Schizophrenie Testbericht

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Erfahrungsbericht von Anachronistin

Schizophrenie (Spaltungsirresein)

Pro:

-

Kontra:

-

Empfehlung:

Nein

Schizophrenie (Spaltungsirresein)

1. Definition
Unter Schizophrenie ist eine endogene Psychose zu verstehen, die durch eine schwere Störung der Gesamtpersönlichkeit mit Verlust von Einheit und Ordnung der Wahrnehmung, des Denkens, der Affekte und der Identität gekennzeichnet ist. Da es viele Erscheinungsformen der Schizophrenie gibt, spricht man auch von der „Gruppe der Schizophrenien“ oder von „Erkrankungen des schizophrenen Formenkreises“. Ca. 1% der Bevölkerung ist von dieser Krankheit betroffen. Der Manifestationsgipfel liegt zwischen dem 20. und dem 30. Lebensjahr.

Das Wesen der Krankheit ist schwer zu erklären. Schizophrene Erlebnisweisen sind so ungewöhnlich, dass man sie kaum mitteilen oder nachvollziehen kann. Im Zentrum der Erkrankung stehen charakteristische Veränderungen von Denken, Wahrnehmung und Affekt. Der Bezug des Kranken zur Realität ist gestört. Die intellektuellen Fähigkeiten bleiben jedoch in aller Regel erhalten.

2. Krankheitsentstehung:
Die Ursache der Schizophrenie ist letztlich nicht bekannt. Vermutlich wirken viele Faktoren zusammen:
- Die Ergebnisse von Familien- und Zwillingsstudien deuten darauf hin, dass Schizophrenien genetisch bedingt sind.
- Neurobiochemisch wird eine Störung der Dopamin- und Noradrenalinwirkung im Bereich des limbischen Systems vermutet (Katecholaminhypothese). Diese Veränderungen sollen zu einer Störung der Informationsverarbeitung führen, als deren Folge der Patient z.B. nicht mehr Wichtiges von Unwichtigem trennen kann (Filterstörung).
- In psychologischen Theorien werden familiäre Probleme in der frühen Kindheit als ursächlich angesehen, besonders unzureichende emotionale Zuwendung durch die Mutter.
- Auch von Soziologen werden auffällige Verhaltensmuster (z.B. übermäßige Besorgtheit der Mütter) in den Familien der Kranken beschrieben. Gerade hier ist es aber schwer zu entscheiden, ob das auffällige Verhalten Ursache oder Folge der Erkrankung ist.
- Das „Vulnerabilitätskonzept“ integriert die verschiedenen Ansätze. Demnach wird nicht einfach die Krankheit vererbt, sondern die Anfälligkeit (Vulnerabilität – Verletzlichkeit, Anfälligkeit), auf Belastungen jedweder Art mit einer Schizophrenie zu reagieren. Kommt es im Laufe des Lebens zu „Verletzungen“ durch besondere psychische oder körperliche Belastungen, verändert sich der Hirnstoffwechsel. Je höher die Vulnerabilität eines Menschen ist, desto geringere zusätzliche Belastungen können zum Ausbruch der Erkrankung führen.
Der Nachweis von sozialen und psychologischen Krankheitsursachen ist bisher nicht sicher gelungen. Gesichert ist aber, dass psychosoziale Faktoren erheblich auf den Krankheitsverlauf einwirken.


3. Symptome und Einteilung
Die Schizophrenie äußert sich in einer Vielzahl von Symptomen, die aber nicht alle bei einem Patienten und nicht gleichzeitig auftreten müssen.


3.1. Formale Denkstörungen
Die typischen Denkstörungen bei Schizophrenie sind die „Denkzerfahrenheit“ (der außenstehende Untersucher kann den Gedankengängen des Patienten nicht mehr folgen) und das „Gedankenabreißen“. Dabei wird das Gedankenabreißen von den Kranken oft als Folge eines „Gedankenentzugs“ beschrieben: Der Patient sagt, der Gedanke sei plötzlich weg, irgendjemand habe ihn weggenommen. Die formale Denkstörung wird also vom Patienten als Störung des Ich-Erlebens wahrgenommen.
Die Bedeutungen der verschiedenen Wörter werden nicht mehr scharf gegeneinander abgegrenzt (Begriffszerfall). Manchmal bilden die Patienten durch Verknüpfung von Begriffen ganz neue Wörter (Neologismen).

3.2. Affektstörungen
Im emotionalen bereich gilt die Ambivalenz als charakteristisches Symptom. Ambivalenz bedeutet, dass sich zwei gegensätzliche, unvereinbare Gefühlsregungen, Wünsche oder Bestrebungen beziehungslos gegenüberstehen. Ambivalenz kann sich zum Beispiel darin zeigen, dass eine Patientin gleichzeitig lacht und weint oder stundenlang vor dem Schrank steht, ohne sich für ein Kleidungsstück entscheiden zu können.
Ambivalenz ist auch bei Gesunden möglich. Im Gegensatz zum Schizophrenen kann ein Gesunder den Konflikt aber nach kurzer Zeit lösen.
Typisch sind auch paradoxe Affekte (inadäquate Affekte, Parathymie). Dabei ist die innere Zusammengehörigkeit von Erlebnis und begleitendem Affekt zerbrochen. Dann können grauenhafte Erlebnisse munter lächelnd erzählt werden – und umgekehrt.
Viele Schizophrene haben außerdem große Angst oder sind deprimiert als Folge des veränderten Erlebens.

3.3. Autismus
Ein weiteres Grundsymptom der Schizophrenie ist der Autismus. Hierunter versteht man eine „Ich-Versunkenheit“ und Abkapselung von der Realität. Die Patienten leben gewissermaßen in einer „Privatwelt“. Autistische Patienten können sich daher nicht so verhalten, wie es die jeweilige Situation erfordern würde. Beispielsweise befragt ein Patient stundenlang seine Mitpatienten nach ihren Vorfahren und erstellt Stammbäume, ohne das Desinteresse und den Ärger der Mitpatienten überhaupt wahrzunehmen. Autismus ist ein Mechanismus, durch den sich der Ich-gestörte Kranke vor Überforderungen schützt. Extrem autistische Kranke nehmen keinen Anteil mehr an ihrer Umgebung, sprechen kaum noch (Mutismus) oder bewegen sich nicht mehr (Stupor).

3.4. Störungen des ICH-Erlebnis
Zum Kern der schizophrenen Erkrankung gehört die Veränderung des Ich-Erlebens. Schizophrene können sich selbst als fremd oder unheimlich erleben (Depersonalisation). Beispielsweise erzählt ein Patient, in seinem Körper sei rechts ein Pfarrer und links ein Soldat, die sich ständig stritte. Die Grenze zwischen „Ich und „Umwelt“ kann zerbrechen, so dass der Kranke die eigenen Denk- und Willensprozesse nicht mehr als eigene erkennt. Im Bereich des Denkens führt das zu den Symptomen Gedankeneingebung, Gedankenausbreitung und Gedankenentzug. Werden Bewegungen und Handlungen als von außen gelenkt erlebt, spricht man von Willensbeeinflussung.

3.5. Störungen des Antriebs und der Psychomotorik
- Katatone Erscheinungen durch Störungen des Antriebs und der Psychomotorik sind heute im Vergleich zu früher weniger deutlich ausgeprägt. Zur Katatonie gehören z.B. motorische Erstarrung, bizarre Haltungen, Automatismen, Manierismen, Grimassieren oder Bewegungsstürme. Dabei nehmen die Patienten alles wahr, was in ihrer Umwelt geschieht, sie können sich aber nicht am Geschehen beteiligen. Katatone Erscheinungen gehen meist mit starker innerer Anspannung des Patienten einher.
- Sehr selten, aber lebensbedrohlich, ist die maligne Katatonie mit hochgradiger Erregung, Fieber, Kreislaufstörungen und Herzjagen, die mit einer Elektrokrampftherapie behandelt wird.

3.6. Wahrnehmungsstörungen
Nahezu jeder Schizophrene hat mindestens einmal im Verlauf der Erkrankung Wahrnehmungsstörungen. Besonders häufig sind akustische Halluzinationen und Körperhalluzinationen.
Bei den akustischen Halluzinationen unterscheidet man:
a) Kommentierende Stimmen, die das Verhalten des Kranken mit Bemerkungen versehen („Er geht aus dem Haus.“)
b) Imperative Stimmen, die Befehle geben und oft gefährlich sind („Spring aus dem Fenster!“)
c) Dialogisierende Stimmen, das sind mehrere Stimmen, die sich unterhalten
d) Gedankenlautwerden, d.h., der Patient hört seine eigenen Gedanken laut von außen
Körperhalluzinationen werden typischerweise als „von außen gemacht“ erlebt. Die Patienten erzählen etwa, sie würden bestrahlt oder mit Nadeln gestochen.
Geschmacks-, Geruchs- und optische Halluzinationen sind demgegenüber seltener.

3.7. Wahn
Der Patient erkennt die oben genannten Symptome (z.B. die Halluzinationen) nicht als krankheitsbedingt. Er erlebt sie vielmehr als wirklich. In der Auseinandersetzung mit diesem Erleben suchen viele Patienten eine Erklärung und bauen dazu einen Wahn auf. Es riecht beispielsweise nach Gas, weil die Nachbarn Gas in die Wohnung einleiten.
Die häufigsten Wahnthemen sind der beziehungs- und der Verfolgungswahn.

3.8. Plus- und Minussymptome
Bei den vorgestellten Symptomen werden Plus- von Minussymptomen unterschieden. Plussymptome sind z.B. Wahn, Halluzinationen und Denkzerfahrenheit. Zu den Minussymptomen zählen Affekt-, Antriebs- und Sprachverarmung, Lustlosigkeit, sozialer Rückzug und Mangel an Körperpflege.
Bei akut Kranken stehen meist Plussymptome im Vordergrund, in der Rehabilitation die Minussymptome.

4. Einteilung schizophrener Erkrankungen
Schizophrene Erkrankungen werden nach den jeweils vorherrschenden Symptomen unterschieden.
Die Übergänge zwischen den verschiedenen Formen sind fließend.
a) Paranoid-halluzinatorische Form: Vorherrschende Symptome sind hier Halluzination und Wahn
b) Katatone Form: hier stehen Störungen des Antriebs und der Psychomotorik im Vordergrund
c) Hebephrene Form: Affektstörungen dominieren
d) Schizophrenia simplex: in erster Linie sind Denkstörungen, Antriebslosigkeit und Verkümmerung des Realitätsbezuges zu beobachten

5. Diagnose
Die Diagnose einer schizophrenen Erkrankung wird aufgrund des psychopathologischen Befundes gestellt. Insbesondere bei schleichend beginnendem verlauf ist eine exakte Diagnose manchmal nicht möglich.
Denkstörungen, Affektstörungen und Autismus haben bei der Diagnosestellung die größte Bedeutung. Auch akustische Halluzinationen, Leibhalluzinationen, die typischen Formen des
Ich-Erlebnis und Wahrnehmungen erlauben die Diagnose, falls eine exogene Psychose ausgeschlossen ist.

6. Behandlung
Entsprechend der vielfältigen Ursachen und Einflussfaktoren einer Schizophrenie gibt es keine einzelne Therapieform, die die Schizophrenie einfach beseitigen kann.
Medikamentöse Therapie, Psychotherapie und Soziotherapie müssen immer zusammen eingesetzt werden, um den Patienten so weit wie möglich rehabilitieren.

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