Sagrada Familia Testbericht

Sagrada-familia
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  • Preis-Leistungs-Verhältnis:  sehr gut
  • Empfehlenswert:  ja

Erfahrungsbericht von maertens

Ein Wunderwerk in Stein

Pro:

gigantisches Bauwerk, interessante Architektur

Kontra:

etwas voll in der Hauptsaison

Empfehlung:

Ja

Seit 1882 im Bau und immer noch unvollendet ist die Kirche der Heiligen Familie (Temple de la Sagrada Familia) wohl Barcelonas Haupttouristenattraktion Nummer Eins und fehlt auf nahezu keiner Ansichtskarte. Grund ist die ungewöhnliche Architektur mit der Handschrift des berühmten Architekten Antonio Gaudi sowie ihre wechselvolle Geschichte. Und wo kann man schon die Baustelle eines solch gigantischen und faszinierenden Kirchenbauwerks aus erster Hand erleben.

Im Juni 2003 besuchte ich das Bauwerk das erste mal und ich war schlichtweg begeistert. Zwar wird mir der Zweck des Bauwerks wohl ewig ein Rätsel bleiben, aber vor den Erbauern habe ich großen Respekt. Nie habe ich zuvor ein Bauwerk gesehen, welches so großartig, mysteriös und interessant zugleich war.

Der Bau:

Steht man davor, stockt einem der Atem, blickt man die bereits stehenden Türmen empor. Sie sind bis zu 110 Meter hoch und auf Grund ihrer filigranen Schlankheit Fingern gleich. Das gesamte Bauwerk soll einmal 110 Meter lang und 45 Meter breit sein. 15.000 Menschen sollen darin Platz finden. Die noch nicht errichtete Hauptkuppel soll einmal 160 bis 170 Meter hoch ragen (die Angaben differieren...). Sie wäre damit das höchste Kirchenbauwerk der Welt.
Besonders an der älteren Ostfassade (Fassade der Geburt) sieht man keine scharfen Kanten, eine Menge Tiere und Fabelwesen in das Gebäude hineingearbeitet. Da sieht man Schnecken, Schildkröten, Schlangen, Tauben, Skorpione und Chamäleons, aber auch nicht näher zu definierende Fabelwesen. Überhaupt spielt die Natur, wie bei vielen Bauten Gaudís eine wichtige Rolle. Die Ostfassade wurde zuerst fertig. Sie besteht aus drei großen Portalen - einem großen Mitteltor und zwei kleineren Seitentoren und den vier Glockentürmen. Die Portale widmen sich den Themen Glaube, Liebe, Hoffnung. Das Portal der Liebe in der Mitte stellt plastisch Joseph, Maria, Jesus und Trompetenengel dar. Die Pfeiler bestehen aus gebündelten Palmwedeln. Besonders interessant fand ich die aus der Mitte am Giebel emporwachsende Zypresse, welche sich farblich sehr von dem warmen rötlichen Steinton der Türme abhebt. Auf ihr verteilt sitzen Tauben aus schneeweißem Marmor. Das Portal der Hoffnung besteht aus einer Nillandschaft, welche die Flucht nach Ägypten symbolisieren soll. Das Portal des Glaubens zeigt den predigenden Christus, Josef, Maria und einige Heiligenfiguren.
Die Nordfassade und die vier Passionstürme wurden 1954 - 67 vollendet. Hier zeichnete Bildhauer M. Subirach verantwortlich, der die Figuren am Nord- bzw. Passionsportal schuf. Die modernen Figuren sind vielen ein Dorn im Auge, da sie auf dem Standpunkt stehen, sie stören das Gesamtbild Gaudís besonders. Mir gefällt die Art und der Kontrast jedoch ausgesprochen gut.
Die Westfassade mit dem Portal des Leidens Christi steht kurz vor ihrer Fertigstellung. An der Westfassade sind bis auf weitere vier Türme keine runden Formen zu erkennen. Die Fassade wirkt pyramidenartig, gehalten wird diese Pyramide von sechs geneigten Säulen. Die Figuren welche man hier findet, sind modern und eckig bis kantig. Hauptschwerpunkt bildet der gekreuzigte Jesus. Auch hier zeichnete der Bildhauer Joseph Maria Subirach verantwortlich, frei nach Gaudís Entwürfen. Besonders beeindruckend: Jesus am Pfahl, wo er gegeißelt wurde sowie Maria, Johannes und römische Soldaten.
In der Krypta, welche noch im Stile klassischer Gotik ausgeführt wurde, fand der Architekt Antonio Gaudi, welcher am 10. Juni 1926 an den Folgen eines Unfalls mit einer Straßenbahn starb, seine letzte Ruhe. Ob es sich darin wohl gefühlt hätte, bleibt dahingestellt, denn die Krypta entspricht nun ganz und gar nicht seinem Stil. Als er am 3.11.1883 dort weitermachte, wo der erste Architekt (von F. de P. Villar y Lezano ) aufgehört hatte, gab es nicht mehr viel zu verändern. Villar war Anhänger eines langweiligen konventionellen Stils.
weiter Pläne:
Die noch nicht fertiggestellte Südfassade soll nach Vorstellungen Gaudis das Jüngste Gericht darstellen. Man darf gespannt auf die figurliche Ausführung sein. Auch hier sollen sich einmal vier 110 Meter hohe Türme erheben, wie an jeder Fassade, die zusammen die zwölf Apostel repräsentieren sollen. Dann fehlen noch Teile des Kirchenschiffes und die Hauptkuppel. Vor einer möglichen Fertigstellung des Projektes spricht man gegen 2027.

Lage/Öffnungszeiten/Preise:
Die Sagrada Familia befindet sich am nordöstlichen Rand des Stadtzentrums Barcelonas, lag ursprünglich sogar am Stadtrand der katalanischen Metropole. Sie ist gut mit der Metro, Linien L2 oder L5, Station Sagrada Familia, zu erreichen. Mit den Buslinen 19 - 33 - 34 - 43 - 44 - 50 – 51 kommt man ebenfalls gut hin, wie auch mit den Hop-on-Hop-off-Bussen.
Öffnungszeiten: Oktober bis März 9.00 – 18.00 Uhr
April bis September 9.00 – 20.00 Uhr
Man sollte auch wirklich zeitig dort sein, wenn man nicht in einer Schlange mit Hunderten anderen Touristen warten will. Zudem ist es am zeitigen Vormittag noch nicht so heiß, was das Vergnügen natürlich nicht schmälert. Trotzdem sollte man sich auf Menschenmassen aus aller Welt einstellen, von denen besonders die Sorte der „Ich zu sehen vor XYZ“-Fotografen besonders nervend ist. Vorsicht auch bei Leuten, die plötzlich ankommen und Euch etwas verkaufen wollen oder urplötzlich Gespräche mit Euch knüpfen wollen. Die haben einzig und allein den Zweck, Euch abzulenken und an Eure Geldbörse zu gelangen. Die dreisten Taschendiebe sind in Barcelona an fast jeder Straßenecke ziemlich aktiv, nach dem ersten (für den Taschendieb missglückten) Erlebnis wurden auch wir vorsichtiger.

Der Eintrittspreis beträgt regulär 8,00 Euro, es gibt zahlreiche Ermäßigungen. Empfehlenswert in diesem Zusammenhand die Barcelona-Card, mit welcher man nicht nur freie Fahrt mit allen öffentlichen Verkehrsmitteln hat, sondern auch zahlreiche Ermäßigungen bekommt.
Ich finde den Preis nicht überzogen, denn der Kirchenweiterbau finanziert sich ausschließlich aus Spenden und Eintrittspreisen. Das finde ich sehr vernünftig, eine willkürliche Verwendung von Kirchensteuermittel, die es in dieser Form wie in Deutschland in Spanien glücklicherweise nicht gibt, hielte ich für sehr bedenklich.
Der Eingang befindet sich gegenüber der Plaça Real de La Sagrada Familia, schon von weitem durch zahlreiche Verkaufskioske zu erkennen.
Zu sehen gibt es eine Menge. Man kann schweißgebadet, d.h. wenn man schwindelfrei ist, in den filigranen Türmen herumklettern, das Kirchenschiff im Bau betrachten, erlebt das Bauwert ganz nah. Die Türme an der Westfassade kann man per Fahrstuhl gegen Aufpreis „erfahren“. Im Untergeschoß findet man eine Ausstellung zur Geschichte des Baus mit zahlreichen Fotos und Exponaten.

Fazit:

Die Sagrade Familia ist ein unbedingtes Muss in Barcelona, nicht nur für Architekturfreaks. Das Bauwerk wird einem lange in der Erinnerung bleiben, denn etwas beeindruckenderes habe ich noch nicht gesehen. Von mir volle fünf Sterne!

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