Schülerhilfen Testbericht

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Erfahrungsbericht von Jaleira

Fragwürdiges Konzept

Pro:

die Hausaufgabenbetreuung ist okay

Kontra:

unangemessen teuer, lernschwache Kinder werden und können nicht angemessen betreut werden, schlechtes Konzept

Empfehlung:

Nein

Hallo ihr Lieben ,

ich habe über ein Jahr bei der Schülerhilfe gearbeitet, nachdem ich als Schülerin oft privat Nachhilfe gegeben habe. Auf der Suche nach einem Nebenjob rief ich also bei der Schülerhilfe an. Sofort, sagte man mir, könne ich vorbeikommen. Nachhilfelehrer werden immer gebraucht. Also fuhr ich hin, unterschrieb einen Vertrag und war fortan freie Mitarbeiterin. Ich unterrichtete drei der sog. Lerngruppen pro Woche. Doch dazu komme ich später! Zurerst einige


FAKTEN

Die Schülerhilfe existiert seid mehr als 25 Jahren. Es gibt etliche Niederlassungen in beinahe jeder größeren deutschen Stadt. Sie bietet Nachhilfe- und Hausaufgabenbetreuung für Schüler aller Schulen an. Unterrichtet wird laut der Schülerhilfe in Kleingruppen von höchstens 5 Teilnehmern. Ebenso wird der (sehr viel teurere!) Einzelunterricht angeboten, sofern genügend Lehrkröfte vorhanden sind. Individuelle Betreuung wird versprochen. Angeboten werden dabei Nachhilfe in Deutsch, Mathematik, Englisch, Französisch und Latain. Die Zensuren und sonstigen schulischen Leistungen der Schüler werden in Listen eingetragen, um einen Lernerfolg zu ermitteln.

Die Gruppen werden (so die Schülerhilfe) wenn möglich so eingeteilt, daß gleichaltrige Schüler zusammen in einer Gruppe sind.

Die Schülerhilfe bietet den Schülern auch Lernmaterialien an, die u.U. auch ausgeliehen werden können. Dazu gehören von der Schülerhilfe herausgegebene Bücher, durch Empfehlung von Lehrern/Eltern gekaufte Bücher und Übungsblätter. Für die Kleineren stehen LÜK-Lernkästen zur Verfügung, sowie Lernspiele. Ansonsten werden die Schulbücher der Kinder verwendet um eine angepasste Betreuung zu gewährleisten (so die Schülerhilfe).

Der Unterricht erfolgt unter Aufsicht eines Nachhilfelehrers. Über 90min werden die Gruppenmitglieder bei ihren Hausaufgaben betreut, Hilfestellung wird geleistet. Schulstoff kann wiederholt werden, Klassenarbeiten und Klausuren nachbesprochen werden.

Der Nachhilfelehrer trägt zum Ende jeden Unterrichts die Tätigkeiten des Schülers in einen Ordner ein. Dies dient dem Nachweis für die Eltern. Weiterhin wird einen Anwesenheitsliste geführt.

Die Kosten variieren je nach Niederlassung. Ich habe in zwei verschiedenen Schülerhilfe-Niederlassungen gearbeitet und bereits hier waren (wenn auch geringe) preisunterschiede aufzutun. Die aktuellen Preise sind mir nicht bekannt. Anzumerken ist, daß Geschwisterkinder grundsätzlich vergünstigte Preise erhalten.


Meine Erfahrungen

Als Nachhilfelehrer ist man komplett selbstständig und gestaltet seine Art der Nachhilfe eigenverantwortlich. Ich hatte lediglich darauf zu achten, daß die Schüler ihre Hausaufgaben erledigen. Ich unterrichtete eine Gruppe von Grundschülern (von der ersten bis zur vierten Klasse insgesamt sechs bis sieben Kinder). Teilweise hatten diese Kinder eine richtige Lernschwäche. Andere widerrum waren sehr gut in ihren Leistungen und erledigten ihre Hausaufgaben selbstständig. In den 90min Unterricht schafften die Kinder jedoch gerade so ihre Hausaufgaben, so daß mir wenig bis keine Zeit blieb ihre Schwächen und fehlenden Kenntnisse auszugleichen. Erschwerden kam hinzu, daß in der Gruppe zwei hyperaktive Kinder waren. Die Zusammenstellung war schlicht und ergreifend bescheiden. Auf mein Anfragen der Niederlassungs-Leiterin die Gruppe zu teilen wurde nicht eingegangen. Schlicht und ergreifend wollte man keine weiter Gruppe einrichten, weil dann ja ein Lehrer mehr bezahlt werden müsse. Für mich war die Situation mit der Gruppe untragbar. Die Eltern beschwerten sich, daß die Kinder keine richtige Nachhilfe erhielten. Die Beschwerden kamen zu mir. Das es schlichtweg unmöglich war den sieben Kindern die nötige Aufmerksamkeit zukommen zu lassen, interessierte die Eltern logischerweise nicht. Gerade lernschwache Kinder bedürfen intensiver Betreuung, die in der kurzen Zeit und der Menge von Kindern nicht zu realisieren ist.
Diese Erfahrung machte ich auch in meinen beiden anderen Gruppen. Diese bestanden aus ebenso vielen Schülern. 5-13 Klasse. Bunt gemischt, nach Schule und Alter. Durchaus ungelungene Zusammenstellungen. Zum Teil waren die Kinder auch in der gleichen Klasse, frisch in der Pupertät - da wird viel lieber über die angesagteste Musik und Kinofilme diskutiert, oder die Typen in der Nachbargruppe...
Die Arbeit als Nachhilfelehrer ist schwer. Auf sieben Kinder gleichzeitig einzugehen ist nahezu unmöglich. Der eine will auf seine Matheklausur vorbereitet werden (wobei er vom aktuellen Thema allerdings keinen Schimmer hat), die kleine 5.-Klässlerin versteht ihre Hausaufgaben nicht, der nächste will seine Klassenarbeit nachbesprechen, die andere will Englisch-Vokabeln abgefragt werden.
Meine Verbesserungsvorschläge - etwa die Kinder anders in gruppen einzuteilen oder Gruppen nach Fächern zu bilden und möglichst weniger Inkrepanz in den Klassenunterschieden - stießen auf taube Ohren. Das Konzept der Schülerhilfe seien nunmal gemischte Gruppen. Das die Kinder sich dabei eher behindern als fördern zählt nicht.
Wahrscheinlich liegt es an den Jugendlichen von heute, aber dennoch war teilweise das Gruppenklima auch schlecht. Kinder werden gehänselt, beschimpft, es wird gestritten...
Auch die anderen Nachhilfelehrer haben die gleichen Erfahrungen wie ich gemacht. Die meisten (Älteren) sind abgestumpft. Wirkliches Interesse am Lernerfolg der Schüler besteht bei ihnen meist nicht mehr.
Am Anfang sind wohl alle Nachhilfelehrer sehr engagiert und bemühen sich, bis sie merken, daß die zu großen Gruppen einfach nicht angemessen zu betreuen sind.

Weiterhin emfpand ich meine Vergütung als zu gering. Als Nachhilfelehrer verdient man pro Stunde bei der Schülerhilfe gute 8€. Die Schülerhilfe hingegen (die ja nur wenig zum Unterricht beiträgt) verdient pro Kind und Stunde eine Menge. Genaue Zahlen sind mir nicht im Kopf - diese werden auch nicht gerne von der Schülerhilfe an die Lehrer genannt!


Mein Fazit

Ich würde meine Kinder nicht zu Schülerhilfe schicken. Es sei denn deren Konzept würde erneuert. Mir erscheint das Konzept als ineffektiv.
Bei allen Kindern in den Niederlassungen in denen ich arbeitet waren nur geringe Lernerfolge zu bemerken.
Besonders für lernschwache Kinder ist die Schülerhilfe ungeignet, diese brauchen intensive Einzelbetreuung.
Wer nur eine Hausaufgabenbetreuung für seine Kinder wünscht ist bei der Schülerhilfe gut bedient.


Anmerkungen

Im Vertrag für den Lehrer steht eine Klausel, mit der man versichern muß kein Sympathisant noch Anhänger von dem Gedankengut L. Ron Hubbard (Gründer von Scientology) ist und die Inhalte und Methoden dieser Idee nicht verwendet.


Für Informationen

(Vorwahl ihrer Stadt) und dann 19418
oder
0800/1941800 ganztags


Private Nachhilfe erscheint mir effektiver und für die Eltern auch bedeutend günstiger!

In diesem Sinne,
Jaleira

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