Saw (DVD) Testbericht




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Auf yopi.de gelistet seit 11/2011
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Erfahrungsbericht von CiscoGianino
How fucked up is this?
Pro:
-
Kontra:
-
Empfehlung:
Ja
„How fucked up is this?“, fragt der amerikanische Trailer. Extrem abgefuckt – aber im positiven Sinne:
Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes) erwacht in einem heruntergekommenen Keller und muss feststellen, dass er an die Wand gekettet ist. Nachdem er das Licht eingeschaltet hat sieht er sich einem anderen Mann (Drehbuchautor Leigh Whannell) gegenüber, der auf der anderen Seite des Raumes festgekettet ist und sich als Adam ausgibt. Keiner von beiden weiß, wie er dorthin gekommen ist oder was er hier soll. Zwischen den Männern liegt in der Mitte des Zimmers eine Leiche, in der einen Hand ein Diktiergerät, in der anderen eine Pistole. Nach und nach beginnen die beiden herauszufinden, warum sie dort sind: Ein Irrer, der von der Polizei als „Jigsaw-Killer“ bezeichnet wird, treibt ein perverses Spiel mit ihnen. Innerhalb einer bestimmten Frist soll Dr. Gordon Adam töten, sonst tötet Jigsaw seine Frau und seine kleine Tochter.
Parallel dazu ermitteln die Cops gegen den Maniac, der seine Spielchen nicht zum ersten mal treibt...
Was sich jetzt vielleicht nicht so wahnsinnig spannend oder originell anhört, entpuppt sich als einer der besten und intelligentesten Filme des Jahres. James Wan, der zusammen mit Hauptdarsteller Leigh Whannell auch das Drehbuch schrieb, orientiert sich bei seinem Regiedebüt deutlich an den Filmen und dem Stil David Finchers, schafft es jedoch gänzlich auf eigenen Beinen zu stehen und kann sich so dem Vorwurf entziehen, bloß ein weiterer Werbefilmer-Epigone zu sein.
Von der Serial-Killer-Story erinnert „Saw“ bei oberflächlicher Betrachtung schon ein wenig an „Se7en“, entwickelt sich aus seiner Ausgangssituation heraus jedoch zu einem nervenzerfetzenden Kammerspiel aller erster Klasse. In Kunstvoll verschlungenen Rückblenden erzählt Wan seinen Film bis hin zu einem furiosen Finalen, gegen das der abgetrennte Kopf von Gwyneth Paltrow in einer Hutschachtel fast ein Witz ist.
Getragen wird der Film vor allem durch sein hervorragendes Ensemble: Cary Elwes (ja, den gibt’s wirklich noch) war vor Jahren in der Hauptrolle von Mel Brooks’ Robin-Hood-Persiflage „Men in Tights“ zu sehen und hat als eben dieser wohl den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Doch das sollte sich jetzt ändern: In „Saw“ ist er kaum wiederzuerkennen und spielt den Doc mit einer unglaublichen Intensität und derart unsympathisch, dass man ihn nur hassen kann – egal was er für ein schweres Schicksal ertragen muss. Als absoluter Widerpart steht ihm Leigh Whannell gegenüber, der als Adam immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und den Film mit einem großartig galligen Humor bereichert. Deutlich sympathischer angelegt als der Elwes-Charakter, offenbart sich seine dunkle Seite erst sehr spät.
Ebenfalls brillant ist Altstar Danny Glover als fanatischer Cop, der während des Films einen totalen Zusammenbruch erleidet und total fertig nur noch vor sich hinvegetiert. So heruntergekommen hat man den „Lethal Weapon“-Star wirklich noch nie gesehen...
Handwerklich ist James Wans Film einfach fantastisch: Die Kameraführung ist brillant, die Videoclip-Optik wirkt nie billig und aufgesetzt, sondern Wan weiß wie auch David Fincher absolut albtraumhafte Bilder zu komponieren. Dazu kommt ein hämmernder Industrial-Soundtrack, der zusammen mit einigen irren Schnitt-Stakkatos an die Filme von Sogo Ishii („Electric Dragon“) oder Shinya Tsukamoto („Tetsuo“) erinnert.
Auch wenn „Saw“ sich der Kritik stellen muss, streckenweise etwas überkonstruiert zu sein, was bei einem solchen Film allerdings kaum vermeidbar ist, funktioniert er doch vollkommen plausibel, was für die Zunft des Horrorfilms ja nicht gerade ein Selbstgänger ist.
„Saw“ ist mit Sicherheit kein schöner Film, denn er geht dorthin, wo es weh tut. Wan und Whannell komponierten perfektes Extremkino, das eine dauerhafte Atmosphäre paranoiden Terrors ausstrahlt, wie es sonst nur Klassikern wie Wes Cravens „A Nightmare on Elm Street“ gelingt.
In Rückblenden erzählt der Film von den perfiden Foltermethoden des Jigsaw-Killers, wie z.B. einer jungen Frau, die sich plötzlich in einem Raum wiederfindet und eine seltsame Apparatur auf dem Kopf trägt. Per Videobotschaft verkündet Jigsaw ihr nun, dass ihr Schädel innerhalb kürzester Zeit von der Höllenmaschine zerquetscht wird, wenn sie nicht den Schlüssel dafür findet. Er sagt ihr sogar, wo dieser sich befindet, allerdings muss sie dafür etwas tiefer gehen – der Schlüssel ist im Magen eines Mannes, der betäubt auf dem Boden liegt. Nur ein Messer und verdammt wenig Zeit – keine leichte Entscheidung...
Leicht macht James Wan es dem Zuschauer ohnehin zu keiner Sekunde – „Saw“ ist ein echter Nägelbeißer, der ähnlich wie „Se7en“ zwar nicht übermäßig blutig daherkommt, aber dennoch seine hammerharten Momente hat. Wenn jemand minutenlang beim verzweifelten Absägen seines eigenen Fußes beobachtet werden kann, um seiner misslichen Zwangslage zu entkommen, dann kann sich schon mal ein ungutes Gefühl beim Betrachter breit machen – von Fun-Splatter ist hier keine Spur, dafür gibt es den intelligentesten und originellsten Horrorfilm seit Jahren, der meiner Meinung nach sogar „Se7en“ in punkto Qualität locker hinter sich lässt.
Originaltitel: Saw
Produktionsland & -jahr: USA 2004
Regie: James Wan
Drehbuch: James Wan, Leigh Whannell
Musik: Charlie Clouser
Darsteller: Cary Elwes, Leigh Whannell, Danny Glover, Monica Potter, Tobin Bell, Michael Emerson, Dina Meyer
Dr. Lawrence Gordon (Cary Elwes) erwacht in einem heruntergekommenen Keller und muss feststellen, dass er an die Wand gekettet ist. Nachdem er das Licht eingeschaltet hat sieht er sich einem anderen Mann (Drehbuchautor Leigh Whannell) gegenüber, der auf der anderen Seite des Raumes festgekettet ist und sich als Adam ausgibt. Keiner von beiden weiß, wie er dorthin gekommen ist oder was er hier soll. Zwischen den Männern liegt in der Mitte des Zimmers eine Leiche, in der einen Hand ein Diktiergerät, in der anderen eine Pistole. Nach und nach beginnen die beiden herauszufinden, warum sie dort sind: Ein Irrer, der von der Polizei als „Jigsaw-Killer“ bezeichnet wird, treibt ein perverses Spiel mit ihnen. Innerhalb einer bestimmten Frist soll Dr. Gordon Adam töten, sonst tötet Jigsaw seine Frau und seine kleine Tochter.
Parallel dazu ermitteln die Cops gegen den Maniac, der seine Spielchen nicht zum ersten mal treibt...
Was sich jetzt vielleicht nicht so wahnsinnig spannend oder originell anhört, entpuppt sich als einer der besten und intelligentesten Filme des Jahres. James Wan, der zusammen mit Hauptdarsteller Leigh Whannell auch das Drehbuch schrieb, orientiert sich bei seinem Regiedebüt deutlich an den Filmen und dem Stil David Finchers, schafft es jedoch gänzlich auf eigenen Beinen zu stehen und kann sich so dem Vorwurf entziehen, bloß ein weiterer Werbefilmer-Epigone zu sein.
Von der Serial-Killer-Story erinnert „Saw“ bei oberflächlicher Betrachtung schon ein wenig an „Se7en“, entwickelt sich aus seiner Ausgangssituation heraus jedoch zu einem nervenzerfetzenden Kammerspiel aller erster Klasse. In Kunstvoll verschlungenen Rückblenden erzählt Wan seinen Film bis hin zu einem furiosen Finalen, gegen das der abgetrennte Kopf von Gwyneth Paltrow in einer Hutschachtel fast ein Witz ist.
Getragen wird der Film vor allem durch sein hervorragendes Ensemble: Cary Elwes (ja, den gibt’s wirklich noch) war vor Jahren in der Hauptrolle von Mel Brooks’ Robin-Hood-Persiflage „Men in Tights“ zu sehen und hat als eben dieser wohl den nachhaltigsten Eindruck hinterlassen. Doch das sollte sich jetzt ändern: In „Saw“ ist er kaum wiederzuerkennen und spielt den Doc mit einer unglaublichen Intensität und derart unsympathisch, dass man ihn nur hassen kann – egal was er für ein schweres Schicksal ertragen muss. Als absoluter Widerpart steht ihm Leigh Whannell gegenüber, der als Adam immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und den Film mit einem großartig galligen Humor bereichert. Deutlich sympathischer angelegt als der Elwes-Charakter, offenbart sich seine dunkle Seite erst sehr spät.
Ebenfalls brillant ist Altstar Danny Glover als fanatischer Cop, der während des Films einen totalen Zusammenbruch erleidet und total fertig nur noch vor sich hinvegetiert. So heruntergekommen hat man den „Lethal Weapon“-Star wirklich noch nie gesehen...
Handwerklich ist James Wans Film einfach fantastisch: Die Kameraführung ist brillant, die Videoclip-Optik wirkt nie billig und aufgesetzt, sondern Wan weiß wie auch David Fincher absolut albtraumhafte Bilder zu komponieren. Dazu kommt ein hämmernder Industrial-Soundtrack, der zusammen mit einigen irren Schnitt-Stakkatos an die Filme von Sogo Ishii („Electric Dragon“) oder Shinya Tsukamoto („Tetsuo“) erinnert.
Auch wenn „Saw“ sich der Kritik stellen muss, streckenweise etwas überkonstruiert zu sein, was bei einem solchen Film allerdings kaum vermeidbar ist, funktioniert er doch vollkommen plausibel, was für die Zunft des Horrorfilms ja nicht gerade ein Selbstgänger ist.
„Saw“ ist mit Sicherheit kein schöner Film, denn er geht dorthin, wo es weh tut. Wan und Whannell komponierten perfektes Extremkino, das eine dauerhafte Atmosphäre paranoiden Terrors ausstrahlt, wie es sonst nur Klassikern wie Wes Cravens „A Nightmare on Elm Street“ gelingt.
In Rückblenden erzählt der Film von den perfiden Foltermethoden des Jigsaw-Killers, wie z.B. einer jungen Frau, die sich plötzlich in einem Raum wiederfindet und eine seltsame Apparatur auf dem Kopf trägt. Per Videobotschaft verkündet Jigsaw ihr nun, dass ihr Schädel innerhalb kürzester Zeit von der Höllenmaschine zerquetscht wird, wenn sie nicht den Schlüssel dafür findet. Er sagt ihr sogar, wo dieser sich befindet, allerdings muss sie dafür etwas tiefer gehen – der Schlüssel ist im Magen eines Mannes, der betäubt auf dem Boden liegt. Nur ein Messer und verdammt wenig Zeit – keine leichte Entscheidung...
Leicht macht James Wan es dem Zuschauer ohnehin zu keiner Sekunde – „Saw“ ist ein echter Nägelbeißer, der ähnlich wie „Se7en“ zwar nicht übermäßig blutig daherkommt, aber dennoch seine hammerharten Momente hat. Wenn jemand minutenlang beim verzweifelten Absägen seines eigenen Fußes beobachtet werden kann, um seiner misslichen Zwangslage zu entkommen, dann kann sich schon mal ein ungutes Gefühl beim Betrachter breit machen – von Fun-Splatter ist hier keine Spur, dafür gibt es den intelligentesten und originellsten Horrorfilm seit Jahren, der meiner Meinung nach sogar „Se7en“ in punkto Qualität locker hinter sich lässt.
Originaltitel: Saw
Produktionsland & -jahr: USA 2004
Regie: James Wan
Drehbuch: James Wan, Leigh Whannell
Musik: Charlie Clouser
Darsteller: Cary Elwes, Leigh Whannell, Danny Glover, Monica Potter, Tobin Bell, Michael Emerson, Dina Meyer
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