In meinem Himmel (gebundene Ausgabe) / Alice Sebold Testbericht

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ab 15,62
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Erfahrungsbericht von Catblue22

Der Himmel in der Glaskugel

Pro:

liest sich sehr gut

Kontra:

nichts

Empfehlung:

Ja

Man merkt, ganz langsam, die heißen Tage sind gerade erst vorbei, kommt der Herbst. Es ist schon früh dämmrig geworden, und ich habe mir Licht anmachen müssen, um die Buchstaben, die ich zu Papier bringe ( ja, ich schreibe noch ganz altmodisch von Hand vor!), noch erkennen zu können.
Es ist still draußen geworden, und meine Gedanken kreisen um den Bericht, den ich verfassen will. Bis jetzt habe ich mich noch an keinen Bericht über ein Buch gewagt, und das, obwohl ich seit ich mit 5 Jahren lesen gelernt habe, pro Woche ein bis zwei Bücher lese, oder wie meine Umgebung sagt, verschlinge.

Viele davon sind gut geschrieben, und einige bleiben in Erinnerung, so wie dieses Buch, dessen Handlung und Worte mir im Moment nicht mehr aus dem Kopf gehen wollen.
Es ist eins der wenigen Bücher, die einen bleibenden Eindruck bei mir hinterlassen haben, und das ich nicht einfach so durchgelesen habe, sondern bei dem ich öfter einmal das Lesen unterbrochen habe, weil ich vom Schreib - bzw –Erzählstil so beeindruckt war, dass ich erst noch einmal in Ruhe Gedanklich reflektieren musste, wie umfassend die Ereignisse dort waren.

Es handelt sich um das Buch

„ In meinem Himmel“ von Alice Sebold, erschienen bei Manhattan im Wilhelm Goldmann Verlag, München. ( ISBN 3-442-54552-8) Ich habe es bei amazon.de für 21,90 Euro gekauft, wo es aber mittlerweile für 12,90 Euro angeboten wird.

Alice Sebold

Von der Autorin ist bisher nur ein Buch mit dem Titel „ Lucky“ erscheinen. Mit dem Buch „ In meinem Himmel“ wurde sie über Nacht zu einer international gefeierten Romanautorin. Sie hat an der Syracuse University studiert, und unter anderem für die New York Times geschrieben. Mit ihrem Mann, dem Schriftsteller Glen David Gold lebt sie in Californien. Leider ist über sie im Klappentext des Buches nicht mehr zu erfahren.

Sogar der Schutzumschlag ist hier interessant

Schon das Bild auf dem Schutzumschlag deutet für den, der genauer hinsieht, einiges an: Auf einem mittelblauen Grund ist eine Glaskugel, ähnlich einer Schneekugel abgebildet.
In dieser Kugel befindet sich ein kleines, idyllisches Haus mit Sprossenfenstern und grünen Fensterläden. Doch was ist das? – Der perfekte Eindruck wird gestört, schaut man genauer hin. Jemand hat Gewalt auf die Kugel ausgeübt, denn sie ist beschädigt. Von einer Einschlagstelle ziehen sich zwei Risse über die Kugel.

Die Handlung

Allein der Beginn ist so ungewöhnlich, dass ich einfach die ersten zwei Sätze zitieren muss:“ Mein Nachname war Salmon, also Lachs, wie der Fisch; Vorname Susie. Ich war Vierzehn, als ich am 6. Dezember 1973 ermordet wurde.“
Susie nimmt auf dem Rückweg von der Highschool eine Abkürzung durch ein Maisfeld. Dort erwartet sie ihr Nachbar Mr. Harvey, dem sie, weil sie höflich sein will, in ein von ihm gebautes Erdloch folgt, wo er sie vergewaltigt und tötet.
Susie beschreibt den Mord an ihr, und wie sie dann in den Himmel kommt, der für jeden, der dorthin gelangt anders ist.Ihrer gleicht tatsächlich einer Glaskugel, denn alles darin ist perfekt, hält sie jedoch in der Rolle der Zuschauerin gefangen. So ist sie immer bei ihrer Familie und muss zusehen, wie die Nachricht von ihrem verschwinden und dann der Fund ihrer Mütze, bei ihren Eltern und ihrer Schwester Lindsey die schreckliche Gewissheit reifen lassen, dass sie einem Verbrechen zum Opfer gefallen sein muss.

Sie ist immer dabei, kann sich aber nicht bemerkbar machen. Sie erlebt mit, wie alle zuerst versuchen, dem kleinen Bruder Buckley die Wahrheit vorzuenthalten, bis es nicht mehr geht, wie die Schwester Lindsey in der Schule nur noch mittleidige Blicke erntet, und von allen als „ die Schwester von dem ermordeten Mädchen“ bezeichnet wird.
Sie muss mit ansehen, wie ihr Mörder ihren Körper entsorgt, von dem bis auf einen Ellenbogen, den der Hund der Nachbarn entdeckt, nie wieder etwas auftaucht. So gern möchte sie ein Zeichen geben, und schafft es, immer wieder einmal von einem Familienmitglied gesehen zu werden, ohne das es ihr jedoch gelingt, mit ihnen zu sprechen.

Die Ermittlungen zu ihrem Mord laufen langsam ins Leere. Nur ihr Vater hat einen Verdacht, der allerdings nur auf einem Gefühl beruht, und da gegen Mr. Harvey nichts vorliegt, und er sich als geübter Serientäter geübt unauffällig verhält, ist vorerst nichts gegen ihn zu unternehmen.Die Zeit vergeht, und Susie muss zusehen, wie jeder in der Familie verzweifelt einen Weg sucht, ihren Tod zu verarbeiten, woran aber schließlich die Familie zerbricht. Nur einmal bekommt sie die Möglichkeit, Kontakt mit der Welt der Lebenden auf zu nehmen, Ob ihr das gelingt? Weiter mag ich nicht schreiben, da es noch einiges zu entdecken gibt, und ich nicht alles verraten will.

Mein Eindruck

Alice Sebold lässt Susie ihre Geschichte tatsächlich wie aus einer Glaskugel heraus erzählen. Susie schildert mit einfachen, oft seltsam distanziert anmutenden Worten ihre Beobachtungen und Eindrücke. Merkwürdigerweise werden hier durch das weglassen der Schilderung großer Gefühle ( und das Potenzial ist bei dieser Geschichte nicht gerade klein!) ebendiese erreicht.

Nie wird bewusst die Tränendrüse manipuliert, aber je mehr man sich in die Handlung hineinliest, umso schwerer wird es an einigen Stellen, trockenen Auges weiterzulesen.Catblue22 für yopi
Allerdings kann ich nicht nachvollziehen, dass sich Susie wirklich im Himmel befindet, denn bei all dem zusehen zu müssen, und nicht eingreifen zu können, muss doch furchtbar sein, und kommt dem Begriff Hölle meiner Meinung näher, als dem Himmel.
Die Geschichte, die hier von Susie geschildert wird, kann sich so, oder so ähnlich jeden Tag überall ereignen.

Mir wurde erst beim Lesen bewusst, wie schnell man über Meldungen in den Medien hinweggeht, in denen über ein ermordetes oder verschwundenes Kind berichtet wird.
Wer macht sich schon weiterführende Gedanken, was es für die Familie, für die Angehörigen und Freunde bedeutet, wenn ein Kind oder ein auch ein Erwachsener so plötzlich und so brutal aus ihrem Leben verschwindet?

Durch dies Buch erst ist mir klar geworden, dass bei solch einem Verbrechen nicht nur ein einziger Mensch getötet wird, sondern das dazu viele Menschen in seinem Umfeld schwer verletzt werden, deren Leben sich dadurch zum Teil für immer verändert, und die oft nicht mehr zur Normalität zurück finden können.

Ich kann dieses Buch uneingeschränkt weiter empfehlen. Es beeindruckt nicht nur durch die ungewöhnliche Perspektive der Erzählerin, sondern weist auch einen interessanten Schreibstil mit schlichten, aber gut gewählten Worten auf.

-Einen Tipp für alle, die wir ich „ nahe am Wasser gebaut haben“ muss ich noch loswerden: Dies ist kein Buch, das man so unbedingt in der Mittagspause, oder im zug oder an anderen öffentlichen Orten lesen sollte. Ich fand mich plötzlich Tränenüberströmt, das Buch in der Hand im Auffenthaltsraum unseres Institutes vor, und musste mir ein paar wirklich lustige Bemerkungen meiner Kollegen anhören.
So, dass war der erste Buchbericht von mir. Es ist schon spät geworden, aber ich kann es nicht abwarten, ihn ein zu stellen. Schon jetzt bin ich auf Eure Kommentare gespannt, helfen sie mir doch, beim nächsten Bericht noch besser zu werden

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