einmal mehr die Kompetenz bei der Ausbildung. Zudem sind zwei ehemalige Bremer auf der Trainerbank der Bundesliga. Neben Thomas Schaaf erlebt Ex-Goalgetter Frank Neubarth seine erste Saison als Bundesligatrainer bei Schalke. Der Bremer Kultkeeper Oliver Reck ist bei Schalke Torwarttrainer.
Jürgen L. Born ist Vorsitzender des Gesamtvereins. Er hält sich (traditionell) weitestgehend aus der Öffentlichkeit heraus. Für den Bereich Fußball ist Klaus Allofs verantwortlich. Er hat unter anderem den Transfer von Micoud an die Weser ermöglicht. Verantwortlicher Manager zur ganz großen Zeit Ende der 80-er/Anfang der 90-er war Willi Lemke. Er hat es damals verstanden die Mittel, die zur Verfügung standen, optimal einzusetzen. In der aktuellen Struktur hat er einen Sitz im Aufsichtsrat – wie übrigens sein Ex-Präsident Dr. Franz Böhmert. Diese Leute haben hinter den Kulissen dafür gesorgt, dass der Verein so gut steht wie er es momentan tut. Man ist kein Risiko eingegangen und hat immer vorbildlich gewirtschaftet. Das hat der SV Werder dank aktueller und ehemaliger Führungskräfte anderen Vereinen voraus.
Trainer Thomas Schaaf ist ein sehr nüchterner Mensch. Er ist in Interviews selten erregt und spiegelt eigentlich den Verein so wieder wie er ist: gute Arbeit und wenig Aufsehen. Er hat es geschafft, die Ära Rehhagel auch in den Köpfen zu beenden, indem er gezeigt hat, dass auch ein anderer Trainer Erfolg haben kann, obwohl die Situation in Bremen alles andere als optimal ist. Als Trainer in Bremen muss man damit leben, dass fertige Spieler weggekauft werden und zu besser gestellten Vereinen gehen. Spieler wie Marco Bode oder Dieter Eilts, die ihrem Verein von Anfang bis Ende der Profikarriere treu sind, sind äußerst selten. So muss er immer wieder neue Talente aufbauen und integrieren.
Eine herbe Enttäuschung ist für den Verein, dass in Bremen kein Spiel während der WM 2006 in Deutschland ausgetragen wird. Das Niedersachsenstadion in Hannover hat statt dessen den Zuschlag bekommen.
Fazit
Auch in dieser Saison hat der SV Werder wieder eine gute Truppe beisammen mit der der Verein um einen Platz in den internationalen Plätzen mitspielen kann. Ich halte Platz 3 (nach dem BVB und Bayern) bis Platz 6 für erreichbar. Unmittelbare Konkurrenten für Werder sind Schalke, Leverkusen, Hertha. Eine Überraschungsmannschaft kann den Bremern das Leben ebenfalls schwer machen. Die Bremer haben den Vorteil, ein gut harmonierendes Team zu haben. Micoud konnte schnell integriert werden ohne dass es Probleme mit dem ebenfalls spielstarken Liztes gibt. Zudem passt er mit seinen Pässen äußerst gut zu Ailton, dem Vorlagengeber von der Qualität nur recht sein können.
Insgesamt halte ich das Spielsystem von Bremen für sehr abgerundet und in sich stimmig. Das Umschalten von Abwehr auf Angriff gehört zu den herausragenden Qualitäten der Mannschaft. Die Defensive ist aus meiner Sicht Mittelmaß, denn es wurde ein junger Keeper ins kalte Wasser geschmissen, der erst seine Erfahrungen machen muss. Die Kampfstärke von Bremen halte ich für nicht ganz optimal. Werder fällt nicht durch überhartes Spiel auf, sondern es wird in der Regel diszipliniert zur Sache gegangen. Durststrecken der letzten Jahren zeigten jedoch, dass der Biss in Bremen nicht so ganz da ist. Wenn es läuft können sie jede Mannschaft schlagen. Läuft es jedoch nicht, dann gehen dumme Spiele verloren oder unentschieden aus wie das letzte in Hannover wo die Bremer eine 4:2 Führung verspielten und letztlich ein Unentschieden herauskam. Gerade der Fakt ist jedoch ausschlaggebend, wenn man einen Titel erringen will. Dortmund hat beispielsweise im letzten Jahr nicht durch eine überragende Spielkultur die Meisterschaft errungen, sondern durch den Willen zu siegen und nicht aufzugeben. Das fehlt den Bremern ein bisschen, auch wenn sie ab und an in der Lage sind, eine Wende herbeizuführen wie in den Europapokalspielen.
Als Defizit des SV Werder würde ich die Konstanz beurteilen. Wie in der vergangenen Saison auch können die Bremer relativ lange mit der Spitze mithalten, aber dann kommt eine Phase, in der sie zu viel auf die Konkurrenz verlieren. Daher ist eine Beurteilung des Saisonverlaufs schwierig. Kann man die Form konservieren ist bei optimalen Saisonverlauf auch ein Platz in der Champions League oder die Meisterschaft drin. Dafür müssen aber mehrere Dinge passen. Beim FC Bayern müsste es beispielsweise kriseln.
Was das Umfeld betrifft, wird es schwierig für den Verein sein, sich in der Zukunft ganz oben in der Tabelle zu etablieren. In Bremen geht es doch ein bisschen beschaulicher zu als in anderen Vereinen. Dazu gibt es viele Mannschaften (Hertha, Schalke, Dortmund, Bayern, Leverkusen), die mit wesentlich mehr Geld agieren können. Durch geschickte Einkäufe und gute Nachwuchsarbeit kann man dies sicherlich zu einem gewissen Teil kompensieren, andererseits wird an den Abgängen von Frings, Rost oder Pizarro deutlich, dass der Verein eigentlich eher weniger von der Meisterschaft träumen kann. Man kann sich allerdings als neutraler Zuschauer mit dem Verein gut identifizieren, weil es in Duellen gegen die großen der Liga immer ein Kampf David gegen Goliath gibt, den der SV Werder durchaus nicht selten gewinnt.
Danke für\'s Lesen, Tub_thumper
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