Der Chirurg von Campodios (Taschenbuch) / Wolf Serno Testbericht

ab 10,47
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Erfahrungsbericht von knopfi

Der zweite Teil

Pro:

spannden, Preis

Kontra:

teilweise zu krasse Zufälle

Empfehlung:

Ja

Hallo ihr Leseratten,

meine kleine Schwester. Überredungskünstlerin und Nervensäge in einem – doch darin ist sie einfach nur perfekt! Meine Stammleser wissen, dass sie es war, die mich einem Interessenkonflikt aussetzte, als sie mir vor einem knappen halben Jahr ihr Lieblingsbuch „Der Wanderchirurg“ ans Herz legte. Ich und ein „Anno – Knips – Buch“ lesen, wohl kaum! Science Fiction ist angesagt, und kein Bla Bla über Liebe im Zeitalter von Holzschiffen und englischen Schlössern! Tja, und nun hänge ich bereits am dritten Band fest....


=== „Zur Erinnerung möchte ich eine kurze Rückblende geben...“ ===

Meine kleine Schwester also hat es mir also prophezeit. Und ich Depp habe ihr auch noch erzählt, dass sie Recht hatte und ich mich mit dem zweiten Teil abmühte. Was können weibliche Geschwister doch nachtragend sein... grins... Nun hält sie mir jedes Mal vor, wenn sie etwas toll findet und es mir aufschwatzen möchte. Mittlerweile reicht nur ein Satz, um meine Ungläubigkeit absolut in Frage zu stellen: „Denk an den Wanderchirurgen!“ Tja, sind die Schwestern von heute! Gut, dass man hier die gesetzlich vorgeschriebenen brüderlichen „Pocken“ auf dem Oberarm meiner Schwester verteilen darf, damit die Gerechtigkeit und vor allem mein Ego wieder hergestellt werden.
Trotzdem, sie hat ja Recht. Dank ihres Tipps bin ich auf den Wolf Sernos „Wanderchirurgen“ erst gestoßen, der mich in einen merkwürdigen Suchtzustand versetzte. Zur Erinnerung möchte ich eine kurze Rückblende geben, um was es im ersten Part von Wolf Sernos Bestseller ging:

Sechzehntes Jahrhundert. Vitus ist Schüler im spanischen Kloster Campodius. Sein Abt verkündet ihm, kurz vor seinem Tode, dass er ein Findelkind ist, dass vor dem Kloster abgelegt wurde. Lediglich eine mit einem ominösen Logo versehene Samtdecke lag ihm bei. Vitus, der im Kloster als Chirurg ausgebildet wurde, lässt diese Offenbarung keine Ruhe, so dass er sich auf den Weg macht, um seine wahre Identität herauszufinden. Sein Weg führt vorerst durch das von der katholischen Kirsche beherrschte Spanien, wo er durch eine List eines Zwerges namens Enano im Kerker der Inquisition landet. Dort lernt Vitus, der sich mittlerweile Vitus von Campodius ruft, den ebenfalls angeklagten Rechtsanwalt Ramiro Garcia kennen (der sich nur kurz „Magister“ ruft) mit dem sich eine innige Freundschaft entwickelt. Beiden gelingt es, aus den Gemäuern des Gefängnisses auszubrechen. Der Magister begleitet Vitus auf seinem Weg und hilft ihm, Stück für Stück herauszufinden, was es mit dem Logo auf der roten Decke auf sich hat. Seine Chirurgenausbildung kommt ihm auf der Wanderschaft oft zu Gute, denn Heiler werden oft gesucht. So ergeben sich weitere Freundschaften, die sich im Laufe des Buches als sehr hilfreich herausstellen.

Alle Hinweise führen nach England. Es stellt sich heraus, dass es sich bei dem Symbol um eine englische Grafschaft handelt, von der Vitus höchstwahrscheinlich abstammen könnte. Die Freunde wollen also nach England, was sich im ersten Moment alles andere als einfach erscheint. Sie werden entführt und finden sich als Sklaven auf einem Frachtschiff wieder, welches unter spanischer Flagge fährt und in pazifische Gegenden fahren wird. Als ein englisches Kriegsschiff den spanischen Frachter in ein Gefecht verwickelt und letzteren später versenkt wird, werden Vitus, der Magister und der spätere Freund Enano von ihrer Sklaven – Pein gerettet. Sie befinden sich nun auf einem Schiff unter dem Kommando von Kapitän Taggart, einem englischen Spitzenman, der das Symbol auf Vitus´ Decke genau kennt. Es stellt sich heraus, dass Vitus vor dreißig Jahren auf seinem Schiff geboren wurde. Und tatsächlich aus einer adligen Familie stammt, der Collincourts.
Als das Kriegsschiff Taggarts ein weiteres Mal in ein Gefecht gerät, in dem er eine englische Dame rettet, lernt Vitus sie kennen. Arlette Collincourt. Als Vitus mit ihr eine Liebschaft beginnt und ihr gestehen möchte, dass er auch von blaublütiger Abstammung ist, hält sie ihn für einen Betrüger und weist ihn zurück. Überstürzt bricht sie mit ihrem Schiff auf und schippert von dannen.

Kapitän Taggart setzt die Freunde am englischen Zielort ab. Sie erreichen das Schloss der Collincourts und Lord Collincourt glaubt ihm. Von ihm erfährt Vitus, die wahre Geschichte über seine Mutter und wer Arlette nun wirklich ist: Seine Cousine. Vitus, immer noch bedrückt, durch das Missverständnis mit Arlette und der dadurch verschmähten Liebe gibt nicht auf. Er setzt sich zum Ziel, Arlette zu suchen und ihr Aufklärung zu schaffen.


=== „Mit seinen 600 Seiten sieht es schon recht prächtig aus...“ ===

Bisher also, ein spannender erster Teil, der nach einem Folgepart verlangt, was Schriftsteller Wolf Serno auch gleich mitgeschrieben hat: „Der Chirurg von Campodius“.

Wie auch der Vorgänger handelt es sich hierbei um ein Taschenbuch. Mit seinen 600 Seiten sieht es schon recht prächtig aus. Es schlägt zwar den Vorgänger (der mit 800 Seiten prahlen konnte) nicht, dennoch hat man hier genug zu lesen.
Der Hintergrund des Buches ist in einem dunklen Grün gehalten. Ein bordeauxroter Kasten wurde aufgesetzt, in dem wiederum Name des Schriftstellers und der Buchtitel in kräftigen weißen Lettern versehen wurde. Nebenan findet sich ein ähnliches Portrait des Mannes, der offensichtlich Vitus von Campodius darstellen soll. Ein klein wenig älter, dennoch die krasse Lockenpracht und die mittelalterliche Kleidung am Körper. Im Hintergrund prangt die See. Zusätzlich wurden darunter noch zwei Bilder gesetzt. Eines zeigt einen Hafen, vollgepfropft mit großen und kleinen Segelschiffen. Auf dem Bild Nummer zwei lässt man es ruhiger angehen. Hier sind die Träumereien eines jeden vermerkt, denn eine zauberhafte Insel, idyllisch gelegen, leicht vernebelt. Eine Palme im Vordergrund, leicht verschwommen ein kleiner Wald von Palmen Nachhinein. Und auch hier findet sich im oberen Bereich das ominöse Collincourt – Symbol wieder.

Die Vorschau des Buches befindet sich Gewohnterweise auf dem Rücken des Covers. Hier wird beschrieben, um was es sich in dem Roman dreht. Obwohl mich diese Vorschauen im Allgemeinen nicht so recht überzeugen, hat es mir in diesem Fall geholfen. Denn da mittlerweile alle drei Teile der Saga um den Wanderchirurgen auf dem Markt sind und keins mit einem Vermerkt versehen wurde, um welchen Teil es sich dabei handelt, spielt der Zusammenhang der Vorschau zum ersten Teil eine gewichtige Rolle. Wäre doch blöd, wenn ich die Saga mit dem dritten Teil weitergelesen hätte, oder?

Wie es auf den ersten Seiten eines Buches üblich ist, finden sich hier sämtliche Infos, die man sich kaum zu Gemüte führt. Informationen über den Schriftsteller, über das Buch, ne Runde Widmungen Sernos, eine Warnung, die beschriebenen Ops nicht unbedingt nachzuahmen, sowie die rechtlichen Sachen, wie zum Beispiel die Verlagsnennung, das Copyright, die ISBN – Nummer und so weiter.


=== „Auf Seite neun geht es also los...“ ===

Auf Seite neun geht es also los. Wie gewohnt mit dem Prolog. Wie auch im ersten Teil ist die Dramatik nicht überragend, dennoch ist dieser Prolog ein absolutes Muss! Er stellt den Grundriss des Romans dar. Vorerst stellt er dem Leser ein Rätsel dar. Denn was soll man auf einer Insel, auf der Tabak angebaut wird, neue Sklaven angeliefert werden und ein Indianerstamm sich an den Leuten mit den „Feuerwaffen“ rächen möchte? Erschwert wird das Ganze durch die zumeist die Nennung von Vornamen und einer jungen Dame, die sich für die Sklaven stark macht. Doch dem Leser möchte ich nahe legen, sich diese Szenerie durchzulesen, denn so ergeben sich später die einzelnen Zusammenhänge besser, die Verbindungen der einzelnen Charaktere ergeben einen tieferen Sinn.

Zum Warmwerden hier schon einmal die erste Leseprobe:

„Thomas Collincourt verhielt mitten im Satz, denn die Schwarzen waren in sein Blickfeld gerückt. „Aaah, die neuen Nigger. Dachte schon, sie kämen überhaupt nicht mehr!“
Er schnaufte, wackelte mit dem Kopf, als könne er dadurch Ärger und Alkohol gleichermaßen abschütteln, und kam näher. Kurz vor Murphys Karren baute er sich auf, sichtlich um Haltung bemüht. „Stehen die Nigger gut im Saft, Murphy? Keine Krankheiten oder Verletzungen oder so was?“ Gern hätte er auch gefragt, ob das Mädchen nach wie vor Jungfrau war, doch verbot dich dies natürlich von selbst.
„Soviel ich sehen konnte, ja Sir.“ Murphy sprang vom Karren.
„Sie sind bereits alle gebrannt, die schwarzen Teufel, wie ihr befohlen habt, Sir.“
„Gut, gut.“ Der Plantagenbesitzer löste die Augen von der Gruppe. „Was habt ihr da für ein Dokument, Murphy? Sind das Eintragungen der Namen und der Stammesherkunft?“
Murphy konnte sich nicht mehr genau erinnern. „Die Rolle ist von José, Sir, damit ... äh... alles seine Richtigkeit hat.“
Collincourt nahm Einsicht in das Dokument. „Scheint alles in Ordnung zu sein.“ Er unterdrückte einen Rülpser und gab die Rolle an Murphy zurück. Wieder fiel sein Blick auf die Gruppe. Die junge Negerfrau mit den prachtvollen Brüsten war Coramantierin, sie war die Schwester von diesem Riesen, der Okumba hieß, und ihm fiel ein, dass er bei ihrem Kauf extra darauf geachtet hatte. Weil das die Sache vereinfachte...
„Die Niggermäner gehen heute nicht mehr aufs Feld, es würde nicht lohnen“, sagte er laut. Bis sie eingewiesen sind, ist der Tag vorbei. Inkpot und Chopper, nehmt ihnen die Jochhölzer runter, danach ab mit ihnen in die Hütten.“ Collincourt nahm deutete in nördliche Richtung, wo in einiger Entfernung ein paar armseelige Behausungen standen.
„Jawohl, Massa.“
Während die beiden sich beeilten, den Befehl ihres Herrn auszuführen, stand Collincourt leicht schwankend und sich den Hosenboden zurechtrückend da. In seinen rotgeränderten Augen glitzerte es. Endlich war es soweit, alle Schwarzen konnten sich frei bewegen.
„Die Negerfrau bleibt hier. Sie hilft der alten Mary ab morgen in der Küche. Er trat auf das Mädchen zu und ergriff es am Oberarm. „Komm mit , mein Täubchen, der Massa will dir etwas zeigen!“
Doch kaum hatte Collincourt Okumbas Schwester angefasst, sprang dieser vor und versetzte dem Tabakpflanzer einen Faustschlag ins Gesicht. Collincourt taumelte zurück. Abermals schlug der Riese zu. Collincourt sank auf die Knie, was aussah, als wolle er in der Kirche beten. Stattdessen stieß er einen unartikulierten Laut aus und hielt sich schützend die Arme vors Gesicht. Der dritte Schlag blieb aus. Murphy hatte seine Muskete abgefeuert...“

Wie gesagt, es handelt sich hier um den Prolog, den man lesen sollte!


=== „Was wurde aus den erwähnten Sklaven?“ ===

Ist der siebenundzwanzigseitige Prolog gelesen, geht der Roman auch schon los.
Vitus, möchte unbedingt als ein anerkannter Schiffschirurg anerkannt werden. Dazu muss er sich einer schweren Prüfung dreier berühmter Ärzte unterziehen, die er allerdings mit Bravur besteht. Nun kann sich Vitus offiziell als Chirurgicus rühmen.
Auf dem Schloss beginnt sich ein Drama abzuspielen, denn Lord Collincourt erliegt seiner Krankheit. Vitus und Arlette werden von ihm als Haupterben des Schlosses ernannt. Doch von Vitus großer Liebe Arlette ist in all der Zeit, in der er auf dem Schloss seines Großonkels verweilte, keine Nachricht eingetroffen. Vitus beschließt, sich auf den Weg zu begeben, um sie zu suchen. Der einzige Hinweis, dem man nachgehen kann ist, dass Arlette ihren Cousin Thomas besuchen wollte, der irgendwo in warmen Gefilden eine Tabakplantage besitzt.

Gemeinsam machen sich Vitus, der Magister und Enano auf den Weg. Doch das Glück meint es nicht besonders gut mit ihnen, denn kein Schiff ist bereit, die drei Freunde anzuheuern, auch nicht, als Vitus seine anerkannte Urkunde als Schiffsarzt präsentiert. Ein deutscher Mönch namens Ambrosius verschafft ihnen einen Job beim geizigen Kapitän Stout. Der hat diesen Frachtsegler günstig erstanden, spart allerdings an ausreichendem Personal und an dessen Verpflegung. Stout möchte die Reichtümer einer portugiesischen Insel erobern und sieht seinen Erfolg vor der englischen Königin vor Augen. Doch es kommt alles anders. Ein Piratenschiff nähert sich und nimmt Stouts Schiff unter Beschuss. Dank der sparsamen Bewaffnung, kann sich sein Schiff nicht gegen die Überzahl der Piraten durchsetzen. Während Stout bei einem Kampf mit dem Piratenkapitän „John Jawy“ Cutter ums Leben kommt, können sich die Freunde und drei Mitfahrer retten. Da Cutter nichts Wertvolles auf dem Frachtsegler finden kann, versengt er es kurzerhand.

Ohne Schiff, auf einem kleinen Boot gefangen, müssen Vitus und seine Freunde auf hoher See ausharren. Sie erhoffen sich, irgendwo auf einer Insel zu stranden, doch auch hier meint es das Schicksal nicht allzu gut mit ihnen. Die Gelbsucht rafft bis auf den Magister, Vitus und Enano alle Überlebenden auf dem Boot dahin. Doch bald ist Rettung in Sicht. Das Boot wird an Land gespült und ein alter Mann namens Haffissis rettet die Freunde vor dem Verhungern und peppelt sie wieder hoch. Haffissis ist Schmied und stellt für einen ihm unbekannten Rebellenstamm Schwerter und Waffen her, die diese wiederum gegen die spanischen Ausbeuter einsetzen.
Hier kommen erste Erinnerungen an den Prolog hoch. Was war da noch mal? Indianer haben die Tabakplantage überfallen? Was wurde aus den erwähnten Sklaven? Und wieso wurde Okumba mit seiner Schwester so oft erwähnt?


=== „Vitus in ihre Kammer zu folgen,...“ ===

Der Leser wird zwischendrin immer wieder auf eine cubanische Insel namens Habana geführt, wo ein armer Schiffsbauer eine junge, vermummte junge Frau entdeckt, die er zu sich mit nach Hause nimmt. Die Frau ist so verängstigt, dass sie nicht redet und ihren schwarzen Umhang niemals abnimmt. Mit seiner Frau möchte der Mann seit Jahren ein Kind zeugen, was allerdings nie klappt. Der Frau sind alle Möglichkeiten gegeben, doch sie versucht in ihrer Not Rat von einer Wahrsagerin einzuholen....

Vitus und seine Freunde machen sich wieder auf den Weg. Sie möchten auf die Nachbarinsel Habana, wo sie auf ein Schiff anheuern wollen, um weiter auf die Arlette – Insel zu gelangen. Sie geraten in die Hände von Rebellen. Bald schon stellt sich heraus, dass die Rebellen einen Anführer namens Okumba ist (wo haben wir den Namen schon mal gehört?). Vitus kann ihnen klarmachen, dass sie zwar spanischen Ursprungs sind, aber mit den gehassten Sklavenhaltern nichts am Hut haben. Dank der mitgegebenen Waffen lassen sich die Rebellen von der Wahrheit überzeugen und lassen die Freunde frei. Zuvor erfährt Vitus von Okumba, als Sklave auf der Insel des Cousins von Arlette war. Sie war ebenfalls dort und hat ihn und seine Schwester retten können. Doch man hat sich in Habana aus den Augen verloren. Vitus weiß nun, dass seine Arlette in Habana ist!
Auf Habana angekommen lernen sie den französischstämmigen Achilles kennen, der in der Stadt eine Art Museum führt. Als Nebenjob ist er als Wahrsagerin unterwegs. Und wieder ergeben sich Zusammenhänge! Und wie es der Zufall so will, hat Achille eine neue Haushälterin. Jung, schweigsam und ewig vermummt! Das Mädchen wurde von einem Schiffsbauer bei ihm abgegeben. Sie „überredet“ Vitus in ihre Kammer zu folgen, worauf beiden ein Sexerlebnis haben.

Doch Vitus, der immer noch nach seiner Arlette hechelt, hat nun Gewissensbisse und macht sich mit seinen Freunden auf den Weiterweg. Er hat Arlette nicht finden können. Sie heuern auf einem Kriegsschiff an, dass sie auf die erhoffte Insel chauffieren soll. Dort angelangt können sie Arlette nicht mehr finden. Doch sie entdecken eine neue Plantage, die von Sklaven bearbeitet wird. Ein bekanntes Gesicht erscheint im Führerhaus: John Cutter, der Pirat, der für die leidensvolle Fahrt auf See zuständig war. Vitus fordert ihn zum Kampf, kann das Match leider nicht gewinnen, da Cutter flieht. Vitus nimmt die Verfolgung auf und befindet sich bald mit seinen Freunden auf der geheimen Insel, an der die Piraten ihr Schiff erneuern. Vitus Plan, sich auf das Schiff zu schleichen und nochmals gegen Cutter zu kämpfen scheitert. Man wird entdeckt und eingekerkert.

Leseprobe II:

„Eine Ratte huschte heran, erhob ihre Hinterbeine und nahm Witterung auf. Es roch anders in ihrer Umgebung, nicht nur nach Holz, Schimmel, Teer und Fäulnis wie gewöhnlich, sondern – nach Mensch. Sie fiel auf ihre vier Beine zurück, huschte weiter, lugte um eine Ecke und sah, dass sie ihr Geruchssinn nicht betrogen hatte. Zwei Menschen lagen da.
Vorsichtig trippelte sie voran, beschnupperte die Gesichter, die Kleider, das Schuhwerk, kletterte dann auf den einen Leib des einen Menschen, verhielt sich dort kurz, sicherte erneut und kroch dann rasch in eine Falte des Hemdes, in der sich ein kleines Stück Hartbrot verfangen hatte. Possierlich nahm sie es mit ihren Vorderpfoten auf und begann daran zu nagen.
Doch kaum hatte sie mit der Nahrungsaufnahme begonnen, kam eine Hand und scheuchte sie auf. Erschreckt huschte sie davon, die Beute noch in ihrer spitzen Schnauze.
„Was war das?“, fragte der Magister. Er rieb sich die Augen und stellte fest, dass er nichts sehen konnte. Was, wie er weiterhin bemerkte, nicht daran lag, dass seine Berylle fort waren, sondern daran, dass seine Umgebung so dunkel war. Außerdem brummte ihm gehörig der Schädel.
„Beim Blute Christi!“, stöhnte er. Langsam kam ihm die Erinnerung wieder. Jawy! Der Hundsfort hatte Vitus und ihn niedergeschlagen! Seine Hand tastete zur Seite und erfühlte Stoff. „Vitus? Vitus, bist du das?“ Es raschelte. Dann hörte der kleine Gelehrte ein Stöhnen :
„Oh, Allmächtiger! Wo bin ich?“
„Deo gratias! Du lebst! Wo wir sind, weiß ich auch nicht genau, altes Unkraut, aber den Geräuschen nach zu urteilen ganz unten im Leib der « Tourment » und…“, der Magister unterbrach sich, „Pest und Aussatz! Man hat uns hinter Gitter gesperrt! Ich fühle runde Eisenstäbe ... stabile Eisenstäbe. Wird nicht leicht sein, von hier zu flüchten.“
„Ich muss erst einmal zu mir kommen.“ Vorsichtig richtete Vitus sich auf, was Wellen von Schmerzen in seinem Kopf auflöste. Er betastete die Stelle und erfühlte eine gewaltige Beule. Nur langsam gewöhnten sich seine Augen an das schwache Licht. Sie befanden sich in einer Art Kammer, die zu Zeiten als die „Tourment“ noch „Vigilance“ geheißen hatte, als Arrestzelle gedient haben mochte. Die Grundfläche maß höchstens zwei mal zwei Schritte im Geviert, der Boden war schmutzig und glitschig. Vitus zog die Nase hoch. Es stank Ekel erregend. Seine Augen bemerkten huschende Gestalten auf dem Gang vor der Zelle. „Jetzt weiß ich auch, was hier so stinkt“, sagte er. „Es ist Rattenkot.“

Die Piraten geraten auf hoher See in ein schweres Gefecht, was dieses Mal nicht gut ausgeht, denn das gegnerische Kriegsschiff ist der „Tourment“ überlegen. Das Piratenschiff ist verloren. Vitus und seine Freunde werden befreit und können es kaum glauben, welche Mannschaft ihr Erretter ist: Die des Kapitän Taggart! Mit ihm segeln sie zurück nach Habana, wo sie nun endgültig auf Arlette stoßen! Vitus hat sein Ziel erreicht und kann seine Liebste in die Arme schließen! Kapitän Taggart schifft sie zurück nach England, wo sie sich wieder ins Schloss begeben. Doch das Glück ist ihnen nicht hold, denn zwei schwierige Aufgaben ergeben sich: Zum einen erkrankt Arlette an der Pest und zum Zweiten wird Vitus das Erbe streitig gemacht...


=== „Fazit“ ===

Puh, was für ein Buch! Und wieder einmal wird auf den dritten Teil angespielt, in dem Vitus dafür Sorge tragen muss, dass das Erbe der Collincourts tatsächlich ihm zugesprochen werden muss!

„Der Chirurg von Campodios“ ist ein Buch, was sich auf den ersten Teil „Der Wanderchirurg“ beruht. Ohne den ersten Part gelesen zu haben, gelingt es nur schwer, sich dem Geschehen zu nähern und Zusammenhänge zu begreifen.
Auch wenn es Wolf Serno mit diesem Roman nicht wirklich geschafft hat an dem ersten Teil in Spannung und Dramatik anzuknüpfen ist das Buch absolut lesenswert! Im Vorgängerbuch gab es zwar unzählige Ungereimtheiten, die im zweiten Part nicht ganz so doll aufwarten, dennoch ist „Der Chirurg von Campodius“ vorhersehbar. Es gibt kleine Rätsel, die Serno an den Leser stellt, doch kann wer eins und eins zusammenzählen kann, findet schnell des Rätsels Lösung, was nicht unbedingt zur Spannung beiträgt. Serno lässt die (im Teil eins bekannten) „Lateinschulungen“ ziemlich ins Geringe verlaufen. Lediglich Vitus lässt sich zum Lateinischen hinreißen, was mich doch faszinierte.
Gewohnt auch die Teilüberschriften, in denen die verschiedenen Charaktere erwähnt und besonders beschrieben werden. Es hilft, genauer in die beschriebenen Personen zu schauen und sie als Außenstehender kennen zulernen.

Zufälle gab es natürlich auch. So kommt Kapitän Taggart dieses Mal ungeheuerlich oft als rettende Hand vor. Wow, wenn die Menschen damals soviel Sott gehabt haben, wie es Vitus von Campodius hatte, dann hätten die Piraten kaum eine Chance.
Serno schafft es wieder, dass sich die unterschiedlichen Ländereine ohne sprachliche Barrieren verstehen können. Selbst die Sklaven sprechen später eine klare Sprache. Zufall? Oder dennoch eine super gute Schule genossen, aber in dieser Zeit???

Trotzdem, Serno beschreibt mal wieder perfekt die Situationen, in die sich die Hauptpersonen befinden. Der Leser ist direkt am Ball und steht theoretisch neben dem Geschehen. Jede Gegend, jedes Gefährt, jede Person wird genaustens beschrieben. Ohne spätere Langeweile zu bekommen. Die aus dem ersten Teil gewohnte leicht verständliche Schreibweise ist auch hier wieder vorhanden. Die gesprochenen Sätze sind pflegeleicht eingedeutscht, der Satzbau einfach und verständlich.



© knopfi.de 08

89 Bewertungen, 38 Kommentare

  • misscindy

    23.03.2009, 23:24 Uhr von misscindy
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein sehr schöner Bericht, lg Sylvia

  • paula2

    05.02.2009, 19:47 Uhr von paula2
    Bewertung: sehr hilfreich

    liebe Grüße

  • tk7722

    01.01.2009, 13:29 Uhr von tk7722
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ein frohes Neues Jahr 2009!

  • panico

    30.12.2008, 23:10 Uhr von panico
    Bewertung: sehr hilfreich

    Dir wünsche ich einen fantastischen Rutsch ins Neue :- Allerliebste Grüße von panico:-

  • racheane

    30.12.2008, 14:59 Uhr von racheane
    Bewertung: sehr hilfreich

    Ich wünsche einen guten Rutsch ins Jahr 2009, Lg. Anne

  • blackangel63

    03.09.2008, 02:10 Uhr von blackangel63
    Bewertung: sehr hilfreich

    GuTe N8 uNd LiEbE GrUeSsE

  • Baby1

    09.08.2008, 08:49 Uhr von Baby1
    Bewertung: sehr hilfreich

    .•:*¨ ¨*:•. Liebe Grüße Anita .•:*¨ ¨*:•.

  • Puenktchen3844

    06.08.2008, 00:39 Uhr von Puenktchen3844
    Bewertung: besonders wertvoll

    Guter Bericht. LG***********

  • l.x.klar@gmx.net

    15.07.2008, 14:31 Uhr von [email protected]
    Bewertung: sehr hilfreich

    Gruss

  • sandieheinrich

    14.07.2008, 07:00 Uhr von sandieheinrich
    Bewertung: sehr hilfreich

    Grüßle aus Bärlin !

  • anonym

    10.07.2008, 00:22 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    toller Bericht! Gruss

  • StarDustGirl24

    22.06.2008, 21:18 Uhr von StarDustGirl24
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße vom StarDustGirl!

  • Striker1981

    12.06.2008, 00:51 Uhr von Striker1981
    Bewertung: besonders wertvoll

    BH und Liebe Grüße vom STRIKER`

  • Iris1979

    08.06.2008, 15:36 Uhr von Iris1979
    Bewertung: besonders wertvoll

    Super Bericht. LG aus Wien Iris

  • Turbotisl1

    04.06.2008, 09:57 Uhr von Turbotisl1
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr guter Bericht und liebe Grüsse !!!!!

  • Music-King

    22.05.2008, 19:28 Uhr von Music-King
    Bewertung: sehr hilfreich

    Diese Ausführlichkeit verdient einfach ein BW. Lieben Gruß, Roland

  • Lici17

    21.05.2008, 12:23 Uhr von Lici17
    Bewertung: sehr hilfreich

    leider hab ich kein bw mehr frei, also gibt "nur" ein sh

  • anonym

    21.05.2008, 11:08 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    Hilfe hab kein BW mehr .Bekommst aber ein ganz dickes SH von mir .lg pidi

  • Mondlicht1957

    21.05.2008, 00:05 Uhr von Mondlicht1957
    Bewertung: besonders wertvoll

    Super geschrieben, Liebe Grüsse

  • Mundi

    19.05.2008, 21:06 Uhr von Mundi
    Bewertung: besonders wertvoll

    Herzlichen Dank auch für die tolle Bewertung meines Rhodos-Berichtes. lg Mundi

  • sweetsixty

    18.05.2008, 21:53 Uhr von sweetsixty
    Bewertung: sehr hilfreich

    Lieben Gruß von Martina

  • try_or_die87

    17.05.2008, 17:41 Uhr von try_or_die87
    Bewertung: besonders wertvoll

    Liebe Grüße aus Regensburg

  • Michaela2015

    15.05.2008, 22:50 Uhr von Michaela2015
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreich Liebe Grüsse, Michi

  • bambie34

    14.05.2008, 09:48 Uhr von bambie34
    Bewertung: sehr hilfreich

    sehr hilfreich,lg Tanja

  • Jerry525

    13.05.2008, 02:00 Uhr von Jerry525
    Bewertung: sehr hilfreich

    Schönen Abend lg Jerry

  • Bigfatalex

    13.05.2008, 00:02 Uhr von Bigfatalex
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Marc ;-)

  • frankensteins

    12.05.2008, 23:59 Uhr von frankensteins
    Bewertung: sehr hilfreich

    super geschrieben, da kann es nur bw geben, dass ich aber jetzt nicht mehr habe, also kröne ich dich lg werner

  • jacki0987

    12.05.2008, 23:29 Uhr von jacki0987
    Bewertung: sehr hilfreich

    Liebe Grüße wünscht Jacqueline

  • Zzaldo

    12.05.2008, 23:23 Uhr von Zzaldo
    Bewertung: sehr hilfreich

    ein klasse Bericht von dir. LG Stephan

  • trullilu

    12.05.2008, 22:38 Uhr von trullilu
    Bewertung: besonders wertvoll

    sehr schöner Bericht . LG

  • 00flintstone

    12.05.2008, 22:35 Uhr von 00flintstone
    Bewertung: besonders wertvoll

    super ausführlich, hat viel Mühe gekostet, schön beschrieben....LG00Flint, freue mich über Gegenlesung!

  • anonym

    12.05.2008, 22:31 Uhr von anonym
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich wünsche dir einen schönen tag

  • morla

    12.05.2008, 21:57 Uhr von morla
    Bewertung: sehr hilfreich

    ich wünsche dir einen schönen sonnigen pfingstmontag. lg. petra

  • bigmama

    12.05.2008, 21:49 Uhr von bigmama
    Bewertung: sehr hilfreich

    LG Anett und einen schönen Abend

  • Clarinetta2

    12.05.2008, 21:04 Uhr von Clarinetta2
    Bewertung: sehr hilfreich

    von dme buch habe ich schon viel gehört, war mir allerdings nicht klar das das erste buch dazu gehört, klasse bericht

  • Tutule

    12.05.2008, 21:02 Uhr von Tutule
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr schöner Bericht! LG

  • LaDyH

    12.05.2008, 20:59 Uhr von LaDyH
    Bewertung: sehr hilfreich

    Sehr hilfreicher Bericht.

  • syl_md

    12.05.2008, 20:58 Uhr von syl_md
    Bewertung: sehr hilfreich

    sh, würde mich über eine Gegenlesung sehr freuen. Gruß Syl