Schadowstraße Testbericht

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Erfahrungsbericht von Gemeinwesen

Düsseldorfs quirlige Einkaufsstraße

Pro:

- siehe Text -

Kontra:

- siehe Text -

Empfehlung:

Ja

Ortsfremde sprechen den Namen der Schadowstraße zuweilen falsch aus. Dabei verdankt die Einkaufsstraße ihren Namen nicht Zauberer Gandalfs treuem Pferd Shadowfax oder anderem Besuch aus dem englischsprachigen Ausland, sondern dem Maler Friedrich Wilhelm von Schadow (* 6. September 1788 in Berlin; † 19. März 1862 in Düsseldorf), der 1826 zum Direktor der Düsseldorfer Kunstakademie berufen wurde und einer der Gründer der so genannten Düsseldorfer Malerschule war.



München hat die Maximilianstraße, Hamburg die Mönckebergstraße, Berlin hat die Friedrichstraße und Frankfurt hat die Zeil. Jede größere Stadt hat eine Einkaufsstraße, und wenn die nur lang, schön oder sonst wie bemerkenswert genug ist, verpasst man ihr im alltäglichen Sprachgebrauch auch schon mal einen bestimmten Artikel: Das ist die Einkaufsstraße. Das „i“ in „die“ spricht man dann ganz, ganz lang, und dabei jubelt man die eigene Stimme noch in die nächst höhere Oktave.

Natürlich hat auch Düsseldorf, nordrheinwestfälische Landeshauptstadt, Klein-Paris (Napoleon Bonaparte) und „Schreibtisch des Ruhrgebiets“, eine Einkaufsstraße mit einem ganz langen „i“. In Düsseldorf heißt sie „Königsallee“ und wird im Allgemeinen mit langem „ö“ gesprochen. Der Rest fällt dafür umso kürzer aus, denn meist wird die Königsallee schlicht auf „die Kö“ verknappt. Die wird in bunten Werbebroschüren gern auch als „Prachtbouvelard“ oder „mondäne Einkaufsmeile“ apostrophiert, und wer „Schadow“ wie „Shadow“ ausspricht, glaubt wahrscheinlich auch, Otto Normaldüsseldorfer erledige auf der Kö seine alltäglichen Besorgungen. Das ist gleich in mehrfacher Hinsicht ein Irrglaube: Zum einen trifft man in Düsseldorf auf vergleichsweise viele Zugereiste, die vergleichsweise wenigen gebürtigen, alteingesessenen Düsseldorfern gegenüberstehen. Die haben ihren Lebensmittelpunkt aber natürlich meist nicht mittenmang in der City, sondern in „ihrem“ Stadtteil. Und wenn sie sich auf der Kö blicken lassen, dann wahrscheinlich eher, um dabei zuzusehen, wie andere Besorgungen machen, die für die vielleicht wirklich ganz alltäglich sind.

Seine eigenen Einkäufe wird er, so denn nicht in seinem Kiez, aber wohl eher an der Peripherie der Luxusmeile (noch eine dieser Worthülsen) erledigen. Dazu gehört auch die Schadowstraße, durch deren Ader der innerstädtische Verkehr zwischen den im Nordosten anschließenden Stadtvierteln Flingern und Düsseltal und der Innenstadt fließt. Wer der Schadowstraße Richtung City folgt, stößt auf das obere Ende der Kö (den Wagen hat man am besten vorher im Parkhaus abgestellt, denn ab dem belebten Verkehrsknoten Punkt Jan Wellem-Platz geht’s auf der Schadowstraße nur noch für Fußgänger voran), in der entgegengesetzten Richtung wird die Schadowstraße durch die im rechten Winkel querende Kölner Straße begrenzt, die als weitere wichtige Verkehrsader den Norden Düsseldorfs an den Hauptbahnhof anbindet. Schon in diesen Ausführungen wird sicherlich deutlich: Die Schadowstraße ist mittenmang in Düsseldorf, und entsprechend umtriebig und quirlig geht es dort auch zu – insbesondere an verkaufsoffenen Samstagen oder während der großen Schlussverkäufe, die zusätzlich zu Ur- wie Wahl-Düsseldorfern regelmäßig Busladungen an Tagesgästen aus dem Umland in die Einkaufsstadt locken; die Nähe zur niederländischen Grenze tut ihr Übriges.

Das Herz der Schadowstraße schlägt dort, wo sie auf die Jacobistraße trifft. Die Kreuzung im Schatten der beiden großen, vis-à-vis gelegenen Warenhäuser „Kaufhof“ und „Karstadt“ ist Haltestelle für verschiedene Linien der Düsseldorfer Straßenbahn; folgt man der Jacobistraße in Richtung Norden, stößt man auf die nur einen Steinwurf entfernten Ausleger der Parkanlage „Hofgarten“, die zu ausgedehnten Spaziergängen einlädt. Wem der Magen knurrt, der findet an in unmittelbarer Kreuzungsnähe ein Restaurant der Steakhauskette „Maredo“, auch eine Filiale von „Mc Donald’s“ ist nicht weit. Wem der Sinn eher nach einem Glas Bier steht, der ist gut beraten, dem Straßenverlauf etwa zehn Minuten in Richtung Norden zu folgen, bis aus der Schadowstraße der Werhahn wird. Zur Linken liegt nämlich mit dem Bierlokal „Frankenheim“ eine der namhafteren Hausbrauereien der Stadt. Man sitzt an blank gescheuerten Holztischen, und wenn der Betrieb inzwischen auch nicht mehr in Familienbesitz ist (die Brauerei Warsteiner erwarb die Mehrheit an Frankenheim), kommt die Düsseldorfer Spezialität Altbier hier doch frisch wie eh und je in den 0,2l-Becher.

Die kulinarischen Eckpunkte „McDonald’s“ und „Maredo“ machen aber wohl deutlich, dass die Attraktivität der Schadowstraße nicht so sehr kulinarischer Natur ist; und auch in städtebaulicher bzw. architektonischer Hinsicht ist die von Nachkriegs-Zweckbauten gesäumte Schadowstraße sicherlich kein Muss. Die Schadowstraße ist in erster, zweiter und auch dritter Linie eine Einkaufsstraße. Wer Glamour erwartet, wird aber wohl enttäuscht sein und seine Schritte wieder Richtung Kö wenden. Faustregel: Mit abnehmender Kö-Nähe nimmt auch der Chic der Läden ab, am stadtauswärts gelegenen Ende, an dem die Straße in den Werhahn mündet, finden sich inzwischen nur noch die allgegenwärtigen Imbisse, die unvermeidliche Filiale vom preisberühmt-berüchtigten Drogerie-Discounter und andere x-beliebige Läden, die sich auch in anderen Städten zuhauf finden. Das etwa auf halbem Weg gelegene Karstadt-Haus wartet aber, das sei an dieser Stelle nicht verschwiegen, unter anderem mit einer überaus gut sortierten Lebensmittel- und Feinkostabteilung auf.

Die in den 90er Jahren mit Pomp and Circumstance eröffneten Schadow-Arkaden am oberen, Kö-nahen Ende der Straße sind gewissermaßen das genaue Gegenteil: Hier regieren Chic und Chichi, und wer den Shopping-Euro mit leichter Hand gegen Fashionables tauschen möchte, wird hier gewiss fündig werden (natürlich kann man sich auch einfach vor Regenschauern in die mehrstöckige Arkade retten, ohne etwas zu kaufen). Das Sortiment der traditionsreichen Droste-Buchhandlung, die ihren Standort pünktlich zur Eröffnung in die Schadow-Arkaden verlagerte, hat unter dem Ortswechsel leider gelitten – um die Mieten in den Arkaden zahlen zu können, ist es wahrscheinlich nötig, der Laufkundschaft vor allem die für so genannte Boulevardbuchhandlungen typische Mischung aus Modernem Antiquariat und Bestsellern zu bieten. Im Souterrain versteckt sich dafür ein Supermarkt, in dem Kö-Banker, Juweliere und Otto Normalverbraucher mal eben in der Mittagspause Joghurt mit Aloe Vera oder die Mortadella mit Gesicht erstehen können.


R e s ü m e e

Auf der Schadowstraße, eine von Düsseldorfs wichtigsten innerstädtischen Verkehrsadern, reiht sich Geschäft an Geschäft. Ob Gebrauchsgut oder Verbrauchsgut, ob schneller Imbiss oder ausgedehntes Schuh-Shopping – die Schadowstraße bietet so ziemlich alles, was der Mensch braucht oder doch wenigstens brauchen könnte. Am oberen, eleganteren Teil Straße laden die mehrgeschossigen Schadow-Arkaden zum Flanieren ein, am unteren Teil beherrschen Billigläden das Straßenbild. Die etwa auf halber Höhe der Straße gelegenen großen Warenhäuser der Metro-Tochter Kaufhof einerseits und Karstadt andererseits sind Magneten fürs Shoppingpublikum, gleichzeitig bilden sie so etwas wie die Demarkationslinie zwischen dem vergleichsweise eleganteren Teil der Schadowstraße zwischen Königsallee und Tonhallenstraße und dem leicht abgestoßen wirkenden unteren Teil zwischen Tonhallenstraße und Kölner Straße.

Während die ungleich bekanntere „Kö“ ein Pflaster für Gutbetuchte und „Sehleute“ ist, bietet die Schadowstraße eher bodenständiges Shopping-Ambiente. Die mehrstöckige Arkade „Seven’s“ auf der Kö bietet übrigens, wie auch der Kaufhof auf der Schadowstraße, eine Filiale des auf Unterhaltungselektronik spezialisierten Marktes „Saturn“ – die Preise der beiden Häuser miteinander zu vergleichen, kann, wie unschwer zu erahnen sein dürfte, durchaus lohnenswert sein. Städtebaulich hat die Schadowstraße nichts zu bieten, das der Erwähnung wert wäre. Wer aus der Innenstadt kommend die Schadowstraße an der Kreuzung mit der Jacobistraße verlässt und sich nach links wendet, erreicht nach wenigen Metern einen Ausleger des großzügig angelegten Hofgartens; die stets etwas hochgestochen wirkende Künstlergaststätte „Malkasten“ sowie das weitaus uriger wirkende Lokal „Zum Hirschchen“ (sehr zu empfehlen) sind ebenfalls in Gehweite (oder wahlweise durch Kurzstreckenfahrt mit der Tram zu erreichen, die in Düsseldorf Straßenbahn heißt).

44 Bewertungen, 11 Kommentare

  • Lucia007

    30.10.2007, 08:10 Uhr von Lucia007
    Bewertung: sehr hilfreich

    Düsseldorf habe ich immer für laut, natur-los, architektonisch brutal und voll mit reichen, hektischen Schnöseln gehalten. Aber man kann seine Meinung ja ändern...

  • Dr_Ed

    29.10.2007, 03:27 Uhr von Dr_Ed
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich merke gerade, dass ich schon ewige Zeiten nicht mehr in der Düsseldorfer Innenstadt war...

  • olsenbande

    14.10.2007, 12:57 Uhr von olsenbande
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr interessant

  • sindimindi

    14.10.2007, 01:32 Uhr von sindimindi
    Bewertung: sehr hilfreich

    Der Maler ist mir ein Begriff - in Deutschlands größtem Dorf war ich aber leider noch nicht...;-)

  • panico

    10.10.2007, 13:42 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    Wenn ich mich recht erinnere war ich in den Schadow-Arkaden schon gewesen,ist aber schon `ne Weile her.... lg panico:-)

  • Wegeno

    09.10.2007, 10:15 Uhr von Wegeno
    Bewertung: sehr hilfreich

    ...::: Gruß Werner :::...

  • Puenktchen3844

    08.10.2007, 02:00 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gut. LG

  • luxusklasse1

    08.10.2007, 00:08 Uhr von luxusklasse1
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, lg

  • Miraculix1967

    07.10.2007, 22:35 Uhr von Miraculix1967
    Bewertung: sehr hilfreich

    McDonalds ein kulinarischer Eckpunkt....na ja! Schöner Bericht, leider hast Du Starbucks Coffee neben Karstadt vergessen zu erwähnen, da gibt es immerhin viele verschiedene Kaffees zu trinken. LG vom ollen Druiden!

  • doeter

    07.10.2007, 18:30 Uhr von doeter
    Bewertung: sehr hilfreich

    Jahrelang bin ich auf dem Weg zur Arbeit an der Heinrich-Heine-Allee aus der U-Bahn aufgetaucht. Komisch: Ich bin stets in die andere Richtung gegangen - gar nicht komisch, da gings schließlich zur Arbeit - nie Richtung Schadowstraße...

  • bea1502

    07.10.2007, 17:33 Uhr von bea1502
    Bewertung: sehr hilfreich

    lg bea